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Artikel XXVII. Von den Klostergelübden

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Concordia Triglotta

In der Stadt Eisenach im Land zu Thüringen ist etwan gewesen vor dreißig Jahren ein Barfüßermönch, Johannes Hilten genannt, welcher von seinen Brüdern ist in einen Kerker geworfen, darum dass er etliche öffentliche Mißbräuche im Klosterleben hatte angefochten. Wir haben auch seiner Schriften zum Teil gesehen, aus welchen wohl zu merken ist, dass er christlich und der Heiligen Schrift gemäß gepredigt; und die ihn gekannt haben, sagen heutigestags, dass es ein frommer, stiller, alter Mann gewesen ist, ganz redlichen, ehrbaren Wesens und Wandels;

derselbe hat viel don diesen Zeiten prophezeit und zuvor, das bereits geschehen ist, etliches auch, das geschehen soll, welches wir doch hier nicht erzählen wollen, damit niemand gedenke, dass wir aus Neid oder jemand zu Gefallen solches vorbrächten. Endlich, als er altershalber, und auch dass ihm das Gefängnis seine Gesundheit verderbet, in eine Krankheit gefallen, hat er zu sich lassen bitten den Guardian, ihm seine Schwachheit angezeigt, und als der Guardian aus pharisäischer Bitterkeit und Neid ihn mit harten Worten angefahren, darum dass solche Predigt nicht wollte in der Küche nütz sein, hat er seines Leibes Schwachheit zu klagen unterlassen, tief erseufzt und mit ernsten Gebärden gesagt, er wolle solch Unrecht um Christus’ willen gern tragen und leiden, obwohl er nichts geschrieben noch gelehrt hätte, das der Mönche Stand nachteilig, sondern hätte allein grobe Mißbräuche angegriffen.

Zuletzt hat er gesagt: “Es wird ein anderer Mann kommen, wenn man schreibt 1516, der euch Mönche tilgen wird, und der wird vor euch Wohl bleiben, dem werdet ihr nicht widerstehen können.” Dasselbe Wort, wie die Möncherei würde ins Fallen geraten, und dieselbe Jahreßahl hat man hernach gefunden in andern seinen Büchern und besonders in den Commentariis über den Daniel.

Was aber von dieses Mannes Rede zu halten sei, lassen wir einem jeden sein Urteil. Doch sind sonst Zeichen, dass der Mönche Wesen nicht lange bestehen könne. Es ist am Tage, dass das Klosterwesen nichts denn eine unverschämte Heuchelei und Betrug ist, voll Geizes und Hoffarts, und je ungelehrtere Esel die Mönche sind, je halsstarriger, grimmiger und bitterer, je giftigere Ottern sie sind, die Wahrheit und Gottes Wort zu verfolgen. So sind ihre Predigten und Schriften lauter kindisch, ungereimt, närrisch Ding, und ist an ihr Wesen dahin gerichtet, dass sie den Bauch und ihren Geiz füllen.

Anfänglich sind die Klöster nicht solche Kerker oder ewige Gefängnisse gewesen, sondern Schulen, darin man die Jugend und andere in der Heiligen Schrift hat auferzogen. Nun ist solch edel Gold zu Kot geworden und der Wein Wasser geworden. Fast in den rechten, größten Stiften und Klöstern sind eitel faule, unnütze, müßige Mönche, die unter dem Schein der Heiligkeit von gemeinen Almosen in aller Pracht und Wollust leben.

Christus sagt aber, dass das taube Salz nichts nütze sei, denn dass man’s hinwegwerfe und mit Füßen trete. Darum, so die Mönche ein solch ungöttlich Wesen führen, so singen sie ihnen [sich] mit der Tat ihr eigen requiem, und wird bald mit ihnen aus sein.

Darüber ist noch ein Zeichen, dass die Mönche werden untergehen, dass sie Ursacher, Stifter und Anreger sind, dass viel gelehrte, redliche Leute unschuldig erwürgt und dahingerichtet werden. Das Abelsblut schreit über sie, und Gott wird es rächen.

Wir sagen nicht von allen; es mögen etliche in Klöstern sein, die das heilige Evangelium von Christo wissen und keine Heiligkeit auf ihre Traditiones setzen, die sich auch des Blutes nicht schuldig gemacht haben, welches die Heuchler unter ihnen vergießen.

Wir reden aber hier von der Lehre, welche die Meister der Konfutation loben und verteidigen. Wir disputieren nicht, ob man Gelübde Gott halten soll; denn wir halten auch, dass man rechte Gelübde zu halten schuldig sei; sondern davon reden wir, ob man durch die Gelübde und solche Möncherei erlange Vergebung der Sünden vor Gott; ob sie Genugtuungen seien für die Sünde; ob sie der Taufe gleich seien; ob sie die Vollkommenheit seien, dadurch die praecepta und consilia, das ist, nicht allein die Gebote, sondern auch die Räte, gehalten werden; ob sie sind evangelische Vollkommenheit; ob die Mönche haben merita supererogationis, das ist, so viel übrigen Verdienstes und heiliger Werke, dass sie deren auch nicht alle [be]dürfen; ob ihre Verdienste, wenn sie die den andern mitteilen, dieselben selig machen; ob die Klostergelübde christlich seien, der Meinung also getan; item, ob die Klostergelübde, welche erzwungen sind von Unwilligen und denjenigen, welche noch jugendhalber nicht verstanden, was sie tun, welche die Eltern oder Freunde in die Klöster gestoßen des Bauchs halben, allein ihr väterlich Erbe zu sparen, christlich und göttlich seien; ob die Klostergelübde christlich seien, die gewißlich zu Sünden Ursache geben, nämlich dass die Ordenspersonen den häßlichen Misbrauch der Messe, das Anrufen und Anbeten der Heiligen loben und annehmen müssen, und des unschuldigen Blutes, das bisanher vergossen ist, sich müssen teilhaftig machen; item, da die Gelübde schwachheithalber doch nicht gehalten werden, ob dieselben rechte Gelübde und christlich seien.

Von diesen Fragen ist unser Streit und Disputation. Und so wir in unserer Konfession von vielen untüchtigen Gelübden auch gesagt haben, welche die Canones der Päpste selbst verwerfen, noch [dennoch] wollen die Widersacher alles, was wir vorgebracht, verworfen haben. Denn also sagen sie mit klaren Worten, dass alles, so wir vorgebracht haben, soll verworfen werden. Es will aber hier not fein anzuzeigen, wie sie doch unsere Gründe anfechten, und was sie vorbringen, ihre Sache zu erhalten. Darum wollen wir kurz verlegen [widerlegen], was die Widersacher vorbringen. Und so nun dieser Handel fleißig und reichlich gehandelt ist in dem Buch Doctoris Martini Von den Klostegeluebden, so wollen wir dasselbe Buch hier als für erneürt und erholt [wiederholt] achten.

Für das erste ist das gewiß, dass solche Gelübde nicht göttlich noch christlich sind, wenn ich also mein Klostergelübde tü, dass ich gedenke, dadurch zu erlangen Vergebung der Sünden gegen Gott oder für die Sünden genugzutun. Denn das ist ein Irrtum, der da öffentlich wider das Evangelium ist, und ist eine Lästerung Christi. Denn das Evangelium lehrt, dass wir ohne Verdienst Vergebung der Sünden erlangen durch Christum, wie wir hier oben reichlich gesagt haben. Darum haben wir St. Pauli Spruch recht eingeführt zu den Galatern am 5.: “So ihr durchs Gesetz wollt gerecht werden, so seid ihr von Christo und der Gnade abgefallen.” Denn die da suchen Vergebung der Sünden nicht durch den Glauben an Christum, sondern durch die Klostergelübde und Möncherei, die rauben Christo seine Ehre und kreuzigen ihn aufs neü. Hört aber, Lieber, hört, wie die Meister der Konfutation hier gerne Behelf suchen wollten, sagen:

Paulus sei allein vom Gesetz Mosis zu verstehen, die Mönche aber tun und halten alles um Christus’ willen und fleißigen sich, aufs allernächste dem Evangelio gemäß zu leben, damit sie das ewige Leben verdienen; und setzen ein schrecklich Wort dazu: “Darum ist es”, sagen sie, “unchristlich und ketzerisch, was wider das Mönchsleben wird vorgebracht.”

O Her Jeu Christe, wie lange willst du leiden und dulden solche öffentliche Schmach deines heiligen Evangelii, da unsere Feinde dein Wort und Wahrheit lästern ? Wir haben in unserer Konfession gesagt, dass man Vergebung der Sünden ohne Verdienst durch den Glauben an Christum erlangen müsse. Ist das nicht das lautere, reine Evangelium, wie es die Apostel gepredigt, ist das nicht die Stimme des Evangelii des ewigen Vaters, welche du, Herr, der du sitzest im Schoß des Vaters, der Welt offenbart hast, so sollen wir bilig gestraft werden. Aber, dein herber, bitterer Tod am Kreuz, dein Heiliger Geist, welchen du reichlich ausgeteilt hast, deine ganze heilige, christliche Kirche gibt stark, gewaltig und gewiß Gezeugnis, welches so hell und offenbar ist als die Sonne, dass dies die Summa, der Kern des Evangelii ist, dass wir Vergebung der Sünden erlangen nicht um unsers Verdienstes Willen, sondern durch den Glauben an Christum.

Wenn Paulus darf sagen, dass wir durch das heilige, göttliche Gesetz Mosis und seine Werke nicht verdienen Vergebung der Sünden, so will er, dass wir viel weniger das tun durch menschliche Satzungen, und das zeigt er zu den Kolossern klar genug an. Denn so die Werke des Gesetzes Mosis, welches durch Gott war offenbart, nicht verdienen Vergebung der Sünden, wieviel weniger werden’s tun die närrischen Werke, Möncherei, Rosenkränze und dergleichen, die auch zu weltlichem Leben nicht not noch nütze sind, viel weniger geben sie der Seele ewiges Leben.

Die Widersacher erdichten ihnen selbst einen Traum, dass Christus das Gesetz Mosis habe abgetan und sei gekommen also nach Mose und ein neu, gut Gesetz gebracht, dadurch man Vergebung der Sünden erlangen müsse.

Durch den schwärmerischen, närrischen Gedanken drücken sie Christum unter und seine Wohltat. Danach erdichten sie weiter, dass unter denen, welche die neün Gesetze Christi halten, die Mönche Christo und den Aposteln am nächsten ähnlich leben und wandeln durch ihren Gehorsam, Armut und Keuschheit, so doch die ganze Möncherei eitel unverschämte, schändliche Heuchelei ist. Sie sagen von Armut, so sie doch vor großem Überfluß nie haben erfahren können, wie einem rechten Armen zu Herzen ist. Sie rühmen ihren Gehorsam, so kein Volk auf Erden freier ist denn die Mönche, welche aus Bischofs= und Fürftengehorsam sich meisterlich geschlossen haben. Von ihrer heiligen, großen, [ge]fährlichen Keuschheit mag ich nicht sagen; ich wiIl es Gerson sagen lassen, der auch von denjenigen, so ernstlich sich geflissen, keusch zu leben, wahrlich nicht viel Reinigkeit und Heiligkeit sagt; obwohl das mehrere Teil ist Heuchelei und unter tausend nicht einer, der mit Ernst gedenkt, rein und keusch zu leben, dass wir inwendig der Herzen Gedanken schweigen.

SoIl nun das die große Heiligkeit sein? Heißt das Christo und dem Evangelio gemäß gelebt? Christus ist nicht also nach Mose gekommen, neü Gesetze zu bringen, dass er um unserer Werke wiIlen die Sünden vergebe, sondern sein Verdienst, seine eigenen Werke setzt er gegen Gottes Zorn für uns, dass wir ohne Verdienst Gnade erlangen. Wer aber ohne die Versöhnung Christi seine eigenen Werke gegen Gottes Zorn setzt und um seines eigenen Verdienstes wiIlen Vergebung der Sünden erlangen wiIl, er bringe die Werke des Gesetzes Mosis, der zehn Gebote, der Regeln Benedicti, Augustini oder andere Regeln, so wirst er hinweg die Verheißung Christi, fälIt ab von Christo und seiner Gnade.

Hier woIlen aber Kaiserliche Majestät, aIle Fürsten und Stände des Reichs merken, wie überaus unverschämt die Widersacher sind, dass sie trotziglich dürfen sagen, es sei alles gottlos, was wir wider die Möncherei haben vorgebracht, so wir doch ganz gewisse und klare Sprüche Pauli angezogen haben, und je nichts klarer, gewisser in der ganzen Bibel ist, denn dass wir Vergebung der Sünden erlangen allein durch den Glauben an Christum.

Und diese gewisse, göttliche Wahrheit dürfen die Meister der Konfutation, die verzweifelten Bösewichter und heillosen Buben, gottlose Lehre heißen. Wir haben aber keinen Zweifel, wo Kaiserliche Majestät und die Fürsten des verwarnt werden, sie werden eine solche öffentliche Gotteslästerung lassen aus der Konfutation tilgen und ausreißen.

Weil wir aber hier oben reichlich angezeigt, dass es ein Irrtum sei, dass wir Vergebung der Sünden um unsers Verdienstes willen erlangen soIlten, so woIlen wir hier desto kürzer reden. Denn ein jeder verständiger Leser kann leichtlich abnehmen, dass wir durch die elenden Mönchswerke nicht können vom Tode und des Teufels Gewalt erlöst werden und Vergebung der Sünden verdienen. Darum ist auch das gotteslästerliche, häßliche Wort, welches Thomas schreibt, in keinem Wege zu leiden, dass ins Kloster gehen solle eine neü Taufe sein oder der Taufe gleich sein. Denn es ist eine teuflische Wüterei und Irrtum, dass man eine heillose menschliche Satzung und Gebot, welches weder Gottes Gebot noch Zusage hat, der heiligen Taufe vergleichen sollte, dabei feine [eine] Zusage oder Verheißung Gottes ist.

Zum andern, so sind diese Stücke, willige Armut, Gehorsam, Keuschheit, wenn sie anders nicht unrein ist, eitel Adiaphora und leibliche Übung, darin weder Sünde noch Gerechtigkeit zu suchen ist. Darum haben die Heiligen derselben viel anders gebraucht, als St. Bernhard, Franciskus und andere, denn jetzt die Mönche. Denn dieselben haben solches Dinges gebraucht zur Übung des Leibes, dass sie desto leichter warten könnten Lehrens, Predigens und anderer dergleichen, nicht dass solche Werke Gottesdienste sollten sein, vor Gott gerecht zu machen oder das ewige Leben zu verdienen, sondern die Werke malet Paulus recht ab, da er sagt: “Leibliche Übung ist wenig nütze.”

Und es ist möglich, dass in etlichen Klöstern noch etliche fromme Leute sind, welche lesen und studieren, die solcher Regeln und Satzungen brauchen ohne Heuchelei und mit diesem Bericht, dass sie ihre Möncherei nicht für Heiligkeit halten.

Das aber halten, das dieselben Werke ein Gottesdienst seien, dadurch wir vor Gott fromm werden und das ewige Leben verdienen, das ist stracks wider das Evangelium und wider Christum. Denn das Evangelium lehrt, dass wir durch den Glauben an Christum gerecht werden und das ewige Leben erlangen. So ist es auch stracks wider das Wort Christi: “Sie dienen mir vergeblich mit Menschengeboten.” So ist es wider diesen Spruch Pauli: “Alles, was nicht aus dem Glauben ist, das ist Sünde.” Wie können sie aber sagen, dass es Gottesdienste sind, die Gott gefallen und angenehm seien vor ihm, so sie kein Gotteswort noch Befehl haben?

Hier ist aber erst zu merken, wie gar unverschämte Heuchler und Buben sie sind. Sie dürfen sagen, dass ihre Klostergelübde und Orden nicht allein Gottesdienste seien, die gerecht und fromm vor Gott machen, sondern setzen noch dies dazu, dass es Stände seien der Vollkommenheit, das ist, heiligere und höhere Stände denn andere, als Ehestand, Regentenstand; und sind also in solcher ihrer mönchischen Heuchelei und pharisäischem Wesen unzählige andere greuliche, ketzerische Irrtümer begriffen. Denn sie rühmen sich für die allerheiligsten Leute, welche nicht allein die Gebote oder praecepta, sondern auch die consilia, das ist, die hohen Räte, was die Schrift von hohen Gaben nicht ein Gebot, sondern einen Rat gibt, halten. Danach so sie ihnen selbst erdichten, sie seien so reich von Verdienst und Heiligkeit, dass ihnen noch überbleibt, so sind dennoch die frommen Heiligen so milde, dass sie ihre merita supererogationis, ihre übrigen Verdienste, andern anbieten und um einen gleichen Pfennig, um Geld, lassen zustehen.

Dieses alles ist eitel grobe, greuliche, erlogene, erstunkene Heiligkeit und eitel pharisäische Heuchelei und Gleisnerei. Denn nachdem [da] das erste Gebot Gottes: “Du sollst Gott, deinen Herrn, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele” usw., höher ist, denn ein Mensch auf Erden begreifen kann, nachdem es die höchste Theologia ist, daraus alle Propheten, alle Apostel ihre beste, höchste Lehre als aus dem Brunnen geschöpft haben, ja, so es ein solch hohes Gebot ist, danach allein aller Gottesdienst, alle Gottesehre, alle Opfer, alle Danksagung im Himmel und auf Erden reguliert und gerichtet müssen werden, also dass alle Gottesdienste, wie hoch, köstlich und heilig sie scheinen, wenn sie außer dem Gebot sind, eitel Schalen und Hülsen ohne Kern, ja eitel Unflat und Greül vor Gott sind, welches hohe Gebot so gar kein Heiliger vollkommen erfüllt hat, dass noch wohl Noah und Abraham, David, Petrus und Paulus sich da für unvollkommen, für Sünder bekennen und hier unter bleiben müssen: so ist es ungehörter pharisäischer, ja recht teuflischer Stolz, das ein laufiger Barfüßermönch oder dergleichen heilloser Heuchler soll sagen, ja predigen und lehren, er habe das heilige, hohe Gebot also vollkömmlich gehalten und erfüllt und nach Erfordern und dem Willen Gottes so viel gute Werke getan, dass ihm noch Verdienste überbleiben. Ja, liebe Heuchler, wenn sich die heiligen zehn Gebote und das hohe erste Gottesgebot also erfüllen ließen, wie sich die Brote und Parteken lassen in Sack stecken! Es sind unverschämte Heuchler, damit die Welt in diesen letzten Zeiten geplagt ist. Der Prophet David sagt: “Alle Menschen sind Lügner”, das ist, kein Mensch auf Erden, auch nicht die Heiligen achten oder fürchten Gott so hoch und groß, als sie sollten, kein Mensch auf Erden glaubt und vertraut Gott so ganz vollkömmlich, als er soll usw. Darum sind es Lügen und heuchlerische, erdichtete Träume, dass die Mönche rühmen, sie leben nach der Vollkommenheit des Evangelii und der Gebote Gottes, oder tun mehr, denn sie schuldig sind, das ihnen gute Werke und etliche Zentner übriger, überflüssiger Heiligkeit im Vorrat bleiben.

Auch so ist das falsch und erlogen, dass das Mönchsleben sollte sein eine Erfüllung der Konsilien oder Räte im Evangelio. Denn das Evangelium hat nirgend geraten solchen Unterschied der Kleider, der Speisen, oder durch solchen Bettelstab der Leute Güter außusaugen; denn es sind eitel Menschensatzungen, von welchen Paulus sagt: “Die Speise macht uns nicht heiliger vor Gott” usw. Darum sind es auch nicht Gottesdienste, die vor Gott fromm machen, sind auch nicht eine evangelische Vollkommenheit, sondern wenn man sie mit den prächtigen Titeln lehrt, predigt und ausschreit, so sind’s, wie sie Paulus nennt, rechte Teufelslehren.

Die Jungfrauschaft lobt Paulus, und als einen guten Rat predigt er’s denen, welche dieselbe Gabe haben, wie ich hier oben gesagt habe. Derhalben ist es ein schändlicher, höllischer Irrtum, lehren und halten, das evangelische Vollkommenheit in menschlichen Satzungen stehe. Denn auf die Weise möchten sich auch die Mahometisten und Türken rühmen (denn sie haben auch Einsiedel und Mönche, wie glaubliche Historien vorhanden), dass sie evangelische Vollkommenheit hielten. So ist auch die evangelische Vollkommenheit nicht in den Dingen, welche Adiaphora sind, sondern weil dieses das Reich Gottes ist, dass inwendig der Heilige Geist unsere Herzen erleuchte, reinige, stärke, und dass er ein neu Licht und Leben in den Herzen wirke, so ist die rechte evangelische, christliche Vollkommenheit, dass wir täglich im Glauben, in Gottesfurcht, in treulichem Fleiß des Berufs und Amts, das uns befohlen, zunehmen, wie auch Paulus die Vollkommenheit beschreibt, dass er sagt 2 Kor. 3: “Wir werden verkläret in dasselbige Bild von einer Klarheit zu der andern, als vom Geist des Hern.” Er sagt nicht: Wir gehen von einem Orden in den andern, wir ziehen jetzt diese, dann jene Kappe an, jetzt diesen Gürtel, dann jenen Strick usw. Es ist erbärmlich, dass in der christlichen Kirche solche pharisäische, ja türkische und mahometische Lehre überhandgenommen hat, dass sie lehren, die evangelische Vollkommenheit und das Reich Christi, durch welches sich hier die ewigen Güter und das ewige Leben anheben, sollen stehen in Kappen, in Kleidern, in Speisen und dergleichen Kinderwerk.

Hier höre man aber weiter die trefflichen Lehrer, wie sie in ihre Konfutation so eine öffentliche Gotteslästerung und häßlich Wort gesetzt haben. Sie dürfen unverschämt sagen, “es sei in der Heiligen Schrift geschrieben, dass das Mönchsleben und die heiligen Orden das ewige Leben verdienen, und Christus habe dasselbe besonders den Mönchen überschwenglich zugesagt, welche also verlassen Haus, Hof, Brüder, Schwestern”.

Das sind die klaren Worte der Widersacher. Ist aber das nicht eine ganz unverschämte, häßliche Lüge, es sei in der Heiligen Schrift geschrieben, dass man durch das Mönchsleben könnte das ewige Leben verdienen? Wie seid ihr doch so kühn: Wo redet doch die Schrift von Möncherei? Also handeln diese große, treffliche Sache die Widersacher; also führen sie die Schrift ein. Die ganze Welt weiß, die Historien sind vor Augen, dass die Orden und Möncherei ein ganz neu Ding ist; noch [dennoch] dürfen sie rühmen, die Heilige Schrift rede von ihrer Möncherei.

Darüber so lästern sie und schmähen Christum, dass sie sagen, man könne durch Klosterleben das ewige Leben verdienen. Gott tut seinem eigenen Gesetz nicht die Ehre, dass man durch die Werke des Gesetzes sollte das ewige Leben verdienen, wie er klar sagt Hesek. am 20.: “Ich habe ihnen gegeben Gesetze, dadurch sie das Leben nicht haben können.”

Denn für das erste ist das gewiß, dass durch Möncherei niemand kann das ewige Leben verdienen,

sondern um Christus’ Verdienstes willen, durch lauter Barmherzigkeit, wird das ewige Leben gegeben denjenigen, so durch den Glauben Vergebung der Sünden erlangen und halten denselben gegen Gottes Urteil, nicht ihr armes Verdienst. Wie auch St. Bernhard ein fein Wort geredet hat: “dass wir Vergebung der Sünden nicht haben können denn allein durch Gottes Gnade und Güte”; item, “dass wir gar nichts von guten Werken haben können, wenn er es nicht gibt”; item, “dass wir das ewige Leben nicht verdienen können mit Werken, sondern es werde uns auch aus Gnaden gegeben”. Und dergleichen redet St. Bernhard viel auf dieselbe Meinung, wie wir oben erzählt. Und am Ende setzt noch St. Bernhard dazu: “Darum wolle niemand darin sich selbst betrüge noch verführen; denn wird er’s selbst recht bedenken, so wird er gewiß finden, dass er mit zehntausend dem nicht kann entgegenkommen (nämlich Gott), der mit zwanzigtausend auf ihn zudringt.”

So wir denn auch nicht durch die Werke des göttlichen Gesetzes Vergebung der Sünden oder das ewige Leben verdienen, sondern müssen die Barmherzigkeit suchen, welche in Christo verheißen ist, so verdienen wir es viel weniger durch Klosterleben, Möncherei, das eitel Menschensatzungen sind, und soll die Ehre viel weniger den bettelischen Satzungen gegeben werden.

Diejenigen, die da lehren, dass wir durch Möncherei können Vergebung der Sünden verdienen, und setzen also das Vertraün, welches Christo allein gebührt, auf die elenden Satzungen, die treten schlecht das heilige Evangelium und die Verheißung von Christo mit Füßen; und für den Heiland Christum ehren sie ihre schäbichten Kappen, ihre mönchischen tollen Werke. Und so es ihnen noch selbst fehlt an Gnade, so tun sie als die gottlosen, heillosen Leute, dass sie noch ihre merita supererogationis erdichten und andern Leuten das übrige Teil am Himmel verkaufen.

Wir reden hier desto kürzer von dieser Sache; denn aus dem, so droben geredet von der Buße, de justificatione, von Menschensatzungen usw., genug zu merken, dass die Klostergelübde nicht Schatz sind, dadurch wir erlöst und erlangen ewiges Leben usw. Und so Christus dieselben Satzungen nennt vergebliche Gottesdienste, so sind sie in keinem Wege eine evangelische Vollkommenheit

Doch haben etliche vernünftige Mönche eine Scheu gehabt, ihre Möncherei so hoch zu rühmen, dass sie sollte christliche Vollkommenheit heißen. Die haben diesen hohen Ruhm gemäßigt, haben gesagt, es sei nicht christliche Vollkommenheit, sondern es sei ein Stand, der dazu dienen soll, christliche Vollkommenheit zu suchen. Solcher Mäßigung gedenkt auch Gerson und verwirft die unchristliche Rede, dass Möncherei christliche Vollkommenheit sei.

Wo nun Möncherei nur ein Stand ist, Vollkommenheit zu suchen, so ist’s nicht mehr ein Stand der Vollkommenheit denn der Baürn und Ackerleute, der Schneider und Bäcker Leben usw. Denn das alles sind auch Stände, christliche Vollkommenheit zu suchen. Denn alle Menschen, sie seien, in was Stande sie wollen, ein jeder nach seinem Beruf, so sollen sie nach der Vollkommenheit, solange dies Leben währt, streben und allzeit zunehmen in Gottesfurcht, im Glauben, in Liebe gegen den Nächsten und dergleichen geistlichen Gaben.

Man liest in vitis patrum von St. Antonio und etlichen andern großen heiligen Einsiedeln, welche durch Erfahrung dahin sind endlich gekommen, dass sie gemerkt, dass sie ihre Werke vor Gott nicht mehr fromm machen denn anderer Stände Werke. Denn St. Antonius hat auf eine Zeit Gott gebeten, das er ihm doch zeigen wolle, wie weit er gekommen wäre ins Leben der Vollkommenheit. Da ward ihm angezeigt ein Schuster zu Alexandria und ward ihm gesagt, dem Handwerksmanne wäre er in Heiligkeit gleich. Bald den andern Tag machte sich Antonius auf, zog gen Alexandria, sprach denselben Schuster an und fragte mit Fleiß, was er für einen heiligen Wandel, Leben und Wesen führte. Da antwortete ihm der Schuster: Ich tü nichts Besonderes; denn morgens spreche ich mein Gebet für die ganze Stadt und arbeite danach mein Handwerk, warte meines Hauses usw. Da verstand Antonius bald, was Gott durch die Offenbarung gemeint hätte. Denn man wird nicht durch dies oder jenes Leben vor Gott gerecht, sondern allein durch den Glauben an Christum.

Die Widersacher aber, obwohl sie sich jetzt auch schämen, die Möncherei Vollkommenheit zu nennen, so halten sie es doch im Grund dafür. Denn sie verkaufen ihre Werke und Verdienste und geben vor, sie halten nicht allein die Gebote, sondern die consilia und Räte, und wähnen, sie behalten Verdienst noch übrig. Heißt das nun nicht mit der Tat Vollkommenheit und Heiligkeit rühmen, wenn sie gleich mit Worten ein wenig die Sache mäßigen? Auch ist klar gesetzt in der Konfutation, dass die Mönche näher und genaür nach dem Evangelio leben denn andere Weltliche. Wo nun ihre Meinung ist, dass man dadurch dem Evangelio näher lebt, wenn man nichts Eigenes hat, außerhalb der Ehe lebt, eine sonderliche Kleidung oder Kappe trägt, also fastet, also betet: so ist ja ihre Meinung, dass ihre Möncherei christliche Vollkommenheit sei, weil sie dem Evangelio näher sein soll denn gemein Leben.

Ferner: in der Konfutation steht geschrieben, dass die Mönche das ewige Leben reichlicher erlangen denn andere, und ziehen an die Schrift: “Wer Haus und Hof verläßt” usw. Da rühmen sie auch eine Vollkommenheit, welche soll an der Möncherei sein. Aber der Spruch redet nichts von der Möncherei. Denn Christus will da nicht, dass Vater, Mutter, Weib, Kind, Haus und Hof verlassen ein solch Werk sei, damit man Vergebung der Sünden und das ewige Leben verdiene, sondern auf die Weise Vater und Mutter verlassen, gefällt Gott gar nichts und ist in die Hölle vermaledeit. Denn wenn jemand darum Eltern, Haus, Hof verläßt, dass er dadurch will Vergebung der Sünden und das ewige Leben verdienen, da lästert er Christum.

Es ist aber zweierlei Verlassen. Eins geschieht aus Beruf und Gottes Gebot. Das Verlassen, welches ohne Beruf und Gottes Gebot geschieht, das läßt ihm [sich] der Her Christus gar nicht gefallen. Denn die Werke, wo wir selbst erwählen, nennt der Her Christus unnütze, vergebliche Gottesdienste. Man steht aber daraus noch klarer, dass Christus nicht meint ein solches Fliehen von Weib und Kind; er sagt: “Wer da verläßt Weib, Kind, Haus, Hof” usw. Nun wissen wir, dass Gott geboten hat, Weib, Kind nicht zu verlassen. Es ist aber ein ander Verlassen, wenn wir aus Gottes Gebot verlassen Eltern, Weib, Kind usw., und wenn wir es selbst vornehmen. Denn wenn Tyrannen mich wollten zwingen, das Evangelium zu verleugnen, oder verjagen, da haben wir Gottes Befehl, dass wir sollen eher Unrecht leiden, als dass wir nicht allein von Weib und Kindern, Haus und Hof vertrieben werden, sondern auch, dass man uns unser Leib und Leben nimmt. Von dem Verlassen redet Christus, darum setzt er auch dazu: “um des Evangeliums Willen”, und zeigt genug an, dass er von denen rede, die um des Evangeliums willen leiden, nicht Weib und Kind aus eigenem Vornehmen verlassen.

Denn wir sind auch schuldig, unser eigen Leben zu lassen um des Evangeliums willen. Da wäre es nun närrisch und ganz widersinns verstanden, wenn ich mich selbst töten wollte ohne Gottes Befehl. Also ist es auch närrisch, das für Heiligkeit und Gottesdienst halten, dass ich aus eigenem Vornehmen verließe Weib und Kind ohne Gottes Befehl.

Derhalben wird der Spruch Christi übel auf die Möncherei gedeutet. Es möchte sich aber das auf die Mönche reimen, dass sie Hundertfältiges in diesem Leben empfangen. Denn viele werden Mönche um des Bauchs willen, und dass sie Müßiggang und feiste Küchen haben, da sie als Bettler dennoch in reiche Klöster kommen.

Wie aber die ganze Möncherei voll Heuchelei ist und Betrugs, also ziehen sie auch die Schrift fälschlich an, tun also zweierlei schreckliche Sünde: für eins, dass sie die Welt mit Abgötterei betrügen; zum andern, dass sie Gottes Namen und Wort fälschlich anziehen, ihre Abgötterei zu schmücken.

Auch so wird ein Spruch angezogen: “So du willst vollkommen sein, so gehe, verkaufe alles, was du haft, und gib’s den Armen und folge mir nach.” Der Spruch hat vielen zu schaffen gemacht, dass sie haben wollen wähnen, das sei die höchste Heiligkeit und Vollkommenheit, nicht Eigenes haben, nicht Haus, Hof, Güter haben.

Es mögen aber die Cynici, als Diogenes, der kein Haus haben wollte, sondern lag in einem Faß, solche heidnische Heiligkeit rühmen; christliche Heiligkeit steht viel auf höheren Sachen denn auf solcher Heuchelei. Denn Güter haben, Haus und Hof, sind weltlicher Regimente Ordnungen, welche durch Gott bestätigt sind, als im siebenten Gebot: “Du sollst nicht stehlen” usw. Darum Güter, Haus und Hof verlassen, ist in der Schrift nicht geboten noch geraten. Denn evangelische, christliche Armut steht nicht darin, dass ich die Güter verlasse, sondern dass ich nicht darauf vertraü, gleichwie David gleichwohl arm war bei einer großen Gewalt und Königreich.

Darum weil solch Verlassen der Güter nichts ist denn eine menschliche Satzung, so ist es ein unnützer Gottesdienst. Und des Papsts Extravagant rühmt und lobt auch viel zu hoch solche mönchische, heuchlerische Armut, da sie sagt, nicht Eigenes haben um Gottes willen sei ein verdienstlich, heilig Ding und ein Weg der Vollkommenheit. Wenn unerfahrene Leute solch Rühmen hören, fallen sie darauf, es sei unchristlich, in Gütern sitzen; daraus folgen denn viele Irrtümer und Aufruhre. Durch solch Rühmen ist Müntzer betrogen worden, und werden dadurch viele Anabaptisten verführt.

Sie sprechen aber: Hat’s doch Christus selbst Vollkommenheit genannt. Da sage ich nein zu; denn sie tun dem Text Gewalt, dass sie ihn nicht ganz anziehen. Vollkommenheit steht in diesem Stück, da Christus spricht: “Folge mir nach!”

Und darin steht eines jeden Christen Vollkommenheit, dass er Christo folge, ein jeder nach seinem Beruf; und sind doch die Berufe ungleich; einer wird berufen zu einem Regenten, der andere zu einem Hausvater, der dritte zu einem Prediger. Darum, obschon jener Jüngling berufen ist, dass er verkaufen sollte, betrifft sein Beruf nicht andere, wie Davids Beruf, dass er König werden sollte, nicht alle betrifft; Abrahams Beruf, dass er seinen Sohn opfern sollte, betrifft nicht andere. Also sind die Berufe ungleich;

aber der Gehorsam soll gleich sein, und darin steht Vollkommenheit, so ich in meinem Beruf gehorsam bin, nicht so ich mich eines fremden Berufs annehme, da ich nicht Befehl oder Gottes Gebot von habe.

Für das dritte, eins von den Substantialklostergelübden ist die Keuschheit. Nun haben wir oben von der Priesterehe gesagt, dass man durch kein Gesetz oder Klostergelübde natürlich oder göttlich Recht ändern kann; und so nicht alle Leute die Gabe der Keuschheit haben, so halten sie auch dieselben, das Gott geklagt sei. So können auch keine Klostergelübde noch Gesetze dem Heiligen Geist sein Gebot ändern, da Paulus sagt: “Hurerei zu vermeiden, habe ein jeglicher sein eigen Eheweib.” Darum sind die Klostergelübde nicht christlich in denen, welche nicht haben die Gabe der Keuschheit, sondern fallen und machen’s ärger aus Schwachheit.

Von dem Artikel haben wir hier oben gesagt, und ist wahrlich Wunder, so die Widersacher vor Augen sehen so viele, unzählige Fährlichkeiten der Gewissen und Ërgernisse, dass sie nichtsdestoweniger als die törichten, rasenden Leute dringen auf solche Menschensatzungen wider das öffentliche Gottesgebot und sehen nicht, dass der Her Christus so ernstlich straft die Pharisäer, welche Satzungen wider Gottes Gebot lehrten.

Zum vierten, so sollte doch jedermann vom Klosterleben abschrecken der greuliche, schreckliche Misbrauch der Messen, welche gehalten werden für Lebendige und für die Toten; item, das Anrufen der Heiligen, das alles auf Geiz, auf eitel Teufelsgreül gerichtet ist. Denn am Anrufen der Heiligen ist zweierlei Greül: der eine, dass der Heiligen Dienst auf Geiz gerichtet ist; der andere, das die Heiligen werden gesetzt an Christus’ Statt, und dass sie werden abgöttisch angebetet und für Mittler gegen Gott gehalten, wie allein die Predigermönche (schweige [geschweige denn] unzählige tolle Träume der andern Mönche) mit der Brüderschaft des Rosenkranzes eine rechte unverschämte Abgötterei haben angerichtet, welches [worüber] jetzt Feinde und Freunde selbst spotten.

Ferner: das Evangelium, welches da predigt Vergebung der Sünden um Christus’ willen, von rechter Buße, von rechten guten Werken, die Gottes Befehl haben, hören sie nicht, sie lehren’s auch nicht, sondern lehren aus ihren Predigten Fabeln von Heiligen und eigenerdichtete Werke, dadurch Christus wird unterdrückt. Das alles haben die Bischöfe leiden können.

Wir wollen hier geschweigen der unzähligen kindischen Zeremonien und närrischen Gottesdienste mit Lektionen, mit Gesängen und dergleichen, welche zum Teil möchten zu dulden sein, wenn sie ein Maß hätte und zu guter Übung gebraucht würden, wie man der Lektionen in der Schule und der Predigt dazu gebraucht, dass die Zuhörer davon sich bessern. Aber nun erdichten sie ihnen selbst, dass solche mancherlei Zeremonien sollen Gottesdienste sein, Vergebung der Sünden dadurch zu verdienen ihnen selbst und andern; darum machen sie auch ohne Unterlaß neü Zeremonien. Denn wenn sie solche Kirchendienste und Zeremonien dahin richteten, dass die Jugend und der gemeine Mann möchte geübt werden in Gottes Wort, so wären kurze und fleißige Lektionen viel nützer denn ihr Geplärre im Chor, das weder Maß noch Ende hat.

Also ist das ganze Klosterleben gar voll Abgötterei und voll heuchlerischer Irrtümer wider das erste und andere Gebot, wider Christum. Darüber ist noch die Fährlichkeit dabei, dass diejenigen, die also in Stiften oder Klöstern sind, müssen wissentlich helfen die Wahrheit verfolgen. Derhalben sind viel große Ursachen, darum fromme, redliche Leute das Klosterleben fliehen oder auch verlassen mögen.

Darüber, so sprechen die Canones selbst diejenigen los, die überredet sind mit guten Worten, ehe sie zu ihrem rechten Alter gekommen sind, oder welche die Freunde wider ihren Willen in ein Kloster verstoßen haben. Aus dem allem erscheint, dass viele Ursachen sind, welche da anzeigen, dass die Klostergelübde, welche bisher geschehen sind, nicht rechte christliche, bündige Gelübde sind. Darum mag man das Klosterleben mit gutem Gewissen verlassen, nachdem [da] es voll Heuchelei und allerlei Greül ist.

Hier werfen uns die Widersacher vor die Nazaräer [Nasiräer] im Gesetz Mosis. Aber die taten ihre Gelübde nicht der Meinung, dadurch Vergebung der Sünden zu erlangen, wie wir oben von den Mönchsgelübden geklagt haben. Der Nazaräer Orden war eine leibliche Übung mit Fasten, mit gewisser Speise, dadurch sie ihren Glauben bekannten, nicht dass sie dadurch Vergebung der Sünden erlangten oder dadurch vom ewigen Tod erlöst würden; denn das suchten sie anderswo, nämlich in der Verheißung von dem gebenedeiten Samen. Ferner: wie die Beschneidung im Gesetz Mosis oder das Opferschlachten jetzt nicht soll für einen Gottesdienst aufgerichtet werden, also soll man das Fasten oder Zeremonie der Nazaräer nicht aufrichten oder anziehen als einen Gottesdienst, sondern soll gehalten werden für ein Mittelding und leibliche Übung. Derhalben können noch sollen sie ihren Mönchsstand, welcher ohne Gottes Wort erdichtet ist als ein Gottesdienst, dadurch Gott versöhnt werde, nicht vergleichen mit der Nazaräer Stand, welchen Gott befohlen hatte, und war nicht dazu erdacht, dass die Nazaräer dadurch sollten erlangen einen gnädigen Gott, sondern dass es eine äußerliche Zucht und Übung wäre des Leibes wie andere Zeremonien im Gesetz Mosis. Ferner: gleich dasselbe ist auch von andern mancherlei Gelübden, die im Gesetz Mosis gesetzt werden zu antworten.

Auch so ziehen die Widersacher an das Exempel der Rechabiten, welche keine Güter hatten, auch keinen Wein tranken, wie Jeremia sagt am 35. Kapitel. Ja wahrlich, es reimt sich Wohl der Rechabiten Exempel zu unsern Mönchen, so ihre Klöster prächtiger denn der Könige Paläste gebaut sind, so sie in allem Überfluß leben. Auch so sind die Rechabiten bei ihrer Armut doch Eheleute gewesen unsere Mönche, so sie alle Pracht, allen haben, geben in ihrer Heuchelei Keuschheit vor.

Nun, die verständigen und Gelehrten wissen wohl, dass man alle Exempel nach der Regel, das ist, nach der klaren Schrift, und nicht wider die Regel oder Schrift soll auslegen oder einführen. Darum, so die Rechabiten in der Schrift gelobt werden,

so ist es gewiß, dass sie ihre Weise und Zeremonie nicht darum gehalten haben, dadurch Vergebung der Sünden oder ewiges Leben zu verdienen, oder dass ihre Werke an ihnen selbst sie vor Gott versöhnen könnten, sondern sie haben als fromme, gottesfürchtige Kinder geglaubt an den gesegneten, gebenedeiten Samen, an den zukünftigen Christum, und weil sie haben Gebot und Befehl gehabt ihrer Eltern, wird in der Schrift gelobt ihr Gehorsam, von welchem das vierte Gebot redet: “Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.”

Ferner: so hat der Rechabiten Weise noch eine Ursache. Sie waren unter den Heiden gewesen, da hat sie ihr Vater unterscheiden wollen von den Heiden mit etlichen Zeichen, dass sie nicht wieder fielen in gottlos Wesen und Abgötterei. Darum hat sie ihr Vater dadurch wollen erinnern der Gottesfurcht, des Glaubens, der Auferstehung der Toten;

und das ist eine gute Ursache. Aber die Möncherei hat viel andere Ursachen. Sie erdichten, dass die Möncherei sei ein Gottesdienst, da durch man verdiene Vergebung der Sünden und Gott versöhnt werde. Darum ist es gar keine Vergleichung mit der Rechabiten Exempel; dass ich geschweige andern unzähligen Unrats und Ërgernisses, welche darüber noch am Klosterleben sind.

Auch so bringen sie vor aus der ersten Epistel zum Timotheo am 5. von den Witwen, welche den Kirchen dienten und von dem gemeinen Kirchengut ernährt wurden, da Paulus sagt: “Denn wenn sie geil worden sind wider Christum, so wollen sie freien; und haben ihr Urteil, das sie den ersten Glauben verbrochen haben.”

Ich will gleich setzen, dass, da der Apostel von den Gelübden rede (wie doch nicht ist), so tut doch der Spruch gar nichts dazu, dass die Klostergelübde sollten christlich sein. Denn die Klostergelübde geschehen darum, dass sie sollen ein Gottesdienst sein, dadurch man Vergebung der Sünden verdiene. Paulus aber verwirft alle Gesetze, alle Werke, alle Gottesdienste, welche also gehalten und angenommen werden, dadurch Vergebung der Sünden und das ewige Leben zu verdienen, welches wir allein durch Christum erlangen. Darum ist es gewiß, ob die Witwen etliche Gelübde getan hätten, dass sie doch ungleich den jetzigen Klostergelübden gewesen sind.

Darüber, wenn die Widersacher je den Spruch Pauli wollen auf die Klostergelübde ziehen und dehnen, so müßten sie das auch annehmen, dass Paulus verbietet, “es solle keine Witwe eingenommen werden, die jünger wäre denn sechzig Jahre”.

Also werden denn alle Klostergelübde, welche vor der Zeit des Alters geschehen sind von jüngeren Leuten, unbündig und nichts sein. Aber die Kirche hat von den Klostergelübden die Zeit nichts gewußt. So verwirft nun Paulus die Witwen nicht darum, dass sie ehelich werden (denn er heißt die jungen ehelich werden), sondern dass sie aus dem gemeinen Kirchenkasten sich nähren ließen, desselben zu ihrer Lust und Mutwillen mißbrauchten und also den ersten Glauben brächen. Das heißt er den ersten Glauben fahren lassen nicht der Klostergelübde, sondern ihrer Taufe, ihrer christlichen Pflicht, ihres Christentums. Und also redet er auch vom Glauben im selben Kapitel: “So jemand seine Hausgenossen nicht versorget, der hat seinen Glauben verleugnet.”

Denn er redet anders vom Glauben denn die Sophisten. Darum sagt er, dass diejenigen den Glauben verleugnen, die ihre Hausgenossen nicht versorgen. Also sagt er auch von den vorwitzigen Weibern, dass sie den Glauben fahren lassen.

Wir haben etliche Ursachen angezeigt und verlegt [widerlegt], was die Widersacher vorgebracht. Dieses haben wir nicht allein um der Widersacher willen erzählt, sondern vielmehr um etlicher christlicher Herzen und Gewissen willen, dass sie mögen klar vor Augen haben, warum die Klostergelübde und die mancherlei Möncherei nicht recht oder christlich sind, welche auch alle miteinander das einige Wort Christi möchte zu Boden stoßen, da er sagt: “Sie dienen mir vergeblich mit Menschengeboten;” Denn aus dem Wort allein hat man kurz, dass die ganze Möncherei, Kappen, Strick, Gürtel und alle eigenerdichtete Heiligkeit vor Gott unnütz, vergebliche Gottesdienste seien, und alle christlichen, frommen Herzen sollen das ganz für gewiß halten, dass dies gewiß ein pharisäischer, verdammter, häßlicher Irrtum, dass wir sollten durch solche Möncherei Vergebung der Sünden oder das ewige Leben verdienen und nicht vielmehr erlangen durch den Glauben an Christum.

Darum fromme Leute, so im Klosterleben selig geworden und erhalten sind, die haben endlich müssen dahin kommen, dass sie an allem ihrem Klosterleben verzagt, alle ihre Werke wie Kot verachtet, alle ihre heuchlerischen Gottesdienste verdammt und sich und die Zusage der Gnade in Christo fest gehalten haben, wie man des denn von St. Bernhard ein Exempel hat, dass er gesagt: Perdite Vixi, “Ich habe sündlich gelebt”. Denn Gott will keine andern Gottesdienste haben, denn welche er selbst hat aufgerichtet durch sein Wort.