Konkordienformel – Solida DeclaratioFC SDArtikel XII

XII. Von andern Rotten und Sekten

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Concordia Triglotta

Einleitung

so sich niemals zu der Augsburgischen Konfession bekennet [bekannt haben].

Was aber die Sekten und Rotten belangt, die sich zur Augsburgischen Konfession nie bekannt, und derselben [und deren] in dieser unserer Erklärung nicht ausdrücklich Meldung geschehen [ist], als da sind Wiedertäufer, Schwenckfeldianer, neü Arianer und Antitrinitarier,

deren Irrtümer einhellig von allen Kirchen Augsburgischer Konfession verdammt worden: haben wir derselben der Ursachen in dieser Erklärung nicht insonderheit und vornehmlich Meldung tun wollen, weil auf diesmal allein das gesucht [weil wir diesmal allein das im folgenden Genannte gesucht haben, nämlich, die römischen Verleumdungen, die Lutheraner seien unter sich selber nicht einig, zu widerlegen].

Nachdem unser Gegenteil mit unverschämtem Munde vor[ge]geben und in aller Welt unsere Kirchen und derselben Lehrer ausgerufen [verschrien hat], dass nicht zwei Prädikanten gefunden [würden], die in allen und jeden Artikeln der Augsburgischen Konfession einig [seien], sondern dermaßen untereinander zerrissen und zertrennt, dass sie selbst nicht mehr wissen, was die Augsburgische Konfession und derselben eigentlicher Verstand sei,

haben wir nicht mit kurzen bloßen Worten oder Namen uns zusammen bekennet [bekannt], sondern von allen vorgefallenen Artikeln, so allein unter den Theologen Augsburgischer Konfession disputiert und angefochten,

eine lautere, helle, unterschiedliche Erklärung tun wollen, auf dass männiglich [jedermann] sehen möge, dass wir solches alles nicht arglistigerweise verschlahen [verschlagen, verheimlichen] oder verdecken oder uns allein zum Schein vergleichen,

sondern der Sache mit Grund helfen und unsere Meinung also hievon dartun wollen, dass auch unsere Widersacher selbst bekennen müssen, dass wir in solchem allem bei dem rechten, einfältigen, natürlichen und eigentlichen Verstand der Augsburgischen Konfession bleiben; bei welcher wir auch durch Gottes Gnade begehren standhaftig bis an unser Ende zu verharren und, soviel an unserm Dienst gelegen, nicht zusehen noch stille schweigen wollen, dass derselben zuwider etwas in unsere Kirchen und Schulen eingeführt werde, darin uns der allmächtige Gott und Vater unsers Hern Jeu Christi zu Lehrern und Hirten gesetzt hat.

Damit uns aber nicht stillschweigend oberzählter Rotten und Sekten verdammte Irrtümer zugemessen werden

(welche mehrerenteils an den Orten und besonders zu der Zeit heimlich, wie solcher Geister Art ist, eingeschlichen, da dem reinen Wort des heiligen Evangelii nicht Platz noch Raum gegeben, sondern alle desselben rechtschaffenen Lehrer und Bekenner verfolgt worden, und die tiefe Finsternis des Papsttums noch regiert [hat] und die armen einfältigen Leute, so des Papsttums öffentliche Abgötterei und falschen Glauben greifen müssen, in ihrer Einfalt leider angenommen [haben], was nach dem Evangelio genannt und papstisch war), haben wir nicht unterlassen können, uns dawider auch öffentlich vor der ganzen Christenheit zu bezeugen, dass wir mit derselben Irrtümern, es seien ihrer viel oder wenig, weder Teil noch Gemein[schaft] haben, sondern solche allezumal als unrecht und ketzerisch, der heiligen Propheten und Apostel Schriften, auch unserer christlichen und in Gottes Wort wohlgegründeten Augsburgischen Konfession zuwider verwerfen und verdammen.

Irrige Artikel der Wiedertäufer.

Als nämlich der Wiedertäufer irrige, ketzerische Lehre, die weder in der Kirche noch in der Polizei noch in der Haushaltung zu dulden und zu leiden, da sie lehren:

  1. Dass unsere Gerechtigkeit vor Gott nicht allein auf dem einigen Gehorsam und Verdienst Christi, sondern in der Erneurung und unserer eigenen Frömmigkeit stehe, in welcher wir vor Gott wandeln; welche sie das mehrere Teil auf eigene sonderliche Satzungen und selbsterwählte Geistlichkeit, wie auf eine neü Möncherei, setzen.
  1. Dass die Kinder, so nicht getauft, vor Gott nicht Sünder, sondern gerecht und unschuldig seien und also in ihrer Unschuld ohne die Taufe, deren sie nicht bedürfen, selig werden. verleugnen und verwerfen also die ganze Lehre von der Erbsünde, und was derselben anhängig.
  1. Dass die Kinder nicht sollen getauft werden, bis sie zu ihrem Verstand kommen und ihren Glauben selbst bekennen können.
  1. Dass der Christen Kinder darum, weil sie von christlichen und gläubigen Eltern geboren, auch ohne und vor der Taufe heilig und Gottes Kinder seien, auch der Ursache [halber] der Kinder Taufe weder hochhalten noch befördern, wider die ausgedrückte Worte der Verheißung, die sich allein auf die erstrecken, welche den Bund halten und denselben nicht verachten, Gen. 17.
  1. Dass dies keine rechte christliche Versammlung noch Gemeinde sei, in der noch Sünder gefunden werden.
  1. Dass man keine Predigt hören noch besuchen soll in den Tempeln, darin zuvor päpstische Messen gelesen worden.
  1. Dass man nichts mit den Kirchendienern, so das heilige Evangelium vermöge Augsburgischer Konfession predigen und der Wiedertäufer Irrtum strafen, zu schaffen haben, ihnen auch weder dienen noch etwas arbeiten, sondern [sie] als die Verkehrer Gottes Worts fliehen und meiden solle.
  1. Dass die Obrigkeit kein gottseliger Stand im neün Testament sei.
  1. Dass ein Christenmensch mit gutem, unverletztem Gewissen das Amt der Obrigkeit nicht tragen könne.
  1. Dass ein Christ mit unverletztem Gewissen das Amt der Obrigkeit in zufälligen Sachen wider die Bösen nicht [ge]brauchen noch derselben Untertanen ihre Gewalt anrufen mögen.
  1. Dass ein Christenmensch mit gutem Gewissen keinen Eid vor Gericht schwören noch mit Eid seinem Landesfürsten oder Oberherrn die Erbhuldigung tun könne.
  1. Dass die Obrigkeit mit unverletztem Gewissen die Übeltäter am Leben nicht strafen könne.
  1. Dass ein Christ mit gutem Gewissen nichts Eigenes behalten noch besitzen könne, sondern schuldig sei, dasselbe in die Gemeinde [in die Gemeinde oder Kommunkasse] zu geben.
  1. Dass ein Christ mit gutem Gewissen kein Gastgeber, Kaufmann oder Messerschmied sein könne.
  1. Dass Eheleute um des Glaubens willen sich voneinander scheiden und eins das andere Verlassen und mit einem andern, das seines Glaubens ist, sich verehelichen möge.
  1. Dass Christus sein Fleisch und Blut nicht von Maria der Jungfrau angenommen, sondern vom Himmel mit sich gebracht [habe].
  1. Dass er auch nicht wahrer, wesentlicher Gott sei, sondern nur mehr und höhere Gaben und Herrlichkeit denn andere Menschen habe.

Und dergleichen andere Artikel mehr; wie sie denn untereinander in viel Haufen zerteilt [sind], und einer mehr, der andere weniger Irrtümer hat, und also ihre ganze Sekte im Grunde anders nichts denn eine neü Möncherei ist.

Irrige Artikel der Schwenkfeldianer.

Desgleichen, da die Schwenckfeldianer vorgeben:

  1. Erstlich, dass alle die keine Erkenntnis des regierenden Himmelskönigs Christi haben, die Christum nach dem Fleisch oder seine angenommene Menschheit für eine Kreatur halten, und dass das Fleisch Christi durch die Erhöhung alle göttlichen Eigenschaften also angenommen, dass er an Macht, Kraft, Majestät, Herrlichkeit dem Vater und dem ewigen Wort allenthalben in Grad und Stelle des Wesens gleich [sei], also dass einerlei Wesen, Eigenschaft, Wille und Glorie beider Naturen in Christo sei, und dass Christi Fleisch zu dem Wesen der heiligen Dreifaltigkeit gehöre.
  1. Dass der Kirchendienst, das gepredigte und gehörte Wort, nicht sei ein Mittel, dadurch Gott der Heilige Geist den [die] Menschen lehre, seligmachende Erkenntnis Christi, Bekehrung, Buße, Glauben, neün Gehorsam in ihnen wirke.
  1. Dass das Taufwasser nicht sei ein Mittel, dadurch Gott der Her die Kindschaft versiegele und die Wiedergeburt wirke.
  1. Dass Brot und Wein im heiligen Abendmahl nicht Mittel seien, dadurch Christus seinen Leib und Blut austeile.
  1. Dass ein Christenmensch, der wahrhaftig durch den Geist Gottes wiedergeboren, das Gesetz Gottes in diesem Leben vollkommen halten und erfüllen könne.
  1. Dass [es] keine rechte christliche Gemeinde sei, da kein öffentlicher Ausschluß oder ordentlicher Prozeß des Bannes gehalten werde,
  1. Dass der Diener der Kirche andere Leute nicht nützlich lehren oder rechte, wahrhaftige Sakramente reichen könne, der nicht für seine Person wahrhaftig verneürt, gerecht und fromm sei.

Irrige Artikel der neün Arianer.

Ferner: da die neün Arianer lehren, dass Christus nicht ein wahrhaftiger, wesentlicher, natürlicher Gott, eines ewigen göttlichen Wesens mit Gott dem Vater, sondern allein mit göttlicher Majestät unter und neben Gott dem Vater gezieret sei.

Irrige Artikel der neün Antitrinitarier.

  1. Ferner: da etliche Antitrinitarier die alten, bewährten Symbola,Nicaenum et Athanasianum, beide was die Meinung und Worte belangt, verwerfen und verdammen und lehren, dass nicht ein einig, ewig, göttlich Wesen sei des Vaters, Sohnes und Heiligen Geistes; sondern wie drei unterschiedliche Personen seien, Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist, also habe auch eine jede Person ihr unterschiedlich und von andern Personen abgesondert Wesen, die doch entweder alle drei, als sonst drei Unterschiedene und in ihrem Wesen abgesonderte Menschen, gleicher Gewalt, Weisheit, Majestät und Herrlichkeit seien, oder am Wesen und Eigenschaften ungleich.
  1. Dass allein der Vater wahrer Gott sei.

Diese und dergleichen Artikel allzumal, und was denselben anhängt und daraus folgt, verwerfen und verdammen wir als unrecht, falsch, ketzerish dem Wort Gottes, den drei Symbolis, der Augsburgischen Konfession und Apologia, den Schmalkaldischen Artikeln und Katechismis Lutheri zuwider; vor welchen sich alle frommen Christen hüten wollen und sollen, als lieb ihnen ihrer Seelen Heil und Seligkeit ist.

Derwegen wir uns [weil wir uns nun] vor dem Angesicht Gottes und der ganzen Christenheit, bei den jetztlebenden und so nach uns kommen werden, bezeugt [öffentlich und feierlich erklärt] haben wollen, dass diese jetztgetane Erklärung von allen vorgesetzten und erklärten streitigen Artikeln, und kein anderes, unser Glaube, Lehre und Bekenntnis sei, in welchem wir auch durch die Gnade Gottes mit unerschrockenem Herzen vor dem Richterstuhl Jeu Christi erscheinen und deshalb Rechenschaft geben, dawider auch nichts heimlich noch öffentlich reden oder schreiben wollen, sonder vermittelst der Gnade Gottes dabei gedenken zu bleiben: haben wir wohlbedächtig, in Gottes Furcht und Anrufung uns mit eignen Hände unterschrieben. [Im deutschen Konkordienbuch folgt hier 1. das “Register der vornehmsten Hauptstücke christlicher Lehre, so in diesem Buch gehandelt werden”; 2. die zirka 8000 “Namen der Theologen, Kirchen und Schuldiener”, die das Konkordienbuch unterschrieben haben; 3. das Druckerzeichen, mit Ps. 9, 1. 2 als Inschrift oben: “Ich danke dem Hern vom ganzem Herzen und erzähle alle deine Wunder. Ich freü mich und bin fröhlich in dir und lobe deinen Namen, du Allerhöchster”, und unten: “Gedruckt zu Dresden durch Matthes Stöckel. Anno 1580 (1579)”; 4. das: “Verzeichnis der Zeugnisse Heiliger Schrift und alten reinen Kirchenlehrer von der Person und Majestät der menschlichen Natur Christi”.]