Die dritte Bitte
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden.
Bisher haben wir gebeten, dass sein Name von uns geehrt werde und sein Reich unter uns gehe; in welchen zweien ganz begriffen ist, was Gottes Ehre und unsere Seligkeit belangt, dass wir Gott samt allen seinen Gütern zu eigen kriegen. Aber hier ist nun ja so grosse Not, dass wir solches festhalten und uns nicht lassen davonreissen.
Denn wie in einem guten Regiment nicht allein müssen sein, die da baün und wohl regieren, sondern auch die da wehren, schützen und fest darüber halten, als auch hier: wenn wir gleich für die höchste Not gebeten haben, um das Evangelium, Glauben und Heiligen Geist, dass er uns regiere, aus des Teufels Gewalt erlöse, so müssen wir auch bitten, dass er seinen Willen geschehen lasse. Denn es wird sich gar wunderlich anlassen, wenn wir dabei bleiben sollen, dass wir viel Anstösse und Püffe darüber müssen leiden von dem allem, so sich untersteht, die zwei vorigen Stücke zu hindern und zu wehren.
Denn niemand glaubt, wie sich der Teufel dawidersetzt und =sperrt, als der nicht leiden kann, dass jemand recht lehre oder glaube, und tut ihm über die Massen weh, dass er muss seine Lügen und Greül, unter dem schönsten Schein göttliches Namens geehrt, aufdecken lassen und mit allen Schanden stehen, dazu aus dem Herzen getrieben werden und einen solchen Riss in sein Reich lassen geschehen. Darum tobt und wütet er als ein zorniger Feind mit aller seiner Macht und Kraft, hängt an sich alles, was unter ihm ist; dazu nimmt er zu Hilfe die Welt und unser eigen Fleisch.
Denn unser Fleisch ist an ihm selbst faul und zum Bösen geneigt, ob wir gleich Gottes Wort angenommen haben und glauben. Die Welt aber ist arg und böse; da hetzt er an, bläst und schürt zu, dass er uns hindere, zurücktreibe, fälle und wieder unter seine Gewalt bringe.
Das ist all sein Wille, Sinn und Gedanken, danach er Tag und Nacht trachtet und keinen Augenblick feiert, braucht alle Künste, Tücke, Weise und Wege dazu, die er immer erdenken kann.
Darum müssen wir uns gewisslich des versehen und erwägen, so wir Christen sein wollen, dass wir den Teufel samt allen seinen Engeln und die Welt zu Feinden haben, die uns alles Unglück und Herzeleid anlegen. Denn wo Gottes Wort gepredigt, angenommen oder geglaubt wird und Frucht schafft, da soll das liebe heilige Kreuz auch nicht aussen bleiben. Und denke nur niemand, dass er Frieden haben werde, sondern hinansetzen müsse, was er auf Erden hat: Gut, Ehre, Haus und Hof, Weib und Kind, Leib und Leben.
Das tut nun unserm Fleisch und alten Adam weh; denn es heisst festhalten und mit Geduld leiden, wie man uns angreift, und fahren lassen, was man uns nimmt.
Darum ist je so grosse Not als in allen andern [Bitten], dass wir ohne Unterlass bitten: Lieber Vater, dein Wille geschehe, nicht des Teufels und unserer Feinde Wille, noch alles des, so dein heiliges Wort verfolgen und dämpfen will oder dein Reich hindern; und gib uns, dass wir alles, was drüber zu leiden ist, mit Geduld tragen und überwinden, dass unser armes Fleisch aus Schwachheit oder Trägheit nicht weiche noch abfalle!
Siehe, also haben wir aufs einfältigste in diesen drei Stücken die Not, so Gott selbst betrifft, doch alles um unsertwillen; denn es gilt allein uns was wir bitten, nämlich also, wie gesagt, dass auch in uns geschehe, das sonst ausser uns geschehen muss. Denn wie auch ohne unser Bitten sein Name geheiligt werden und sein Reich kommen muss, also muss auch sein Wille geschehen und durchdringen, obgleich der Teufel mit all seinem Anhang fast [sehr] dawider rumoren, zürnen und toben und sich unterstehen, das Evangelium ganz außutilgen. Aber um unsertwillen müssen wir bitten, dass sein Wille auch unter uns wider solch ihr Toben unverhindert gehe, dass sie nichts schaffen [ausrichten] können, und wir wider alle Gewalt und Verfolgung fest dabei bleiben und solchen Willen Gottes uns gefallen lassen.
Solch Gebet soll nun jetzt unser Schutz und Wehr sein, die zurückschlage und niederlege alles, was der Teufel, Papst, Bischöfe, Tyrannen und Ketzer wider unser Evangelium vermögen. Lass sie allzumal zürnen und ihr Höchstes versuchen, ratschlagen und beschliessen, wie sie uns dämpfen und ausrotten wollen, dass ihr Wille und Rat fortgehe; dawider soll ein Christ oder zwei mit diesem einigen Stück unsere Maür sein, daran sie anlaufen und zu Scheitern gehen.
Den Trost und Trotz haben wir, dass des Teufels und aller unserer Feinde Wille und Vornehmen soll und muss untergehen und zunichte werden, wie stolz, sicher und gewaltig sie sich wissen; denn wo ihr Wille nicht gebrochen und gehindert würde, so könnte sein Reich auf Erden nicht bleiben noch sein Name geheiligt werden.