Konkordienformel – Solida DeclaratioFC SDArtikel VII

VII. Vom heiligen Abendmahl

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Concordia Triglotta

Obwohl die Erklärung dieses Artikels vielleicht etlicher Bedünken nach [nach der Meinung etlicher] nicht in diese Schrift sollte gesetzt werden, darin wir die Artikel, so unter den Theologen Augsburgischer Konfession (von welcher sich die Sakramentierer bald anfänglich, als die Konfession zu Augsburg Anno 1530 erstlich gestellt und dem Kaiser übergeben, gänzlich geäußert und abgesondert und ihre eigene Konfession übergeben haben) in Zwiespalt gezogen, zu erklären Vorhabens sind, so haben wir doch (nachdem leider etliche Theologen und andere, so sich der Augsburgischen Konfession rühmen, die nächsten Jahre [in den letztverflossenen Jahren] den Sakramentierern in diesem Artikel nicht mehr heimlich, sondern zum Teil öffentlich Beifall getan und wider ihr eigen Gewissen die Augsburgische Konfession, als die mit der Sakramentierer Lehre in diesem Artikel ganz übereinstimme, mit Gewalt anziehen und verkehren wollen) nicht unterlassen können noch sollen, auch in dieser Schrift mit unserm Bekenntnis der göttlichen Wahrheit Zeugnis zu geben und die rechte Meinung und eigentlichen Verstand der Worte Christi und der Augsburgischen Konfession von diesem Artikel wiederum zu erholen [zu wiederholen] und, soviel an uns ist, durch Gottes Hilfe auch auf die Nachkommen zu erhalten und unsere Zuhörer samt andern frommen Christen vor diesem schädlichen und dem heiligen göttlichen Wort und der Augsburgischen Konfession ganz widerwärtigen und vielmals verdammten Irrtum treulich zu verwarnen.

STATUS CONTROVERSIAE.

Der Hauptstreit zwischen unserer und der Sakramentierer Lehre in diesem Artikel.

Obwohl etliche Sakramentierer sich befleißen, mit Worten auf das allernächste der Augsburgischen Konfession und dieser Kirchen Form oder Weise zu reden zu gebrauchen [Worte zu gebrauchen, die der Augsburgischen Konfession und der Form und Redeweise der lutherischen Kirche möglichst gleichförmig sind], und bekennen, dass im heiligen Abendmahl der Leib Christi wahrhaftig von den Gläubigen empfangen werde; dennoch, wenn man sie ihre Meinung eigentlich, aufrichtig und deutlich anzuzeigen dringt, so erklären sie sich alle einträchtig also: dass der wahre, wesentliche Leib und Blut Christi vom gesegneten Brot und Wein im Abendmahl ja so weit als der höchste Himmel von der Erde abwesend sei. Denn also lauten ihre eigenen Worte: Abesse Christi corpus et sanguinem a signis tanto intervallo dicimus, quanto abest terra ab altissimis coelis. Das ist: “Wir sagen, dass der Leib und Blut Christi so weit von den Zeichen sei, so weit und fern die Erde von dem allerhöchsten Himmel ist.”

Verstehen derhalben solche Gegenwärtigkeit des Leibes Christi nicht hier auf Erden [nicht als Gegenwart hier auf Erden], sondern allein respectu fidei, das ist, dass unser Glaube, durch die sichtbarlichen Zeichen, gleichwie durchs gepredigte Wort, erinnert und erweckt, sich erhebe und über alle Himmel hinaufsteige und den allda im Himmel gegenwärtigen Leib Christi, ja Christum selbst samt allen seinen Guttaten wahrhaftig und wesentlich, aber doch nur geistlich empfange und genieße; denn wie das Brot und Wein hier auf Erden und nicht im Himmel, also sei der Leib Christi jetzt im Himmel und nicht auf Erden; [es] werde derhalben mit dem Munde nichts anderes im Abendmahl als Brot und Wein empfangen.

Nun haben sie erstlich [zürst, anfangs] vor[ge]geben, des Hern Abendmahl sei nur ein äußerlich Zeichen, dabei man die Christen kenne, und werde darin nichts anderes als schlecht [als bloßes] Brot und Wein (die des abwesenden Leibes Christi bloße Zeichen seien) gereicht. Als dieses den Stich nicht halten wollen, haben sie bekannt, der Her Christus sei wahrhaftig in seinen Abendmahl gegenwärtig, nämlich per communicationem idiomatum, das ist, allein nach seiner göttlichen Natur, aber nicht mit seinem Leib und Blut.

Danach, als man sie mit Christi Worten gedrungen zu bekennen, dass der Leib Christi im Abendmahl zugegen sei, haben die es doch nicht anders verstanden und erklärt als geistlich, das ist, [Christi Leib sei gegenwärtig] mit seiner Kraft, Wirkung und Guttat, durch den Glauben zu genießen, weil durch den Geist Christi, der allenthalben ist, unsere Leiber, darin der Geist Christi hier auf Erden wohnt, mit dem Leibe Christi, der im Himmel ist, vereinigt werden.

Daher denn durch diese herrlichen, scheinlichen [gleißenden, scheinbar richtigen] Worte viel hoher Leute betrogen worden, wenn sie vorge[ge]ben und gerühmt, sie seien keiner andern Meinung, denn dass der Her Christus wahrhaftig, wesentlich, lebendig in seinem Abendmahl gegenwärtig sei, verstehen aber solches allein nach seiner göttlichen Natur und nicht von seinem Leib und Blut, der nun im Himmel und nirgend anders sei; und gibt uns [und Christus gebe uns] mit Brot und Wein seinen wahren Leib und Blut zu essen geistlich, durch den Glauben, aber nicht leiblich, mit dem Munde, zu genießen.

Denn sie die Worte des Abendmahls: “Esset, das ist mein Leib”, nicht eigentlich, wie sie lauten, nach dem Buchstaben, sondern als verblümte Reden (figurate) verstehen, also dass essen den Leib Christi nichts anderes heiße als Glauben und Leib so viel als Symbolum, das ist, ein Zeichen oder Figur des Leibes Christi, welcher nicht im Abendmahl auf Erden, sondern allein im Himmel sei; das Wort ist sacramentaliter seu modo significativo deuten, ne quls rem cum signis ita putet copulari, ut Christi quoque caro nunc in terris adsit modo quodam invisibili et incomprehensibili;

das ist, der Leib Christi sei mit dem Brot sakramentlich oder bedeutlich vereinigt, also dass die gläubigen, frommen Christen, so gewiß als sie das Brot mit dem Munde essen, so gewiß auch den Leib Christi, so droben im Himmel ist, mit dem Glauben geistlich genießen. Aber dass der Leib Christi im Abendmahl hier auf Erden wesentlich, obwohl unsichtbarlich und unbegreiflich, gegenwärtig und mit dem gesegneten Brot mündlich, auch von Heuchlern oder Scheinchristen, empfangen werde, das pflegen sie als eine grausame Gotteslästerung zu verfluchen und verdammen.

Dagegen wird vom Abendmahl des Hern in der Augsburgischen Konfession aus Gottes Wort also gelehrt, dass der wahre Leib und Blut Christi wahrhaftig unter der Gestalt des Brotes und Weines im heiligen Abendmahl gegenwärtig sei und da ausgeteilt und genommen werde, und wird die Gegenlehre (nämlich der Sakramentierer, so eben zur selben Zeit zu Augsburg ihr eigen Bekenntnis, dass der Leib Christi, weil er gen Himmel gefahren, nicht wahrhaftig und wesentlich hier auf Erden im Sakrament gegenwärtig sei, übergeben haben) verworfen;

wie denn diese Meinung im Kleinen Katechismo D. Luthers deutlich mit nachfolgenden Worten gesetzt ist: “Das Sakrament des Altars ist der wahre Leib und Blut unsers Hern Jesu Christi, unter dem Brot und Wein uns Christen zu essen und zu trinken, von Christo selbst eingesetzt”;

und noch deutlicher in der Apologia nicht allein erkläret, sondern auch mit dem Spruch Pauli 1 Kor. 10 und Cyrilli bestätigt wird mit diesen Worten: “Der zehnte Artikel ist angenommen, darin wir bekennen, dass im Abendmahl des Hern der Leib und Blut Christi wahrhaftig und wesentlich gegenwärtig sind und mit den sichtbaren Elementen, Brot und Wein, wahrhaftig gereicht werden denen, die das Sakrament empfangen. Denn weil Paulus sagt, das Brot, das wir brechen, sei die Gemeinschaft des Leibes Christi usw., würde folgen, dass das Brot nicht des Leibes, sondern des Geistes Christi Gemeinschaft wäre, wenn der Leib Christi nicht, sondern allein der Heilige Geist wahrhaftig gegenwärtig wäre. So wissen wir, dass nicht allein die römische, sondern auch die griechische Kirche die leibliche Gegenwart Christi im heiligen Abendmahl gelehrt” [hat]. Und wird aus Cyrillo angezogen, dass Christus auch leiblich im Abendmahl durch Mitteilung seines Fleisches in uns wohnt.

Danach, als diejenigen, so zu Augsburg ihr eigen Bekenntnis von diesem Artikel übergeben, sich unserer Kirchen Konfession verwandt gemacht, ist zu Wittenberg Anno 1536 nachfolgende Formula Concordiae, das ist, Artikel einer christlichen Vergleichung, zwischen den sächsischen und oberländischen Theologen gestellt und von D. Martino Luthero und andern beiderseits Theologen unterschrieben worden:

“Wir haben gehört, wie Herr Martinus Bucer seine und der andern Prädikanten Meinung, so mit ihm aus den Städten [ge]kommen sind, von dem heiligen Sakrament des Leibes und Blutes Christi erklärt haben, nämlich also:

“Sie bekennen, laut der Worte Irenäi, dass in diesem Sakrament zwei Dinge sind, ein himmlisches und ein irdisches. Demnach halten [erachten, glauben] und lehren sie, dass mit dem Brot und Wein wahrhaftig und wesentlich zugegen sei, gereicht und empfangen werde der Leib und das Blut Christi. Und obwohl sie keine Transsubstantiation, das ist, eine wesentliche Verwandlung [des] Brotes und Weines in den Leib und Blut Christi, glauben, auch nicht halten, dass der Leib und Blut Christi localiter, das ist, räumlich, ins Brot eingeschlossen oder sonst beharrlich damit vereinigt werde außer der Nießung des Sakraments, doch so lassen sie zu [geben sie zu], dass durch sakramentliche Einigkeit das Brot sei der Leib Christi usw.

Denn außer der Nießung, so man das Brot beiseitelegt und behält’s im Sakramenthäuslein oder in der Prozession umträgt und zeigt, wie im Papsttum geschieht, halten sie nicht, dass Christus’ Leib zugegen sei.

“Zum andern halten sie, dass die Einsetzung dieses Sakraments, durch Christum geschehen, kräftig sei in der Christenheit, und dass es nicht liege an [dass das Sakrament nicht abhänge von] der Würdigkeit oder Unwürdigkeit des Dieners, so das Sakrament reicht, oder des, der es empfängt, darum, wie St. Paulus sagt, dass auch die Unwürdigen das Sakrament [ge]nießen: also halten sie, dass auch den Unwürdigen wahrhaftig dargereicht werde der Leib und das Blut Christi, und die Unwürdigen wahrhaftig dasselbe empfangen, so man des Hern Christi Einsetzung und Befehl hält. Aber solche empfangen’s zum Gericht, wie St. Paulus sagt; denn sie mißbrauchen des heiligen Sakraments, weil sie es ohne wahre Buße und ohne Glauben empfangen. Denn es ist darum eingesetzt, dass es zeuge, dass denen die Gnade und Wohltaten Christi allda zugeeignet werden, und dass die Christo eingeleibt und durch Christi Blut gewaschen werden, so da wahre Buße tun und sich durch den Glauben an Christum trösten.”

In folgendem Jahr, als die vornehmsten der Augsburgischen Konfession zugetanen Theologi aus ganzem deutschen Lande zu Schmalkalden versammelt [waren], und, was im Concilio dieser Kirchenlehre halben vorzulegen [sei], beratschlagt [haben], sind mit gemeinem Rat von D. Luthero die Schmalkaldischen Artikel gestellt und von allen Theologen sämtlich und besonders unterschrieben, in welchen die eigentliche, rechte Meinung mit kurzen, runden Worten, so am genaüsten mit Christi Wort [über]einstimmen, deutlich gefaßt [ist],

und den Sakramentierern (so des vergangenen Jahres aufgerichtete FormuIam Concordiae, das ist, die vorermeldeten Artikel der Einigkeit, zu ihrem Vorteil also gedeutet haben, dass mit dem Brot nicht anderer Weise als mit dem Wort des Evangelii der Leib Christi samt allen seinen Guttaten dargereicht [werde], und durch die sakramentliche Einigkeit nichts anderes als die geistliche Gegenwärtigkeit des Hern Christi durch den Glauben soll gemeint sein) alle Ausflucht und Schlupflöcher verstopft worden, nämlich,

dass Brot und

Wein im Abendmahl sei der wahrhaftige Leib und Blut Jesu Christi, welcher gereicht und empfangen

werde nicht allein von frommen, sondern auch von bösen Christen.

Es erklärt und bestätigt auch solche Meinung Doktor Luther weitläufiger aus Gottes Wort im Großen Katechismo, da also geschrieben steht: “Was ist nun das Sakrament des Altars? Antwort: Es ist der wahre Leib und Blut Christi, in und unter dem Brot und Wein, durch Christus’ Wort uns Christen befohlen zu essen und zu trinken.”

Und bald danach: “Das Wort, sag’ ich, ist das, das dies Sakrament macht und unterscheidet, dass es nicht lauter Brot und Wein, sondern Christi Leib und Blut ist und heißt.”

Und bald danach: “Aus dem Wort kannst du dein Gewissen stärken und sprechen: Wenn hunderttausend Teufel samt allen Schwärmern herfahren: Wie kann Brot und Wein Christi Leib und Blut sein. so weiß ich, dass alle Geister und Gelehrten auf einen Haufen nicht so klug sind als die göttliche Majestät im kleinen Fingerlein. Nun steht hier Christi Wort: Nehmet, esset, das ist mein Leib; trinket alle daraus, das ist das neü Testament in meinem Blut usw. Da bleiben wir bei und wollen sie ansehen, die ihn meistern und [es] anders machen werden, denn er geredet hat.

Das ist wohl wahr: wenn du das Wort davontust oder ohne Wort ansiehest, so hast du nichts denn lauter Brot und Wein; wenn sie aber dabei bleiben, wie sie sollen und müssen, so ist’s laut derselben wahrhaftig Christus’ Leib und Blut. Denn wie Christus’ Mund redet und spricht, also ist es, als der nicht lügen oder trügen kann.

“Daher ist nun leicht zu antworten aus allerlei Fragen, damit man sich jetzt bekümmert, als diese ist: ob auch ein böser Priester könne das Sakrament handeln und geben, und was mehr dergleichen ist. Denn da schließen wir und sagen: Obgleich ein Bube das Sakrament nimmt oder gibt, so nimmt er das rechte Sakrament, das ist Christus’ Leib und Blut, ebensowohl, als der es aufs allerwürdigste handelt; denn es ist nicht gegründet auf Menschenheiligkeit, sondern auf Gottes Wort. Und wie kein Heiliger auf Erden, ja kein Engel im Himmel das Brot und Wein zu Christi Leib und Blut machen kann, also kann’s auch niemand ändern noch wandeln [zurückverwandeln in bloßes Brot], ob es gleich mißbraucht wird.

“Denn um der Person oder Unglaubens willen wird das Wort nicht falsch, dadurch es ein Sakrament und eingesetzt worden ist. Denn er spricht nicht: Wenn ihr glaubt oder würdig seid, so habt ihr meinen Leib und Blut, sondern: ‘Nehmet, esset und trinket, das ist mein Leib und Blut’;

item, ‘Solches tut’ (nämlich das ich jetzt tü, einsetze, euch gebe und nehmen heiße). Das ist so viel gesagt: Du seiest würdig oder unwürdig, so hast du hier seinen Leib und Blut aus Kraft dieser Worte, so zum Brot und Wein kommen. Solches merke und behalte nur wohl; denn aus den Worten steht all unser Grund, Schutz und Wehr wider alle Irrtümer und Verführung, so je kommen sind und noch kommen mögen.”

Bisher [bis hieher] der Große Katechismus, in welchem die wahre Gegenwärtigkeit des Leibes und Blutes Christi im heiligen Nachtmahl aus Gottes Wort befestigt, und dasselbige nicht allein aus die [und dieselbe nicht allein von den] Gläubigen und Würdigen, sondern auch auf die Ungläubigen und Unwürdigen verstanden wird.

Weil aber dieser hocherleuchtete Mann in Geist gesehen, dass etliche ihn nach seinem Tode werden wollen verdächtig machen, als ob er von jetztgedachter Lehre und andern christlichen Artikeln abgewichen [sei], hat er seinem großen Bekenntnis nachfolgende Protestation angehängt:

“Weil ich sehe, dass des Rottens und Irrens je länger, je mehr wird, und kein Aushören ist des Tobens und Wütens des Satans, damit nicht hinfort bei meinem Leben oder nach meinem Tode deren etliche zukünftig sich mit mir behelfen [mich vorschützen] und meine Schriften, ihre Irrtümer zu stärken, fälschlich führen möchten, wie die Sakraments= und Taufschwärmer anfangen zu tun, so will ich mit dieser Schrift vor Gott und aller Welt meinen Glauben von Stück zu Stück bekennen, daraus ich gedenke zu bleiben bis in den Tod, darinnen (das mir Gott helfe) von dieser Welt zu scheiden und vor unsers Hern Jeu Christi Richterstuhl zu kommen;

und so jemand nach meinem Tode würde sagen: Wo D. Luther jetzt lebte, würde er diesen oder diese Artikel anders lehren und halten, denn er hat ihn nicht genugsam bedacht: dawider sage ich jetzt als dann und dann als jetzt, dass ich von Gottes Gnaden alle diese Artikel habe aufs fleißigste bedacht, durch die Schrift und wieder herdurch oftmals gezogen und so gewiß dieselben wollte verfechten, als ich jetzt hab’ das Sakrament des Altars verfochten. Ich bin nicht trunken noch unbedacht;

ich weiß, was ich rede, fühle auch wohl, was mir’s gilt auf des Hern Christi Zukunft am Jüngsten Gericht. Darum soll mir niemand Scherz oder lose Teiding [loses Gerede, Geschwätz] daraus machen. Es ist mir Ernst; denn ich kenne den Satan von Gottes Gnaden ein großes Teil; kann er Gottes Wort verkehren und verwirren, was sollte er nicht tun mit meinen oder eines andern Worten?” Tom. 2, Wit. Ger., fol. 243.

Auf solche Protestation setzt Lutherus seliger unter andern Artikeln auch diesen: “Ebenso rede ich (spricht er) auch und bekenne das Sakrament des Altars, dass daselbst wahrhaftig der Leib und Blut im Brot und Wein werde mündlich [ge]gessen und getrunken, obgleich die Priester, so es reichem, oder die, so es empfangen, nicht glaubten oder sonst mißbrauchten. Denn es steht nicht aus Menschen Glauben oder Unglauben, sondern auf Gottes Wort und Ordnung; es wäre denn, dass sie zuvor Gottes Wort und Ordnung ändern und anders deuten, wie die jetzigen Sakramentsfeinde tun, welche freilich eitel Brot und Wein haben; denn sie haben auch die Worte und eingesetzte Ordnung Gottes nicht, sondern dieselbigen nach ihrem eigenen Dünkel [nach ihrer subjektiven Meinung] verkehrt und verändert.” Fol. 245.

Es hat auch D. Luther, welcher ja die rechte eigentliche Meinung der Augsburgischen Konfession vor andern verstanden und beständiglich bis an sein Ende dabei geblieben und [sie] verteidigt, unlängst vor seinem Tode in seinem letzten Bekenntnis seinen Glauben von diesem Artikel mit großem Eifer in nachfolgenden Worten wiederholt, da er also schreibt: “Ich rechne sie alle in einen Kuchen, das ist, für Sakramentierer und Schwärmer, wie sie auch sind, die nicht glauben wollen, dass des Hern Brot im Abendmahl sei sein rechter, natürlicher Leib, welchen der Gottlose oder Judas ebensowohl mündlich empfängt als St. Petrus und alle Heiligen; wer das, sage ich, nicht glauben will, der lasse mich nur zufrieden und hoffe bei mir nur keiner Gemeinschaft; da wird nichts anders aus.” Tom. 2. Wit. Ger., fol. 252.

Aus diesen Erklärungen kann ein jeder Verständiger, so die Wahrheit und Frieden liebhat, besonders aber aus D. Luthers, als des vornehmsten Lehrers der Augsburgischen Konfession, Erklärung, was der Augsburgischen Konfession eigentliche Meinung und Verstand in diesem Artikel allezeit gewesen sei, ungezweifelt vernehmen.

Denn dass neben den Reden Christi und St. Pauli: Das Brot im Abendmahl ist der Leib Christi oder die Gemeinschaft des Leibes Christi, auch die Formen “unter dem Brot”, “mit dem Brot”, “im Brot” gebraucht [werden], ist die Ursache, dass hierdurch die papistische Transsubstantiation verworfen und des unverwandelten Wesens des Brotes und des Leibes Christi sakramentliche Vereinigung angezeigt würde;

gleichwie diese Rede Verbum caro factum est: “Das Wort ist Fleisch worden”, durch gleichstimmende [gleichbedeutende] Reden: “Das Wort wohnet in uns”; item: “In Christo wohnet die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig”; item: “Gott war mit ihm”; item: “Gott war in Christo”, und dergleichen, wiederholt und erklärt wird, nämlich dass nicht das göttliche Wesen in die menschliche Natur verwandelt, sondern die beiden unverwandelten Naturen persönlich vereinigt seien.

Wie denn eben dieses Gleichnis viel vornehme alte Lehrer: Iustinus, Cyprianus, Augustinus, Leo, Gelasius, Chrysostomus und andere, von den Worten des Testaments Christi: “Das ist mein Leib”, brauchen: dass, gleichwie in Christo zwei unterschiedliche, unverwandelte Naturen unzertrennlich vereinigt seien, also im heiligen Abendmahl die zwei Wesen, das natürliche Brot und der wahre natürliche Leib Christi, in der geordneten Handlung des Sakraments hier auf Erden zusammen gegenwärtig seien.

Obwohl solche Vereinigung des Leibes und Blutes Christi mit Brot und Wein nicht eine persönliche Vereinigung, wie beider Naturen in Christo, sondern [eine sakramentliche Vereinigung ist,] wie sie D. Luther und die unsern in den vielgedachten Artikeln der Vergleichung Anno 1536 und sonst sacramentalem unionem, das ist, eine sakramentliche Vereinigung, nennen; damit sie anzeigen wollen, dass [sie], ob sie schon die formas: in pane, sub pane, cum pane, das ist, diese unterschiedene Weise zu reden: “im Brot”, “unter dem Brot”, “mit dem Brot”, auch brauchen, dennoch die Worte Christi eigentlich, und wie sie lauten, angenommen [ausgesaßt haben] und in der Proposition, das ist, in den Worten des Testaments Christi: Hoc est corpus meum, “das ist mein Leib”, nicht eine figuratam praedicationem. Sondern inusitatem [anerkannt haben], das ist, [die Worte Christi] nicht für eine figürliche, verblümte Rede oder Deutelei verstanden haben;

wie Justinus spricht: “Dieses empfahen wir nicht als ein gemein Brot und gemeinen Trank, sondern gleichwie Jeus Christus, unser Heiland, durchs Wort Gottes Fleisch [ge]worden, auch Fleisch und Blut um unserer Seligkeit willen gehabt, also glauben wir, dass die durchs Wort und Gebet von ihm gesegnete Speise des Hern Jeu Christi Fleisch und Blut sei.”

Wie denn D. Luther auch in seinem großen und besonders im letzten Bekenntnis vom Abendmahl eben die Form zu reden, welche Christus im ersten Abendmahl gebraucht, mit großem Ernst und Eifer verteidigt.

Weil denn D. Luther [als] der vornehmste Lehrer der Kirchen, so sich zur Augsburgischen Konfession bekennen, zu halten [ist], als dessen ganze Lehre, Summa und Inhalt [als dessen ganzer Lehre Summa und Inhalt] in den Artikeln vielermeldeter Augsburgischer Konfession verfaßt und dem Kaiser Karolo V, übergeben [ist]: so kann und soll mehrgedachter Augsburgischer Konfession eigentlicher Verstand und Meinung aus keines andern denn aus D. Luthers Lehre und Streitschriften [Lehr= und Streitschriften] eigentlicher und besser genommen werden.

Wie denn eben diese jetzterzählte Meinung auf den einigen, festen, unbeweglichen und unzweifelhaftigen Fels der Wahrheit, aus den Worten der Einsetzung im heiligen göttlichen Wort, gegründet [ist] und von den heiligen Evangelisten und Aposteln und ihren Dißipeln und Zuhörern also verstanden, gelehrt und fortgepflanzt worden.

Denn weil unser Her und Heiland Jeus Christus, von welchem, als unserm einigen Lehrmeister, dieser ernste Befehl vom Himmel herab allen Menschen gegeben wird, Luk. 9: Hunc audite, “Den sollt ihr hören”, welcher nicht ein schlechter [ein bloßer] Mensch oder Engel, auch nicht allein wahrhaftig, weise und mächtig, sondern die ewige Wahrheit und Weisheit selbst und allmächtiger Gott ist, der gar wohl weiß, was und wie er reden soll, und kann auch alles dasjenige, was er redet und verheißt, kräftiglich ausrichten und ins Werk setzen, wie er spricht Luk. 21: “Himmel und Erde müssen vergehen, aber meine Worte müssen nicht vergehen”; item Matth. 28: “Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden”;

Weil nun vieler wahrhaftige, allmächtige Her, unser Schöpfer und Erlöser Jesus Christus, nach dem letzten Abendmahl, da er jetzt sein bitter Leiden und Sterben für unsere Sünden anfängt, zu der traurigen letzten Zeit, mit großem Bedacht und Ernst in Einsetzung dieses hochwürdigen Sakraments, welches bis ans Ende der Welt mit großer Reverenz und Gehorsam gebraucht werden und ein stetes Gedächtnis seines bitteren Leidens und Sterbens und aller seiner Guttaten, eine Versiegelung des neün Testaments, ein Trost aller betrübten Herzen und stetes Band und Vereinigung der Christen mit ihrem Haupt Christo und unter sich selbst sein sollte, diese Worte in Stiftung und Einsetzung des heiligen Abendmahls von dem gesegneten und dargereichten Brot gesprochen hat: “Nehmet hin und esset; das ist mein Leib, der für euch gegeben wird”, und von dem Kelch oder Wein: “Das ist mein Blut des neün Testaments, welches für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden”:

So sind wir ja schuldig, diese des ewigen, wahrhaftigen und allmächtigen Sohnes Gottes, unsers Hern, Schöpfers und Erlösers Jeu Christi, Worte nicht als verblümte, figürliche, fremde Reden anders zu deuten und außulegen, wie es unserer Vernunft gemäß scheint, sondern die Worte, wie sie lauten, in ihrem eigentlichen, klaren Verstand mit einfältigem Glauben und schuldigem Gehorsam anzunehmen und uns durch keine Einrede oder menschlich Widersprechen, aus menschlicher Vernunft gesponnen, wie lieblich sie auch der Vernunft scheinen, davon abwenden [zu] lassen.

Wie Abraham, da er Gottes Wort von Aufopferung seines Sohnes hörte, ob er wohl Ursache genug gehabt zu disputieren, ob die Worte (weil sie nicht allein wider alle Vernunft und wider das göttliche und natürliche Gesetz, sondern auch wider den hohen Artikel des Glaubens vom verheißenen Samen Christo, der von Isaak sollte geboren werden, öffentlich streiten) nach dem Buchstaben oder mit einer leidlichen oder sanften Glossa sollten zu verstehen sein; dennoch, wie er zuvor, als ihm die Verheißung von dem gebenedeiten Samen aus Isaak gegeben wird (obwohl es seiner Vernunft unmöglich scheint), Gott die Ehre der Wahrheit gibt und aus das aIlergewisseste bei sich geschlossen und geglaubt hat, dass Gott, was er verheißt, solches auch tun kann: also versteht und glaubt er auch aIlhier Gottes Wort und Befehl einfältig und schlecht, wie sie nach dem Buchstaben lauten, und läßt es Gottes AIlmächtigkeit und Weisheit befohlen sein, welche er weiß, dass sie viel mehr Weisen und Wege hat, die Verheißung des Samens aus Isaak zu erfüIlen, als er mit seiner blinden Vernunft begreifen kann:

Also soIlen wir auch mit aller Demut und Gehorsam unsers Schöpfers und Erlösers deutlichen, festen, klaren und ernsten Worten und Befehl ohne allen Zweifel und Disputation, wie es sich mit unserer Vernunft reime oder möglich sei, einfältig glauben. Denn dieser Her solche Worte geredet hat, welcher die unendliche Weisheit und Wahrheit selbst ist uns aIles, was er verheißt, gewißlich auch ins Werk setzen und voIlbringen kann.

Nun zeugen aIle Umstände der Einsetzung des heiligen Abendmahls, dass diese Worte unsers Hern und Heilandes Jeu Christi, so an sich selbst einfältig, deutlich, klar, fest und unzweifelhaftig sind, anders nicht denn in ihrer gewöhnlichen, eigentlichen und gemeinen Deutung können und sollen verstanden werden. Denn weil Christus diesen Befehl über Tisch und ob dem Nachtmahl tut, ist ja kein Zweifel, dass er von rechtem, natürlichem Brot und von natürlichem Wein, auch von mündlichem Essen und Trinken redet, dass keine Metaphora, das ist, eine Veränderung des Verstandes, im Wort: “Brot” sein kann, als, dass der Leib Christi ein geistlich Brot oder eine geistliche Speise der Seele sei.

So verwahrt es auch Christus selbst, dass keine Metonymia, das ist, gleichergestalt auch keine Veränderung des Verstandes im Wort “Leib” sei, und dass er nicht von einem Zeichen seines Leibes oder von einem bedeuten oder figürlichem Leib [oder von einem bedeuteten oder figürlichen Leib] oder von der Kraft seines Leibes und Wohltaten, die er mit Ausopferung seines Leibes erworben hat, redet, sondern von seinem wahren, wesentlichen Leib, den er für uns in den Tod gegeben, und von seinem wahren, wesentlichen Blut, das er für uns am Stamm des Kreuzes zur Vergebung der Sünden vergossen hat.

Nun ist ja kein so treür und gewisser Ausleger der Worte Jeu Christi denn eben der Her Christus selbst, der seine Worte und sein Herz und Meinung am besten versteht und dieselben zu erklären am weisesten und verständigsten ist, welcher hier, als in Stiftung seines letzten WiIlens und Testaments und stets währenden Bündnisses und Vereinigung (wie sonsten in aIlen Artikeln des Glaubens und aIler andern Bundes= und Gnadenzeichen oder Sakramente Einsetzung, als der Beschneidung, der mancherlei Opfer im alten Testament, der heiligen Taufe), nicht verblümte, sondern ganz eigentliche, einfältige, unzweifelhaftige und klare Worte gebraucht und [diese], damit ja kein Mißverstand einfaIlen könne, mit den Worten:

“Für euch gegeben, für euch vergossen” deutlicher erklärt; lässet [er läßt] auch seine Jünger in dem einfältigen, eigentlichen Verstand bleiben und befiehlt’s ihnen, dass sie alle Völker also lehren sollen, alles das zu halten, was er ihnen, den Aposteln, befohlen hat.

Derhalben auch alle drei Evangelisten, Matth. 26; Mark 14; Luk. 22, und St. Paulus, der nach der Himmelfahrt Christi dasselbe empfangen, 1 Kor. 11, einhelliglich und mit einerlei Worten und Silben viele hellen, klaren, festen und wahrhaftigen Worte Christi: “Das ist mein Leib” ganz aus einerlei Weise von dem gesegneten und dargereichten Brot ohne alle Deutung und Ënderung wiederholen. Ist darum kein Zweifel, dass auch vom andern

Teil des Sakraments diese Worte Lucä und Pauli: “Dieser Kelch ist das neü Testament in meinem Blut”, keine andere Meinung können haben, denn die St. Matthäus und Markus geben: “Das” (nämlich, das ihr aus dem Kelch mündlich trinkt) “ist mein Blut des neün Testaments”, dadurch ich dies mein Testament und neün Bund, nämlich die Vergebung der Sünden, mit euch Menschen ausrichte, versiegele und bekräftige.

So ist auch diese Wiederholung, Bestätigung und Erklärung der Worte Christi, die St. Paulus 1 Kor. 10 tut, als ein sonderliches helles Zeugnis der wahren, wesentlichen Gegenwärtigkeit und Austeilung des Leibes und Blutes Christi im Abendmahl mit allem Fleiß und Ernst zu betrachten, da er also schreibt: “Der gesegnete Kelch, welchen wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi?” Daraus wir klärlich lernen, dass nicht allein der Kelch, den Christus im ersten Abendmahl gesegnet, und nicht allein das Brot, welches Christus gebrochen und ausgeteilt hat, sondern auch, das wir brechen und segnen, sei die Gemeinschaft des Leibes und Blutes Christi, also dass alle die, so dies Brot essen und aus dem Kelch trinken, wahrhaftig empfangen und teilhaftig werden des wahren Leibes und Blutes Christi.

Denn wo der Leib Christi nicht wahrhaftig und wesentlich, sondern allein nach seiner Kraft und Wirkung gegenwärtig [wäre] und genossen würde, so würde [so hätte] das Brot nicht eine Gemeinschaft des Leibes, sondern des Geistes, Kraft und Guttaten Christi müssen genennet werden, wie die Apologia [Artikel X.

argumentiert und schleußt [schließt].

Und so Paulus allein von der geistlichen Gemeinschaft des Leibes Christi durch den Glauben redete, wie die Sakramentierer diesen Spruch verkehren, so würde er nicht sagen, das Brot, sondern der Geist oder Glaube wäre die Gemeinschaft des Leibes Christi. Nun sagt er, das Brot sei die Gemeinschaft des Leibes Christi, dass alle, die des gesegneten Brotes genießen, auch des Leibes Christi teilhaftig werden: so muss er ja nicht von geistlicher, sondern von sakramentlicher oder mündlicher Nießung des Leibes Christi, die den frommen und gottlosen [den wahren und falschen] Christen gemein ist, reden.

Wie auch die Ursache und Umstände derselben ganzen Predigt St. Pauli ausweisen, dass er die, so vom Götzenopfer aßen und mit heidnischem Teufelsdienst Gemeinschaft hatten und gleichwohl auch zum Tisch des Hern gingen und des Leibes und Blutes Christi teilhaftig wurden, abschreckt und warnt, dass sie nicht ihnen selbst [sich selbst] zum Gericht und Verdammnis den Leib und Blut Christi empfangen. Denn weil alle, die des gesegneten und gebrochenen Brotes im Abendmahl teilhaftig werden, auch mit dem Leib Christi Gemeinschaft haben, so muss [so kann] ja St. Paulus nicht von der geistlichen Gemeinschaft mit Christo reden, die niemand mißbrauchen kann, und davor man auch niemand warnen soll.

Derhalben auch unsere lieben Väter und Vorfahren, als Lutherus und andere reine Lehrer Augsburgischer Konfession, diesen Spruch Pauli mit solchen Worten erklären, dass er zum allerbesten mit den Worten Christi übereinstimmt, da sie also schreiben: Das Brot, das wir brechen, ist der ausgeteilte Leib Christi oder der gemeine Leib Christi, unter die geteilet [ausgeteilt], so das gebrochene Brot empfangen.

Bei dieser einfältigen, gegründeten Erklärung dieses herrlichen Gezeugnis [Zeugnisses], 1 Kor. 10, bleiben wir einträchtiglich und verwundern uns billig, dass etliche so kühn sind, dass sie diesen Spruch, den sie selbst vorhin den Sakramentierern entgegengesetzt [haben], jetzt für einen Grund ihres Irrtums, dass im Abendmahl der Leib Christi allein geistlich genossen werde, anziehen dürfen: Panis est communicatio corporis Christi. hoc est, id, quo sit societas cum corpore Christi (quod est ecclesia), seu est medium, per quod fideles unimur Christo, sicut verbum evangelii fide apprehensum est medium, per quod Christo spiritualiter unimur et corpori Christi, quod est ecclesia, inserimur. Welches zu deutsch also lautet: Das Brot ist die Gemeinschaft des Leibes Christi, das ist, es ist das, dadurch wir Gemeinschaft haben mit dem Leib Christi, welcher ist die Kirche; oder es ist das Mittel, dadurch wir Gläubigen vereinigt werden mit Christo, gleichwie das Wort des Evangelii, wenn es mit [dem] Glauben ergriffen wird, ist ein Mittel, dadurch wir mit Christo geistlich vereinigt und dem Leib Christi, welcher ist die Kirche, einverleibt werden.

Denn dass nicht allein die gottseligen, frommen und gläubigen Christen, sondern auch die unwürdigen, gottlosen Heuchler, als Judas und seine Gesellen, so keine geistliche Gemeinschaft mit Christo haben und ohne wahre Buße und Bekehrung zu Gott zum Tisch des Hern gehen, auch den wahren Leib und Blut Christi mündlich im Sakrament empfangen und sich mit ihrem unwürdigen Essen und Trinken am Leib und Blut Christi schwerlich [schwer] versündigen, lehrt St. Paulus ausdrücklich 1 Kor. 11: “Wer unwürdig von diesem Brot isset und von dem Kelch des Hern trinket, der” versündigt sich nicht allein am Brot und Wein, nicht allein an Zeichen oder symbolis und Figur des Leibes und Blutes, sondern “wird schuldig am Leib und Blut des Hern Jeu Christi”, welchen er allda gegenwärtig verunehrt, mißbraucht und schändet, gleichwie die Juden, welche sich mit der Tat wirklich an dem Leibe Christi vergriffen und ihn erwürgt haben, inmaßen die alten christlichen Väter und Kirchenlehrer diesen Spruch einhellig also verstanden und erklärt haben.

So ist nun zweierlei Essen des Fleisches Christi, eines geistlich, davon Christus Joh. 6 vornehmlich handelt, welches nicht anders als mit dem Geist und Glauben in der Predigt und Betrachtung des Evangelii ebensowohl als im Abendmahl geschieht und für sich selbst nütz und heilsam und aIlen Christen zu aIlen Zeiten zur Seligkeit nötig ist, ohne welche geistliche Nießung auch das sakramentliche oder mündliche Essen im Abendmahl nicht allein unheilsam, sondern auch schädlich und verdammlich ist.

Solch geistlich Essen aber ist nichts anderes als der Glaube, nämlich, Gottes Wort (darin uns Christus, wahrer Gott und Mensch samt aIlen Guttaten, die er uns mit seinem Fleisch, für uns in [den] Tod gegeben, und mit seinem Blut, für uns vergossen, erworben hat, nämlich Gottes Gnade, Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit und ewiges Leben, vorgetragen wird) hören, mit Glauben annehmen und uns selbst züignen und aus diesen Trost, dass wir einen gnädigen Gott ist ewige Seligkeit um des Hern Jeu Christi willen haben, uns mit gewisser Zuversicht und Vertraün festiglich verlassen und in aIler Not und Anfechtung [an ihn uns] halten.

Das andere Essen des Leibes Christi ist mündlich oder sakramentlich, da im heiligen Abendmahl der wahre, wesentliche Leib und Blut Christi von aIlen, die das gesegnete Brot und Wein im Abendmahl essen und trinken (von den Gläubigen zu einem gewissen Pfand und Versicherung, dass ihnen gewißlich ihre Sünden vergeben sind und Christus in ihnen wohne und kräftig sei, von den Ungläubigen aber zu ihrem Gericht und Verdammnis), auch mündlich empfangen und genossen wird,

wie die Worte der Einsetzung Christi ausdrücklich lauten, da er über Tisch und ob dem Nachtmahl seinen Jüngern natürlich Brot und natürlichen Wein reicht, welche er seinen wahren Leib und sein wahres Blut nennt und dabei sagt: “Esset und trinket”; so kann ja solcher Befehl vermöge der Umstände nicht anders als von dem mündlichen Essen und Trinken, aber nicht aus grobe, fleischliche, kapernaitische, sondern aus übernatürliche, unbegreifliche Weise, verstanden werden,

dazu nachmals der andere Befehl noch ein anderes und geistliches Essen setzt, da der Her Christus weiter spricht: “Solches tut zu meinem Gedächtnis”, da er den Glauben erfordert.

Derhalben alle alten christlichen Lehrer nach diesen Worten der Einsetzung Christi und St. Pauli Erklärung ausdrücklich und mit der ganzen heiligen christlichen Kirche einträchtig lehren, dass der Leib Christi nicht aIlein geistlich mit dem Glauben, welches auch außerhalb des Sakraments geschieht sondern auch mündlich, nicht aIlein von gläubigen frommen, sondern auch von unwürdigen, ungläubigen, falschen und bösen Christen, empfanget werde; welche hier zu erzählen zu lang, und [zu lang wäre, und wir] deswegen den christlichen Leser in der unsern ausführliche Schriften um geliebter Kürze willen gewiesen haben wolIen.

Daraus erscheint, wie unbiIlig und giftig die Sakramentschwärmer (Theodorus Beza) des Hern Christi, St. Pauli und der ganzen Kirche spotten die diese mündliche und der Unwürdigen Nießung duos pilos caudae equinae et commentum, cuius vel ipsum Satanam pudeat, wie auch die Lehre von der Majestät Christi excrementum Satanae, quo diabolus sibi ipsi et hominibus illudat, genennet [genannt] haben, das ist, so erschrecklich davon reden, dass sich auch ein frommer Christ schämen soIle, dasselbe zu verdolmetschen.

Es muss aber mit Fleiß erklärt werden, welch [da seien die Unwürdigen Gäste dieses Abendmahls nämlich die ohne wahre Reü und Leid über ihr Sünden und ohne wahren Glauben und guten Vorsatz, ihr Leben zu bessern, zu diesem Sakrament gehen und ihnen selbst [sich selbst] das Gericht, das ist, zeitliche und ewige Strafen, mit ihrem unwürdigen mündlichen Essen des Leibes Christi auf den Hals laden und am Leib und Blut Christi schuldig werden.

Denn die schwachgläubigen, blöden, betrübten Christen, die von wegen der Größe und Menge ihrer Sünden von Herzen erschrocken sind und gedenken, dass sie in dieser ihrer großen Unreinigkeit dieses edlen Schatzes und Guttaten Christi nicht wert seien und ihre Schwachheit des Glaubens empfinden und beklagen und von Herzen begehren, dass sie mit stärkerem, freudigerem Glauben und reinem Gehorsam Gott dienen möchten, die sind die rechten, würdigen Gäste, für welche dies hochwürdige Sakrament vornehmlich eingesetzt und verordnet ist;

wie Christus spricht Matth. 11: “Kommet her zu mir aIle, die ihr mühselig und beladen seid; ich wiIl euch erquicken”; item Matth. 9: “Die Gesunden bedürfen keines Arztes, sondern nur die Kranken”; item 2 Kor. 11: “Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig”; item Röm. 14: “Nehmet den Schwachen im Glauben auf; denn Gott hat ihn aufgenommen.” Denn: “wer an den Sohn Gottes glaubet”, es sei mit einem starken oder schwachen Glauben, “der hat das ewige Leben”, Joh. 3.

Und stehet [besteht] die Würdigkeit nicht im großer oder kleiner Schwachheit oder Stärke des Glaubens, sondern im Verdienst Christi, welches der kleingläubige betrübte Vater, Mark. 9, ebensowohl geneußt [genießt] als Abraham, Paulus und andere, so einen freudigen, starken Glauben haben.

Das sei von der wahren Gegenwärtigkeit und zweierlei Nießung des Leibes und Blutes Christi, so entweder mit dem Glauben geistlich oder auch mündlich beide von Würdigen und Unwürdigen geschieht, bis hieher geredet.

Weil auch von der Konsekration und von der gemeinen Regel, dass nichts Sakrament sei außer dem eingesetzten Gebrauch, Mißverstand und Spaltung zwischen etlichen der Augsburgischen Konfession Lehrern eingefallen sind, haben wir auch von dieser Sache uns brüderlich und einträchtig miteinander auf nachfolgende Meinung erklärt,

nämlich: dass die wahre Gegenwärtigkeit des Leibes und Blutes Christi im Abendmahl nicht schaffe einiges Menschen Wort oder Werk, es sei das Verdienst oder Sprechen des Dieners oder das Essen und Trinken oder Glaube der Kommunikanten, sondern solches aIles soIle aIlein des aIlmächtigen Gottes Kraft und unsers Hern Jeu Christi Wort, Einsetzung und Ordnung zugeschrieben werden.

Denn die wahrhaftigen und aIlmächtigen Werke Jeu Christi, welche er in der ersten Einsetzung gesprochen, sind nicht aIlein im ersten Abendmahl kräftig gewesen, sondern währen, gelten, wirken und sind noch kräftig, dass in aIlen Orten, da das Abendmahl nach Christi Einsetzung gehalten und seine Worte gebraucht werden, aus Kraft und Vermögen derselben Worte, die Christus im ersten Abendmahl gesprochen, der Leib und Blut Christi, wahrhaftig gegenwärtig, ausgeteilt und empfangen wird. Denn Christus selbst, wo man seine Einsetzung hält und seine Worte über dem Brot und Kelch [über das Brot und den Kelch] spricht und das gesegnete Brot und Kelch austeilt, durch die gesprochenen Worte, aus Kraft der ersten Einsetzung, noch [heute noch] durch sein Wort, welches er da wiIl wiederholt haben, kräftig ist;

wie Chrysostomus spricht (in Serm. de Pass.) in der Predigt von der Passion: “Christus richtet diesen Tisch selbst zu und segnet ihn; denn kein Mensch das vorgesetzte Brot und Wein zum Leib und Blut Christi macht, sondern Christus selbst, der für uns gekreuzigt ist. Die Worte werden durch des Priesters Mund gesprochen, aber durch Gottes Kraft und Gnade, durch das Wort, da er spricht: ‘Das ist mein Leib’, werden die vorgestalten [vorgesteIlten] Elemente im Abendmahl gesegnet. Und wie diese Rede: ‘Wachset und vermehret euch und erfüIlet die Erde’, nur einmal geredet, aber aIlezeit kräftig ist in der Natur, dass sie wächst und sich vermehrt, also ist auch diese Rede einmal gesprochen, aber bis auf diesen Tag und bis an seine Zukunft ist sie kräftig und wirkt, dass im Abendmahl der Kirche sein wahrer Leib und Blut gegenwärtig ist.”

Und Lutherus, Tom. 6. Ien. foI. 99: “Solch sein Befehl und Einsetzung vermag und schafft, dass wir nicht schlecht Brot und Wein, sondern seinen Leib und Blut darreichen und empfangen, wie seine Worte lauten: ‘Das ist mein Leib’ usw, ‘Das ist mein Blut’ usw.; dass nicht unser Werk oder Sprechen, sondern der Befehl und Ordnung Christi das Brot zum Leib und den Wein zum Blut macht vom Anfang des ersten Abendmahls bis an der Welt Ende und durch unsern Dienst und Amt täglich gereicht wird.”

Ferner: Tom. 3. Ien., foI. 446: “Also hie auch, wenn ich gleich über aIle Brote spreche: ‘Das ist Christi Leib’, würde freilich nichts daraus folgen [erfolgen, entstehen]; aber wenn wir seiner Einsetzung und Heißung [seinem Befehl] nach im Abendmahl sagen: ‘Das ist mein Leib’, so ist’s sein Leib, nicht unsers Sprechens oder Thetelworts [ausgesprochenen Wortes] halben, sondern seines Heißens halben, dass er uns also zu sprechen und zu tun geheißen hat und sein Heißen und Tun an unser Sprechen gebunden hat.”

Nun sollen die Worte der Einsetzung in der Handlung des heiligen Abendmahls öffentlich vor der Versammlung deutlich und klar gesprochen oder gesungen und keineswegs unterlassen werden,

damit dem Befehl Christi: “Das tut.” Gehorsam geleistet

und der Zuhörer Glaube vom Wesen und Frucht dieses Sakraments (Von der Gegenwärtigkeit des Leibes und Blutes Christi, von Vergebung der Sünden und aIlen Guttaten, so uns durch Christi Tod und Blutvergießen erworben und im Testament Christi geschenkt sind) durch Christi Worte erweckt, gestärkt und vergewissert [werde],

und die Elemente des Brotes und Weines in [zu] diesem heiligen [Ge]Brauch (dass uns damit Christi Leib und Blut zu essen und zu trinken gereicht werde), geheiligt oder gesegnet werden; wie Paulus spricht: “Der gesegnete Kelch, den wir segnen”; welches ja nicht anders denn durch Wiederholung und Erzählung der Worte der Einsetzung geschieht.

Aber dieser Segen oder die Erzählung der Worte der Einsetzung Christi (wo nicht die ganze Aktion des Abendmahls, wie die [wie sie] von Christo geordnet, gehalten wird, als, wenn man das gesegnete Brot nicht austeilt, empfängt und geneußt [genießt], sondern einschleußt [einschließt], ausopfert oder umträgt) macht aIlein kein Sakrament, sondern es muss der Befehl Christi: “Das tut.” (welches die ganze Aktion oder Verrichtung dieses Sakraments,

dass man in einer christlichen Zusammenkunft Brot und Wein nehme, segne, austeile, empfange, esse, trinke und des Hern Tod dabei verkündige, zusammenfaßt) unzertrennt und unverrückt gehalten werden, wie uns auch St. Paulus die ganze Aktion des Brotbrechens oder Austeilens und Empfangens vor Augen steIlt 1 Kor, 10.

Diese wahrhaftige christliche Lehre vom heiligen Abendmahl zu erhalten und vielerlei abgöttische Mißbräuche und Verkehrung dieses Testaments zu meiden und außutilgen, ist diese nützliche Regel und Richtschnur aus den Worten der Einsetzung genommen: Nihil habet rationem sacramenti extra usum a Christo institutum oder extra actionem divinitus institutam (das ist wenn man die Stiftung Christi nicht hält, wie er’s geordnet hat, ist es kein Sakrament), welche [Regel] mitnichten zu verwerfen, sondern nützlich in der Kirche Gottes kann und soIl getrieben und erhalten werden.

Und heißet [bezeichnet] aIlhier usus oder actio, das ist, Gebrauch oder Handlung, vornehmlich nicht den Glauben, auch nicht allein die mündliche Nießung, sondern die ganze äußerliche, sichtbare: von Christo geordnete Handlung des Abendmahls: die Konsekration oder Worte der Einsetzung, die Austeilung und Empfangung oder mündliche Nießung des gesegneten Brotes und Weines, Leibes und Blutes Christi;

außer welchem Gebrauch, wenn das Brot in der papistischen Messe nicht ausgeteilt, sondern aufgeopfert oder eingeschlossen, umgetragen und anzubeten vorgesteIlt [wird], ist es für kein Sakrament zu halten; gleich als das Taufwasser, wenn es die Glocken zu weihen oder den Aussatz zu heilen gebraucht oder sonst anzubeten vorgesteIlt würde, kein Sakrament oder Taufe ist; denn solchen papistischen Mißbräuchen diese Regel anfänglich entgegengesetzt und von D. Luthero selbst, Tom. 4, Ien., erklärt ist.

Daneben aber müssen wir auch dieses erinnern, dass die Sakramentierer diese nütze [nützliche] und nötige Regel hinterlistig und böslich zur Verleugnung der wahren, wesentlichen Gegenwärtigkeit und mündlichen Nießung des Leibes Christi, so alIhier auf Erden beide von Würdigem und Unwürdigen zugleich geschieht, verkehren und aus den usum fidei, das ist, aus den geistlichen und innerlichen Gebrauch des Glaubens, deuten, als wäre es den Unwürdigen kein Sakrament, und geschähe die Nießung des Leibes Christi allein geistlich durch den Glauben, oder als machte der Glaube den Leib Christi im heiligen Abendmahl gegenwärtig, und derhalben die unwürdigen, ungläubigen Heuchler den Leib Christi nicht gegenwärtig empfingen.

Nun macht unser Glaube das Sakrament nicht, sondern allein unsers aIlmächtigen Gottes und Heilandes Jeu Christi wahrhaftiges Wort und Einsetzung, welches stets kräftig ist und bleibt in der Christenheit, und durch die Würdigkeit oder Unwürdigkeit des Dieners oder [dass], der es empfängt, Unglauben [oder durch den Unglauben dessen, der es empfängt] nicht ausgehoben oder unkräftig gemacht wird; gleichwie das Evangelium, ob es schon die gottlosen Zuhörer nicht glauben, dennoch nichtsdestoweniger das wahre Evangelium ist und bleibt, allein dass es in den Ungläubigen zur Seligkeit nicht wirkt. Also die, so das Sakrament empfangen, sie glauben oder glauben nicht, so bleibt Christus nichtsdestoweniger in seinen Worten wahrhaftig, da er sagt: “Nehmet, esset, das ist mein Leib”, und wirkt solches nicht durch unsern Glauben, sondern durch seine AIlmächtigkeit.

Derhalben es ein schädlicher unverschämter Irrtum ist, dass etliche als listiger Verkehrung dieser gewöhnlichen Regel unserm Glauben, als der allein den Leib Christi gegenwärtig mache und genieße, mehr als der AIlmächtigkeit unsers Hern und Heilands Jeu Christi zuschreiben.

Was [so]dann der Sakramentierer aIlerlei vermeinte Gründe und nichtige Gegenargumente von den wesentlichen und natürlichen Eigenschaften eines menschlichen Leibes, von der Himmelfahrt Christi, von seinem Abschied aus dieser Welt und dergleichen anlangt, weil solche aIlzumal gründlich und ausführlich mit Gottes Wort durch D, Luther in seinen Streitschristen: “wider die himmlischen Propheten”; item, “Dass diese Worte: ‘Das ist mein Leib’ usw. noch feststehen”; desgleichen in seinem großen und kleinen “Bekenntnis vom heiligen Abendmahl” und andern seinen Schriften widerlegt und nach seinem Tode nichts Neüs durch die Rottengeister vorgebracht, woIlen wir den christlichen Leser um geliebter Kürze wiIlen in dieselben gewiesen und uns daraus gezogen [bezogen] haben.

Denn dass wir uns durch keine menschlichen klugen Gedanken, was für einen Schein und Ansehen sie immermehr haben mögen, nicht wollen, können noch soIlen abführen lassen von dem einfältigen, deutlichen und klaren Verstand des Wortes und Testaments Christi aus fremde Meinung, anders denn wie sie lauten, sondern gehörtermaßen einfältig verstehen und glauben, sind unsere Gründe, darauf wir in dieser Sache je und allwege nach erregtem Zwiespalt

von diesem Artikel gestanden, diese, wie D. Luther dieselben gleich anfangs [1528] wider die Sakramentierer mit nachfolgenden Worten gesetzt hat (D. Luther im großen Bekenntnis vom heiligen Abendmahl): “Meine Gründe, darauf ich stehe in solchem Stück, Sind diese:

“I. Der erste ist dieser Artikel unsers Glaubens: Jeus Christus ist wesentlicher, natürlicher, wahrhaftiger, völIiger Gott und Mensch in einer Person, unzertrennt und ungeteilt.

“2. Der andere, dass Gottes rechte Hand aIlenthalben ist.

“3. Der dritte, dass Gottes Wort nicht falsch ist oder Lügen [lüge].

“4. Der vierte, dass Gott mancherlei Weise hat und weiß, etwa [irgendwo] an einem Ort zu sein, und nicht allein die einige, da die Schwärmer von gaukeln, welche die philosophi IocaIem oder räumliche nennen.”

Item: “Christus’ einiger Leib hat dreierlei Weise oder aIle drei Weisen, etwa [irgendwo] zu sein:

“Erstlich die begreifliche, leibliche Weise, wie er auf Erden leiblich ging, da er Raum gab und nahm, nach seiner Größe. Solche Weise kann er noch brauchen, wenn er wiIl, wie er nach der Auferstehung tate [tat] und am Jüngsten Tage brauchen wird, wie Paulus sagt 1 Tim. 6: welchen wird zeigen zu seiner Zeit derselbige Gott [welche wird zeigen zu seiner Zeit der selige Gott]. Und Kol. 3: ‘Wenn Christus, eür Leben, sich Offenbaren wird.’ Auf solche Weise ist er nicht in Gott oder bei dem Vater noch im Himmel, wie der toIle Geist träumt; denn Gott ist nicht ein leiblicher Raum oder Stätte. Und hierauf gehen die Sprüche, so die Geister [die Schwarmgeister] führen, wie Christus die Welt verlasse und zum Vater gehe.

“Zum andern die unbegreifliche, geistliche Weise, da er keinen Raum nimmt noch gibt, sondern durch aIle Kreatur fährt, wo er wiIl, wie mein Gesicht (dass ich grobes Gleichnis gebe) durch Luft, Licht oder Wasser fährt und ist [und in denselben ist] und nicht Raum nimmt noch gibt; wie Klang oder Ton durch Luft oder Wasser oder Brett und Wand fährt und ist und auch nicht Raum nimmt noch gibt; item, wie Licht und Hitze durch Luft, Wasser, Glas, KristaI und dergleichen fährt und ist und auch nicht Raum gibt noch nimmt; und dergleichen viel mehr. Solcher Weise hat er gebraucht, da er aus verschlossenem Grabe fuhr und durch verschlossene Tür kam, und im Brot und Wein im Abendmahl, und, wie man glaubt, da er von seiner Mutter geboren ward.

“Zum dritten die göttliche, himmlische Weise, da er mit Gott eine Person ist, nach welcher freilich aIle Kreaturen ihm gar viel durchläuftiger und gegenwärtiger sein müssen, denn sie sind nach der andern Weise. Denn so er nach derselben andern Weise kann also sein in und bei den Kreaturen, dass sie ihn nicht fühlen, rühren, messen noch begreifen, wieviel mehr wird er nach dieser hohen dritten Weise in aIlen Kreaturen wunderlich sein, dass sie ihn nicht messen noch begreifen, sondern vielmehr, dass er sie vor sich hat gegenwärtig, [sie] misset und begreift. Denn du mußt dies Wesen [dieses Sein] Christi, so er mit Gott eine Person ist, gar weit, weit außer den Kreaturen setzen, so weit, als Gott draußen ist, wiederum so tief und nahe in aIlen Kreaturen setzen, als Gott darinnen ist. Denn er ist eine unzertrennte Person mit Gott; wo Gott ist, da muss er auch sein,

oder unser Glaube ist falsch. Wer wiIl aber sagen oder denken, wie solches zugehe? Wir wissen wohl, dass es also sei, dass er in Gott, außer aIlen Kreaturen, und mit Gott eine Person ist, aber wie es zugehe, wissen wir nicht; es ist über Natur und Vernunft, auch aIler Engel im Himmel, allein Gott bewußt und bekannt. Weil es denn uns unbekannt und doch wahr ist, so soIlen wir seine Worte nicht eher leugnen, wir wissen denn zu beweisen gewiß, dass Christus’ Leib allerdings nicht [aus keine Weise] möge sein, wo Gott ist, und dass solche Weise zu sein falsch sei; welches die Schwärmer soIlen beweisen, aber sie werden’s lassen.

“Ob nun Gott noch mehr Weisen habe und wisse, wie Christus’ Leib etwa [irgendwo] sei, wiIl ich hiemit nicht verleugnet, sondern angezeigt haben, wie grobe Hempel [Tröpfe, einfältige Menschen] unsere Schwärmer sind, dass sie Christus’ Leib nicht mehr denn die erste, begreifliche Weise zugeben; obwohl sie auch dieselbige nicht können beweisen, dass sie wider unsern Verstand sei [unserm Verständnis zuwider sei]. Denn ich’s in keinem Weg leugnen wiIl, dass Gottes Gewalt nicht soIlte so viel vermögen, dass ein Leib zugleich an vielen Orten sein möge [sein könne], auch leiblicher, begreiflicherweise. Denn wer wiIl’s beweisen, dass Gott solches nicht vermag? Wer hat seiner Gewalt ein Ende gesehen? Die Schwärmer denken wohl also, Gott vermöge es nicht; aber wer wiIl ihrem Denken glauben? Womit machen sie solches Denken gewiß?” Bis daher Lutherus.

Aus welchen Worten D. Luthers auch dies klar ist, in was Verstande [in welcher Bedeutung] das Wort “geistlich” in unsern Kirchen von diesem Handel gebraucht wird. Denn dieses Wort “geistlich” heißt den Sakramentierern anders nichts denn die geistliche Gemeinschaft, wenn durch den Glauben im Geist Christo dem Hern die Rechtgläubigen [wahrhaft Gläubigen] einverleibt und wahrhaftige geistliche Glieder seines Leibes werden.

Wenn aber D. Luther oder wir dies Wort: “geistlich” in diesem Handel gebrauchen, verstehen wir dadurch die geistliche, übernatürliche, himmlische Weise, nach welcher Christus bei dem heiligen Abendmahl gegenwärtig [ist und] nicht allein in den Gläubigen Trost und Leben, sondern auch in den ungläubigen das Gericht wirkt, dadurch wir die kapernaitischen Gedanken von der groben, fleischlichen Gegenwärtigkeit verwerfen, welche unsern Kirchen durch die Sakramentierer über [unbekümmert um und wider] aIles unser öffentlich vielfältig Bezeugen zugemessen und ausgedrungen wird; in welchem Verstande wir auch reden, dass der Leib und Blut Christi im heiligen Abendmahl geistlich empfangen, [ge]gessen und getrunken werde, obwohl solche Nießung mit dem Munde geschieht, die Weise aber geistlich ist.

Also ist unser Glaube in diesem Artikel von der wahren Gegenwärtigkeit des Leibes und Blutes Christi im heiligen Abendmahl auf des wahrhaftigen, aIlmächtigen Gottes, unsers Hern und Heilandes Jeu Christi, Wahrheit und AIlmächtigkeit gebaut; welche Gründe unsern Glauben in aIlen Anfechtungen dieses Artikels halben zu stärken und zu befestigen und dagegen aIle der Sakramentierer Gegenwürfe und Einreden, wie annehmlich und scheinlich [scheinbar richtig] sie der Vernunft immer sein mögen, umzustoßen und zu widerlegen) stark und fest genug sind, darauf sich auch ein christlich Herz sicher und fest lehnen und verlassen kann.

Demnach verwerfen und verdammen wir mit Herzen und Mund als falsch, irrig und verführerisch aIle Irrtümer, so dieser obgeletzten und in Gottes Wort gegründeten Lehre ungemäß, zuwider und entgegen sind, als:

  1. Erstlich die papistische Transsubstantiation, da gelehrt wird, dass das konsekrierte oder gesegnete Brot und Wein im heiligen Abendmahl seine Substanz und Wesen ganz und gar verlieren und in die Substanz des Leibes und Blutes Christi verwandelt werden, also dass allein die bloße Gestalt des Brotes und Weines, oder accidentia sine subiecto, übrigbleiben; unter welcher Gestalt des Brotes der Leib Christi (das doch nicht mehr Brot [sei], sondern ihrem Vorgeben nach sein natürlich Wesen verloren [habe]) auch außerhalb der Handlung des Abendmahls, wenn das Brot in das Sakramenthäuslein eingeschlossen oder zum Schauspiel und anzubeten umhergetragen wird, gegenwärtig sei; denn nichts Sakrament sein kann außer Gottes Befehl und geordnetem [Ge]Brauch, dazu es in Gottes Wort eingesetzt ist, wie droben angezeigt worden.
  1. Desgleichen verwerfen und verdammen wir aIle andern papistischen Mißbräuche dieses Sakraments, als, den Greül der Opfermesse fur die Lebendigen und Toten.
  1. Ferner: dass den Laien nur eine Gestalt des Sakraments wider den öffentlichen Befehl und Einsetzung Christi gereicht wird, wie dieselben papistischen Mißbräuche in unserer Kirchen gemeinen Konfession und Apologia, Schmalkaldischen Artikeln und andern der unsern Schriften ausführlich mit Gottes Wort und der alten Kirche Zeugnissen widerlegt worden.

Weil aber in dieser Schrift wir vornehmlich allein von der wahren Gegenwärtigkeit des Leibes und Blutes Christi wider die Sakramentierer, deren etliche sich unter der Augsburgischen Konfession Namen in diese Kirchen unverschämt eindringen, unser Bekenntnis und Erklärung zu tun vorgenommen, so woIlen wir auch der Sakramentierer Irrtümer vornehmlich alIhier setzen und erzählen, damit unsere Zuhörer, dass sie sich davor hüten und vorsehen können, zu verwarnen.

Demnach verwerfen und verdammen wir mit Mund und Herzen als falsch, irrig und verführerisch aIle sakramentierischen Opiniones und Lehren, so dieser obgesetzten und in Gottes Wort gegründeten Lehre ungemäß, zuwider und entgegen sind:

  1. Als, wenn sie vorgeben, dass die Worte der Einsetzung nicht einfältig in ihrer eigentlichen Bedeutung, wie sie lauten, von der wahrem, wesentlichem Gegenwärtigkeit des Leibes und Blutes Christi im Abendmahl verstanden, sondern durch tropos oder figürliche Deutung alle einen anderm, neün, fremden Verstand gezogen werden soIlen; wie wir hiermit aIle solche sakramentierischen Opiniones und ihnen [und einander] selbst widerwärtigen Meinungen, wie vielfältig und mancherlei dieselben auch seien, verwerfen.
  1. Ferner: dass die mündliche Nießung des Leibes und Blutes Christi im Abendmahl geleugnet und dagegen gelehrt wird, dass der Leib Christi im Abendmahl allein geistlich, durch den Glauben, genossen werde, also dass unser Mund im Abendmahl nur aIlein Brot und Wein empfange.
  1. Gleichfalls auch, da gelehrt wird, dass Brot und Wein im Abendmahl nicht mehr sein soIlen als Kennzeichen, dadurch die Christen untereinander zu erkennen; oder4. Dass sie nur Bedeutungen, Gleichnisse und Anbildungen [Abbildungen] des weit abwesenden Leibes Christi seien, dergestalt, dass, gleichwie Brot und Wein unsers Leibes äußerliche Speise ist, also sei auch der abwesende Leib Christi mit seinem Verdienst unserer Seele geistliche Speise.
  1. Oder, dass sie nicht mehr als Wahrzeichen, Gedenkzeichen des abwesenden Leibes Christi seien, durch welche Zeichen, als durch ein äußerliches Pfand, wir versichert werden soIlten, dass der Glaube, der sich vom Abendmahl abwendet und über aIle Himmel steigt, droben ja so wahrhaftig des Leibes und Blutes Christi teilhaftig werde, als so wahr wir im Abendmahl mit dem Munde die äußerlichen Zeichen empfangen; und dass also die Versicherung und Bekräftigung unsers Glaubens im Abendmahl geschehe allein durch die äußerlichen Zeichen und nicht durch den wahrhaftigen, gegenwärtigen und uns überreichten Leib und Blut Christi.
  1. Oder, dass im Abendmahl dem Glauben allein die Kraft, Wirkung und Verdienst des weit abwesenden Leibes Christi ausgeteilt werde, und wir also seines abwesenden Leibes teilhaftig werden; und dass auf diese jetzt erzählte Weise unio sacramentalis, das ist, sakramentliche Vereinigung, zu verstehen sei de analogia signi et signati, das ist, wie Brot und Wein mit dem Leib und Blut Christi ein Gleichnis [eine Ëhnlichkeit] haben.
  1. Oder, dass der Leib und Blut Christi anders nicht denn aIlein geistlich, durch den Glauben, empfangen und genossen werde.
  1. Ferner: da gelehrt wird, dass Christus von wegen seiner Himmelfahrt mit seinem Leibe also an einem gewissen Ort im Himmel begriffen und umfangen sei, dass er mit demselben bei uns im Abendmahl, welches nach der Einsetzung Christi auf Erden gehalten wird, wahrhaftig und wesentlich nicht gegenwärtig sein könne oder woIle, sondern sei so weit oder fern davon, als Himmel und Erde voneinander ist; wie etliche Sakramentierer den Text Act. 3: Oportet Christum coelum accipere, das ist: “Christus muss dem Himmel einnehmen”, vorsätzlich und böslich zur Bestätigung ihres Irrtums verfälscht haben und anstatt desselben gesetzt: Oportet Christum coelo capi, das ist: “Christus muss vom oder im Himmel also eingenommen oder umschrieben und begriffen werden”, dass er bei uns auf Erden keinerlei Weise mit seiner menschlichen Natur sein könnte [könne] oder woIle.
  1. Ferner: dass Christus die wahre, wesentliche Gegenwärtigkeit seines Leibes und Blutes in seinem Abendmahl nicht habe verheißen noch leisten können oder woIlen, weil die Natur und Eigenschaft seiner angenommenen menschlichen Natur solches nicht leiden noch zugeben könne.
  1. Ferner: da gelehrt wird, dass nicht allein die Worte und AIlmächtigkeit Christi, sondern der Glaube den Leib Christi im heiligen Abendmahl gegenwärtig mache; daher von etlichen die Worte der Einsetzung in der Handlung des Abendmahls unterlassen werden. Denn obwohl die papistische Konsekration, in welcher dem Sprechen als dem Werk des Priesters die Kraft zugemessen wird, als mache dasselbe ein Sakrament, biIlig gestraft und verworfen wird, so können oder soIlen doch die Worte der Einsetzung in der Handlung des Abendmahls in keinem Weg ausgelassen werden, wie solches in vorgehender Erklärung angezeigt ist.
  1. Ferner: dass die Gläubigen den Leib Christi vermöge der Worte der Einsetzung Christi bei dem Brot und Wein des Abendmahls nicht suchen [sollen], sondern vom Brot des Abendmahls mit ihrem Glauben im Himmel an das Ort [an den Ort] gewiesen werden, da der Her Christus mit seinem Leibe sei, dass sie daselbst sein genießen soIlen.
  1. Wir verwerfen auch, so gelehrt wird, dass die Ungläubigen und unbußfertigen, bösen Christen, die allein den Namen Christi tragen, aber den rechten, wahrhaftigen, lebendigen und seligmachenden Glauben nicht haben, im Abendmahl nicht den Leib und Blut Christi, sondern allein Brot und Wein empfangen. Und weil allein zweierlei Gäste bei dieser himmlischen Mahlzeit gefunden [werden], würdige und unwürdige, verwerfen wir auch, wenn ein solcher Unterschied unter den unwürdigen gemacht wird, dass die gottlosen Epikurer und Spötter Gottes Worts, so in der äußerlichen Gemeinschaft der Kirche sind, nicht den Leib und das Blut Christi zum Gericht im [Ge]Brauch des heiligen Abendmahls: sondern allein Brot und Wein empfangen.
  1. Also auch, da gelehrt wird, dass die Würdigkeit nicht allein in wahrem Glauben, sondern auf der Menschen eigener Bereitung stehe.
  1. Desgleichen auch, da gelehrt wird, dass auch die Rechtgläubigen, so einen rechten, wahrhaftigen, lebendigen Glauben haben und behalten, und aber vorgesetzter eigener genugsamer Bereitung mangeln, dies Sakrament zum Gericht als die unwurdigen Gäste empfangen könnten.
  1. Ferner: da gelehrt wird, dass die Elemente, sichtiglichen [sichtbaren] species oder Gestalten des gesegneten Brotes und Weines, angebetet soIlen werden. Dass aber Christus selber, wahrer Gott und Mensch, so im Abendmahl wahrhaftig und wesentlich gegenwärtig, in wahrem Gebrauch desselben soIle im Geist und in der Wahrheit wie auch an allen andern Orten, besonders da seine Gemeinde versammelt [ist], angebetet werden, kann und wird niemand leugnen, er sei denn ein arianischer Ketzer.
  1. Wir verwerfen und verdammen auch aIle vorwitzigen, spöttischen, lästerlichen Fragen und Reden, so auf grobe, fleischliche, kapernaitische Weise von den übernatürlichen himmlischen Geheimnissen dieses Abendmahls vorgebracht werden.

Anderer [andere] und mehr antitheses oder verworfene Gegenlehren sind in vorgehender Erklärung gestraft und verworfen worden, welche wir geliebter Kürze halben alIhier nicht wiederholen woIlen; und was noch über das andere mehr verdammliche opiniones oder irrige Meinungen sind, können aus der obgesetzten Erklärung leichtlich genommen und namhaft gemacht werden; denn wir aIles, was der obgesetzten und in Gottes Wort wohlgegründeten Lehre ungemäß, zuwider und entgegen ist, verwerfen und verdammen.