ApologieApArtikel XX

Artikel XX. Von guten Werken

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Concordia Triglotta

Im XX. Artikel setzen sie klar diese Worte, dass sie unsere Lehre verwerfen und verdammen, da wir sagen, dass die Leute durch gute Werke nicht verdienen Vergebung der Sünden. Das merke jedermann wohl: eben den Artikel verdammen und verwerfen sie mit klaren Worten. Was ist nun not, in dieser öffentlichen Sache viel Worte zu machen?

Die großen Doctores und Meister der Konfutation geben da öffentlich an Tag, was für ein Geist aus ihnen redet. Denn in der christlichen Kirche ist das kein geringer Artikel, sondern der allerhöchste und Hauptartikel, dass wir Vergebung der Sünden erlangen ohne unser Verdienst, durch Christum, und dass nicht unsere Werke, sondern Christus sei die Versöhnung für unsere Sünden, wie Petrus sagt: “Dem Jesu geben Zeugnis alle Propheten, dass wir Vergebung der Sünden erlangen, alle, die an ihn glauben.” Solch stark Zeugnis aller heiligen Propheten mag billig ein Beschluß heißen der katholischen christlichen Kirche. Denn auch ein einiger Prophet gar groß bei Gott geachtet und ein Weltschatz ist. Derselben heiligen Kirche und dem einträchtigen Munde aller Propheten sollen wir billiger glauben denn den heillosen, gottlosen Sophisten, so die Konfutation gemacht haben und Christum so unverschämt lästern.

Denn obwohl etliche Lehrer also auch davon geschrieben, dass wir hernach, wenn uns die Sünde vergeben ist, nicht durch den Glauben, sondern durch unsere eigenen Werke Gnade erlangen, so haben sie doch das nicht gehalten, dass die Vergebung der Sünden an ihr [sich] selbst um unserer Werke willen uns widerfahre, und nicht um Christus’ willen.

Darum ist es eine greuliche Gotteslästerung, die Ehre Christi also unsern Menschenwerken zu geben. Und wir vergrössten und versehen uns zu Kaiserlicher Majestät und auch andern Fürsten dieser kaiserlichen, fürstlichen Tugend, dass sie so öffentliche Unwahrheit und Ungrund, dadurch vor aller Welt Gott und das Evangelium gelästert wird, in keinem Wege würden in der Konfutation, wenn sie verwarnt wären, gelassen haben. Denn dass dieser Artikel gewißlich göttlich und wahr ist, und das dies die heilige göttliche Wahrheit sei,

[dafür] könnten wir hier gar nahe unzählige Sprüche der Schrift vorbringen, auch aus den Vätern. Und ist gar nahe keine Silbe, kein Blatt in der Bible, in den vornehmsten Büchern der Heiligen Schrift, da das nicht klar gemeldet wäre. Wir haben oben auch viel von diesen Stücken gesagt, und gottesfürchtige, fromme Herzen, die da wohl wissen, warum Christus gegeben ist, die da nicht für aller Welt Güter und Königreiche entbehren wollten, dass Christus nicht unser einiger Schatz, unser einiger Mittler und Versöhner wäre, die müssen sich hier entsetzen und erschrecken, dass Gottes heiliges Wort und Wahrheit so öffentlich von armen Menschen verachtet und verdammt wird. Jesaias der Prophet sagt: “Der Herr hat auf ihn gelegt unser aller Sünde.” Die Widersacher aber lügenstrafen Jesaiam und die ganze Bibel and Schrift und sagen, er habe unsere Sünde auf uns und unsere Werke und bettelische Genugtuung gelegt. Ich will dennoch hier schweigen der kindischen Werke, Rosenkränze, Wallfahrten und dergleichen.

Wir sehen gar wohl das ernstliche Mandat und das kaiserliche Edikt, wider uns und unsere Lehre ausgegangen [den Abschied des Augsburger Reichstags vom 19. November 1530] des sollten wir billig erschrecken, wenn wir von leichten, geringen Sachen oder von Sachen, die in Zweifel stünden, zu handeln hätten. Nachdem wir aber, Gott Lob! durch Gottes Wort in unsern Herzen und Gewissen des ganz ohne allen Zweifel vor Gott gewiß sind, dass die Widersacher verdammen die öffentliche göttliche Wahrheit und die rechte, christliche, selige, heilige Lehre, ohne welche keine christliche Kirche irgend sein kann, welche ein jeder Christ, so fern sein Leib und Leben reicht, schuldig ist, zu der Ehre Gottes zu bekennen, zu retten und zu schützen: so lassen wir uns von solcher heilsamen Lehre nicht abschrecken.

Denn wer wollte ihm [sich] doch nicht wünschen an seinem letzten Ende, dass er im Bekenntnis des Artikels sterben möchte, dass wir Vergebung der Sünden durch den Glauben, ohne unser Verdienst und Werk, durch das Blut Christi erlangen? Es gibt die Erfahrung, wie die Mönche selbst bekennen müssen, dass sich die Gewissen nicht lassen stillen noch zufrieden bringen denn durch den Glauben an Christum.

Und die Gewissen können keinen rechten, beständigen Trost haben in den großen Ëngsten an [in] der Todesstunde und in Anfechtung wider das große Schrecken des Todes, der Sünde, wenn sie nicht an die Zusage der Gnade in Christo sich halten. Auch können sie keinen beständigen Trost haben wider den Teufel, welcher dann erst stark die Herzen drängt, ängstet und zur Verzweiflung reizt und alle unsere Werke in einem Augenblick wie den Staub hinwegbläst, wenn sie nicht an den Evangelio, an dieser Lehre, festhalten, dass wir ohne unser Verdienst, durch das teure Blut Christi Vergebung der Sünden erlangen. Denn der Glaube allein erquickt und erhält uns in dem großen Todeskampf, in den großen Ëngsten, wenn keine Kreatur helfen kann, ja, wenn wir außerhalb dieser ganzen sichtlichen [sichtbaren] Kreatur von dannen in ein ander Wesen und Welt sollen abscheiden und sterben.

Darum ist es eine Sache, die wahrlich der Rede wert ist, um welcher willen ein jeder Christ von Herzen gern alles wagen und in [Ge]Fahr setzen soll. Darum alle diejenigen, so dieser unserer Konfession anhangen, dürfen sich nicht schrecken oder irren [irremachen] lassen, sondern mögen in aller Freudigkeit auf Gott und den Herrn Christum es getrost und fröhlich wagen und diese öffentliche Wahrheit wider alle Welt, Tyrannei, Zorn, Drohen, Schrecken, auch wider alles tyrannische tägliche Morden und Verfolgen fröhlich bekennen. Denn wer wollte ihm [sich] doch solchen großen, ja ewigen Trost, daran der ganzen christlichen Kirche alles Heil gelegen ist, nehmen lassen? Wer die Bibel in die Hand nimmt und mit Ernst liest, der merkt bald, dass allenthalben in der Schrift diese Lehre gegründet ist.

Dann Paulus sagt klar Röm. 3 und 4, dass die Sünden ohne Verdienst, um Christus’ willen vergeben werden; darum sagt er: “Wir werden gerecht durch den Glauben ohne Verdienst, dass die Verheißung feststehe.” Das ist, so die Verheißung aus unsern Werken wäre, so wäre sie nicht fest. Und wenn die Gnade oder Vergebung der Sünden gegeben würde um unserer Werke willen, wann würden wir dann gewiß, dass wir Gnade erlangt hätten? Wann wollte das Gewissen ein solch Werk finden, das genug wäre, Gottes Zorn zu versöhnen?

Wir haben hier oben davon genug gesagt; da mag ein jeder Sprüche der Schrift, so diese Lehre gründen, suchen. Denn an diesem Ort hat mich bewegt, so heftig zu klagen, die greuliche, unverschämte, übermachte [übermäßige], vorgefaßte Bosheit der Widersacher, da sie mit klaren Worten setzen, dass sie diesen Artikel verwerfen, dass wir Vergebung der Sünden erlange nicht durch unsere Werke, sondern ohne Verdienst, durch den Glauben an Christum.

Die Widersacher führen auch etliche Sprüche der Schrift ein, warum sie diesen Artikel verdammen. Nämlich bringen sie den Spruch Petri hervor: “Fleißiget euch, euren Beruf festzumachen durch gute Werke”, usw. Da sieht jedermann, dass unsere Widersacher ihr Geld nicht übel angelegt, da sie Dialecticam studiert haben. Denn sie mögen die Sprüche der Schrift gereimt, ungereimt, schließlich, unschließlich, wie sie wollen, und wie es ihnen gefällt, einführen. Denn also schließen sie: Petrus sagt: “Fleißiget euch, durch gute Werke euren Beruf festzumachen”; darum verdienen wir durch Werke Vergebung der Sünden. Es ist wahrlich einen feine Argumentation, als wenn einer spräche von einem Beklagten im Halsgericht, welchem das Leben gefristet wäre: Der Richter hat geboten, dass der forthin sich solcher Übeltat soll enthalten; darum so hat er verdient mit solchem Enthalten, dass ihm das Leben gefristet ist.

Also argumentieren, das heißt, ex non causa causam machen. Denn Petrus redet von guten Werken und Früchten, die da folgen dem Glauben, und lehrt, warum man sie tun solle, nämlich, dass wir unsern Beruf festmachen, das ist, dass wir nicht wiederum vom Evangelio fallen, wenn wir wiederum sündigten. Will sagen: Tut gute Werke, dass ihr bei dem Evangelio, bei eurem himmlischen Beruf bleibt, dass ihr nicht wiederum abfallt, kalt werdet, verliert Geist und Gaben, die euch aus Gnaden durch Christum widerfahren sind, nicht um der folgenden Werke willen. Denn in dem Beruf bleibt man fest durch den Glauben, und der Glauben und [der] Heilige Geist bleibt in denjenigen nicht, die sündlich Leben führen.

Der Sprüche und Zeugnisse setzen sie mehr, die sich ebensowohl reimen. Dazu dürfen sie sagen, dass diese Meinung vor tausend Jahren zu Augustinus’ Zeiten verdammt sei. Das ist nicht wahr, sondern eine Lüge. Denn die christlich Kirche hat allezeit gehalten, dass Vergebung der Sünden ohne Verdienst uns widerfahre, und die Pelagianer sind darum verdammt, die da sagten, die Gnade würde uns gegeben um unserer Werke willen.

Wir haben oben genug angezeigt, dass wir auch lehren, dass, wo Glaube ist, da sollen auch gute Früchte und gute Werke folgen. “Den wir tun das Gesetz nicht ab, sondern richten es auf”, wie Paulus sagt. Denn wenn wir durch den Glauben den Heiligen Geist empfangen haben, so folgen gute Früchte, da nehmen wir denn zu in der Liebe, in Geduld, in Keuschheit und andern Früchten des Geistes.