wie alle Lehre nach Gottes Wort geurteilt, und die eingefallenen Irrungen christlich erklärt und
Regel und Richtschnur
Weil zu gründlicher, beständiger Einigkeit in der Kirche vor allen Dingen vonnöten ist, dass man einen summarischen, einhelligen Begriff und Form habe, darin die allgemeine summarische Lehre (dazu die Kirchen, so der wahrhaftigen christlichen Religion sind, sich bekennen) aus Gottes Wort zusammengezogen [ist]; wie denn die alte Kirche allewege zu solchem [Ge]Brauch ihre gewissen Symbola gehabt;
und aber solches nicht also Privatschriften, sondern auf solche Bücher gesetzt werden solle, beim Namen der Kirchen, so zu einer Lehre und Religion sich bekennen, gestellt, approbiert und angenommen [worden]: so haben wir uns gegeneinander mit Herzen und Mund erklärt, dass wir kein sonderliches oder neüs Bekenntnis unsers Glaubens machen oder annehmen wollen, sondern uns zu den öffentlichen allgemeinen Schriften bekennen, so für solche Symbola oder gemeine Bekenntnisse in allen Kirchen der Augsburgischen Konfession je und allewege, ehe denn die [der] Zwiespalt unter denen, so sich zur Augsburgischen Konfession bekannt, entstanden, und solange man einhelliglich allenthalben in allen Artikeln bei der reinen Lehre göttliches Worts (wie sie D. Luther seliger erkläret) geblieben, gehalten und gebraucht worden:
- Als erstlich: zu den prophetischen und apostolischen Schriften Alten und Neün Testaments, als zu dem reinen, lautern Brunnen Isrälis, welche allein die einige, wahrhaftige Richtschnur ist, nach der alle Lehrer und Lehre zu richten und zu urteilen sind.
- Und weil vor alters die wahre christliche Lehre, in reinen, gesunden Verstande, aus Gottes Wort in kurze Artikel oder Hauptstücke wider der Ketzer Verfälschung zusammengezogen ist, bekennen wir uns zum andern zu den drei allgemeinen Symbolis, nämlich dem Apostolischen, Nizäischen und des heiligen Athanasi, als zu den kurzen, christlichen und in Gottes Wort gegründeten herrlichen Bekenntnissen des Glaubens, in welchen allen den Ketzereien, so zur selben Zeit sich in der christlichen Kirche erhoben, unter und beständig widersprochen wird.
- Zum dritten, weil in diesen letzten Zeiten der gütige Gott aus [be]sondern Gnaden die Wahrheit seines Wortes aus der greulichen Finsternis des Papsttums durch den getreün Dienst des teuren Mannes Gottes, D. Luthers, wieder ans Licht gebracht hat, und dieselbe Lehre aus und nach Gottes Wort wider des Papsttums und auch anderer Sekten Verfälschung in die Artikel und Hauptstücke der Augsburgischen Konfession zusammengezogen ist, so bekennen wir uns auch zu derselben Ersten, ungeänderten Augsburgischen Konfession, nicht derwegen, dass sie von unsern Theologis gestellt, sondern weil sie aus Gottes Wort genommen und darin fest und wohl gegründet ist, allermaßen [in jeder Weise], wie sie Anno 30 usw. in Schriften verfaßt und dem Kaiser Carolo V. von etlichen christlichen Kurfürsten und Ständen des Römischen Reichs als ein allgemeimes Bekenntnis der reformierten Kirchen zu Augsburg übergeben, als dieser Zeit unserm Symbolo, durch welches unsere reformierten Kirchen voll der Papisten und andern verworfenen und verdammten Sekten und Ketzereien abgesondert worden, inmaßen denn solches in der alten Kirche also her[ge]kommen und gebräuchliche gewesen dass die folgenden Synoden, christlichen Bischöfe und Lehrer sich aus das Nizäische Symbolum gezogen und dazu bekannt haben.
- Zum vierten, was denn vielgemeldeter Augsburgischer Konfession eigentlichen und wahrhaftigen Verstand belangt, damit man sich gegen die Papisten ausführlicher erklärete und verwahrete, und nicht unter dem Namen der Augsburgischen Konfession verdammte Irrtümer in der [in die] Kirche Gottes einschleichen, und derselben sich zu behelfen unterstehen möchten, ist nach übergebener Konfession eine ausführliche Apologia gestellt und Anno 1531 durch öffentlichen Druck publiziert. Zu derselben bekennen wir uns auch einhellig, darin gedachte Augsburgische Konfession nicht allein notdürftiglich ausgeführt und verwahrt, sondern auch mit hellen, unwidersprechlichen Zeugnissen der Heiligen Schrift erwiesen worden.
- Zum fünften bekennen wir uns auch zu den Artikeln, zu Schmalkalden in großer Versammlung der Theologen Anno 1537 gestellt, approbiert und angenommen, inmaßen dieselben erstlich begriffen und gedruckt worden, so auf dem Concilio zu Mantua, oder wo es gehalten [werden möchte] im Namen höchst und hochermeldeter Kurfürsten, Fürsten und Stände als vorgemeldeter Augsburgischer Konfession und Bekenntnis Erklärung, darauf sie durch Gottes Gnade zu verharren entschlossen, überantwortet hat [haben] werden sollen; in welchen ermeldete Lehre Augsburgischer Konfession wiederholt [ist], und etliche Artikel aus Gottes Wort weiter erklärt [sind], auch daneben Ursache und Grund, warum man von papistischen Irrtümern und Abgöttereien abgetreten und mit denselben keine Gemeinschaft zu haben, sich auch über solchen mit dem Papst nicht zu vergleichen wisse noch gedenke, notdürftiglich angezeigt worden.
- Und dann zum sechsten, weil diese hochwichtigen Sachen auch den gemeinen Mann und Laien belangen, welche, ihrer Seligkeit zugut, dennoch als Christen zwischen reiner und falscher Lehre unterscheiden müssen, bekennen wir uns auch einhellig zu dem Kleinen und Großen Katechismus D. Luthers, wie solche von ihm geschrieben und seinen Tomis einverleibt worden, weil dieselben von allen der Augsburgischen Konfession verwandten Kirchen einhellig approbiert, angenommen und öffentlich in Kirchen, Schulen und Häusern gebraucht worden sind, und weil auch in den christliche Lehre aus Gottes Wort für einfältigen Laien aus das richtigste und einfältigste begriffen und gleidergestalt notdürftiglich erklärt worden.
Diese öffentlichen gemeinen Schriften sind in den reinen Kirchen und Schulen allewege gehalten worden als die Summa und Vorbild der Lehre, welche D. Luther seliger in seinen Schriften aus Gottes Wort wider das Papsttum und andere Sekten stattlich ausgeführt und wohl gegründet hat, auf welches [auf dessen] ausführliche Erklärungen in seinen Lehr= und Streitschriften wir uns gezogen [bezogen] haben wollen, auf Weise und Maß wie D. Luther in der lateinischen Vorrede über seine zusammengedruckten Bücher von seinen Schriften selbst notdürftige und christliche Erinnerung getan und diesen Unterschied aus drücklich gesetzt hat, dass allein Gottes Wort die einige [die alleinige] Richtschnur und Regel aller Lehre sein und bleiben solle, welchem keines Menschen Schriften gleich geachtet, sondern demselben alles unterworfen werden soll.
Es werden aber hiermit andere gute, nützliche, reine Bücher, Auslegungen der Heiligen Schrift, Widerlegungen der Irrtümer, Erklärungen der Lehrartikel nicht verworfen, welche, wofern sie dem jetzt gemeldeten Vorbild der Lehre gemäß, als nützliche Auslegungen und Erklärungen gehalten und nützlich gebraucht können werden; sondern was bisher von der Summa unserer christlichen Lehre gesagt, wird allein dahin gemeint, dass man habe eine einhellige, gewisse, allgemeine Form der Lehre, dazu sich unsere evangelischen Kirchen sämtlich und insgemein bekennen, aus und nach welcher, weil sie aus Gottes Wort genommen, alle andern Schriften, wiefern sie zu probieret und anzunehmen, geurteilt und reguliert sollen werden.
Denn dass wir oberzählte Schriften, nämlich die Ausburgische Konfession, Apologie, Schmalkaldischen Artikel, Großen und Kleinen Katechismus Lutheri, vielgedachter Summa unserer christlichen Lehre einverleibt, ist der Ursache geschehen, dass solche für den gemeinen, einhelligen Verstand unserer Kirchen je und allewege gehalten worden, als die auch von den vornehmsten, hocherleuchteten Theologen dieselbe Zeit unterschrieben und alle evangelischen Kirchen und Schulen innegehabt;
wie sie auch, inmaßen hievor vermeldet, alle geschrieben und aus[ge]gangen, ehe die Zwiespaltungen unter den Theologen Augsburgischer Konfession entstanden; und dann, weil sie für unparteiisch gehalten und von keinem Teil derer, so sich in [den] Streit eingelassen, können oder sollen verworfen werden, auch keiner, so ohne Falsch der Augsburgischen Konfession [zugetan] ist, sich dieser Schriften beschweren, sondern sie als Zeugen gerne annehmen und gedulden wird: so kann uns niemand verdenken,
dass wir auch aus denselben Erläuterung und Entscheid der streitigen Artikel nehmen und, wie wir Gottes Wort als die ewige Wahrheit, zum Grunde legen, also auch diese Schriften zum Zeugnis der Wahrheit und für den einhelligen rechten Verstand unserer Vorfahren, so bei der reinen Lehre standhaftig gehalten, einführen und anziehen.
Von streitigen Artikeln.
was die Antithesis oder Gegenlehre belangt.
Weil auch zur Erhaltung reiner Lehre und zu gründlicher, beständiger, gottseliger Einigkeit in der Kirche vonnöten ist, dass nicht allein die reine heilsame Lehre recht geführt, sondern dass auch die Widersprecher, so anders lehren, gestraft werden, 1 Tim. 3; Tit. 1; denn treü Hirten, wie Lutherus redet, sollen beides tun, die Schäflein weiden oder nähren und den Wölfen wehren, dass sie vor den fremden Stimmen fliehen mögen, Joh. 10, und das Köstliche von dem Schnöden scheiden, Jer. 15:
So haben wir uns alle darüber und davon gegeneinander grundlich und deutlich erklärt, also dass in alle Wege ein Unterschied soll und muss gehalten werden zwischen unnötigem und unnützem Gezänk, damit, weil es mehr verstört als baut, die Kirche billig nicht soll verwirrt werden, und zwischen nötigem Streit, wenn nämlich solcher Streit vorfällt, welcher die Artikel des Glaubens oder die vornehmen Hauptstücke der christlichen Lehre angeht, da zur Rettung der Wahrheit falsche Gegenlehre gestraft werden muss.
Obwohl nun obgemeldete Schriften dem christlichen Leser, welcher Lust und Liebe zu der göttlichen Wahrheit trägt, einen lauteren, richtigen Bescheid von allen und jeden streitigen Artikeln unserer christlichen Religion geben, was er vermöge Gottes Worts, der Propheten und Apostel Schriften, für recht und wahr halten und annehmen, und was er als falsch und unrecht verwerfen, stehen und meiden solle: so haben wir doch, damit die Wahrheit desto deutlicher und klarer behalten und von allen Irrtümern unterschieden, und nicht unter gemeinen Worten etwas versteckt und verborgen möchte werden, uns von den vornehmsten und hochwichtigsten Artikeln, so dieser Zeit in Streit gezogen, von jedem insonderheit hierüber deutlich und ausdrücklich gegen einander erklärt, dass es ein öffentliches gewisses Zeugnis nicht allein bei den jetzt lebenden, sondern auch bei unsern Nachkommen sein möge, was unserer Kirchen einhellige Meinung und Urteil von den streitigen Artikeln sei und bleiben solle, nämlich:
- Zum ersten, dass wir verwerfen und verdammen alle Ketzereien und lrrtümer, so in der ersten, alten, rechtgläubigen Kirche aus wahrem, beständigem Grunde der heiligen göttlichen Schrift verworfen und verdammt sind.
- Zum andern verwerfen und verdammen wir alle Sekten und Ketzereien, so in jetztgemeldeten Schriften des Summarischen Begriffs der Bekenntnis [des Bekenntnisses] unserer Kirchen verworfen sind.
- Zum dritten, weil innerhalb dreißig Jahren von wegen des Interims und sonsten etliche Spaltungen unter etlichen Theologen Augsburgischer Konfession entstanden, haben wir von denselben allen und einem jeden insonderheit unsern Glauben und Bekenntnis rund, lauter und klar in thesi et antithesi, das ist, die rechte Lehre und Gegenlehre, setzen und erklären wollen, damit der Grund göttlicher Wahrheit in allen Artikeln offenbar, und alle unrechtmäßige, zweifelhaftige, verdächtige und verdammte Lehre, wo auch dieselbe und in was Buchern sie gefunden, und wer gleich dieselben geschrieben oder sich noch derselben annehmen wollte, ausgesetzt werde,
damit männiglich [jedermann] vor den Irrtümern, so hin und wieder in etlicher Theologen Schriften ausgebreitet, treulich verwarnt sei, und hierin durch keines Menschen Ansehen verführt werde. In welcher Erklärung sich der christliche Leser nach aller Notdurft ersehen und solche gegen oberzählte Schriften halten möge, daraus er eigentlich befinden wird, was von einem jeden Artikel in dem Summarischen Begriff unserer Religion und Glaubens anfangs bekannt, nachmals zu unterschiedlichen Zeiten erklärt und durch uns in dieser Schrift wiederholt, keineswegs widereinander, sondern die einfältige, unwandelbare, beständige Wahrheit sei, und dass wir demnach nicht von einer Lehre zu der andern fallen, wie unsere Widersacher fälschlich ausgeben, sondern bei der einmal übergebenen Augsburgischen Konfession und in einhelligem, christlichem Verstande derselben begehren uns finden zu lassen und dabei durch Gottes Gnade standhaftig und beständig wider alle eingefallenen Verfälschungen zu verharren.