Großer KatechismusLCAbschnitt

Das sechste Gebot

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Concordia Triglotta

Du sollst nicht ehebrechen.

Diese Gebote sind nun an ihnen selbst leicht zu verstehen aus dem nächsten [vorhergehenden]; denn sie gehen alle dahin, dass man sich hüte vor allerlei Schaden des Nächsten. Sind aber fein ordentlich gestellt. Zum ersten auf seine eigene Person. Danach fortgefahren auf die nächste Person oder das nächste Gut nach seinem Leibe, nämlich sein ehelich Gemahl, welches mit ihm ein Fleisch und Blut ist, also dass man ihm an keinem Gut höher Schaden tun kann. Darum auch deutlich hier ausgedrückt wird, dass man ihm keine Schande zufügen soll an seinem Eheweibe.

Und lautet eigentlich auf den Ehebruch, darum dass im jüdischen Volk so geordnet und geboten war, dass jedermann musste ehelich erfunden werden. Darum auch die Jugend aufs zeitlichste beraten [in die Ehe gebracht] ward, also dass Jungfraünstand nichts galt, auch kein öffentlich Huren= und Bubenleben (wie jetzt) gestattet ward; darum ist der Ehebruch die gemeinste Unkeuschheit bei ihnen gewesen.

Weil aber bei uns ein solch schändlich Gemeng und Grundsuppe aller Untugend und Büberei ist, ist dies Gebot auch wider allerlei Unkeuschheit gestellt, wie man sie nennen mag,

und nicht allein äusserlich die Tat verboten, sondern auch allerlei Ursache, Reizung und Mittel, also dass Herz, Mund und der ganze Leib keusch sei, keinen Raum, Hilfe noch Rat zur Unkeuschheit gebe,

und nicht allein das, sondern auch wehre, schütze und rette, wo die [Ge]Fahr und Not ist, und wiederum helfe und rate, dass sein Nächster bei Ehren bleibe. Denn wo du solches nachlässest, so du könntest dafür sein [es verhindern], oder durch die Finger siehst, als ginge dich’s nicht an, bist du ebensowohl schuldig als der Täter selbst.

Also ist, aufs kürzeste zu fassen, so viel gefordert, dass ein jeglicher beide für sich selbst keusch lebe und dem Nächsten auch dazu helfe, also dass Gott durch dies Gebot eines jeglichen ehelich Gemahl will umschränkt und bewahrt haben, dass sich niemand daran vergreife.

Weil aber dies Gebot so eben auf den Ehestand gerichtet ist und Ursache gibt, davon zu reden, sollst du wohl fassen und merken zum ersten, wie Gott diesen Stand so herrlich ehrt und preist damit, dass er ihn durch sein Gebot beide bestätigt und bewahrt. Bestätigt hat er ihn droben im vierten Gebot: “Du sollst Vater und Mutter ehren”; hier aber hat er ihn (wie gesagt) verwahrt und beschützt.

Darum will er ihn auch von uns geehrt und also gehalten und geführt haben als einen göttlichen, seligen Stand, weil er ihn erstlich vor allen andern eingesetzt hat und darum unterschiedlich Mann und Weib geschaffen (wie vor Augen), nicht zur Büberei, sondern dass sie sich zusammenhalten, fruchtbar seien, Kinder zeugen, nähren und aufziehen zu Gottes Ehren.

Darum ihn auch Gott vor allen Ständen aufs reichlichste gesegnet hat, dass dieser Stande je wohl und reichlich versorgt würde, also dass [es] kein Scherz noch Vorwitz [Neugier], sondern trefflich Ding und göttlicher Ernst ist um das eheliche Leben; denn es liegt ihm alle Macht daran, dass man Leute ziehe, die der Welt dienen und helfen zu Gottes Erkenntnis, seligem Leben und allen Tugenden, wider die Bosheit und den Teufel zu streiten.

Darum habe ich immerdar gelehrt, dass man diesen Stand nicht verachte noch schimpflich halte, wie die blinde Welt und unsere falschen Geistlichen tun, sondern nach Gottes Wort ansehe, damit er geschmückt und geheiligt ist, also dass er nicht allein andern Ständen gleich gesetzt ist, sondern vor und über sie alle geht, es seien Kaiser, Fürsten, Bischöfe, und wer sie wollen. Denn was beide geistliche und weltliche Stände sind, müssen sich demütigen und alle in diesem Stande finden lassen, wie wir hören werden.

Darum ist es nicht ein sonderlicher, sondern der gemeinste edelste Stand, so durch den ganzen Christenstand, ja durch alle Welt geht und reicht.

Zum andern sollst du auch wissen, dass [es] nicht allein ein ehrlicher, sondern auch ein nötiger Stand ist und ernstlich von Got geboten, dass sich ingemein hindurch alle Stände [durch alle Stände hin], Manns= und Weibsbilde, so dazu geschaffen sind, darin finden lassen, doch etliche (obwohl wenig) ausgenommen, welche Gott besonders ausgezogen [ausgenommen], dass sie zum ehelichen Stand nicht tüchtig sind, oder durch hohe übernatürliche Gabe befreit hat, dass sie ausser dem Stande Keuschheit halten können.

Denn wo die Natur geht, wie sie von Gott eingepflanzt ist, ist es nicht möglich, ausser der Ehe keusch zu bleiben; denn Fleisch und Blut bleibt Fleisch und Blut, und geht die natürliche Neigung und Reizung ungewehrt und unverhindert, wie jedermann sieht und fühlt. Derhalben, auf dass desto leichter wäre, Unkeuschheit etlichermassen zu meiden, hat auch Gott den Ehestand befohlen, dass ein jeglicher sein bescheiden [zugemessen] Teil habe und ihm daran genügen lasse, obwohl noch Gottes Gnade dazu gehört, dass das Herz auch keusch sei.

Daraus siehst du, wie unser päpstlicher Haufe, Pfaffen, Mönche, Nonnen wider Gottes Ordnung und Gebot streben, so den Ehestand verachten und verbieten und sich ewige Keuschheit zu halten vermessen und geloben, dazu die Einfältigen mit lügenhaftigen Worten und Schein betrügen.

Denn niemand so wenig Liebe und Lust zur Keuschheit hat, als eben die den Ehestand vor grosser Heiligkeit meiden und entweder öffentlich und unverschämt in Hurerei liegen oder [es] heimlich noch ärger treiben, dass man’s nicht sagen darf, wie man leider allzuviel erfahren hat.

Und kürzlich, ob sie gleich des Werks sich enthalten, so stecken sie doch im Herzen voll unkeuscher Gedanken und böser Lüste, dass da ein ewiges Brennen und heimliches Leiden ist, welches man im ehelichen Leben umgehen kann.

Darum ist durch dies Gebot aller Unehelichen Keuschheitsgelübde verdammt und Urlaub gegeben, ja auch geboten allen armen gefangenen Gewissen, so durch ihre Klostergelübde betrogen sind, dass sie aus dem unkeuschen Stand in eheliche Leben treten, angesehen, dass, ob sonst gleich das Klosterleben göttlich wäre, [es] doch nicht in ihrer Kraft steht, Keuschheit zu halten, und wo sie darin bleiben, nur mehr und weiter wider dies Gebot sündigen müssen.

Solches rede ich nun darum, dass man das junge Volk dazu halte, dass sie Lust zum Ehestand gewinnen und wissen, dass es ein seliger Stand und Gott gefällig ist. Denn damit könnte man’s mit der Zeit wiederum dahin bringen, dass er wieder zu seinen Ehren käme und des unflätigen, wüsten, unordigen [unordentlichen] Wesens weniger würde, so jetzt allenthalben in der Welt zu Zotten geht [wie verflochtenes Haar wirr durcheinander geht] mit öffentlicher Hurerei und andern schändlichen Lastern, so aus Verachtung des ehelichen Lebens gefolgt sind.

Darum sind hier die Eltern und Obrigkeit auch schuldig, auf die Jugend zu sehen, dass man sie zur Zucht und Ehrbarkeit aufziehe und, wenn sie erwachsen, mit Gott und Ehren berate [verheirate]; dazu würde er seinen Segen und Gnade geben, dass man Lust und Freude davon hätte.

Aus dem allem sei nun zu beschliessen gesagt, dass dies Gebot nicht allein fordert, dass jedermann mit Werken, Worten und Gedanken keusch lebe in seinem, das ist, allermeist im ehelichen Stande, sondern auch sein Gemahl, von Gott gegeben, lieb und wert halte. Denn wo eheliche Keuschheit soll gehalten werden, da müssen Mann und Weib vor allen Dingen in Liebe und Eintracht beieinander wohnen, dass eins das andere von Herzen und mit ganzer Treü meine. Denn das ist der vornehmsten Stücke eines, das Liebe und Lust zur Keuschheit macht, welches, wo es geht, wird auch Keuschheit wohl von ihr selbst folgen, ohne alles Gebieten;

deshalben auch St. Paulus so fleissig die Eheleute vermahnt, dass eins das andere liebe und ehre.

Da hast du nun abermal ein köstlich, ja viele und grosse gute Werke, welche du fröhlich rühmen kannst wider alle geistlichen Stände, ohne Gottes Wort und Gebot erwählt.