Konkordienformel – Solida DeclaratioFC SDArtikel III

III. Von der Gerechtigkeit des Glaubens

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Die dritte [der dritte] Zwiespalt, unter etlichen Theologen der Augsburgischen Konfession entstanden, ist von der Gerechtigkeit Christi oder des Glaubens, die von Gott durch den Glauben den armen Sündern aus Gnaden zur Gerechtigkeit zugerechnet wird.

Denn ein Teil hat gestritten, dass die Gerechtigkeit des Glaubens, welche der Apostel die Gerechtigkeit Gottes nennt, sei die wesentliche Gerechtigkeit Gottes, welche Christus als der wahrhaftige, natürliche, wesentliche Sohn Gottes selbst sei, der durch den Glauben in den Auserwählten wohne und sie treibe, recht zu tun, und also ihre Gerechtigkeit sei, gegen welcher [gegen welche] Gerechtigkeit aller Menschen Sünde sei wie ein Tropfen Wasser gegen dem großen [gegen das grosse] Meer.

Dagegen haben etliche gehalten und gelehrt, das Christus unsere Gerechtigkeit sei allein nach seiner menschlichen Natur.

Wider welche beide Teile einhellig von den andere Lehrern der Augsburgischen Konfession gepredigt [worden], das Christus unsere Gerechtigkeit nicht allein nach der göttlichen Natur, auch nicht allein nach der menschlichen Natur, sondern nach beiden Naturen sei, welcher, als Gott und Mensch, uns von unsern Sünden durch seinen vollkommenen Gehorsam erlöst, gerecht und selig gemacht hat, das also die Gerechtigkeit des Glaubens sei Vergebung der Sünden, Versöhnung mit Gott, und dass wir zu Kindern Gottes angenommen werden um des einigen Gehorsams Christi willen, welcher allein durch den Glauben, aus lauter Gnade, allen Rechtgläubigen [wahrhaft Gläubigen] zur Gerechtigkeit zugerechnet [wird], und sie um desselben willen voll aIler ihrer Ungerechtigkeit absolviert werden.

Über das sind alle den Interim und sonst andere mehr Disputationes voll dem Artikel der Rechtfertigung verursacht und erregt, die hernach in antithesi, das ist, in Erzählung derjenigen [Irrtümer], so der reinen Lehre in diesem Artikel zuwider, sollen erklärt werden.

Dieser Artikel von die Rechtfertigung des Glaubens wie die Apologia sagt ist der vornehmste der ganzen christlichen Lehre, ohne welchen kein arm Gewissen einigen beständigen [zuverlässigen, gewissen] Trost haben oder den Reichtum der Gnade Christi recht erkennen mag [kann]; wie auch D. Luther geschrieben: “Wo dieser einige Artikel rein auf dem Plan bleibt, so bleibt die Christenheit auch rein und sein einträchtig und ohne alle Rotten; wo er aber nicht rein bleibt, da ist’s nicht möglich, das man einigem Irrtum oder Rottengeist wehren möge.” (Tom. 5, Ienens., p. 159.)

Und von diesem Artikel sagt Paulus insonderheit, dass “ein wenig Saürteig den ganzen Teig versäure”. Darum er die particulas exclusivas, das ist, die Worte, nämlich: “ohne Gesetz, ohne Werke, aus Gnaden”, dadurch die Werke der Menschen ausgeschlossen [werden], in diesem Artikel mit so großem Eifer und Ernst treibt, damit anzuzeigen, wie hoch es vonnöten sei, das in diesem Artikel neben reiner Lehre die antithesis. das ist, aIle Gegenlehre, dadurch abgesondert, ausgesetzt [als falsch ausgeschieden] und verworfen werde.

Derwegen diesen Zwiespalt christlich vermöge Gottes Worts zu erklären und durch seine Gnade hinzulegen [beizulegen], ist unsere Lehre, Glaube und Bekenntnis, wie folgt:

Von der Gerechtigkeit des Glaubens vor Gott glauben, lehren und bekennen wir einhellig vermöge hievorgesetzten summarischen Begriffs unsers christlichen Glaubens und Bekenntnisses, dass ein armer sündiger Mensch vor Gott gerechtfertigt, das ist, absolviert, los und ledig gesprochen werde von aIlen seinen Sünden und von dem Urteil der wohlverdienten Verdammnis, auch angenommen werde zur Kindschaft und Erbschaft des ewigen Lebens, ohne einig unser Verdienst oder Würdigkeit, auch ohne aIle vor[her]gehenden, gegenwärtigen oder auch folgenden Werke, aus lauter Gnade, allein um des einigen Verdienstes, des ganzen Gehorsams, bitteren Leidens, Sterbens und Auferstehung unsers Hern Christi willen, des Gehorsam uns zur Gerechtigkeit zugerechnet wird.

Welche Güter uns in der Verheißung des heiligen Evangelii durch den Heiligen Geist vorgetragen werden, und ist allein der Glaube das einige Mittel, dadurch wir sie ergreifen, annehmen und uns applizieren und züignen;

welcher ist eine Gabe Gottes, dadurch wir Christum, unsern Erlöser, im Wort des Evangelii recht erkennen und auf ihn vertraün, dass wir allein um seines Gehorsams wiIlen, aus Gnaden, Vergebung der Sünden haben, für fromm und gerecht von Gott dem Vater gehalten und ewig selig werden.

Demnach für eins [demnach wird fur ein und dasselbe] gehalten und genommen, wenn Paulus spricht, dass wir “durch den Glauben gerecht werden”, Röm. 3, oder dass “der Glaube uns zur Gerechtigkeit zugerechnet werde”, Röm. 4, und wenn er spricht, “dass wir durch des einigen Mittlers Christi Gehorsam gerecht werden”, oder “dass durch eines Gerechtfertigkeit die Rechtfertigung des Glaubens [Lebens] über aIle Menschen komme”, Röm. 5.

Denn der Glaube macht gerecht nicht darum und daher, dass er so ein gut Werk und schöne Tugend [ist], sondern weil er in der Verheißung des heiligen Evangelii den [das] Verdienst Christi ergreift und annimmt; denn derselbe [dasselbe] muss uns durch den Glauben appliziert und zugeeignet werden, wenn wir dadurch gerecht sollen werden;

dass also die Gerechtigkeit, die vor Gott dem Glauben oder den Gläubigen aus lauter Gnade zugerechnet wird, ist der Gehorsam, Leiden und Auferstehung Christi, da er für uns dem Gesetzgenuggetan und für unsere Sünde bezahlt hat.

Denn weil Christus nicht allein Mensch, sondern Gott und Mensch in einer unzertrennten Person [ist], so ist er ebensowenig unter dem Gesetzgewesen (weil er ein Her des Gesetzes), als dass er für seine Person [hat] leiden und sterben soIlen. Darum uns denn sein Gehorsam nicht allein im Leiden und Sterben, sondern auch dass er freiwiIlig an unserer Statt [sich] unter das Gesetzgetan und dasselbe mit solchem Gehorsam erfüllt [hat], uns zur Gerechtigkeit zugerechnet [wird], dass uns Gott um solches ganzen Gehorsams wiIlen, so er im Tun und Leiden, im Leben und Sterben für uns seinem himmlischen Vater geleistet, die Sünde vergibt, uns für fromm und gerecht hält und ewig selig macht.

Solche Gerechtigkeit wird durchs Evangelium und in den Sakramenten von dem Heiligen Geist uns vorgetragen und durch den Glauben appliziert, zugeeignet und angenommen, daher die Gläubigen haben Versöhnung mit Gott, Vergebung der Sünden, Gottes Gnade, die Kindschaft und Erbschaft des ewigen Lebens.

Demnach das Wort “rechtfertigen” hier heist gerecht und ledig von Sünden sprechen und derselben ewigen Strafe ledig zählen um der Gerechtigkeit Christi willen, welche von Gott dem Glauben zugerechnet wird, Phil. 3. Wie denn solcher Gebrauch und Verstand dieses Worts in Heiliger Schrift Alten und Neün Testaments gemein ist. Prov. 17: “Wer den Gottlosen recht spricht und den Gerechten verdammet, die sind beide dem Hern ein Greül.” Jes. 5: “Wehe denen, die den Gottlosen recht sprechen um Geschenke wollen und das Recht der Gerechten von ihnen wenden.” Röm. 8: “Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hie, der rechtfertigt”, das ist, von Sünden absolviert und ledig spricht.

Weil aber zuzeiten das Wort regeneratio, Wiedergeburt, für das Wort iustificatio, Rechtfertigung, gebraucht [wird], ist vonnöten, das solch Wort eigentlich erklärt [werde], damit die Verneurung, so der Rechtfertigung des Glaubens nachfolgt, nicht mit der Rechtfertigung des Glaubens vermengt, sondern [beide] eigentlich voneinander unterschieden werden.

Denn das Wort regeneratio, das ist, Wiedergeburt, erstlich also gebraucht wird, dass es zugleich die Vergebung der Sünden allein um Christus’ wilIen und die nachfolgende Verneurung begreift, welche der Heilige Geist wirkt in denen, so durch den Glauben gerechtfertigt sind. Danach wird es gebraucht allein pro remissione peccatorum et adoptione in filios Dei, das ist, dass es heißt allein Vergebung der Sünden, und dass wir zu Kindern Gottes angenommen werden. Und in diesem andern Verstand wird in der Apologia viel und oft dieses Wort gebraucht, da geschrieben: iustificatio est regeneratio, das ist, die Rechtfertigung vor Gott ist die Wiedergeburt; wie auch St. Paulus solche Worte unterschiedlich gesetzt Tit. 3: “Er hat uns selig gemacht durch das Bad der Wiedergeburt und Erneurung des Heiligen Geistes.”

Wie denn auch das Wort vivificatio, das ist, Lebendigmachung, zuzeiten in gleichem Verstand gebraucht worden. Denn so der Mensch durch den Glauben welchen allein der Heilige Geist wirkt gerechtfertigt [wird], solches wahrhaftig eine Wiedergeburt ist, weil [er] aus einem Kind des Zorns ein Kind Gottes und also aus dem Tod in das Leben gesetzt wird, wie geschrieben steht: “Da wir tot waren in Sünden, hat er uns samt Christo lebendig gemacht”, Eph. 2, Item: “Der Gerechte wird seines Glaubens leben”, Röm. 1. In welchem Verstand dies Wort in der Apologia viel und oft gebraucht wird.

Danach aber wird es auch oft für die Heiligung und Erneurung genommen, welche der Gerechtigkeit des Glaubens nachfolgt, wie es D. Luther im Buch von der Kirche und Konzilien und anderswo also gebraucht hat.

Wenn wir aber lehren, dass durch die Wirkung des Heiligen Geistes wir neugeboren und gerecht werden, hat es nicht die Meinung, das den Gerechtfertigten und Wiedergebornen keine Ungerechtigkeit nach der Wiedergeburt im Wesen und Leben mehr sollte anhangen, sondern dass Christus mit seinem vollkommenen Gehorsam alle ihre Sünden zudeckt, die doch in der Natur in diesem Leben noch stecken. Aber solches unangesehen, werden sie durch den Glauben und um solches Gehorsams Christi willen den Christus dem Vater von seiner Geburt an bis in den allerschmählichsten Tod des Kreuzes für uns geleistet hat für fromm und gerecht gesprochen und gehalten, ob sie gleich ihrer verderbten Natur halben noch Sünder sind und bleiben bis in die Grube [bis ins Grab]. Wie es denn hinwiederum die Meinung nicht hat, als dürften oder sollten wir ohne Buße, Bekehrung und Besserung den Sünden folgen, darin bleiben und fortfahren.

Denn wahre Reü muss vorhergehen; und die also, wie gesagt, aus lauter Gnade, um des einigen Mittlers Christi willen, allein durch den Glauben, ohne alle Werke und Verdienst vor Gott gerecht, das ist, zu Gnaden angenommen werden, denen wird auch der Heilige Geist gegeben, der sie verneürt und heiligt, in ihnen wirkt Liebe gegen Gott und gegen den Nächsten. Sondern weil die angefangene Verneurung in diesem Leben unvollkommen, und die Sünde noch im Fleisch auch bei den Wiedergebornen wohnt, so [be]steht die Gerechtigkeit des Glaubens vor Gott in gnädiger Zurechnung der Gerechtigkeit Christi, ohne Zutun unserer Werke, dass uns unsere Sünden vergeben und zugedeckt sind und nicht zugerechnet werden, Röm. 4.

Aber hier muss mit [be]sonderem Fleiß darauf gar gute Acht gegeben werden, wenn der Artikel der Rechtfertigung rein bleiben soll, dass nicht dasjenige, was vor dem Glauben hergeht, und was demselben nachfolgt, zugleich mit in den Artikel der Rechtfertigung, als dazu nötig und gehörig, eingemengt oder eingeschoben werde, weil nicht eins oder gleich ist, von der Bekehrung und von der Rechtfertigung zu reden.

Denn nicht alles, was zur Bekehrung gehört, auch zugleich in den Artikel der Rechtfertigung gehört: in und zu welchem allein gehört und vonnöten ist Gottes Gnade, der [das] Verdienst Christi, der Glaube, so solches in der Verheißung des Evangelii annimmt, dadurch uns die Gerechtigkeit Christi zugerechnet wird, daher wir erlangen und haben Vergebung der Sünden, Versöhnung mit Gott, die Kindschaft und Erbschaft des ewigen Lebens.

Also ist ein wahrer, seligmachender Glaube nicht in denen, so ohne Reü und Leid und einen bösen Vorsatz haben, in Sünden zu bleiben und [zu] beharren, sondern wahre Reü geht vorher, und rechter Glaube ist in oder bei wahrer Buße.

Es ist auch die Liebe eine Frucht, so dem wahren Glauben gewißlich notwendig folgt. Denn wer nicht liebt, das ist eine gewisse Anzeigung, dass er nicht gerechtfertigt, sondern noch im Tode sei oder die Gerechtigkeit des Glaubens wiederum verloren habe; wie Joh.annes sagt I Joh. 3. Aber wenn Paulus spricht: “Wir werden durch den Glauben gerecht ohne Werke”, [so] zeigt er damit an, dass weder vor[her]gehende Reü noch folgende Werke in den Artikel oder Handel der Rechtfertigung des Glaubens gehören. Denn gute Werke gehen nicht vor der Rechtfertigung her, sondern folgen derselben, und die Person muss erst gerecht sein, ehe sie gute Werke tun kann.

Gleichfalls auch, obwohl die Verneurung und Heiligung auch eine Wohltat des Mittlers Christi und ein Werk des .Heiligen Geistes ist, gehört sie doch nicht in den Artikel oder in den Handel der Rechtfertigung vor Gott, sondern folgt derselben, weil sie von wegen unsers verderbten Fleisches in diesem Leben nicht ganz rein und vollkommen ist; wie D. Luther hiervon wohl [trefflich] schreibt in seiner schönen und langen Auslegung der Epistel an die Galater, da er also sagt:

“Wir geben’s wohl zu, das man von der Liebe und guten Werken auch lehren solle, doch also, das es geschehe, wann und wo es vonnöten ist, als nämlich, wenn man außerhalb dieser Sache von der Rechtfertigung von Werken sonst zu tun hat. Hier aber ist dieses die Hauptsache, damit man zu tun hat, dass man frage, nicht, ob man auch gute Werke tun und lieben [Liebe üben] solle, sondern wodurch man doch gerecht vor Gott und selig werden möge. Und da antworten wir mit St. Paulo also, das wir allein durch den Glauben an Christum gerecht werden und nicht durch des Gesetzes Werke oder durch die Liebe; nicht also, das wir hiermit die Werke und Liebe gar verwerfen, wie die Widersacher uns mit Unwahrheit lästern und schuld geben, sondern auf dass wir uns allein von der .Hauptsache, damit man hier zu tun hast, nicht auf einen andern, fremden Handel, der in diese Sache gar nichts [in keiner Weise] gehört, abführen lassen, wie es der Satan gerne haben wollte. Derhalben, alldieweil und solange wir in diesem Artikel von der Rechtfertigung zu tun haben, verwerfen und verdammen wir die Werke, sintemal es um diesen Artikel also getan ist, das er keinerlei Disputation oder Handlung von den Werken nicht leiden kann; darum schneiden wir in dieser Sache alle Gesetze und Gesetzeswerke kurz ab.” Bis daher Lutherus.

Derwegen und auf dass betrübte Herzen einen beständigen, gewissen Trost haben, auch dem Verdienst Christi und der Gnade Gottes seine gebührliche Ehre gegeben werde, so lehrt die Schrift, das die Gerechtigkeit des Glaubens vor Gott bestehe allein in gnädiger Versöhnung oder Vergebung der Sünden, welche aus lauter Gnade um des einigen Verdienstes des Mittlers Christi willen uns geschenkt und allein durch den Glauben in der Verheißung des Evangelii empfangen wird. Also auch verläßt sich der Glaube in der Rechtfertigung vor Gott weder auf die Reü noch auf die Liebe oder andere Tugenden, sondern allein auf Christum und in demselben auf seinen vollkommenen Gehorsam, damit er für uns das Gesetz erfüllt [hat], welcher den Gläubigen zur Gerechtigkeit zugerechnet wird.

Es ist auch weder Reü oder Liebe oder andere Tugend, sondern allein der Glaube das einige Mittel und Werkzeug, damit und dadurch wir Gottes Gnade, das Verdienst Christi und Vergebung der Sünden, so uns in der Verheißung des Evangelii vorgetragen werden, empfangen und annehmen können.

Es wird auch recht gesagt, dass die Gläubigen, so durch den Glauben an Christum gerecht [ge=] worden sind, in diesem Leben erstlich die zugerechnete Gerechtigkeit des Glaubens, danach auch die angefangene Gerechtigkeit des neün Gehorsams oder der guten Werke haben. Aber diese beiden müssen nicht ineinandergemengt oder zugleich in den Artikel der Rechtfertigung des Glaubens vor Gott eingeschoben werden. Denn weil diese angefangene Gerechtigkeit oder Verneurung in uns von wegen des Fleisches in diesem Leben unvollkommen und unrein [ist], kann damit und dadurch die Person vor Gottes Gericht nicht bestehen, sondern allein die Gerechtigkeit des Gehorsams, Leidens und Sterbens Christi, so dem Glauben zugerechnet wird, kann vor Gottes Gericht bestehen; also dass allein um dieses Gehorsams willen die Person (auch nach ihrer Verneurung, wenn sie schon viel guter Werke hat und im besten Leben ist) Gott gefalle und angenehm werde und sei zur Kindschaft und Erbschaft des ewigen Lebens angenommen.

Hierher gehört auch, das St. Paulus schreibt Röm. 4, dass Abraham vor Gott gerecht sei [ge=] worden allein durch den Glauben um des Mittlers willen, ohne Zutun seiner Werke, nicht allein, da er erstlich von der Abgötterei bekehrt und keine guten Werke hatte, sondern auch, da er hernach durch den Heiligen Geist verneürt und mit vielen herrlichen guten Werken geziert war, Gen. 15; Hebr. 11. Und setzt Paulus diese Frage Röm. 4 worauf alsdann Abrahams Gerechtigkeit vor Gott, dadurch er einen gnädigen Gott gehabt, ihm gefällig und angenehm gewesen, zum ewigen Leben, gestanden sei.

Darauf er antwortet: “Dem, der nicht mit Werken umgehet, glaubet aber an den, der die Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube gerechnet zur Gerechtigkeit; wie auch David sagt, dass die Seligkeit sei allein des Menschen, welchem Gott zurechnet die Gerechtigkeit ohne Zutun der Werke.”

Also, wenngleich die Bekehren und Gläubigen haben angefangene Verneurung, Heiligung, Liebe, Tugend und gute Werke, so können doch, sollen und müssen dieselben nicht eingezogen oder eingemengt werden in den Artikel der Rechtfertigung vor Gott, auf das dem Erlöser Christo seine Ehre bleibe, und, weil unser neür Gehorsam unvollkommen und unrein, die angefochtenen Gewissen einen beständigen Trost haben mögen.

Und das ist des Apostels Pauli Meinung, wenn er in diesem Artikel die particulas exclusivas, das ist, die Worte, dadurch die Werke in dem Artikel der Gerechtigkeit des Glaubens ausgeschlossen werden, so fleißig und emsig treibt: absque operibus, sine Iege, gratis, non ex operibus, das ist, “aus Gnaden, ohne Verdienst, ohne Gesetz, ohne Werke, nicht aus den Werken” usw; welche exclusivae alle zusammengefaßt werden, wenn man sagt: “Allein durch den Glauben werden wir vor Gott gerecht und selig.” Denn dadurch werden die Werke ausgeschlossen, nicht der Meinung, als könnte ein wahrer Glaube wohl sein ohne Reü, oder als sollten, müßten und dürften die guten Werke dem wahren Glauben als die gewissen, ungezweifelten Früchte nicht folgen, oder als ob die Gläubigen nicht dürften noch müßten etwas Gutes tun; sondern von dem Artikel der Rechtfertigung vor Gott werden die guten Werke ausgeschlossen, dass sie in die Handlung der Rechtfertigung des armen Sünders vor Gott, als dazu nötig oder gehörig, nicht sollen mit eingezogen, eingefochten oder eingemengt werden; und steht der rechte Verstand particuIarum exclusivarum in articulo iustificationis, das ist, oberzählter Wörter im Artikel der Rechtfertigung, darin, [nämlich in folgenden Punkten, und die] sollen auch mit allem Fleiß und Ernst bei diesem Artikel getrieben werden:

I. Dass dadurch alle eigenen Werke, Verdienst, Würdigkeit, Ruhm und Vertraün aller unserer Werke in dem Artikel der Rechtfertigung ganz und gar ausgeschlossen werden, also dass unsere Werke weder [als] Ursache noch [als] Verdienst der Rechtfertigung, daraus Gott in diesem Artikel und Handlung sehen [sehe], oder wir uns daraus verlassen möchten oder sollten, noch [weder] zum ganzen noch zum halben noch zum wenigsten Teil gesetzt und gehalten sollen werden.

  1. Dass das Amt und die Eigenschaft des Glaubens allein bleibe, dass er allein, und sonst nichts anderes, sei das Mittel oder Werkzeug, damit und dadurch Gottes Gnade und Verdienst Christi in der Verheißung des Evangelii empfangen, ergriffen, angenommen, uns appliziert und zugeeignet werde; und das von demselben Amt und Eigenschaft solcher Applikation oder Züignung die Liebe und alle andern Tugenden oder Werke ausgeschlossen werden.
  1. Das weder [Er]Neurung, Heiligung, Tugenden oder gute Werke tamquam forma aut pars aut causa iustificationis, das ist, unsere Gerechtigkeit vor Gott sei, noch für einen Teil oder Ursache unserer Gerechtigkeit gemacht und gesetzt oder sonst unter einigerlei Schein, Titel oder Namen in den Artikel der Rechtfertigung, als dazu nötig und gehörig, eingemengt werden sollen; sondern dass die Gerechtigkeit des Glaubens allein [be]stehe in Vergebung der Sünden, lauter aus Gnaden, allein um des Verdienstes Christi willen, welche Güter in der Verheißung des Evangelii uns vorgetragen und allein durch den Glauben empfangen, angenommen, uns appliziert und zugeeignet werden.

Also muss auch bleiben und erhalten werden die Ordnung zwischen dem Glauben und guten Werken, item zwischen der Rechtfertigung und Erneurung oder Heiligung.

Denn gute Werke gehen nicht vor dem Glauben her, auch nicht die Heiligung vor der Rechtfertigung; sondern erstlich wird in der Bekehrung durch den Heiligen Geist der Glaube als dem Gehör des Evangelii in uns angezündet; derselbe ergreift Gottes Gnade in Christo, dadurch die Person gerechtfertigt wird; danach, wenn die Person gerechtfertigt ist, so wird sie auch durch den Heiligen Geist verneürt und geheiligt; aus welcher Verneurung und Heiligung alsdann die Früchte der guten Werke folgen. Et haec non ita divelluntur, quasi vera fides aliquando et aIiquamdiu stare possit cum malo proposito, sed ordlne causarum et effectuum, antecedentium et consequentium, ita distribuuntur, Manet enim, quod Lutherus recte dicit: Bene conveniunt et sunt connexa inseparabiliter fides et opera; sed sola fides est, quae apprehendit benedictionem sine operibus, et tamen nun quam est sola. Das ist: Welches nicht also verstanden werden soll, als ob die Rechtfertigung und Erneurung voneinander geschieden [wären] dermassen, dass ein wahrhaftiger Glaube unterweilen eine Zeitlang neben einem bösen Vorsatz sein und bestehen könnte, sondern es wird hiermit allein die Ordnung angezeigt, wie eines dem andern vorgehe oder nachfolge. Denn es bleibt doch wahr, das D. Luther recht gesagt hat: “Es reimen und schicken sich fein zusammen der Glaube und die guten Werke; aber der Glaube ist es allein, der den Segen ergreift, ohne die Werke, doch nimmer und zu keiner Zeit allein ist”; wie denn oben erklärt worden.

Es werden auch Viele Disputationes durch diesen wahrhaftigen Unterschied nützlich und wohl erklärt, welchen die Apologia über den Spruch Jak. 2 handelt. Denn wenn man von dem Glauben redet, wie der gerecht mache, so ist St., Pauli Lehre, dass der Glaube allein gerecht mache ohne Werke, indem er uns das Verdienst Christi, wie gesagt, appliziert und züignet. Wenn man aber fragt, woran und wobei ein Christ entweder bei sich selbst oder an andern erkennen und unterscheiden möge einen wahren, lebendigen Glauben von einem gefärbten, toten Glauben, weil viel faule, sichere Christen ihnen einen Wahn vom Glauben einbilden, da sie doch keinen wahren Glauben haben, daraus gibt die Apologia diese Antwort: Iakobus nennt toten Glauben, wo nicht allerlei gute Werke und Früchte des Geistes folgen. Und auf solche Meinung sagt die lateinische Apologia: Iacobus recte negat, nos tali fide iustificari, quae est sine operibus, hoc est, quae mortua est; das ist: St. Jakob lehrt recht, da er verneint, dass wir durch einen solchen Glauben gerechtfertigt werden, der ohne die Werke ist, welches ein toter Glaube ist.

Es redet aber Jakobus, wie die Apologia sagt, von Werken derjenigen, welche schon durch Christum gerecht [ge]worden, mit Gott versöhnt [sind] und Vergebung der Sünden durch Christum erlangt haben. Wenn man aber fragt, woraus und woher der Glaube das habe, und was dazu gehöre, das er gerecht und selig mache, ist’s falsch und unrecht, wer da sagt: fidem non posse iustificare sine operibus; Vel fidem, quatenus caritatem, qua formetur, coniunctam habet, iustificare; Vel fidei, ut iustificet, necessariam esse praesentiam bonorum operum; aut ad iustificationem vel in articulo iustificationis esse necessariam praesentiam bonorum operum; vel bona opera esse causam sine qua non, quae per partlculas exclusivas ex articulo iustificationis non excludantur. Das ist: dass der Glaube nicht könnte rechtfertigen ohne die Werke, oder dass der Glaube dergestalt rechtfertige oder gerecht mache, weil er die Liebe bei sich habe, um welcher Liebe willen solches dem Glauben zugeschrieben [werde]; oder dass die Gegenwärtigkeit der Werke bei dem Glauben notwendig sei, soll anders der Mensch dadurch vor Gott gerechtfertigt werden; oder dass die Gegenwärtigkeit der guten Werke im Artikel der Rechtfertigung oder zu der Rechtfertigung vonnöten sei, also dass die guten Werke eine Ursache sein sollen, ohne welche der Mensch nicht könnte gerechtfertigt werden, welche auch durch die particulas exclusivas: absque operibus etc., das ist, wenn St. Paul spricht: “ohne Werke”, aus dem Artikel der Rechtfertigung nicht ausgeschlossen werden. Denn der Glaube macht gerecht allein darum and daher, weil er Gottes Gnade und das Verdienst Christi in der Verheißung des Evangelii als ein Mittel und Werkzeug ergreift und annimmt.

Und das sei nach Gelegenheit dieser Schrift genug zu einer summarischen Erklärung der Lehre von der Rechtfertigung des Glaubens, welche in den obgemeldeten Schriften ausführlicher gehandelt wird. Daraus auch die antithesis, das ist, falsche Gegenlehre, klar [ist], nämlich dass über die [außer den] erzählten auch diese und dergleichen Irrtümer, so wider die jetzt gemeldete Erklärung streiten, gestraft, ausgesetzt und verworfen werden müssen; als, da gelehrt wird:

  1. Dass unsere Liebe oder guten Werke Verdienst oder Ursache seien der Rechtfertigung vor Gott, entweder gänzlich oder ja zum Teil.
  1. Oder dass durch gute Werke der Mensch sich dazu würdig und geschickt machen müsse, dass ihm das Verdienst Christi mitgeteilt möge werden.
  1. Vel formalem nostram iustitiam coram Deo esse inhaerentem nostram novitatem seu caritatem; das ist: das unsere wahrhaftige Gerechtigkeit vor Gott sei die Liebe oder die Erneurung, welche der Heilige Geist in uns wirkt und [welche] in uns ist.
  1. Oder dass zwei Stücke oder Teile zu der Gerechtigkeit des Glaubens vor Gott gehören, darin sie bestehe, nämlich die gnädige Vergebung der Sünden und dann zum andern auch die Verneurung oder Heiligung.
  1. Ferner: fidem iustificare tantum initialiter, vel partialiter, vel principaIiter; et novitatem vel caritatem nostram iustificare etiam coram Deo vel completive, vel minus principaliter.
  1. Ferner: credentes coram Deo iustificari vel coram Deo iustos esse simuI et imputatione et inchoatione, vel partim imputatione [iustitiae Christi], partim inchoatione novae obedientiae.
  1. Ferner: applicationem promissionis gratiae fieri et fide cordis et confessione oris ac reliquis virtutibus. Das ist: der Glaube mache allein darum gerecht, dass die Gerechtigkeit durch den Glauben in uns angefangen [sei], oder also, dass der Glaube den Vorzug habe in der Rechtfertigung; gleichwohl gehöre auch die Erneurung und die Liebe zu unserer Gerechtigkeit vor Gott, doch dergestalt, dass sie nicht die vornehmste Ursache unserer Gerechtigkeit, sondern dass unsere Gerechtigkeit vor Gott ohne solche Liebe und Erneurung nicht ganz oder vollkommen sei. Ferner: dass die Gläubigen vor Gott gerechtfertigt werden und gerecht seien zugleich durch die zugerechnete Gerechtigkeit Christi und durch den angefangenen neün Gehorsam oder zum Teil durch die Zurechnung der Gerechtigkeit Christi, zum Teil durch den angefangenen neün Gehorsam. Ferner: dass uns die Verheißung der Gnade zugeeignet werde durch den Glauben im Herzen und durch das Bekenntnis, so mit dem Munde geschieht, und durch andere Tugenden.

Es ist auch das unrecht, wenn gelehrt wird, dass der Mensch anderergestalt oder durch etwas anderes selig müsse werden, denn wie er vor Gott gerechtfertigt wird, also dass wir wohl allein durch den Glauben, ohne Werke gerecht werden, aber ohne Werke selig zu werden oder die Seligkeit ohne Werke zu erlangen, sei unmöglich.

Dieses ist darum falsch, denn es ist stracks wider den Spruch Pauli Röm. 4: “Die Seligkeit ist des Menschen, welchem Gott die Gerechtigkeit zurechnet ohne Werke.” und Pauli Grund ist, dass wir auf eine Weise wie die Gerechtigkeit, also auch die Seligkeit erlangen, ja, dass wir eben damit, wenn wir durch den Glauben gerecht werden, auch zugleich empfangen die Kindschaft und Erbschaft des ewigen Lebens und Seligkeit; und derhalben Paulus die particuIas exclusivas, das ist, solche Worte, dadurch die Werke und eigenes Verdienst gänzlich ausgeschlossen wird, nämlich: “aus Gnaden, ohne Werke”, ja so stark bei dem Artikel der Seligkeit als bei dem Artikel der Gerechtigkeit setzt und treibt.

Gleichfalls muss auch die Disputation von der Einwohnung der wesentlichen Gerechtigkeit Gottes in uns recht erklärt werden. Denn obwohl durch den Glauben in den Auserwählten, so durch Christum gerecht worden und mit Gott versöhnt sind, Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist, der die ewige und wesentliche Gerechtigkeit ist, wohnt (denn alle Christen sind Tempel Gottes des Vaters, Sohnes und Heiligen Geistes, welcher sie auch treibt, recht zu tun), so ist doch solche Einwohnung Gottes nicht die Gerechtigkeit des Glaubens, davon St., Paulus handelt und sie [und die er] iustitiam Dei, das ist, die Gerechtigkeit Gottes, nennt, um welcher willen wir vor Gott gerecht gesprochen werden, sondern sie folgt auf die vor[her]gehende Gerechtigkeit des Glaubens, welche anders nichts ist denn die Vergebung der Sünden und gnädige Annehmung der armen Sünder allein um Christus’ Gehorsams und Verdienstes willen.

Demnach, weil in unsern Kirchen zwischen den Theologen Augsburgischer Konfession bekannt, das alle unsere Gerechtigkeit außerhalb unser und aller Menschen Verdienst, Werk, Tugend und Würdigkeit zu suchen und allein auf dem Hern Christo steht, so ist Wohl zu betrachten, welchergestalt Christus in diesem Handel der Rechtfertigung unsere Gerechtigkeit genennet [genannt] wird, nämlich, dass unsere Gerechtigkeit nicht auf die eine oder die andere Natur, sondern auf die ganze Person Christi gesetzt, welcher als Gott und Mensch in seinem einigen, ganzen, vollkommenen Gehorsam unsere Gerechtigkeit ist.

Denn da [denn wenn] Christus gleich vom Heiligen Geist ohne Sünde empfangen und geboren und in menschlicher Natur allein alle Gerechtigkeit erfüllt hätte und aber nicht wahrer ewiger Gott gewesen, möchte [könnte] uns solcher der menschlichen Natur Gehorsam und Leiden auch nicht zur Gerechtigkeit gerechnet werden; wie denn auch, da der Sohn Gottes nicht Mensch [ge]worden, die bloße göttliche Natur unsere Gerechtigkeit nicht [hätte] sein können. Demnach so glauben, lehren und bekennen wir, dass der ganzen Person Christi ganzer Gehorsam, welchen er für uns dem Vater bis in den allerschmählichsten Tod des Kreuzes geleistet hat, uns zur Gerechtigkeit zugerechnet werde, Denn die menschliche Natur allein, ohne die göttliche, [hätte] dem ewigen, allmächtigen Gott weder mit Gehorsam noch Leiden für aller Welt Sünde genugtun, die Gottheit aber allein, ohne die Menschheit, zwischen Gott und uns nicht mitteln mögen [nicht vermitteln können].

Weil aber, wie oben vermeldet, der Gehorsam der ganzen Person ist, so ist er eine vollkommene Genugtuung und Versöhnung des menschlichen Geschlechts (dadurch der ewigen, unwandelbaren Gerechtigkeit Gottes, so im Gesetz geoffenbart, genug geschehen) und also unsere Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, so im Evangelio geoffenbart wird, darauf sich der Glaube vor Gott verläßt, welche Gott dem Glauben zurechnet, wie geschrieben steht Röm. 5: “Gleichwie durch eines Menschen Ungehorsam viel Sünder worden sind, also auch durch eines Gehorsam werden viele gerecht”, und 1 Joh. I: “Das Blut Jesu Christi, des Sohnes Gottes, reinigt uns von allen Sünden”; item: “Der Gerechte wird seines Glaubens leben”, Hab. 2.

Solchergestalt wird uns weder die göttliche noch die menschliche Natur Christi für sich selbst zur Gerechtigkeit zugerechnet, sondern allein der Gehorsam der Person, welche zumal [zugleich] Gott und Mensch [ist]. Und steht also der Glaube auf die Person Christi, wie dieselbe für uns unter das Gesetz getan, unsere Sünde getragen und in seinem Gang zum Vater den ganzen vollkommenen Gehorsam, von seiner heiligen Geburt an bis in den Tod, seinem himmlischen Vater für uns arme Sünder geleistet und damit allen unsern Ungehorsam, der in unserer Natur, derselben Gedanken, Worten und Werken steckt, zugedeckt [hat], das er uns zur Verdamnis nicht zugerechnet, sondern aus lauter Gnade, allein um Christus’ willen, verziehen und vergeben wird.

Demnach verwerfen und verdammen wir einhellig über die vorgesetzten [außer den bereits genannten] auch nachfolgende und alle dergleichen Irrtümer, als die Gottes Wort, der Lehre der Propheten und Apostel, und unserm christlichen Glauben zuwider sind:

  1. Da gelehrt wird, dass Christus unsere Gerechtigkeit sei vor Gott allein nach seiner göttlichen Natur.
  1. Das Christus unsere Gerechtigkeit sei allein nach der menschlichen Natur.
  1. Dass in den Sprüchen der Propheten und Apostel, wenn von der Gerechtigkeit des Glaubens geredet wird, die Worte “rechtfertigen” und “gerechtfertigt werden” nicht sollen heißen von Sünden ledig sprechen und Vergebung der Sünden erlangen, sondern von wegen der durch den Heiligen Geist eingegossenen Liebe, Tugenden und daraus folgenden Werke mit der Tat und Wahrheit gerecht gemacht werden.
  1. Dass der Glaube nicht allein ansehe den Gehorsam Christi, sondern seine göttliche Natur, wie dieselbe in uns wohnt und wirkt, und durch solche Einwohnung unsere Sünden vor Gott zugedeckt werden.
  1. Das der Glaube ein solch Vertraün sei auf den Gehorsam Christi, welcher in einem Menschen sein und bleiben könne, der gleich keine wahrhaftige Buße habe, da auch keine Liebe folge, sondern [der Mensch] wider sein Gewissen in Sünden verharre.
  1. Dass nicht Gott, sondern allein die Gaben Gottes in den Gläubigen wohnen.

Diese Irrtümer und dergleiehen allzumal verwerfen wir einhellig als dem klaren Wort Gottes zuwider und verharren durch Gottes Gnade standhaft und beständig auf der Lehre von der Gerechtigkeit des Glaubens vor Gott, wie dieselbe in der Augsburgischen Konfession und darauf erfolgter Apologia gesetzt, ausgeführt und mit Gottes Wort erwiesen ist.

Was dann ferner zur eigentlichen Erklärung dieses hohen und vornehmen [vornehmsten] Artikels der Rechtfertigung vor Gott vonnöten, daran unserer Seelen Seligkeit gelegen, wollen wir männiglich [jedermann] auf die schöne und herrliche Auslegung D. Luthers über die Epistel St. Pauli an die Galater gewiesen und um geliebter Kürze willen hiermit gezogen haben [uns bezogen haben].