VIII. Von der Person Christi
Es hat sich auch ein Zwiespalt zwischen den Theologen Augsburgischer Konfession von der Person Christi zugetragen, welche doch nicht erst unter ihnen angefangen, sondern ursprünglich von den Sakramentierern herführt.
Denn nachdem D. Luther wider die Sakramentierer die wahre wesentliche Gegenwärtigkeit des Leibes und Blutes Jeu Christi im Abendmahl aus den Worten der Einsetzung mit beständigem Grund erhalten, is ihm von den Zwinglianern vorgeworfen: wenn der Leib Christi zumal im Himmel und auf Erden im heiligen Abendmahl gegenwärtig sei, so könnte es kein rechter, wahrhaftiger menschlicher Leib sein; denn solche Majestät allein Gottes eigen, deren der Leib Christi nicht fähig sei.
Als aber D. Luther solches widersprochen und gewaltig widerlegt, wie seine Lehre [seine Lehr=] und Streitschriften vom heiligen Abendmahl ausweisen, zu welchen wir uns hiermit öffentlich sowohl als zu seinen Lehrschriften bekennen, haben nach seinem Tode
etliche Theologen Augsburgischer Konfession sich zwar noch nicht öffentlich und ausdrücklich zu den Sakramentierern von des Hern Abendmahl bekennen woIlen; aber doch eben dieselben Grundfesten von der Person Christi, dadurch die Sakramentierer die wahre, wesentliche Gegenwärtigkeit des Leibes und Blutes Christi aus seinem Abendmahl wegzuräumen sich unterstanden, geführt und gebraucht, dass nämlich der menschlichen Natur in der Person Christi nichts soIle zugeschrieben werden, was über oder wider ihre natürliche, wesentliche Eigenschaft sei, und haben darüber D. Luthers Lehre und aIle diejenigen, so derselben als Gottes Wort gemäß folgen, mit Bezichtigung [Veschuldigung] fast aIler alten ungeheuren Ketzereien beschwert.
Diesen Zwiespalt christlich, vermöge Gottes Worts, nach Anleitung unsers einfältigen christlichen Glaubens zu erklären und durch Gottes Gnade gänzlich hinzulegen [beizulegen], ist unsere einheIlige Lehre, Glaube und Bekenntnis, wie folgt:
Wir glauben, lehren und bekennen, obwohl der Sohn Gottes eine sonderliche, unterschiedene, ganze göttliche Person und also wahrer, wesentlicher, vöIliger Gott mit Vater und dem Heiligen Geist von Ewigkeit gewesen [ist], dass er gleichwohl, da die Zeit erfüIlt, auch menschliche Natur in Einigkeit seiner Person angenommen [hat], nicht also, dass nun zwei Personen oder zwei Christus wären, sondern dass Christus Jeus nunmehr in einer Person zumal [zugleich] wahrhaftiger ewiger Gott sei, vom Vater von Ewigkeit geboren, und ein wahrhaftiger Mensch, von der hochgelobten Jungfrau Maria geboren, wie geschrieben steht Röm. 9: “Aus welchen Christus herkommt nach dem Fleisch, der da ist Gott über aIles, gelobet in Ewigkeit.”
Wir glauben, lehren und bekennen, dass nunmehr in derselben einigen, unzertrennten Person Christi zwei unterschiedliche Naturen seien, die göttliche, so von Ewigkeit [ist], und die menschliche, so in der Zeit in Einigkeit der Person des Sohnes Gottes angenommen [ist], welche zwei Naturen nimmermehr in der Person Christi weder getrennt noch miteinander vermischt [sind], oder eine in die andere verwandelt, sondern eine jede in ihrer Natur und Wesen in der Person Christi in aIle Ewigkeit bleibt.
Wir glauben, lehren und bekennen auch, wie gemeldete beide Naturen in ihrer Natur und Wesen unvermischt und unabgetilgt bleiben, dass also auch eine jede ihre natürlichen, wesentlichen Eigenschaften behalte und in aIle Ewigkeit nicht von sich lege, noch einer Natur wesentliche Eigenschaften der andern Natur wesentliche Eigenschaften nimmermehr [jemals] werden.
Also glauben, lehren und bekennen wir, dass allmächtig sein, ewig, unendlich, aIlenthalben zumal natürlich, das ist, nach Eigenschaft der Natur und ihres natürlichen Wesens, für sich selbst gegenwärtig sein, aIles wissen sind wesentliche Eigenschaften der göttlichen Natur, welche der menschlichen Natur wesentliche Eigenschaften in Ewigkeit nimmermehr werden.
Hinwiederum ein leiblich Geschöpf oder Kreatur sein, Fleisch und Blut sein, endlich und umschrieben sein, leiden, sterben, auf und ab fahren, von einem Ort zu dem andern sich bewegen, Hunger, Durst, Frost, Hitze leiden und dergleichen, sind Eigenschaften der menschlichen Natur, welche der göttlichen Natur Eigenschaften nimmermehr werden.
Wir glauben, lehren und bekennen auch, dass nunmehr, nach der Menschwerdung, nicht eine jede Natur in Christo für sich selbst also bestehe, dass eine jede eine sonderbare [eine besondere] Person sei oder mache, sondern dass sie also vereinbart seien, dass sie eine einige Person machen, in welcher zugleich persönlich ist und besteht beide die göttliche und die angenommene menschliche Natur, also dass nunmehr, nach der Menschwerdung, zu der ganzen Person Christi gehöre nicht aIlein seine göttliche, sondern auch seine angenommene menschliche Natur, und dass, wie ohne seine Gottheit, also auch ohne seine Menschheit die Person Christi oder Filii Dei incarnati, das ist, des Sohnes Gottes, der Fleisch an sich genommen und Mensch [ge]worden, nicht ganz sei; daher Christus nicht zwei unterschiedene, sondern eine einige Person ist, unangesehen, dass zwei unterschiedliche Naturen in ihrem natürlichen Wesen und Eigenschaften unvermischt an ihm erfunden werden.
Wir glauben, lehren und bekennen auch, dass die angenommene menschliche Natur in Christo nicht aIlein ihre natürlichen wesentlichen Eigenschaften habe und behalte, sondern dass sie darüber [außerdem] durch die persönliche Vereinigung mit der Gottheit und hernach durch die Verklärung oder Glorifikation erhöht sei zur Rechten der Majestät, Kraft und Gewalt über aIles, was genannt kann werden, nicht aIlein in dieser, sondern auch in künftiger Welt.
Soviel nun diese Majestät belangt, zu welcher Christus nach seiner Menschheit erhoben, hat er solches nicht erst empfangen, als er von den Toten erstanden und gen Himmel gefahren, sondern da er im Mutterleib empfangen und Mensch [ge]worden, und die göttliche und menschliche Natur miteinander persönlich vereinigt worden [sind].
Welche persönliche Vereinigung doch nicht also zu verstehen [ist], wie etliche dieselbe Unrecht auslegen, als soIlten beide Naturen, die göttliche und menschliche, miteinander vereinigt sein, wie zwei Bretter zusammengeleimet, dass sie realiter, das ist, mit der Tat und Wahrheit, ganz und gar keine Gemeinschaft miteinander haben soIlten.
Denn solches ist Nestorii und Samosateni Irrtum und Ketzerei gewesen, welche, wie Suidas und Theodorus presbyter Rethenensls bezeugen, gelehrt und gehalten haben δυο φυσεις αα κοινωνητους πρὸς εε αυτὰς παντάπασιν hoc est, naturas omni modo incommunicabiles esse, das ist, dass die Naturen ganz und gar keine Gemeinschaft miteinander haben, dadurch die Naturen voneinander abgesondert und also zwei Christus gemacht [werden], dass ein anderer sei Christus und ein anderer Gott das Wort, so in Christo wohnt.
Denn also schreibt Theodorus presbyter Paulus quidam iisdem, quibus Manes temporibus, Samosatenus quidem ortu, sed Antiochiae Syriae antlstes, Dominum impie dixit nudum fuisse homlnem, in quo Deus Verbum sicut et in singulis prophetis habitavit, ac proinde duas naturas separatas et citra omnem prorsus inter sie communionem ln Christo esse. quasi alius sit Christus, alius Deus Verbum in ipso habitans. Das ist: Es hat eben zur selben Zeit, da Manes der Ketzer auch gelebt, einer mit Namen Paulus, der wohl seiner Geburt nach ein Samosatener, aber ein Vorsteher zu Antiochia in Syrien gewesen, gottlos gelehrt, dass der Her Christus nur ein purlauterer Mensch gewesen [sei], in welchem Gott das Wort habe gewohnt wie in einem jeden Propheten; daher er auch gehalten, dass die göttliche und menschliche Natur voneinander getrennt und abgesondert [seien], und dass sie in Christ allerdings [ganz und gar] keine Gemeinschaft miteinander haben, gleich als wenn ein anderer wäre Christus und ein anderer Gott das Wort, so in ihm wohnt.
Wider diese verdammte Ketzerei hat die christliche Kirche je und aIlwege einfältig geglaubt und gehalten, dass die göttliche und menschliche Natur in der Person Christi also vereinigt [sind], dass sie eine wahrhaftige Gemeinschaft miteinander haben, dadurch die Naturen nicht in ein Wesen, sondern, wie D. Luther schreibt, in eine Person gemengt [werden];
inmaßen um solcher persönlichen Vereinigung und Gemeinschaft willen die alten Lehrer der Kirche vielfältig, vor und nach dem Chalcedonischen Konzilio, das Wort mixtio, “Vermischung”, in gutem Verstand und Unterschied gebraucht (wie deshalben viele Zeugnisse der Väter, wo vonnöten, angezogen werden möchten, welche auch vielfältig in der unsern Schriften zu finden) und die persönliche Vereinigung und Gemeinschaft mit dem Gleichnis animae et corporis und ferrl candentis (das ist, eines feurigen Eisens, des Leibes und der Seele) erklärt [haben].
Denn Leib und Seele wie auch Feür und Eisen nicht per phrasin oder modum loquendi oder verbaliter, das ist, dass es nur eine Weise zu reden und bloße Worte sein soIlte, sondern vere und realiter, das ist, mit der Tat und Wahrheit, Gemeinschaft miteinander haben, und gleichwohl dadurch keine confusio oder exaequatio naturarum, das ist, einige Vermischung oder Vergleichung der Naturen, eingeführt [wird], als, wenn aus Honig und Wasser ein Met gemacht, welcher kein Unterschieden Wasser oder Honig mehr, sondern ein gemengter Trank ist, da es sich denn mit der göttlichen und menschlichen Natur Vereinigung in der Person Christi viel anders [ver]hält. Denn es viel eine andere, höhere und unaussprechlichere Gemeinschaft und Vereinigung ist zwischen der göttlichen und menschlichen Natur in der Person Christi, um welcher Vereinigung und Gemeinschaft willen Gott ist Mensch und Mensch ist Gott, dadurch doch weder die Naturen noch derselben Eigenschaften miteinander vermischt werden, sondern es behält eine jede Natur ihr Wesen und Eigenschaften.
Um dieser persönlichen Vereinigung willen, welche ohne solche wahrhaftige Gemeinschaft der Naturen nicht gedacht werden noch sein kann, hat nicht die bloße menschliche Natur für der ganzen Welt Sünde gelitten, deren Eigenschaft ist leiden und sterben, sondern es hat der Sohn Gottes selbst wahrhaftig, doch nach der angenommenen menschlichen Natur, gelitten und ist (Vermöge unsers einfältigen christlichen Glaubens) wahrhaftig gestorben, obwohl die göttliche Natur weder leiden noch sterben kann;
wie D. Luther solches in seinem großen Bekenntnis vom heiligen Abendmahl wider die gotteslästerliche alloeosin [Bedeutungsverwechslung] Zwinglii (da er gelehrt, dass eine Natur für die andere genommen und verstanden werden soIle), die er als des Teufels Larven bis in Abgrund der HölIe verdammt, ausführlich erklärt hat.
Der Ursache denn die alten Kirchenlehrer beide Worte κοινωνια und εεε νωσις, communio et unio, das ist, “Gemeinschaft” und: “Vereinigung”, in Erklärung dieses Geheimnisses zusammengesetzt und eins durch das andere erklärt haben, Irenäus. Iib. IV. cap. 37; Athanasius in EpistoIa ad Epictetum; Hilarius De Trinltate, Iib. IX; Basilius et Nyssenus in Theodoreto; Damascenus, Iib. III, cap. 419.
Um dieser persönlichen Vereinigung und Gemeinschaft willen der göttlichen und menschlichen Natur in Christo glauben, lehren und bekennen wir auch Vermöge unsers einfältigen christlichen Glaubens, was gesagt wird von der Majestät Christi nach seiner Menschheit zur Rechten der aIlmächtigen Kraft Gottes, und was derselben anhanget; welches alles nichts wäre noch bestehen könnte, wo diese persönliche Vereinigung und Gemeinschaft der Naturen in der Person Christi nicht realiter, das ist, mit der Tat und Wahrheit, bestünde.
Um dieser persönlichen Vereinigung und Gemeinschaft willen der Naturen hat Maria, die hochgelobte Jungfrau, nicht einen purlauteren Menschen, sondern einen solchen Menschen, der wahrhaftig der Sohn Gottes des AIlerhöchsten ist, geboren, wie der Engel zeugt; welcher seine göttliche Majestät auch in Mutterleibe erzeigt [hat], dass er von einer Jungfrau unverletzt ihrer Jungsrauschaft geboren [ist]; darum sie wahrhaftig Gottes Mutter und gleichwohl eine Jungfrau geblieben ist.
Daher [vermöge dieser persönlichen Vereinigung] hat er auch aIle seine Wunderwerke gewirkt und solche seine göttliche Majestät nach seinem GefaIlen, wann und wie er gewoIlt, und also nicht erst aIlein nach seiner Auferstehung und Himmelfahrt, sondern auch im Stand seiner Erniedrigung, geoffenbart; als, auf der Hochzeit in Kana Galilää; item, da er zwölf Jahre alt gewesen, unter den Gelehrten; item im Garten, da er mit einem Worte seine Feinde zu Boden geschlagen; desgleichen im Tode, da er nicht schlecht wie ein anderer Mensch gestorben [ist], sondern mit und in seinem Tode die Sünde, Tod, Teufel, HölIe und ewige Verdammnis überwunden [hat], das menschliche Natur aIlein nicht vermocht hätte, wenn sie nicht mit der göttlichen Natur also persönlich vereinigt [gewesen wäre] und Gemeinschaft gehabt hätte.
Daher hat auch die menschliche Natur die Erhöhung nach der Auferstehung von den Toten über alle Kreaturen im Himmel und auf Erden, welche nichts anderes ist, denn dass er Knechtsgestalt ganz und gar von sich gelegt und gleichwohl die menschliche Natur nicht abgelegt [hat], sondern in Ewigkeit behält und in die völIige Posseß [Besitzergreifung] und Gebrauch der göttlichen Majestät, nach der angenommenen menschlichen Natur, eingesetzt [ist]; welche Majestät er doch gleich in seiner Empfängnis auch in Mutterleibe gehabt, aber, wie der Apostel zeugt, sich derselben geäußert und, wie D. Luther erklärt, im Stand seiner Erniedrigung heimlichgehalten und nicht aIlezeit, sondern wann er gewoIlt, gebraucht hat.
Jetzt aber, nachdem er nicht schlecht wie ein anderer Heiliger [jetzt aber gebraucht er seine Majestät völIig und aIlezeit, sintemal er nicht bloß wie ein anderer Heiliger] gen Himmel, sondern, wie der Apostel zeugt, über aIle Himmel gefahren [ist], auch wahrhaftig aIles erfüIlt und aIlenthalben nicht allein als Gott, sondern auch als menschgegenwärtig regiert von einem Meer zum andern und bis an der Welt Ende, wie die Propheten weissagen und die Apostel bezeugen, dass er aIlenthalben mit ihnen gewirkt und ihr Wort bestätigt habe durch nachfolgende Zeichen;
doch solches nicht aus eine irdische Weise zugangen [zugegangen ist],
sondern, wie D. Luther erklärt, nach Art göttlicher Rechten, welche kein gewisser Ort im Himmel, wie die Sakramentierer ohne Grund der Heiligen Schrift vorgeben, sondern anderes nichts denn die aIlmächtige Kraft Gottes ist, die Himmel und Erde erfüIlt, in welche Christus nach seiner Menschheit realiter, das ist, mit der Tat und Wahrheit, sine confusione et exaequatione naturarum (das ist, ohne Vermischung und Vergleichung beider Naturen in ihrem Wesen und wesentlichen Eigenschaften) eingesetzt worden; aus welcher mitgeteilten Kraft vermöge der Worte seines Testaments er mit seinem Leib und Blut im heiligen Abendmahl, dahin er uns durch sein Wort gewiesen, wahrhaftig gegenwärtig sein kann und ist; das sonst keinem Menschen möglich [ist], weil kein Mensch solchergestalt mit der göttlichen Natur vereinigt und in solche göttliche, allmächtige Majestät und Kraft durch und in der persönlichen Vereinigung beider Naturen in Christo eingesetzt [ist], wie Jeus, der Sohn Marien,
in dem die göttliche und menschliche Natur miteinander persönlich Vereinigt [sind], also dass in Christo: “alle FüIle der Gottheit leibhaftig wohnet”, Kol. 2, und in solcher persönlichen Vereinigung eine solch hohe, innerliche, unaussprechliche Gemeinschaft haben, darüber sich auch die Engel verwundern und, solche zu schaün, wie St. Petrus bezeugt, ihre Lust und Freude haben, wie solches aIles ordentlich hernach etwas weitläuftiger soIl erklärt werden. Ps. 93; Sach. 9; Mark. 16; 1 Petr. 1.
Aus diesem Grunde, inmaßen hievor [wie vorhin] angezeigt und die unio personalis erkläret, das ist, welchergestalt die göttliche und menschliche Natur in der Person Christi miteinander vereinigt [sind, nämlich], dass sie nicht allein die Namen gemein, sondern auch mit der Tat und Wahrheit unter sich selbst, ohne aIle Vermischung oder Vergleichung derselben in ihrem Wesen, Gemeinschaft haben, fleußt [fließt] auch her die Lehre de communlcatione idiomatum, das ist, von wahrhaftiger Gemeinschaft der Eigenschaften der Naturen, davon hernach weiter gesagt werden soIl.
Denn weil es wahrhaftig also [ist], quod propria non egrediantur sua subiecta, das ist, dass eine jede Natur ihre wesentlichen Eigenschaften behalte [behält], und dieselben nicht von der Natur abgesondert, in die andere Natur wie Wasser aus einem Gefäß in das andere ausgegossen werden, so könnte auch keine Gemeinschaft der Eigenschaften nicht sein noch bestehen, wenn obgehörte persönliche Vereinigung oder Gemeinschaft der Naturen in der Person Christi nicht wahrhaftig wäre,
welches nach dem Artikel von der heiligen Dreifaltigkeit das größte Geheimnis im Himmel und auf Erden ist, wie Paulus sagt: “Kündlich groß ist dies gottselige Geheimnis, dass Gott geoffenbaret ist im Fleisch”, 1 Tim. 3.
Denn weil der Apostel Petrus mit klaren Worten bezeugt, dass auch wir, in welchen Christus aIlein aus Gnaden wohnt, um solches hohen Geheimnisses willen in Christo: “teilhaftig werden der göttlichen Natur”, was muss denn das für eine Gemeinschaft der göttlichen Natur sein, davon der Apostel redet, dass: “in Christo aIle FüIle der Gottheit leibhaftig wohne”, also dass Gott und Mensch eine Person ist.
Weil aber hoch daran gelegen [ist], dass diese Lehre de communicatlone idiomatum, das ist, von Gemeinschaft der Eigenschaften beider Naturen, mit gebührendem Unterschied gehandelt und erklärt werde (denn die propositiones oder praedicationes, das ist, wie man von der Person Christi, von derselben Naturen und Eigenschaften redet, haben nicht aIle einerlei Art und Weise, und wenn ohne gebührenden Unterschied davon geredet wird, so wird die Lehre verwirrt und der einfältige Leser leichtlich irregemacht), soIl nachfolgender Bericht mit Fleiß vermerkt werden, welcher um besseren und einfältigen Berichts willen wohl in drei Hauptpunkte gefaßt werden mag.
Als erstlich, weil in Christo zwei unterschiedliche Naturen an [in] ihrem natürlichen Wesen und Eigenschaften unverwandelt und unvermischt sind und bleiben, und aber [und demnach] der beiden Naturen nur eine einige Person ist, so wird dasselbe, was gleich nur einer Natur Eigenschaft ist, nicht der Natur allein, als abgesondert, sondern der ganzen Person, welche zugleich Gott und Mensch ist (sie werde genennet [genannt] Gott oder Mensch), zugeschrieben.
Aber in hoc genere, das ist, in solcher Weise zu reden, folgt nicht, was der Person zugeschrieben wird, dass dasselbe zugleich beider Naturen Eigenschaft sei, sondern [es] wird unterschiedlich erklärt, nach welcher Natur ein jedes der Person zugeschrieben wird. Also ist Gottes Sohn geboren aus dem Samen Davids nach dem Fleisch, Röm. 1. Ferner: Christus ist getötet nach dem Fleisch und hat für uns gelitten im oder am Fleisch, l Petr. :3 und 4.
Weil aber unter den Worten (da gesagt wird, es werde der ganzen Person zugeschrieben, was einer Natur eigen ist) die heimlichen und öffentlichen Sakramentierer ihren schädlichen Irrtum verbergen, dass sie wohl die ganze Person nennen, aber gleichwohl nur bloß die eine Natur darunter verstehen und die andere Natur gänzlich ausschließen, als hätte die bloße menschliche Natur für uns gelitten, wie denn D. Luther in seinem großen Bekenntnis vom heiligen Abendmahl von des Zwingels alloeosis [Zwinglis Bedeutungsverwechslung] geschrieben, wolIen wir D. Luthers eigene Worte hie setzen [hierhersetzen], damit die Kirche Gottes wider solchen Irrtum zum besten verwahrt werden möge. Seine Worte lauten also:
“Das heißt Zwingel alloeosin, wenn etwas von der Gottheit Christi gesagt wird, das doch der Menschheit zusteht, oder wiederum [oder umgekehrt]. Als Luk. 24: ‘Musste nicht Christus leiden und also zu seiner Herrlichkeit eingehen?’ Hie gaukelt er, dass ‘Christus’ für .die menschliche Natur genommen werde.
Hüte dich, hüte dich, sage ich, vor der aIIoeosis. Sie ist des Teufels Larve; denn sie richtet zuletzt einen solchen Christum zu, nach dem ich nicht gern wollte ein Christ sein, nämlich, dass Christus hinfort nicht mehr sei noch tü mit seinem Leiden und Leben denn ein anderer schlechter Heiliger. Denn wenn ich das glaube, dass aIlein die menschliche Natur für mich gelitten hat, so ist mir der Christus ein schlechter Heiland, so bedarf er wohl selbst eines Heilandes. Summa, es ist unsäglich, was der Teufel mit der alloeosis sucht.”
Und bald hernach: “Ob die ist Wettermacherin, die Frau Vernunft, der alloeosis Großmutter, sagen würde: Ja, die Gottheit kann nicht leiden noch sterben, sollst du antworten: Das ist wahr; aber dennoch, weil Gottheit und Menschheit in Christo eine Person ist, so gibt die Schrift um solcher persönlichen Einigkeit willen auch der Gottheit aIles, was der Menschheit widerfährt, und wiederum.
Und ist auch also in der Wahrheit; denn das mußt du ja sagen, die Person (zeiget Christum) leidet, stirbt; nun ist die Person wahrhaftiger Gott, darum ist recht geredet: Gottes Sohn leidet. Denn obwohl das eine Stück (dass ich so rede), als die Gottheit, nicht leidet, so leidet dennoch die Person, welche Gott ist, am andern Stück, als an der Menschheit; denn in der Wahrheit ist Gottes Sohn für uns gekreuzigt, das ist, die Person, die Gott ist; denn sie ist, sie (sage ich), die Person, ist gekreuzigt nach der Menschheit.”
Und abermals bald hernach: “Wo die alloeosis soIl bestehen, wie sie Zwingel führt, so wird Christus zwei Personen müssen sein, eine göttliche und eine menschliche, weil er die Sprüche vom Leiden aIlein aus die menschliche Natur zeucht [zieht] und aIlerdings von der Gottheit wendet. Denn wo die Werke geteilt und gesondert werden, da muss auch die Person zertrennt werden, weil aIle Werke oder Leiden nicht den Naturen, sondern der Person zugeeignet werden. Denn die Person ist’s, die aIles tut und leidet, eines nach dieser Natur, das andere nach jener Natur; wie das aIles die Gelehrten wohl wissen. Darum halten wir unsern Hern Christum für Gott und Mensch in einer Person, non confundendo naturas nec dividendo personam, dass wir die Natur [die Naturen] nicht mengen und die Person auch nicht trennen.”
Item D. Luther “Von den Conciliis und Kirchen”: “Wir Christen müssen wissen, wo Gott nicht mit in der Wage ist und das Gewicht gibt, so sinken wir mit unserer Schüssel zu Grunde. Das meine ich also: wo es nicht soIlte heißen: Gott ist für uns gestorben, sondern aIlein ein Mensch, so sind wir verloren. Aber wenn Gottes Tod und Gott gestorben in der Wagschüssel liegt, so sinkt er unter, und wir fahren empor als eine leichte, ledige [leere] Schüssel; aber er kann auch wohl wieder emporfahren oder aus seiner Schüssel springen. Er könnte aber nicht in der Schüssel sitzen, er müsste uns gleich ein Mensch werden [wenn er nicht ein Mensch wie wir geworden wäre], dass es heißen könnte: Gott gestorben, Gottes Marter, Gottes Blut, Gottes Tod. Denn Gott in seiner Natur kann nicht sterben; aber nun Gott und Mensch vereinigt ist in einer Person, so heißet’s recht Gottes Tod, wenn de Mensch stirbt, der mit Gott ein Ding oder eine Person ist.” Bis daher Lutherus.
Daraus offenbar, dass es unrecht geredet sei, wenn gesagt oder geschrieben wird, dass hievor gesetzte Reden: “Gott hat gelitten, Gott ist gestorben”, aIlein praedicatio verbalis, das ist, aIlein bloße Worte [seien] und [es] nicht mit der Tat also sei. Denn unser einfältiger christlicher Glaube weiset’s aus [zeigt’s an, beweist es], dass der Sohn Gottes, so Mensch [ge]worden, für uns gelitten, gestorben und mit seinem Blute uns erlöst habe.
Zum andern, was anlangt die Verrichtung des Amtes Christi, da handelt und wirkt die Person nicht in, mit, durch oder nach einer Natur aIlein, sondern in, nach, mit und durch beide Naturen, oder, wie das Concilium Chalcedonense redet, eine Natur wirkt mit Gemeinschaft der andern, was einer jeden Eigenschaft ist.
Also ist Christus unser Mittler, Erlöser, König, Hoherpriester, Haupt, Hirte usw. nicht nach einer Natur aIlein, es sei die göttliche oder die menschliche, sondern nach beiden Naturen; wie diese Lehre anderswo ausdrücklich [ausführlicher] gehandelt wird.
Zum dritten aber ist noch viel ein anderes, wenn davon gefragt, geredet oder gehandelt wird, ob denn die Naturen in der persönlichen Vereinigung in Christo nichts anderes oder nicht mehr denn nur aIlein ihre natürlichen, wesentlichen Eigenschaften haben; denn dass sie dieselben haben und behalten, ist oben gemeldet.
Was nun die göttliche Natur in Christo anlangt, weil bei Gott keine Veränderung ist, Jak. 1, ist seiner göttlichen Natur durch die Menschwerdung an ihrem Wesen und Eigenschaften nicht ab= oder zu[ge]gangen, ist in [ist sie in] oder für sich dadurch weder gemindert noch gemehrt.
Was aber anlangt die angenommene Menschliche Natur in der Person Christi, haben wohl; etliche streiten wolIen, dass dieselbe auch in der persönlichen mit der Gottheit Vereinigung [auch in der persönlichen Vereinigung mit der Gottheit] anders und mehr nicht habe denn nur allein ihr natürlichen, wesentlichen Eigenschaften, nach welchen sie ihren Brüdern aIlenthalben gleich ist, und dass derwegen der menschlichen Natur in Christo nichts soIle noch könne zugeschrieben werden, was über oder wider ihre natürlichen Eigenschaften sei wenngleich der Schrift Zeugnisse dahin lauten.
Aber dass solche Meinung falsch und unrecht sei, ist aus Gottes Wort so klar, dass auch ihre eigenen Mitverwandten [Genossen] nunmehr solchen Irrtum strafen und verwerfen. Denn die Heilige Schrift und die alten Väter aus der Schrift zeugen gewaltig, dass die menschliche Natur in Christo darum und daher, weil sie mit der göttlichen Natur in Christo persönlich vereinigt [ist], als sie nach abgelegter knechtischer Gestalt und Erniedrigung glorifiziert und zur Rechten der Majestät und Kraft Gottes erhöht [worden], neben und über ihre natürlichen, wesentlichen, bleibenden Eigenschaften auch sonderliche, hohe, große, übernatürliche, unerforschliche, unaussprechliche, himmlische praerogativas und Vorzüge an Majestät, Herrlichkeit, Kraft und Gewalt über alles, was genannt mag werden, nicht allein in dieser, sondern auch in der künftigen Welt, empfangen habe; dass also die menschliche Natur in Christo zu den Wirkungen des Amtes Christi auf ihr Maß und Weise mit gebraucht werde und auch ihre efficaciam, das ist, Kraft und Wirkung, habe nicht allein aus und nach ihren natürlichen wesentlichen Eigenschaften, oder allein soferne sich das Vermögen derselben erstreckt, sondern vornehmlich aus und nach der Majestät, Herrlichkeit, Kraft und Gewalt, welche sie durch die persönliche Vereinigung, Glorifikation und Erhöhung empfangen hat.
Und dies können oder dürfen auch nunmehr fast die Widersacher nicht leugnen, allein dass sie disputieren und streiten, dass es nur erschaffene Gaben oder finitae qualitates sein sollen wie in den Heiligen, damit die menschliche Natur in Christo begabt und geziert [sei], und dass sie nach ihren Gedanken und aus ihren eigenen argumentationibus oder Beweisungen abmessen und ausrechnen wollen, was [wessen] die menschliche Natur in Christo ohne derselben Abtilgung fähig oder nicht fähig könne oder solle sein.
Aber der beste, gewisseste und sicherste Weg in diesem Streit ist dieser, nämlich was Christus nach seiner angenommenen menschlichen Natur durch die persönliche Vereinigung, Glorifikation oder Erhöhung empfangen habe, und was [und wessen] seine angenommene menschliche Natur über die [außer den und hinaus über die] natürlichen Eigenschaften ohne derselben Abtilgung fähig sei, dass solches niemand besser oder gründlicher wissen könne denn der Her Christus selber; derselbe aber hat solches, soviel uns in diesem Leben davon zu wissen vonnöten [ist]in seinem Wort offenbart. Wovon wir nun in der Schrift in diesem Falle klare, gewisse Zeugnisse haben, das sollen wir einfältig glauben und in keinem Wege dawider disputieren, als könnte die menschliche Natur in Christo desselben nicht fähig sein.
Nun ist das wohl recht und wahr was von den erschaffenen Gaben, so der menschlichen Natur in Christo gegeben und mitgeteilt, dass sie dieselben an oder für sich selbst habe, gesagt wird. Aber dieselben erreichen noch nicht die Majestät, welche die Schrift und die alten Väter aus der Schrift der angenommenen menschlichen Natur in Christo zuschreiben.
Denn lebendig machen, alles Gericht und alle Gewalt haben im Himmel und auf Erden, alles in seinen Händen haben, alles unter seinen Füßen unterworfen haben, von Sünden reinigen usw. Und nicht erschaffene Gaben, sondern göttliche, unendliche Eigenschaften, welche doch nach Aussage der Schrift dem Menschen Christo gegeben und mitgeteilt und, Joh. 5 und 6; Matth. 28; Dan. 7; Joh. 3 und 13; Matth. 11; Eph. 1; Hebr. 2; 1 Kor. 15; Joh. 1.
Und dass solche Mitteilung nicht per phrasin aut modum loquendi. das ist, allein mit Worten von der Person allein nach der göttlichen Natur, sondern nach der angenommenen menschlichen Natur zu verstehen sei, beweisen drei starke, unwiderlegliche Argumente und nachfolgende Gründe:
- Zum ersten ist ein [ist es eine] einhellige Regel der ganzer alten rechtgläubigen Kirche: was die Heilige Schrift zeugt, das Christus in der Zeit empfangen habe, dass er dasselbe nicht nach der göttlichen (nach welcher er alles von Ewigkeit hat), sondern die Person ratione et respectu humanae naturae, das ist, nach der angenommenen menschlichen Natur, dasselbe in der Zeit empfangen habe.
- Zum andern zeugt die Schrift klärlich Joh. 5 und 6, dass die Kraft, lebendig zu machen und das Gericht zu halten, Christo gegeben sei darum, dass er des Menschen Sohn ist, und wie [und insofern] er Fleisch und Blut hat.
- Zum dritten sagt die Schrift nicht allein insgemein von der Person des Menschensohnes, sondern deutet auch ausdrücklich aus seine angenommene menschliche Natur, 1 Joh. 1: “Das Blut Christi reiniget uns von allen Sünden”, nicht allein nach dem Verdienst, welches am Kreuz einmal verrichtet, sondern Johannes redet an demselben Ort davon, dass uns im Werk oder Handlung der Rechtfertigung nicht allein die göttliche Natur in Christo [reinige], sondern auch sein Blut (per modum efficaciae, das ist, wirklich) reinigt uns von allen Sünden. Also Joh. 6 ist das Fleisch Christi eine lebendigmachende Speise, wie daraus auch das Ephesinum Concilium geschlossen hat, dass das Fleisch Christi die Kraft habe, lebendig zu machen; wie von diesem Artikel andere viel herrliche Zeugnisse der alten rechtgläubigen Kirche anderswo angezogen sind.
Dass nun Christus nach seiner menschlichen Natur solches empfangen [habe], und der angenommenen menschlichen Natur in Christo solches gegeben und mitgeteilt sei, sollen und müssen wir nach der Schrift glauben. Aber wie droben gesagt, weil die beiden Naturen in Christo also vereinigt [sind], dass sie nicht miteinander vermischt oder eine in die andere verwandelt, auch eine jede ihre natürlichen, wesentlichen Eigenschaften behält, also dass einer Natur Eigenschaften der andern Natur Eigenschaften nimmermehr werden, muss diese Lehre auch recht erklärt und mit Fleiß wider alle Ketzereien verwahrt werden.
Indem wir denn nichts Neüs von uns selber erdenken [in dieser Sache erdenken wir eben nichts Neüs aus uns selbst], sondern nehmen an und erholen [wiederholen] die Erklärungen, so die ist rechtgläubige Kirche aus gutem Grunde der Heiligen Schrift hiervon gegeben hat, nämlich dass solche göttliche Kraft, Leben, Gewalt, Majestät und Herrlichkeit der angenommenen menschlichen Natur in Christo gegeben sei, nicht also, wie der Vater dem Sohn nach der göttlichen Natur sein Wesen und alle göttlichen Eigenschaften von Ewigkeit mitgeteilt hat, daher er eines Wesens mit dem Vater und Gott gleich ist; denn Christus ist allein nach der göttlichen Natur dem Vater gleich, aber nach der angenommenen menschlichen Natur ist er unter Gott; daraus offenbar, dass wir keine confusionem. exaequationem. abolitionem, das ist, keine Vermischung, Vergleichung oder Abtilgung der Naturen in Christo machen; so ist auch die Kraft, lebendig zu machen, nicht also in dem Fleisch Christi wie in seiner göttlichen Natur, nämlich als eine wesentliche Eigenschaft.
Es ist auch solche Kommunikation oder Mitteilung nicht geschehen durch eine wesentliche oder natürliche Ausgießung der Eigenschaften der göttlichen Natur in die menschliche, also dass Christus Menschheit solche für sich selbst und von dem göttlichen Wesen abgesondert hätte, oder als hätte dadurch die menschliche Natur in Christo ihre natürlichen, wesentlichen Eigenschaften gar abgelegt und wäre nunmehr entweder in die Gottheit verwandelt oder derselben mit solchen mitgeteilten Eigenschaften in und für sich selbst gleich [ge]worden, oder dass nunmehr beider Naturen einerlei oder ja gleiche natürliche wesentliche Eigenschaften und Wirkungen sein sollten. Denn solche und dergleichen irrige Lehren sind in den alten bewährten conciliis aus Grund der Schrift billig verworfen und verdammt. Nullo enim modo vel facienda vel admittenda est aut conversio aut confusio aut exaequatio sive naturarum in Christo sive essentialium proprietatum. Das ist: Denn auf keinerlei Weise soll gehalten oder zugelassen werden Verkehrung, Vermischung oder Vergleichung der Naturen in Christo oder derselben wesentlichen Eigenschaften.
Wie wir denn auch die Worte realis communicatio oder realiter kommuniziert, das ist, die Mitteilung oder Gemeinschaft, so mit der Tat und Wahrheit geschieht, niemals von einer physica communicatione vel essentiali transfusione, (das ist, von einer wesentlichen, natürlichen Gemeinschaft oder Ausgießung, dadurch die Naturen in ihrem Wesen und derselben wesentlichen Eigenschaften vermengt [werden]) verstanden [haben], wie etliche solche Worte und Reden arglistig und boshaftig, die reine Lehre damit verdächtig zu machen, wider ihr eigen Gewissen verkehrt haben; sondern [obige Worte] allein der verbali communicationi, das ist, dieser Lehre entgegengesetzt haben, da solche Leute vorgegeben, dass es nur eine phrasis und modus loquendi, das ist, mehr nicht denn bloße Worte, Titel und Name sei, daraus sie auch so hart gedrungen, dass sie von keiner andern Gemeinschaft [haben] wissen wollen. Derwegen zu wahrhaftiger Erklärung der Majestät Christi wir solche Worte (de reali communicatione) gebraucht und damit anzeigen wollen, dass solche Gemeinschaft mit der Tat und Wahrheit, doch ohne alle Vermischung der Naturen und ihrer wesentlichen Eigenschaften, geschehen sei.
So halten und lehren wir nun mit der alten, rechtgläubigen Kirche, wie dieselbe diese Lehre aus der Schrift erklärt hat, dass die menschliche Natur in Christo solche Majestät empfangen habe nach Art der persönlichen Vereinigung; nämlich, weil die ganze Fülle der Gottheit in Christo wohnt, nicht wie in andern heiligen Menschen oder Engeln, sondern leibhaftig, als in ihrem eigenen Leibe, dass sie mit aller ihrer Majestät, Kraft, Herrlichkeit und Wirkung in der angenommenen menschlichen Natur freiwillig (wann und wie er will) leuchtet, in [und in], mit und durch dieselbe seine göttliche Kraft, Herrlichkeit und Wirkung beweist, erzeigt und verrichtet, wie die Seele im Leibe und das Feür in einem glühenden Eisen tut (denn durch solche Gleichnisse, wie4 droben auch vermeldet, hat die ganze alte Kirche diese Lehre erklärt);
solches ist zur Zeit der [Er]Niedrigung verborgen und hinterhalten [zurückgehalten] worden, aber jetzt nach abgelegter knechtischer Gestalt geschieht solches völlig, gewaltig und öffentlich vor allen Heiligen im Himmel und Erden, und werden auch wir in jenem Leben solche seine Herrlichkeit von Angesicht zu Angesicht schaün, Joh. 17.
Also ist und bleibt in Christo nur eine einige göttliche Allmächtigkeit, Kraft, Majestät und Herrlichkeit, welche allein der göttlichen Natur eigen ist; dieselbe aber leuchtet, beweist und erzeigt sich völlig, aber doch freiwillig, in, mit und durch die angenommene erhöhte menschliche Natur in Christo. gleichwie in einem glühenden Eisen nicht zweierlei Kraft zu leuchten und zu brennen ist, sondern die Kraft zu leuchten und zu brennen ist des Feürs Eigenschaft; aber weil das Feür mit dem Eisen vereinigt [ist], so beweiset’s und erzeiget’s solche seine Kraft zu leuchten und zu brennen in, mit und durch das glühende Eisen, also dass auch das glühende Eisen daher und durch solche Vereinigung die Kraft hat zu leuchten und zu brennen, ohne Verwandlung des Wesens und der natürlichen Eigenschaften des Feürs und Eisens.
Derwegen verstehen wir solche Zeugnisse der Schrift, so von der Majestät reden, die welcher die Menschliche Natur in Christo erhöht ist, nicht also, dass solche göttliche Majestät, welche der göttlichen Natur des Sohnes Gottes eigen ist, in der Person des Menschensohnes schlecht nur allein nach seiner göttlichen Natur zugeschrieben soll werden, oder dass dieselbe Majestät in der menschlichen Natur Christi allein dergestalt sein sollte, dass seine menschliche Natur von derselben allein den bloßen Titel und Namen, per phrasin et modum loquendi, das ist, allein mit Worten, aber mit der Tat und Wahrheit ganz und gar keine Gemeinschaft mit ihr haben sollte.
Denn aus solche Weise (weil Gott ein geistlich, unzertrennt Wesen und demnach allenthalben und in allen Kreaturen ist, und in welchen er ist, besonders aber in den Gläubigen und Heiligen [in denen er] wohnt, daselbst solche seine Majestät mit und bei sich hat) auch mit Wahrheit gesagt werden möchte, dass in allen Kreaturen, in welchen Gott ist, besonders aber in den Gläubigen und Heiligen, in welchen Gott wohnt, alle Fülle der Gottheit leibhaftig wohne, alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen [seien], alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben werde, weil ihnen der Heilige Geist, der alle Gewalt hat, gegeben wird;
dergestalt denn zwischen Christo nach seiner menschlichen Natur und den andern heiligen Menschen kein Unterschied gemacht [würde], und also Christus seiner Majestät, so er vor allen Kreaturen als ein Mensch oder nach seiner menschlichen Natur empfangen hat, beraubt [würde].
Denn sonst keine Kreatur, weder Mensch noch Engel, sagen kann oder soll: “Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden”; so doch Gott mit aller Fülle seiner Gottheit, die er allenthalben bei sich hat, in den Heiligen ist, aber nicht leibhaftig in ihnen wohnt oder persönlich mit ihnen vereinigt ist wie in Christo. Denn aus solcher persönlichen Vereinigung kommt’s, dass Christus auch nach seiner menschlichen Natur spricht Matth. 28: “Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.” Item Joh. 13: “Da Christus wußte, dass ihm der Vater alles in seine Hand gegeben hatte.” Item Kol. 2: “In ihm wohnet die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig.” Item: “Mit Preis und Ehren hast du ihn gekrönt und hast ihn gesetzt über die Werke deiner Hände; alles hast du untertan zu seinen Füßen. In dem, dass er ihm alles hat untertan, hat er nichts gelassen, das ihm nicht untertan sei”, Hebr. 2, “ausgenommen, der ihm alles untertan hat”, 1 Kor. 15.
Wir glauben, lehren und bekennen aber keineswegs eine solche Ausgießung der Majestät Gottes und aller derselben Eigenschaften in die menschliche Natur Christi, dadurch die göttliche Natur geschwächt [entkräftet werde] oder etwas von dem ihren einem andern übergebe, das sie nicht für sich selbst behielte, oder dass die menschliche Natur in ihrer Substanz und Wesen gleiche Majestät empfangen haben sollte, von der Natur und Wesen des Sohnes Gottes abgesondert oder unterschieden, als wenn aus einem Gefäß in das andere Wasser, Wein oder Öl gegossen würde. Denn die menschliche Natur wie auch keine andere Kreatur weder im Himmel noch auf Erden [denn die menschliche Natur ebensowenig wie eine andere Kreatur] solchergestalt der Allmächtigkeit Gottes fähig ist, dass sie für sich selbst ein allmächtig Wesen würde oder allmächtige Eigenschaften an und fur sich selbst hätte, dadurch die menschliche Natur in Christo geleugnet und in die Gottheit ganz und gar verwandelt [würde], welches unserm christlichen Glauben, auch aller Propheten und Apostel Lehre zuwider [ist].
Sondern wir glauben, lehren und bekennen, dass Gott der Vater seinen Geist Christo, seinem geliebten Sohn, nach der angenommenen Menschheit, also gegeben (darum er denn auch Messias, das ist, der Gesalbte, genennet [genannt] wird, dass er nicht mit dem Maß wie die andern Heiligen desselben Gaben empfangen habe. Denn aus Christo dem Hern nach seiner angenommenen menschlichen Natur (weil er nach der Gottheit mit dem Heiligen Geist eines Wesens ist): “ruhet der Geist der Weisheit und des Verstandes, des Rats, der Stärke und der Erkenntnis”, Jes. 11 und 61,
nicht also, dass er daher, als ein Mensch, nur etliche Dinge wußte und vermöchte, wie andere Heilige durch Gottes Geist, welcher allein erschaffene Gaben in ihnen wirkt, wissen und vermögen; sondern, weil Christus nach der Gottheit die andere [die zweite] Person in der heiligen Dreifaltigkeit ist und von ihm wie auch vom Vater der Heilige Geist ausgeht und also sein und des Vaters eigener Geist ist und bleibt in alle Ewigkeit, von dem Sohne Gottes nicht abgesondert, so ist Christo nach dem Fleisch, so mit dem Sohne Gottes persönlich vereinigt ist, die ganze Fülle des Geistes (wie die patres sagen) durch solche persönliche Vereinigung mitgeteilt,
welche sich freiwillig mit aller Kraft darin, damit und dadurch beweist und erzeigt, dass er nicht nur etliches wisse und etliches nicht wisse, etliches vermöge und etliches nicht vermöge, sondern er weiß und vermag alles, auf welchen der Vater ohne Maß den Geist der Weisheit und Kraft ausgegossen, dass er als Mensch durch solche persönliche Vereinigung alle Erkenntnis, alle Gewalt mit der Tat und Wahrheit empfangen hat. Und also sind alle Schätze der Weisheit in ihm verborgen, also ist ihm alle Gewalt gegeben, und er ist gesetzt zur Rechten der Majestät und Kraft Gottes.
Und aus den Historien ist wissentlich [bekannt], dass zur Zeit des Kaisers Valentis unter den Arianern eine sonderliche Sekte gewesen, welche Agnöten genennet [genannt] und worden, darum dass sie gedichtet haben, dass der Sohn, des Vaters Wort, wohl alles wisse, aber seine angenommene menschliche Natur sei vieler Dinge unwissend; wider welche auch Gregorius Magnus geschrieben hat.
Um dieser persönlichen Vereinigung und daraus erfolgenden Gemeinschaft willen, so die göttliche und menschliche Natur in der Person Christi mit der Tat und Wahrheit miteinander haben, wird Christo nach dem Fleisch zugelegt, das sein Fleisch seiner Natur und Wesen nach für sich selbst nicht sein und außerhalb dieser Vereinigung nicht haben kann, dass sein Fleisch nämlich eine wahrhaftige, lebendigmachende Speise und sein Blut ein wahrhaftig lebendigmachender Trank ist; wie die zweihundert patres des Ephesini Concilii bezeugt haben: carnem Christi esse vivificam seu vivificatricem, das ist, dass Christus’ Fleisch ein lebendigmachend Fleisch sei; daher auch dieser Mensch allein und sonst kein Mensch weder im Himmel noch auf Erden mit Wahrheit sagen kann Matth. 18: “Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.” Item [Math.
: “Ich bin allezeit bei euch bis an der Welt Ende.”
Welche Zeugnisse wir auch nicht also verstehen, dass bei uns in der christlichen Kirche und Gemeinde allein die Gottheit Christi gegenwärtig sei, und solche Gegenwärtigkeit Christum nach seiner Menschheit in keinem Wege gar nichts angehen sollte, dergestalt denn Petrus, Paulus und alle Heiligen im Himmel, weil die Gottheit, so allenthalben ist, in ihnen wohnt, auch bei uns auf Erden wären, welches doch allein von Christo und sonst keinem andern Menschen die Heilige Schrift bezeugt:
sondern wir halten, dass durch diese Worte die Majestät des Menschen Christi erklärt werde, die Christus nach seiner Menschheit zur Rechten der Majestät und Kraft Gottes empfangen [hat], dass er nämlich auch noch, und mit derselben seiner angenommemen menschlichen Natur gegenwärtig sein könne und auch sei, wo er will, und besonders, dass er bei seiner Kirche und Gemeinde auf Erden als Mittler, Haupt, König und Hoherpriester (nicht halb oder die Hälfte allein, sondern die ganze Person Christi, zu welcher gehören beide Naturen, die göttliche und menschliche) gegenwärtig sei, nicht allein nach seiner Gottheit, sondern auch nach und mit seiner angenommen menschlichen Natur, nach welcher er unser Bruder ist und wir Fleisch sind vom seinem Fleisch und Bein von seinem Bein;
wie er des zu gewisser Versicherung und Vergewiss[er]ung sein heilig Abendmahl eingesetzt hat, dass er auch nach der Natur, nach welcher er Fleisch und Blut hat, bei uns sein, in uns wohnen, wirken und kräftig sein will.
Aus solchen beständigen Grund hat D. Luther seliger auch von der Majestät Christi nach seiner menschlichen Natur geschrieben.
In der [in dem] großen Bekenntnis vom Abendmahl schreibt er von der Person Christi also: “Nun er aber ein solcher Mensch ist , und außer diesem Menschen kein Gott ist, so muss folgen, dass er auch nach der dritten, übernatürlichen Weise sei und sein möge allenthalben, wo Gott ist, und alles durch und durch voll Christus sei, auch nach der Menschheit, nicht nach der ersten, leiblichen, begreiflichen Weise, sondern nach der übernatürlichen, göttlichen Weise.” Tom. 2, Wit. Ger., Fol. 191.
“Denn hie mußt du stehen und sagen Christus nach der Gottheit, wo er ist, da ist er eine natürliche göttliche Person und ist auch natürlich und persönlich daselbst, wie das wohl beweist seine Empfängnis im Mutterleibe. Denn sollte er Gottes Sohn sein, so musste er natürlich und persönlich im Mutterleibe sein und Mensch werden. Ist er nun natürlich und persönlich, wo er ist, so muss er daselbst auch Mensch sein; denn es sind nicht zwei zertrennte Personen, sondern eine einige Person: wo sie ist, da ist sie die einige unzertrennte Person, und wo du kannst sagen: Hie ist Gott, da mußt du auch sagen: So ist Christus der Mensch auch da und wo du einen Ort zeigen würdest, da Gott wäre und nicht der Menschen, so wäre die Person schon zertrennt, weil ich alsdann mit der Wahrheit könnte sagen: Hie ist Gott, der nicht Mensch ist und noch nie Mensch [ge]worden.
“Mir aber des Gottes nicht. Denn hieraus wollte [würde] folgen, dass Raum und Stätte die zwei Naturen voneinander sonderten und die Personen zertrenmten, so doch der Tod und alle Teufel sie nicht könnten trennen noch voneinander reißen.
Und es sollte mir ein schlechter Christus bleiben, der nicht mehr denn an einem einzelnen Ort zugleich eine göttliche und menschliche Person wäre, und an allen andern Orten müsste er allein ein bloßer abgesonderter Gott und göttliche Person sein ohne Menschheit. Nein, Gesell, wo du mir Gott hinsetzest, da mußt du mir die Menschheit mit hinsetzen; sie lassen sich nicht sondern und voneinander trennen; es ist eine Person worden und scheidet die Menschheit nicht von sich.”
Im Büchlein von den letzten Worten Davids, welches D. Luther kurz vor seinem Tode geschrieben, sagt er also: “Nach der andern, zeitlichen, menschlichen Geburt ist ihm auch die ewige Gewalt Gottes gegeben, doch zeitlich und nicht von Ewigkeit her. Denn die Menschheit Christi ist nicht von Ewigkeit gewesen wie die Gottheit, sondern wie man zählt und schreibt, ist Jeus, Mariä Sohn, dies Jahr 1543 Jahre ist; aber von dem Augenblick an, da Gottheit und Menschheit ist vereinigt in einer Person, da ist und heißt der Mensch, Mariä Sohn, allmächtiger, ewiger Gott, der ewige Gewalt hat und alles geschaffen hat und erhält, per communicationem idiomatum, darum dass er mit der Gottheit eine Person und auch rechter Gott ist. Davon redet er Matth. 11: ‘Alles ist mir vom Vater übergeben’; und Matthäi am letzten: ‘Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden.’ Welchem ‘mir’? Mir Jesu von Nazareth, Marien Sohn, und Mensch geboren; von Ewigkeit hab’ ich sie vom Vater, ehe ich Mensch ward; aber da ich Mensch ward, hab’ ich sie zeitlich empfangen nach der Menschheit und heimlich gehalten bis auf meine Auserstehung und Auffahrt, so es [da es] hat sollen offenbart und erklärt werden, wie St. Paulus Röm. 1 spricht: ‘Er ist erkläret und erweiset ein Sohn Gottes kräftiglich.’ Johannes nennt es verkläret, Joh. 17.” Tom. 5, Ger. Wit., Fol. 545.
Dergleichen Zeugnisse werden in D. Luthers Schriften, besonders aber im Buch: “Dass diese Worte noch fest stehen” Und in der [in dem] großen Bekenntnis vom heiligen Abendmahl gefunden, auf welche Schriften als wohlgegründete Erklärungen der Majestät Christi zur Rechten Gottes und seines Testaments wir uns um kürze willen in diesem Artikel so wohl als im heiligen Abendmahl, inmaßen hiervor gemeldet, gezogen [bezogen] haben wollen.
Darum wir es für einen schädlichen Irrtum halten, da Christo nach seiner Menschheit solche Majestät entzogen, dadurch den Christen ihr höchster Trost genommen, den sie in vorangezeigter Verheißung von der Gegenwärtigkeit und Beiwohnung ihres Hauptes, Königs und Hohenpriesters haben, der ihnen versprochen hat, dass nicht allein seine bloße Gottheit bei ihnen sein werde, welche gegen uns arme Sünder wie ein verzehrendes Feür gegen dürre Stoppeln ist, sondern Er, Er, der Mensch, der mit ihnen geredet hat, der alle Trübsale in seiner angenommenen menschlichen Natur versucht hat, der auch daher mit uns, als mit Menschen und seinen Brüdern, ein Mitleiden haben kann, der wolle bei uns sein in allen unsern Nöten, auch nach der Natur, nach welcher er unser Bruder ist und wir Fleisch von seinem Fleisch sind.
Derhalben verwerfen und verdammen wir einhellig mit Mund und Herzen alle Irrtümer, so der vorgesetzten Lehre nicht gemäß als den prophetischen und apostolischen Schriften, den reinen Symbolis und unserer christlichen Augsburgischen Konfession zuwider:
- Als, da von jemand geglaubt oder gelehrt werden sollte, dass die menschliche Natur um der persönlichen Vereinigung willen mit der göttlichen vermischt oder in dieselbe verwandelt worden sein sollte.
- Ferner: dass die menschliche Natur in Christo auf solche Weise wie die Gottheit als ein unendlich Wesen, aus wesentlicher Kraft, auch Eigenschaft ihrer Natur allenthalben gegenwärtig sei.
- Ferner: dass die menschliche Natur in Christo der göttlichen Natur an ihrer Substanz und Wesen oder an derselben wesentlichen Eigenschaften exäquiert und gleich [ge]worden sei.
- Ferner: dass die Menschheit Christi in alle Orte des Himmels und der Erde räumlich ausgespannt sei, welches auch der Gottheit nicht soll zugemessen werden. Dass aber Christus durch seine göttliche Allmacht mit seinem Leibe, den er gesetzt hat zu der Rechten der Majestät und Kraft Gottes, gegenwärtig sein könne, wo er will, besonders da er solche seine Gegenwärtigkeit, als im heiligen Abendmahl, in seinem Wort versprochen, das kann seine Allmacht und Weisheit wohl verschaffen ohne Verwandlung oder Abtilgung seiner wahren menschlichen Natur.
- Ferner: dass die bloße menschliche Natur Christi für uns gelitten und uns erlöst habe, mit welcher der Sohn Gottes im Leiden gar keine Gemeinschaft gehabt.
- Ferner: dass Christus allein nach seiner Gottheit bei uns auf Erden bei dem gepredigten Wort und rechtem Brauch der heiligen Sakramente gegenwärtig sei, und solche Gegenwärtigkeit Christi seine angenommene menschliche Natur ganz und gar nichts angehe.
- Ferner: dass die angenommene menschliche Natur in Christo mit der göttlichen Kraft, Gewalt, Weisheit, Majestät und Herrlichkeit ganz und gar keine Gemeinschaft mit der Tat und Wahrheit, sondern allein den bloßen Titel und Namen gemein habe.
Diese Irrtümer und alle, so der obgesetzten Lehre zuwider und entgegen [und], verwerfen und verdammen wir als dem reinen Wort Gottes, der heiligen Propheten und Apostel Schriften und unserm christlichen Glauben und Bekenntnis zuwider und vermahnen alle Christen (weil Christus ein Geheimnis in der Heiligen Schrift genennet [genannt] wird, darüber alle Ketzer den Kopf zerstoßen), dass sie nicht vorwitzigerweise mit ihrer Vernunft in solchen Geheimnissen grübeln, sondern mit den lieben Aposteln einfältig glauben, die Augen der Vernunft zuschließen und ihren Verstand in den Gehorsam Christi gefangennehmen und sich dessen trösten und also ohne Unterlaß freün, dass unser Fleisch und Blut in Christo so hoch zu der Rechten der Majestät und allmächtigen Kraft Gottes gesetzt [ist]. So werden wir gewißlich in aller Widerwärtigkeit beständigen Trost finden und vor schädlichem Irrtum wohl bewahrt bleiben.