Kurze Vorrede
Diese Predigt ist dazu geordnet und angefangen, dass es sei ein Unterricht für die Kinder und Einfältigen, darum sie auch von alters her auf griechisch heisst Katechismus, das ist, eine Kinderlehre,
so ein jeglicher Christ zur Not wissen soll, also dass, wer solches nicht weiss, nicht könnte unter die Christen gezählt und zu keinem Sakrament zugelassen werden [der Katechismus wurde in Wittenberg seit 1523 im Beichtverhör abgefragt]; gleichwie man einen Handwerksmann, der seines Handwerks Recht und Gebrauch nicht weiss, [hin]auswirft und für untüchtig hält.
Derhalben soll man junge Leute die Stücke, so in den Katechismum oder Kinderpredigt gehören, wohl und fertig lernen lassen und mit Fleiss darin üben und treiben.
Darum auch ein jeglicher Hausvater schuldig ist, dass er zum wenigsten die Woche einmal seine Kinder und Gesinde umfrage und verhöre, was sie davon wissen oder lernen und, wo sie es nicht können, mit Ernst dazu halte.
Denn ich denke wohl [ich erinnere mich gut] der Zeit, ja es begibt sich noch täglich, dass man grobe, alte betagte Leute findet, die hiervon gar nichts gewusst haben oder noch wissen, gehen doch gleichwohl zur Taufe und Sakrament und [ge]brauchen alles, was die Christen haben, so doch, die zum Sakrament gehen, billig mehr wissen und völligeren Verstand aller christlichen Lehre haben sollten denn die Kinder und neü Schüler.
Obwohl wir’s für den gemeinen Haufen bei den dreien Stücken bleiben lassen, so von alters her in der Christenheit [ge]blieben sind, aber wenig recht gelehrt und getrieben, so lange bis man sich in denselben wohl übe und läuftig [bewandert] werde beide jung und alt, was Christen [Christ] heissen und sein will. Und sind nämlich diese: