Konkordienformel – Solida DeclaratioFC SDEinleitung

Gründliche Erklärung

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Concordia Triglotta
Originaltitel

[Zweiter Teil.]

Gründliche, lautere, richtige und endliche

Wiederholung und Erklärung etlicher Artikel

Augsburgischer Konfession

in welchen eine Zeitlang

Unter etlichen Theologen, derselben zugetan, Streit vorgefallen, nach Anleitung Gottes

Words und summarischem Inhalt unserer christlichen Lehre beigelegt und verglichen.

Mit Kurfl. Gn zu Sachsen Befreiung. Dresden Anno 1579

Nachdem aus [be]sonderen Gnaden und Barmherzigkeit des Allmächtigen die Lehre von den vornehmsten Artikeln unserer christlichen Religion (welche durch Menschenlehre und Fassungen unter dem Papsttum greulich verfinstert gewesen) durch D. Luther, seligen und heiligen Gedächtnisses, wiederum aus Gottes Wort erläutert und gereinigt, die päpstischen Irrtümer, Mißbräuche und Abgöttereien gestraft,

und aber solche reine Reformation von dem Gegenteil für eine neü Lehre geachtet, auch, als ob sie dem Wort Gottes und den christlichen Ordnungen gänzlich zuwider [sei], heftig (gleichwohl mit Ungrund) angezogen, dazu mit unerfindlichen [unwahren] Kalumnien und Auflagen beschwert [worden],

haben die christlichen Kur= und Fürsten, auch Stände, welche damals die reine Lehre des heiligen Evangelii angenommen und ihre Kirchen christlich, dem Worte Gottes gemäß [haben] reformieren lassen, auf der großen Reichsversammlung zu Augsburg Anno 30 usw. eine christliche Konfession aus Gottes Wort stehen lassen und dieselbe Kaiser Carolo V. überantwortet, darin sie lauter und rund ihr christliches Bekenntnis getan, was von den vornehmsten Artikeln (besonders denen, so zwischen ihnen und den Päpstischen streitig [ge]worden) in den christlichen evangelischen Kirchen gehalten and gelehrt werde, welche [Augsburgische Konfession] von dem Gegenteil gleichwohl saür angesehen, aber, Gott Lob, bis auf diesen Tag unwiderlegt und unumgestoßen geblieben [ist].

Zu derselben christlichen und in Gottes Wort wohlbegründeten Augsburgischen Konfession bekennen wir uns nochmals hiermit von Grund unsers Herzens, bleiben bei derselben einfältigem, hellem und lauterem Verstand, wie solchen die Worte mit sich bringen, und halten gedachte Konfession für ein rein christlich Symbolum, bei dem sich dieser Zeit rechte Christen nächst Gottes Wort sollen finden lassen; wie denn auch vorzeiten in der Kirche Gottes über etliche vorgefallene große Streite christliche Symbola und Bekenntnisse gesteIlt worden [sind], zu denen sich die reinen Lehrer und Zuhörer mit Herzen und Munde damals bekannt haben.

Wir gedenken auch vermittelst der Gnade des Allmächtigen bei mehrgemeldeter christlicher Konfession, wie sie Kaiser Carolo Anno 30 usw. übergeben, bis an unser Ende beständig zu verharren; und ist unser Vorhaben nicht, weder in diesem [in dieser] noch andern Schriften von vielgedachter Konfession im wenigsten [im geringsten] abzuweichen, noch eine andere und neü Konfession zu stellen.

Obwohl aber die christliche Lehre in derselben Konfession mehrernteils (außerhalb [außer] was von den Papisten geschehen) unangefochten geblieben, so kann gleichwohl nicht geleugnet werden, dass etliche Theologi von etlichen hohen und vornehmen Artikeln gemeldeter Konfession abgewichen und den rechten Verstand derselben entweder nicht erreicht oder ja nicht dabei bestanden, etwa auch deren [zuweilen auch derselben] einen fremden Verstand anzudeuten sich unterwunden und doch neben dem allem der Augsburgischen Konfession sein und sich derselben behelfen und rühmen wollen;

daraus denn beschwerliche und schädliche Spaltungen in den reinen evangelischen Kirchen entstanden; wie denn auch noch bei Lebzeiten der heiligen Apostel unter denen, so Christen heißen wollten und sich der Lehre Christi berühmten gleichfalls erschreckliche Irrtümer eingefallen, daher etliche durch die Werke des Gesetzes wollten gerecht und selig werden, Art. 15, etliche die Auferstehung der Toten widersprochen, 1 Kor. 15, etliche nicht glaubten, dass Christus wahrer ewiger Gott wäre; wider welche sich die heiligen Apostel in ihren Predigten und Schriften heftig [haben] legen müssen; obwohl solche hochwichtige Irrtümer und ernstliche Streite damals auch nicht ohne großes Ërgernis beide der Ungläubigen und Schwachgläubigen ab[ge]gangen,

inmaßen heutigestages unsere Widersacher, die Papisten, über den Spaltungen, so unter uns entstanden, der unchristlichen und vergeblichen Hoffnung, als sollten diese Uneinigkeiten zu endlichem Untergang der reinen Lehre gereichen; die Schwachgläubigen aber sich darob ärgern und eines Teils zweifeln, ob die reine Lehre bei uns unter so großen Spaltungen sei [vorhanden sei], eines Teils nicht wissen, welchem Teil sie in den streitigen Artikeln beifallen sollen.

Denn die eingefallenen Streite nicht nur Mißverstände [Mißverständnisse] oder Wortgezänke sind, dafür es etliche halten möchten, da ein Teil des andern Meinung nicht genugsam eingenommen [verstanden] hätte, und sich also der Span [Zwist] allein in etlichen wenig Worten, an welchen nicht viel gelegen, hielte; sondern es sind wichtige und große Sachen, darüber gestritten worden, und also geschaffen [beschaffen], dass des einen und irrenden Teils Meinung in der Kirche Gottes nicht kann noch soll geduldet, noch viel weniger entschuldigt oder bestritten [in Streit gezogen, verteidigt] werden.

Derwegen die Notdurft erfordert, solche streitigen Artikel aus Gottes Wort und bewährten Schriften also zu erklären, dass männiglich [jedermann], so eines christlichen Verstandes [ist], merken könne, welche Meinung in den streitigen Punkten dem Wort Gottes und der christlichen Augsburgischen Konfession gemäß sei oder nicht, und sich also gutherzige Christen, denen die Wahrheit angelegen, vor den eingerissenen Irrtümern und Korruptelen haben zu verhüten und zu verwahren.