IV. Von guten Werken
Es hat sich auch ein Zweispalt von den guten Werken unter den Theologen Augsburgischer Konfession zugetragen, dass ein Teil sich nachfolgender Worte und Art zu reden gebraucht [bedient hat]: Gute Werke sind nötig zur Seligkeit; es ist unmöglich, ohne gute Werke selig [zu] werden; item: Es ist niemand ohne gute Werke selig [ge]worden; weil von den Rechtgläubigen [wahrhaft Gläubigen] gute Werke als Früchte des Glaubens erfordert [werden], und der Glaube ohne die Liebe tot [ist], obgleich solche Liebe keine Ursache der Seligkeit sei.
Das andere [der andere] Teil aber hat dagegen gestritten, dass gute Werke wohl nötig seien, aber nicht zur Seligkeit, sondern um anderer Ursachen willen, und das derwegen vor[her]gehende propositiones oder gebrauchte Reden (als die dem Vorbild der gesunden Lehre und Worte ungemäß und von den Papisten allewege und noch der Lehre unsers christlichen Glaubens entgegengesetzt, da wir bekennen, dass allein der Glaube gerecht und selig mache) in der Kirche nicht zu dulden [seien], damit der [damit das] Verdienst Christi, unsers Seligmachers, nicht geschmälert werde, und die VerheißUng der Seligkeit den Gläubigen fest und gewiß sein und bleiben möge.
In diesem Streit ist auch von etlichen wenigen diese streitige Proposition oder Rede geführt, dass gute Werke zur Seligkeit schädlich seien. Es ist auch von etlichen disputiert worden, dass gute Werke nicht nötig, sondern freiwillig seien, weil sie nicht durch Furcht und Strafe des Gesetzes erzwungen, sondern aus freiwilligem Geist und fröhlichem Herzen geschehen sollen. Dagegen hat der andere Teil gestritten [behauptet], dass gute Werke nötig seien.
Solcher Streit hat sich anfangs über den Worten necessitas und Iibertas, das ist, “notwendig” und: “frei”, zugetragen, weil besonders das Wort necessitas, “nötig”, nicht allein die ewige, unwandelbare Ordnung, nach welcher alle Menschen Gott zu gehorsamen schuldig und pflichtig [verpflichtet] sind, sondern auch zuzeiten einen Zwang heißt, damit das Gesetz die Leute zu den guten Werken dringt.
Nachmals aber hat man nicht allein von den Worten disputiert, sondern auf das heftigste die Lehre an ihr selbst angefochten und gestritten dass der neü Gehorsam in den Wiedergebornen von wegen obvermeldeter Gottes Ordnung nicht nötig sei.
Diese Uneinigkeit christlich und nach Anleitung Gottes Worts zu erklären und durch seine Gnade gänzlich hinzulegen [beizügen], ist unsere Lehre Glaube und Bekenntnis, wie folgt:
Erstlich ist in diesem Artikel von folgende Punkten unter den unsern kein Streit: als, dass [es] Gottes Wille, Ordnung und Befehl sei, das die Gläubigen in guten Werken wandeln sollen und das rechtschaffene gute Werke nicht seien, die ihm [die sich] ein jeder guter Meinung selbst erdenkt oder die nach Menschensatzungen geschehen sondern die Gott selber in seinem Wort vorgeschrieben und befohlen hat; dass auch rechtschaffene gute Werke nicht aus eigenen natürlichen Kräften, sondern also geschehen: wenn die Person durch den Glauben mit Gott versöhnt und durch den Heiligen Geist verneürt, oder, wie Paulus redet: “in Christo Jeu neugeschaffen wird zu guten Werken”.
Es ist auch ohne Streit, wie und warum der Gläubigen gute Werke, ob sie gleich in diesem Fleisch unrein und unvollkommen, Gott gefällig und angenehm seien, nämlich um des Hern Christi willen, durch den Glauben, weil die Person Gott angenehm ist. Denn die Werke, so zur Erhaltung äuserlicher Zucht gehören, welche auch von den Ungläubigen und Unbekehrten geschehen und erfordert werden, obwohl vor der Welt dieselben löblich, dazu auch von Gott in dieser Welt mit zeitlichen Gütern belohnt werden, jedoch, weil sie nicht aus rechtem Glauben gehen, sind sie vor Gott Sünde, das ist, mit Sünden befleckt, und werden vor Gott für Sünde und unrein um der verderbten Natur willen, und weil die Person mit Gott nicht versöhnt ist, gehalten. Denn “ein böser Baum kann nicht gute Früchte bringen”, wie auch geschrieben steht Röm. 14: “Was nicht aus Glauben gehet, das ist Sünde.” Denn es muss zuvor die Person Gott gefällig sein, und das allein um Christus’ willen, sollen ihm anders auch derselben Person Werke gefallen.
Derhalben der recht guten und Gott wohlgefälligen Werke, die Gott in dieser und zukünftiger Welt belohnen will, Mutter und Ursprung muss der Glaube sein, darum sie denn rechte Früchte des Glaubens wie auch des Geistes von St., Paulo genannt werden.
Denn wie D. Luther schreibt in der Vorrede über die Epistel St. Pauli an die Römer: “So ist der Glaube ein göttlich Werk in uns, das uns verwandelt und neugebiert aus Gott und tötet den alten Adam, macht uns ganz andere Menschen von Herzen, Mut, Sinn und allen Kräften und bringt den Heiligen Geist mit sich. O! es ist ein lebendig, geschäftig, tätig, mächtig Ding um den Glauben, das unmöglich, dass er nicht ohne Unterlaß sollte Gutes wirken.
Er fragt auch nicht, ob gute Werte zu tun sind, sondern ehe man fragt, hat er sie getan und ist immer im Tun. Wer aber nicht solche Werke tut, der ist ein glaubloser Mensch, tappt und steht um sich nach dem Glauben und guten Werken und weiß weder was Glaube oder gute Werke seien, wäscht und schwatzt doch viel Worte vom Glauben und guten Werken.
Glaube ist eine lebendige, erwegene [verwegene, kühne, entschlossene] Zuversicht auf Gottes Gnade, so gewiß, das er tausendmal darüber stürbe. Und solche Zuversicht und Erkenntnis göttlicher Gnade macht fröhlich, trotzig und lustig gegen Gott und alle Kreaturen; welches der Heilige Geist tut im Glauben, daher der Mensch ohne Zwang willig und lustig wird, jedermann Gutes zu tun, jedermann zu dienen, allerlei zu leiden, Gott zu Liebe und Lob, der ihm solche Gnade erzeigt hat, also das unmöglich ist, Werke vom Glauben scheiden, ja, so unmöglich, als brennen und leuchten vom Feür mag geschieden werden.”
Aber weil von diesen Punkten unter den Unsern kein Streit, wollen wir dieselben hier nach der Länge nicht handeln, sondern allein von den streitigen Punkten uns einfältig und deutlich gegeneinander erklären.
Und erstlich, was belangt Notwendigkeit oder Freiwilligkeit der guten Werke, ist offenbar, dass in der Augsburgischen Konfession und derselben Apologia gebraucht und oft wiederholt werden diese Reden, das gute Werke nötig seien; item, dass es nötig sei, gute Werke zu tun, welche auch notwendig dem Glauben und der Versöhnung folgen sollen; item, das wir notwendig gute Werke, so Gott geboten, tun sollen und tun müssen, So wird auch in der Heiligen Geist selber das Wort “not” “nötig” und “notwendig”, item “sollen” und “müssen” also gebraucht: was wir von wegen Gottes Ordnung, Befehl und Willen zu tun schuldig sind, als Röm. 13; 1 Kor, 9; Act. 5; Joh. 15; 1 Joh. 4.
Werden derhalben [es werden deshalb] gemeldete Reden oder Propositiones in diesem christlichen und eigentlichen Verstand unbillig von etlichen gestraft und verworfen, welche billig, den sicheren, epikurischen Wahn zu strafen und zu verwerfen, geführt und gebraucht werden, da viele ihnen einen toten Glauben oder Wahn, der da Buße und ohne gute Werke ist, dichten, als könnte wohl zugleich in einem Herzen sein rechter Glaube und böser Vorsatz, in Sünden zu verharren und fortzufahrem, welches unmöglich ist; oder als könnte wohl einer wahren Glauben, Gerechtigkeit und Seligkeit haben und behalten, .wenn er gleich ein fauler und unfruchtbarer Baum ist und bleibt, da gar keine guten Früchte folgen; ja, wenn er gleich in Sünden wider das Gewissen verharrt oder wiederum sich auf solche Sünden vorfäIlich begibt; welches unrecht und falsch ist.
Es muss aber auch die Erinnerung von diesem Unterschied hierbei gemerkt werden, dass nämlich verstanden werden solle necessitas ordinis, mandati et voluntatis Christi ac debiti nostri, non autem necessitas coactionis. Das ist: wenn dies Wort “nötig” gebraucht [wird], soll es nicht von einem Zwang, sondern allein von der Ordnung des unwandelbaren Willens Gottes, des Schuldner wir sind, verstanden werden,
dahin auch sein Gebot weist, das die Kreatur ihrem Schöpfer gehorsam sei; denn sonst (wie 2 Kor. 9 und in der Epistel St. Pauli an Philemon, item l Petr. 5) “aus Not” genannt wird, was einem wider seinen Willen, durch Zwang oder sonst abgenötigt wird, das er [es] äußerlich zum Schein, aber doch ohne und wider seinen Willen tü. Denn solche Scheinwerke will Gott nicht haben, sondern das Volk des Neün Testaments soll sein ein “williges Volk”, Ps. 110, und “willig opfern”, Ps. 54, “nicht mit Unwillen oder aus Zwang, sondern von Herzen gehorsam sein”, 2 Kor. 9; Röm. 6.
Denn “einen Willigen Geber hat Gott lieb”, 2 Kor. 9. In diesem Verstand und solcher Meinung ist, recht geredet und gelehrt, dass rechte gute Werke willig oder aus freiwilligem Geist von denen, die der Sohn Gottes gefreiet [befreit hat], geschehen sollen; wie denn auf diese Meinung vornehmlich die Disputation von Freiwilligkeit der guten Werke von etlichen geführt ist.
Aber hier ist wiederum der Unterschied auch wohl zu merken, davon Paulus sagt Röm. 7: “Ich bin willig und habe Lust zu Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen, aber in meinem Fleisch finde ich ein ander Gesetz, welches” nicht allein unwillig oder unlustig ist, sondern auch: “dem Gesetz meines Gemüts widerstrebet.” Und was das unwillige und widerspenstige Fleisch belangt, da sagt Paulus 1Kor. 9: “Ich betäube und zähme meinen Leib”, und Gal. 5; Röm. 8: “Welche Christo angehören, die kreuzigen, ja töten ihr Fleisch samt seinen Lüsten, Begierden und Geschäften.”
Das aber ist falsch und muss gestraft werden, wenn vorgegeben und gelehrt wird, als wären die guten Werke den Gläubigen also frei, dass es in ihrer freien Willkür stünde, das sie solche tun oder lassen oder dawider handeln wollten oder möchten, und sie nichtsdestoweniger den Glauben, Gottes Huld und Gnade behalten könnten.
Zum andern, wenn gelehrt wird, das gute Werke vonnöten seien, muss auch erklärt werden, warum und aus was Ursachen sie vonnöten sind, wie die Ursachen in der Augsburgischen Konfession und Apologia erzählt werden.
Aber hier muss man sich gar wohl vorsehen, dass die Werke nicht in den Artikel der Rechtfertigung und Seligmachung gezogen und eingemengt werden. Derhalben werden billig die Propositiones verworfen, dass den Gläubigen gute Werte zur Seligkeit vonnöten seien, also dass es unmöglich sei, ohne gute Werke selig [zu] werden. Denn sie sind stracks wider die Lehre de particulis excIusivis in articuIo justificationis et saIvationis, das ist, sie streiten wider die Worte, mit welchen St., Paulus unsere Werke und Verdienst aus dem Artikel der Rechtfertigung und Seligmachung gänzlich ausgeschlossen und alles allein der Gnade Gottes und dem Verdienst Christi zugeschrieben hat, wie in dem vor[her]gehenden Artikel erklärt [ist].
Ferner: sie nehmen den angefochtenen, betrübten Gewissen den Trost des Evangelii, geben Ursache zum Zweifel, sind in viel Wege gefährlich, stärken die Vermessenheit eigener Gerechtigkeit und das Vertraün auf eigene Werke, werden dazu von den Papisten angenommen und zu ihrem Vorteil wider die reine Lehre von dem alleinseligmachenden Glauben geführt.
So sind sie auch wider das Vorbild der gefunden Worte, da geschrieben steht: “die Seligkeit sei allein des Menschen, welchem Gott zurechnet die Gerechtigkeit, ohne Zutun der Werke”, Röm. 4. Ferner: in der Augsburgischen Konfession, im sechsten Artikel, steht geschrieben, man werde selig ohne die Werke, allein durch den Glauben. So hat auch D. Luther diese Propositiones verworfen und verdammt.
- An den falschen Propheten bei den Galatern.
- An den Papisten in gar viel Orten.
- An den Wiedertäufern, da sie also glossieren: man solle wohl den Glauben auf der Werke Verdienst nicht setzen, aber man müsse sie dennoch gleichwohl haben als nötige Dinge zur Seligkeit.
- Auch an etlichen andern unter den Seinen, so diese propositionem also glossieren wollten: ob wir gleich die Werke erfordern als nötig zur Seligkeit, so lehren wir doch nicht, das Vertraün auf die Werke setzen, in Gen., Kap. 22, [In dem Exkurs, auf den sich hier die Konkordienformel bezieht, sagt Luther u. a.: “Negativa haec est non sola fides iustificat, sed fides coniuncta operibus. Ac huic propositioni callidam decIarationem sive limitationen addunt: Licet exigamus opera tamquam necessaria ad salutem, inquiunt, tamen non docemus, confidendum operibus. Est satis astutus diaboIus, sed nihil agit, tametsi fucum imperitis et rationi faciat.” E. opp. exeg. 5, 265.]
Demnach und aus jetzt erzählten Ursachen soll es billig in unsern Kirchen dabei bleiben, dass nämlich gemeldete Weisen zu reden nicht gelehrt, verteidigt oder beschönet, sondern aus unsern Kirchen als falsch und unrecht ausgesetzt und verworfen werden, als die zur Zeit der Verfolgung, da am meisten klares, richtiges Bekenntnis wider allerlei corruptelas und Verfälschungen des Artikels der Rechtfertigung vonnöten war, aus dem Interim wiederum verneürt, hergeflossen und in Disputation gezogen sind.
Zum dritten, weil auch disputiert wird, ob gute Werke die Seligkeit erhalten, oder ob sie nötig seien, den Glauben, Gerechtigkeit und Seligkeit zu erhalten, und aber hieran hoch und viel gelegen (denn: “wer verharret bis ans Ende, wird selig werden”, Matth. 24; item Hebr. 3 “Wir sind Christus’ teilhaftig worden, so wir anders das angefangene Wesen bis ans Ende festbehalten”), muss auch gar wohl und eigentlich erklärt werden, wie die Gerechtigkeit und Seligkeit in uns erhalten, dass sie nicht wiederum verloren werden.
Und ist derhalben erstlich dieser falsche epikurische Wahn ernstlich zu strafen und zu verwerken, dass etliche dichten [wähnen], es könne der Glaube und die empfangene Gerechtigkeit und Seligkeit durch keine, auch mutwilligen und vorsätzlichen Sünden oder bösen Werke verloren werden, sondern wenn ein Christ gleich ohne Furcht und Scham den bösen Lüsten folge, dem Heiligen Geist widerstrebe und auf Sünden wider das Gewissen vorsätzlich sich begebe, das er gleichwohl nichtsdestoweniger Glauben, Gottes Gnade, Gerechtigkeit und Seligkeit behalte.
Wider diesen schädlichen Wahn sollen mit allem Fleiß und Ernst diese wahrhaftigen, unwandelbaren göttlichen Dräuungen und ernstlichen Strafen [und] Vermahnungen den Christen, so durch den Glauben gerecht [ge]worden sind, oft wiederholt und eingebildet [eingeprägt] werden1 Kor. 6: “Irret nicht; kein Hurer, kein Ehebrecher, kein Geiziger usw. wird das Reich Gottes ererben.” Gal. 5; Eph. 5: “Die solches tun, werden das Reich Gottes nicht besitzen.” Röm. 9: “So ihr nach dem Fleisch lebet, so werdet ihr sterben.” Kol. 3: “Um solcher willen kommt der Zorn Gottes über die Ungehorsamen.”
Wann aber und welchergestalt aus diesem Grunde die Vermahnung zu guten Werken, ohne Verdunkelung der Lehre vom Glauben und des Artikels der Rechtfertigung, könne geschärft werden, [davon] zeigt die Apologia ein sein Vorbild, da sie Articulo 20. über den Spruch 2 Petr. 1: “Fleißiget euch, euren Beruf festzumachen”, also sagt: “Petrus lehrt, warum man gute Werke tun soll, nämlich dass wir unsern Beruf festmachen, das ist, das wir nicht aus unserm Beruf fallen, wenn wir wiederum sündigen. Tut gute Werke, spricht er, dass ihr bei eurem himmlischen Beruf bleibt, dass ihr nicht wieder abfallt und verliert Geist und Gaben, die euch nicht um der folgenden Werke willen, sondern aus Gnaden durch Christum widerfahren sind und nun erhalten werden durch den Glauben. Der Glaube aber bleibt nicht in denen, die sündlich Leben führen, den Heiligen Geist verlieren, die Buße von sich stoßen.” Bis daher die Worte aus der Apologia.
Dagegen aber hat es die Meinung nicht, dass der Glaube allein im Anfang die Gerechtigkeit und Seligkeit ergreife und danach sein Amt den Werken übergebe, dass dieselben hinfürder den Glauben, die empfangene Gerechtigkeit und Seligkeit erhalten müßten, sondern, auf dass die Verheißung der Gerechtigkeit und Seligkeit nicht allein zu empfangen, sondern auch zu behalten, uns fest und gewiß sein mögen [möge], gibt Paulus Röm. 5 dem Glauben nicht allein den Eingang zur Gnade, sondern auch dass wir in der Gnade stehen und uns rühmen der zukünftigen Herrlichkeit, das ist: Anfang, Mittel und Ende gibt er alles dem Glauben allein. Item Röm. 11: “Sie sind abgebrochen um ihres Unglaubens willen, du aber siehest durch den Glauben,” Kol. 1: “Er wird euch darstellen heilig und unsträflich vor ihm selbst, so ihr anders bleibet im Glauben.” I Petr 1: “Wir werden aus Gottes Macht durch den Glauben bewahret zur Seligkeit.” Item: “Ihr werdet das Ende eures Glaubens davonbringen, nämlich der Seelen Seligkeit.”
Weil denn aus Gottes Wort offenbar, dass der Glaube das eigentliche einige Mittel ist, dadurch Gerechtigkeit und Seligkeit nicht allein empfangen, sondern auch von Gott erhalten wird, soll billig verworfen werden, das im Trientischen Concilio geschlossen [beschlossen ist], und was sonst mehr auf dieselbe Meinung ist gerichtet worden, dass unsere guten Werke die Seligkeit erhalten, oder dass die empfangene Gerechtigkeit des Glaubens oder auch der Glaube selbst durch unsere Werke entweder gänzlich oder ja zum Teil erhalten und bewahrt werden.
Denn obwohl vor diesem Streit etliche viel reine Lehrer solche und dergleichen Reden in Auslegung der Heiligen Schrift gebraucht, hiermit aber keineswegs gesinnt [gewesen], obvermeldete Irrtümer der Papisten zu bestätigen: jedoch, weil nachmals über solcher Weise zu reden Streit entstanden, daraus allerlei ärgerliche Weiterung erfolget [erfolgte], ist es am allersichersten, nach der Vermahnung St. Pauli, über “dem Vorbilde der gesunden Worte” sowohl als über der reinen Lehre selbst zu halten, dadurch viel unnötiges Gezänk abgeschnitten und die Kirche vor vielem Ërgernis behütet werden mag.
Zum vierten, was die Proposition belangt, dass gute Werke zur Seligkeit schädlich sein sollten, erklären wir uns deutlich also wenn jemand die guten Werke in den Artikel der Rechtfertigung ziehen, seine Gerechtigkeit oder das Vertraün der Seligkeit darauf setzen, damit die Gnade Gottes verdienen und dadurch selig werden wolle, hierauf sagen nicht wir, sondern sagt Paulus selbst, und wiederholt’s zum drittenmal Phil. 3, dass einem solchen Menschen seine Werke nicht allein unnützlich und hinderlich, sondern auch schädlich seien. Es ist aber die Schuld nicht der guten Werke an ihnen selbst, sondern des falschen Vertraüns, so wider das ausgedrückte [ausdrückliche] Wort Gottes auf die Werke gesetzt wird.
Aber hieraus folgt keineswegs, dass man simpliciter und also bloß dahinsagen solle: Gute Werke sind den Gläubigen zu oder an ihrer Seligkeit schädlich; denn in den Gläubigen sind gute Werke, wenn sie propter veras causas et ad veros fines, das ist, der Meinung geschehen, wie sie Gott von den Wiedergebornen erfordert, [eine] Anzeigung der Seligkeit, Phil. 1. Wie denn Gottes Wille und ausdrücklicher Befehl ist, dass die Gläubigen gute Werke tun sollen, welche der Heilige Geist wirkt in den Gläubigen, die ihm [die sich] auch Gott um Christi Willen gefallen läßt, ihnen herrliche Belohnung in diesem und künftigem Leben verheißt.
Derwegen auch diese Proposition in unsern Kirchen gestraft und verworfen wird, weil sie, also bloß gesetzt, falsch und ärgerlich ist, dadurch Zucht und Ehrbarkeit geschwächt, das rohe, wilde, sichere, epikurische Leben eingeführt und gestärkt werden möchte. Denn was einem zu seiner Seligkeit schädlich ist, davor soll er sich ja mit höchstem Fleiß hüten.
Weil aber die Christen von den guten Werken nicht abgehalten, sondern zum fleisigsten dazu vermahnt und angehalten werden sollen, so kann und soll diese bloße Proposition in der Kirche nicht geduldet, geführt noch verteidigt werden.