Großer KatechismusLCAbschnitt

Die siebente Bitte

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Concordia Triglotta

Sondern erlöse uns von dem Übel. Amen.

Im Griechischen lautet das Stücklein also: Erlöse oder behüte uns von dem Argen oder Boshaftigen, und sieht eben, als rede er vom Teufel, als wollte er alles auf einen Haufen fassen, dass die ganze Summa alles Gebets geht wider unsern Hauptfeind. Denn er ist der, so solches alles, was wir bitten, unter uns hindert, Gottes Namen oder Ehre, Gottes Reich und Willen, das tägliche Brot, fröhlich, gut Gewissen usw.

Darum schlagen wir solches endlich zusammen und sagen: Lieber Vater, hilf doch, dass wir des Unglücks alles los werden!

Aber nichtsdestoweniger ist auch mit eingeschlossen, was uns Böses widerfahren mag unter des Teufels Reich: Armut, Schande, Tod und kürzlich aller unseliger Jammer und Herzeleid, so auf Erden unzählig viel ist. Denn der Teufel, weil er nicht allein ein Lügner, sondern auch ein Totschläger ist, ohne Unterlass auch nach unserm Leben trachtet und sein Mütlein kühlt, wo er uns zu Unfall und Schaden am Leibe bringen kann. Daher kommt’s, dass er manchem den Hals bricht oder [ihn] von Sinnen bringt, etliche im Wasser ersäuft und viele dahin treibt, dass sie sich selbst umbringen, und zu viel andern schrecklichen Fällen.

Darum haben wir auf Erden nichts zu tun, denn ohne Unterlass wider diesen Hauptfeind zu bitten; denn wo uns Gott nicht erhielte, wären wir keine Stunde vor ihm sicher.

Daher siehst du abermal, wie Gott für alles, was uns auch leiblich anficht, will gebeten sein, dass man nirgend keine Hilfe denn bei ihm suche und gewarte.

Solches hat er aber zum letzten gestellt; Denn sollen wir von allem Übel behütet und los werden, muss zuvor sein Name in uns geheiligt [werden], sein Reich bei uns sein und sein Wille geschehen. Danach will er uns endlich vor Sünden und Schanden behüten, daneben von [vor] allem, was uns weh tut und schändlich ist.

Also hat uns Gott aufs kürzeste vorgelegt alle Not, die uns immer anliegen mag, dass wir je keine Entschuldigung haben [nicht] zu beten. Aber da liegt die Macht an, dass wir auch lernen “Amen” dazu sagen, das ist, nicht zweifeln, dass es gewisslich erhört sei und geschehen werde. Denn es ist nichts anderes denn eines ungezweifelten Glaubens Wort, der da nicht auf Ebenteür [auf gut Glück, aufs Geratewohl] betet, sondern weiss, dass ihm Gott nicht leugt [lügt], weil er’s verheissen hat zu geben.

Wo nun solcher Glaube nicht ist, da kann auch kein recht Gebet sein.

Darum ist’s ein schädlicher Wahn derer, die also beten, dass sie nicht dürfen von Herzen ja dazu sagen und gewisslich schliessen, dass Gott erhört, sondern bleiben in dem Zweifel und sagen: Wie sollte ich so kühn sein und rühmen, dass Gott mein Gebet erhöre? Bin ich doch ein armer Sünder usw.

Das macht, dass sie nicht auf Gottes Verheissung, sondern auf ihre Werke und eigene Würdigkeit sehen, damit sie Gott verachten und Lügen strafen; derhalben sie auch nichts empfangen,

wie St. Jakobus sagt: “Wer da betet, der bete im Glauben und zweifle nicht. Denn wer da zweifelt, ist gleich wie eine Woge des Meeres, so vom Winde getrieben und gewebt [bewegt] wird. Solcher Mensch denke nur nicht, dass er etwas von Gott empfangen werde.”

Siehe, so viel ist Gott daran gelegen, dass wir gewiss sollen sein, dass wir nicht umsonst bitten und in keinem Wege unser Gebet verachten.

Das vierte Teil.