Großer KatechismusLCAbschnitt

Von der Taufe

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Concordia Triglotta

Wir haben nun ausgerichtet die drei Hauptstücke der gemeinen christliche Lehre. Über dieselbe [ausser diesen] ist noch zu sagen von unsern zwei Sakramenten, von Christo eingesetzt, davon auch ein jeglicher Christ zum wenigsten einen gemeinen kurzen Unterricht haben soll, weil ohne dieselben kein Christ sein kann, obwohl man leider bisher nichts davon gelehrt hat.

Zum ersten aber nehmen wir vor uns die Taufe, dadurch wir erstlich in die Christenheit genommen werden. Dass man’s aber wohl fassen könne, wollen wir’s ordentlich handeln und allein dabei bleiben, was uns nötig ist zu wissen. Denn wie man’s erhalten und verfechten müsse wider die Ketzer und Rotten, wollen wir den Gelehrten befehlen.

Aufs erste muss man vor allen Dingen die Worte wohl wissen, darauf die Taufe gegründet ist, und dahin alles geht, was davon zu sagen ist, nämlich da der Her Christus spricht Matthäi am letzten:

Gehet hin in alle Welt, lehret alle Heiden und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Ferner: Marci am letzten Kapitel: Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig. Wer aber nicht glaubet, der wird verdammt.

In diesen Worten sollst du zum ersten merken, dass hier steht Gottes Gebot und Einsetzung, dass man nicht zweifle, die Taufe sei ein göttlich Ding, nicht von Menschen erdacht noch erfunden. Denn so wohl als ich sagen kann: die zehn Gebote, Glauben und Vaterunser hat kein Mensch aus seinem Kopf gesponnen, sondern sind von Gott selbst offenbart und gegeben, so kann ich auch rühmen, dass die Taufe kein Menschentand sei, sondern von Gott selbst eingesetzt, dazu ernstlich und streng geboten, dass wir uns müssen taufen lassen, oder sollen nicht selig werden, dass man nicht denke, es sei so leichtfertig [gleichgültig] Ding, als einen neün roten Rock anziehen.

Denn da liegt die höchste Macht an, dass man die Taufe trefflich, herrlich und hoch halte, darüber wir allermeist streiten und fechten, weil die Welt jetzt so voll Rotten ist, die da schreien, die Taufe sei ein äusserlich Ding, äusserlich Ding aber sei kein nütze.

Aber lass äusserlich Ding sein, als es immer kann; da steht aber Gottes Wort und Gebot, so die Taufe einsetzt, gründet und bestätigt. Was aber Gott einsetzt und gebeut [gebietet], muss nicht vergeblich, sondern eitel köstlich Ding sein, wenn es auch dem Ansehen nach geringer denn ein Strohhalm wäre.

Hat man bisher können grossachten, wenn der Papst mit seinen Briefen und Bullen Ablass austeilte, Altar oder Kirchen bestätigte, allein um der Briefe und Siegel willen, so sollen wir die Taufe viel höher und köstlicher halten, weil es Gott befohlen hat, dazu in seinem Namen geschieht; denn also lauten die Worte: “Gehet hin, taufet”, aber nicht in eurem, sondern in Gottes Namen.

Denn “in Gottes Namen getauft werden” ist nicht von Menschen, sondern von Gott selbst getauft werden. Darum ob es gleich durch des Menschen Hand geschieht, so ist es doch wahrhaftig Gottes eigen Werk, daraus ein jeglicher selbst wohl schliessen kann, dass es viel höher ist denn kein Werk, von einem Menschen oder Heiligen getan. Denn was kann man für Werke grösser machen denn Gottes Werk?

Aber hier hat der Teufel zu schaffen, dass er uns mit falschem Schein blende und von Gottes Werk auf unser Werk führe. Denn das hat viel einen köstlicheren Schein, dass ein Kartäuser viel schwere grosse Werke tut, und halten alle viel mehr von dem, das wir selbst tun und verdienen.

Aber die Schrift lehrt also: wenn man gleich aller Mönche Werke auf einen Haufen schlüge, wie köstlich sie gleissen mögen, so wären sie doch nicht so edel und gut, als wenn Gott einen Strohhalm aufhübe. Warum? Darum, dass die Person edler und besser ist. Nun muss man hier nicht die Person nach den Werken, sondern die Werke nach der Person achten, von welcher sie ihren Adel nehmen müssen.

Aber das will die tolle Vernunft nicht achten, und weil es nicht gleisst wie die Werke, so wir tun, so soll es nicht gelten.

Aus diesem lerne nun einen richtigen Verstand fassen und antworten auf die Frage, was die Taufe sei, nämlich also, dass sie nicht ein bloss, schlecht Wasser ist, sondern ein Wasser in Gottes Wort und Gebot gefasst und dadurch geheiligt, dass [sie] nichts anderes ist denn ein Gotteswasser; nicht dass das Wasser an ihm selbst edler sei denn andere Wasser, sondern dass Gottes Wort und Gebot dazukommt.

Darum ist’s ein lauter Bubenstück und des Teufels Gespött, dass jetzt unsere neün Geister, die Taufe zu lästern, Gottes Wort und Ordnung davonlassen und nicht anders ansehen denn das Wasser, das man aus dem Brunnen schöpft, und danach dahergeifern: Was sollte eine Hand voll Wassers der Seele helfen?

Ja, Lieber, wer weiss das nicht, dass Wasser Wasser ist, wenn es Voneinandertrennens soll gelten? Wie darfst du aber so in Gottes Ordnung greifen und das beste Kleinod davonreissen, damit es Gott verbunden und eingefasst hat und nicht will getrennt haben? Denn das ist der Kern in dem Wasser, Gottes Wort oder Gebot und Gottes Name, welcher Schatz grösser und edler ist denn Himmel und Erde.

Also fasse nun den Unterschied, dass viel ein ander Ding ist Taufe denn alle andern Wasser: nicht des natürlichen Wesens halben, sondern dass hier etwas Edleres dazukommt; denn Gott selbst seine Ehre hinansetzt, seine Kraft und Macht daran legt. Darum ist es nicht allein ein natürlich Wasser, sondern ein göttlich, himmlisch, heilig und selig Wasser, und wie man’s mehr loben kann, alles um des Worts willen, welches ist ein himmlisch, heilig Wort, das niemand genug preisen kann; denn es hat und vermag alles, was Gottes ist.

Daher hat es auch sein Wesen, dass es ein Sakrament heisst, wie auch St. Augustinus gelehrt hat: Accedat verbum ad elementum et fit sacramentum; das ist, wenn das Wort zum Element oder natürlichen Wesen kommt, so wird ein Sakrament daraus, das ist, ein heilig göttlich Ding und Zeichen.

Darum lehren wir allezeit, man solle die Sakramente und alle äusserlichen Dinge, so Gott ordnet und einsetzt, nicht ansehen nach der groben äusserlichen Larve, wie man die Schalen von der Nuss sieht, sondern wie Gottes Wort darein geschlossen ist.

Denn also reden wir auch vom Vater= und Mutterstand und weltlicher Obrigkeit. Wenn man die will ansehen, wie sie Nasen, Augen, Haut und Haar, Fleisch und Bein haben so sehen sie Türken und Heiden gleich, und möchte auch jemand zufahren und sprechen: Warum sollte ich mehr von diesen halten denn von ander? Weil aber das Gebot dazukommt: “Du sollst Vater und Mutter ehren”, so sehe ich einen andern Mann geschmückt und angezogen mit der Majestät und Herrlichkeit Gottes. Das Gebot (sage ich) ist die güldene Kette, so er am Hals trägt, ja die Krone auf seinem Haupt, die mir anzeigt, wie und warum man dies Fleisch und Blut ehren soll.

Also und viel mehr sollst du die Taufe ehren und herrlich halten um des Worts willen als die er selbst beide mit Worten und Werken geehrt hat, dazu mit Wundern vom Himmel bestätigt. Denn meinst du, dass ein Scherz war, da sich Christus taufen liess, der Himmel sich auftat, der Heilige Geist sichtiglich herabfuhr und war eitel göttliche Herrlichkeit und Majestät?

Derhalben vermahne ich abermal dass man beileibe die zwei, Wort und Wasser, nicht voneinander scheiden und trennen lasse. Denn wo man das Wort davon sondert, so ist’s nicht ander Wasser, denn damit die Magd kocht, und mag wohl eine Badertaufe heissen; aber wenn es dabei ist, wie es Gott geordnet hat, so ist’s ein Sakrament und heisst Christus’ Taufe. Das sei das erste Stück von dem Wesen und Würde des heiligen Sakraments.

Aufs andere, weil wir nun wissen, was die Taufe ist und wie sie zu halten sei, müssen wir auch lernen, warum und wozu sie eingesetzt sei, das ist, was sie nütze, gebe und schaffe. Solches kann man auch nicht besser denn aus den Worten Christi, oben angezogen, fassen, nämlich: “Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig.”

Darum fasse es aufs allereinfältigste also, dass dies der Taufe Kraft, Werk, Nutz, Frucht und Ende ist, dass sie selig mache. Denn man tauft niemand darum, dass er ein Fürst werde, sondern, wie die Worte lauten, dass er selig werde.

Selig werden aber weiss man wohl, dass [es] nichts anderes heisse, denn von Sünden, Tod, Teufel erlöst, in Christus’ Reich kommen und mit ihm ewig leben.

Da siehst du abermal, wie teür und wert die Taufe zu halten sei, weil wir solchen unausprechlichen Schatz darin erlangen, welches auch wohl anzeigt, dass [sie] nicht kann ein schlecht lauter Wasser sein. Denn lauter Wasser könnte solches nicht tun; aber das Wort tut’s, und dass (wie oben gesagt) Gottes Name darin ist.

Wo aber Gottes Name ist, da muss auch Leben und Seligkeit sein, dass es wohl ein göttlich, selig, fruchtbarlich und gnadenreich Wasser heisst; denn durchs Wort kriegt sie die Kraft, dass sie ein Bad der Wiedergeburt ist, wie sie auch St. Paulus nennt an Titum 3.

Dass aber unsere Klüglinge, die neün Geister, vorgeben: der Glaube macht allein selig, die Werke aber und äusserliche Dinge tun nichts dazu, antworten wir, dass [es] freilich nichts in uns tut denn der Glaube, wie wir noch weiter hören werden.

Das wollen aber die blinden Leiter nicht sehen, dass der Glaube etwas haben muss, das er glaube, das ist, daran er sich halte und darauf er stehe und fusse. Also hängt nun der Glaube am Wasser und glaubt, dass [es] die Taufe sei, darin eitel Seligkeit und Leben ist, nicht durchs Wasser (wie genug gesagt), sondern dadurch, dass [es] mit Gottes Wort und Ordnung verleibt [verbunden] ist und sein Name darin klebt. Wenn ich nun solches glaube, was glaube ich anders denn an Gott, als an den, der sein Wort darein gegeben und gepflanzt hat und uns dies äusserlich Ding vorschlägt [vorlegt], darin wir solchen Schatz ergreifen könnten?

Nun sind sie so toll, dass sie voneinander scheiden den Glauben und das Ding, daran der Glaube haftet und gebunden ist, ob es gleich äusserlich ist. Ja, es soll und muss äusserlich sein, dass man’s mit Sinnen fassen und begreifen [betasten] und dadurch ins Herz bringen könne, wie denn das ganze Evangelium eine äusserliche mündliche Predigt ist. Summa, was Gott in uns tut und wirkt, will er durch solche äusserliche Ordnung wirken. Wo er nun redet, ja wohin oder wodurch er redet, da soll der Glaube hinsehen und sich daran halten.

Nun haben wir hier die Worte: “Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig.” Worauf sind sie geredet anders denn auf die Taufe, das ist, das Wasser, in Gottes Ordnung gefasst? Darum folgt, dass, wer die Taufe verwirft, der verwirft Gottes Wort, den Glauben und Christum, der uns dahin weist und an die Taufe bindet.

Aufs dritte, weil wir den grossen Nutzen und Kraft der Taufe haben, so lass nun weiter sehen, wer die Person sei, die solches empfange, was die Taufe gibt und nützt.

Das ist abermal aufs feinste und klärlichste ausgedrückt eben mit den Worten: “Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig.” Das ist, der Glaube macht die Person allein würdig, das heilsame, göttliche Wasser nützlich zu empfangen. Denn weil solches hier in den Worten bei und mit dem Wasser vorgetragen und verheissen wird, kann es nicht anders empfangen werden, denn dass wir solches von Herzen glauben.

Ohne Glauben ist es nichts nütz, ob es gleich an ihm selbst ein göttlicher, überschwenglicher Schatz ist. Darum vermag das einige Wort (“wer da glaubet”) so viel, dass es ausschleusst [ausschliesst] und zurücktreibt alle Werke, die wir tun können der Meinung, als dadurch Seligkeit zu erlangen und verdienen. Denn es ist beschlossen, was nicht Glaube ist, das tut nichts dazu, empfängt auch nichts.

Sprechen sie aber, wie sie pflegen: Ist doch die Taufe auch selbst ein Werk; so sagst du, die Werke gelten nichts zur Seligkeit, wo bleibt denn der Glaube? Antwort: Ja, unsere Werke tun freilich nichts zur Seligkeit, die Taufe aber ist nicht unser, sondern Gottes Werk (denn du wirst, wie gesagt, Christus’ Taufe gar weit müssen scheiden von der Badertaufe); Gottes Werke aber sind heilsam und not zur Seligkeit und schliessen nicht aus, sondern fordern den Glauben; denn ohne Glauben könnte man sie nicht fassen.

Denn damit, dass du lässt das Wasser über dich giessen, hast du die Taufe noch nicht also empfangen, dass sie dir etwas nütze; aber davon wird sie dir nütze, wenn du dich der Meinung lässt taufen, als aus Gottes Befehl und Ordnung, dazu in Gottes Namen, auf dass du in dem Wasser die verheissene Seligkeit empfangest. Nun kann solches die Faust noch der Leib nicht tun, sondern das Herz muss es glauben.

Also siehst du klar, dass da kein Werk ist, von uns getan, sondern ein Schatz, den er uns gibt und der Glaube ergreift: so wohl als der Her Christus am Kreuz nicht ein Werk ist, sondern ein Schatz, im Wort gefasst und uns vorgetragen und durch den Glauben empfangen. Darum tun sie uns Gewalt, dass sie wider uns schreien, als predigten wir wider den Glauben, so wir doch allein darauf treiben, als der so nötig dazu ist, dass ohne ihn [der Nutzen der Taufe] nicht empfangen noch genossen mag werden.

Also haben wir die drei Stücke, so man von diesem Sakrament wissen muss, besonders dass Gottes Ordnung ist in allen Ehren zu halten, welches allein genug wäre, ob es gleich ganz ein äusserlich Ding ist wie das Gebot: “Du sollst Vater und Mutter ehren”, allein auf ein leiblich Fleisch und Blut gestellt, da man nicht das Fleisch und Blut, sondern Gottes Gebot ansieht, darin es gefasst ist und um welches willen das Fleisch Vater und Mutter heisst: also auch, wenn wir gleich nicht mehr hätten denn diese Worte: “Gehet hin und taufet” usw., müssten wir’s dennoch als Gottes Ordnung annehmen und tun. Nun ist nicht allein das Gebot und Befehl da, sondern auch die Verheissung.

Darum ist es noch viel herrlicher, denn was Gott sonst geboten und geordnet hat; Summa, so voll Trosts und Gnade, dass [es] Himmel und Erde nicht kann begreifen.

Aber da gehört Kunst zu, dass man solches glaube; denn es mangelt nicht am Schatz, aber da mangelt’s an, dass man ihn fasse und festhalte.

Darum hat ein jeglicher Christ sein Leben lang genug zu lernen und zu üben an der Taufe; denn er hat immerdar zu schaffen, dass er festiglich glaube, was sie zusagt und bringt: Überwindung des Teufels und Todes, Vergebung der Sünden, Gottes Gnade, den ganzen Christum und Heiligen Geist mit seinen Gaben.

Summa, es ist so überschwenglich, dass, wenn’s die blöde Natur könnte bedenken, sollte sie wohl zweifeln, ob es könnte wahr sein.

Denn rechne du: Wenn etwo [irgendwo] ein Arzt wäre, der die Kunst könnte, dass die Leute nicht stürben oder, ob sie gleich stürben, doch bald wieder lebend würden und danach ewig lebten, wie würde die Welt mit Geld zuschneien und regnen, dass vor den Reichen niemand könnte zukommen [herankommen]! Nun wird hier in der Taufe jedermann umsonst vor die Tür gebracht ein solcher Schatz und Arznei, die den Tod verschlingt und alle Menschen beim Leben erhält.

Also muss man die Taufe ansehen und uns nütze [zunutze] machen, dass wir uns des stärken und trösten, wenn uns unsere Sünde und Gewissen beschwert, und sagen: Ich bin dennoch getauft; bin ich aber getauft, so ist mir zugesagt, ich solle selig sein und das ewige Leben haben beide an Seele und Leib.

Denn darum geschieht solches beides in der Taufe, dass der Leib begossen wird, welcher nicht mehr fassen kann denn das Wasser, und dazu das Wort gesprochen wird, dass [es] die Seele auch könne fassen.

Weil nun beide Wasser und Wort eine Taufe ist, so muss auch beide Leib und Seele selig werden und ewig leben: die Seele durchs Wort, daran sie glaubt, der Leib aber, weil er mit der Seele vereinigt ist und die Taufe auch ergreift, wie er’s ergreifen kann. Darum haben wir unserm Leib und Seele kein grösser Kleinod; denn dadurch werden wir gar heilig und selig, welches sonst kein Leben, kein Werk auf Erden erlangen kann.Das sei nun genug gesagt von dem Wesen, Nutz und [Ge]Brauch der Taufe, soviel hierher dient.