ApologieApArtikel IV

Artikel IV. Von der Rechtfertigung

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Concordia Triglotta

Im vierten, fünften und sechsten und hernach im zwanzigsten Artikel verdammen die Widersacher unser Bekenntnis, dass wir lehren, dass die Gläubigen Vergebung der Sünden durch Christum ohne alles Verdienst allein durch den Glauben erlangen, und verwerfen gar trotziglich beides. Erstlich, dass wir nein dazu sagen, dass den Menschen durch ihre Verdienst sollten die Sünden vergeben werden. Zum andern, dass wir halten, lehren und bekennen, dass niemand Gott versöhnt wird, niemand Vergebung der Sünden erlangt denn allein durch den Glauben an Christum.

Weil aber solcher Zank ist über dem höchsten, vornehmsten Artikel der ganzen christlichen Lehre, also dass an diesem Artikel ganz viel gelegen ist, welcher auch zu klarem, richtigem Verstande der ganzen Heiligen Schrift vornehmlich dient und zu dem unaussprechlichen Schatze und der rechten Erkenntnis Christi allein den Weg weist, auch in die ganze Bibel allein die Tür auftut, ohne welchen Artikel auch kein arm Gewissen einen rechten, beständigen, gewissen Trost haben oder die Reichtümer der Gnade Christi erkennen mag: so bitten wir, kaiserliche Majestät wolle von dieser grossen, tapfern [ernsten], hochwichtigen Sache nach Notdurft und gnädiglich uns hören.

Denn weil die WIdersacher gar nicht verstehen noch wissen, was durch diese Worte in der Schrift zu verstehen, was Vergebung der Sünden sei, was Glaube, was Gnade, was Gerechtigkeit sei, so haben sie diesen edeln, hochnötigen, vornehmsten Artikel, ohne welchen niemand Christum erkennen würde, jämmerlich besudelt und den hohen, teuren Schatz der Erkenntnis Christi, oder was Christus und sein Reich und Gnade sei, gar unterdrückt und den armen Gewissen einen solchen, so edeln, grossen Schatz und ewigen Trost, daran es gar gelegen, jämmerlich geraubt.

Dass wir aber unser Bekenntnis bekräftigen und was die Widersacher vorgebracht, verlegen [widerlegen] mögen, so wollen wir zuvor erst anzeigen Grund und Ursache beiderlei Lehre, damit jeder Teil klarer zu vernehmen sei.

Die ganze Schrift beide Alten und Neün Testaments wird in die zwei Stücke geteilt und lehrt diese zwei Stücke, nämlich Gesetz und göttliche Verheissungen. Denn an etlichen Orten hält sie uns vor das Gesetz, an etlichen bietet sei Gnade an durch die herrlichen Verheissungen von Christo; als, wenn im Alten Testament die Schrift verheisst den zukünftigen Christum und bietet ewigen Segen, Benedeiung, ewiges Heil, Gerechtigkeit und ewiges Leben durch ihn an, oder im Neün Testament, wenn Christus, sieder [seitdem] er gekommen ist auf Erden, im Evangelio verheisst Vergebung der Sünden, ewige Gerechtigkeit und ewiges Leben.

Heir aber, an dem Orte, nennen wir das Gesetz die zehn Gebote Gottes, wo dieselben in der Schrift gelesen werden. Von den Zeremonien und den Gesetzen der Gerichtshändel wollen wir hier nicht reden.

Von diesen zwei Stücken nehmen nun die Widersacher das Gesetz vor sich. Denn weil das natürliche Gesetz, welches mit dem Gesetz Mosis oder [den] zehn Geboten übereinstimmt, in aller Menschen Herzen angeboren und geschrieben ist, und also die Vernunft etlichermassen die zehn Gebote fassen und verstehen kann, will sie wähnen, sie habe genug am Gesetz, und durchs Gesetz könne man Vergebung der Sünden erlangen.

Die zehn Gebote aber erfordern nicht allein ein äusserlich ehrbar Leben oder gute Werke, welche die Vernunft etlichermassen vermag zu tun, sondern erfordern etwas viel Höheres. welches über alle menschlichen Kräfte, über alles Vermögen der Vernunft ist; nämlich will das Gesetz von uns haben, dass wir Gott sollen mit ganzem Ernst von Herzensgrund fürchten und lieben, ihn in allen Nöten allein anrufen und sonst auf nichts einigen Trost setzen. Ferner: das Gesetz will haben, dass wir nicht weichen noch wanken sollen, sondern aufs allergewisseste im Herzen schliessen, dass Gott bei uns sei, unser Gebet erhört, und dass unser Seufzen und Bitten Ja sei; item, dass wir von Gott noch Leben und allerlei Trost erwarten sollen mitten im Tode, in allen Anfechtungen seinem WIllen uns gänzlich [an]heimgeben, in Tod und Trübsal nicht von ihm fliehen, sondern ihm gehorsam sein, gerne alles tragen und leiden, wie es uns geht.

Hier haben die Scholastici den Philosophis gefolgt, und wenn sie wollen sagen, wie man vor Gott fromm wird, lehren sie allein eine Gerechtigkeit und Frömmigkeit, da ein Mensch äusserlich vor er Welt ein ehrbar Leben führt und gute Werke tut, und erdichten diesen Traum dazu, dass die menschliche Vernunft ohne den Heiligen Geist vermöge Gott über alles zu lieben. Denn wohl ist’s wahr, wenn ein Menschenherz müssig ist und nicht in Anfechtungen, und weil es Gottes Zorn und Gericht nicht fühlt, so mag es einen solchen Traum ihm erdichten, als liebe es Gott über alles und tü viel Gutes, viele Werke um Gottes willen; aber es ist eitel Heuchelei. Und auf die Weise haben doch die Widersacher gelehrt, dass die Menschen Vergebung der Sünden verdienen, wenn sie so viel tun, als an ihnen ist, das ist, wenn die Vernunft ihr lässt die Sünde leid sein und erdichtet einen Willen dazu, Gott zu lieben.

Und diese Meinung und irrige Lehre, weil die Leute natürlich dazu geneigt sind, dass ihre Verdienste und Werke vor Gott etwas geachtet und verdienen möchten, hat unzählig viel missbräuchliche Gottesdienste in der Kirche angerichtet und geursacht, als [da] sind die Klostergelübde, Missbräuche der Messe, wie denn solches unzählig, immer ein Gottesdienst über den andern, aus diesem Irrtum erdacht ist.

Und dass nur solch Vertraün auf unsere Verdienste und Werke immer weiter ausgebreitet worden, haben sie unverschämt dürfen sagen und schliessen, Gott der Herr müsse von Not Gnade geben denjenigen, die also gute Werke tun, nicht dass er gezwungen wäre, sondern da dies die Ordnung also sei, die Gott nicht übergehe noch ändere.

Und in diesen Stücken, eben in dieser Lehre, sind viel andere grosse, ganz schädliche Irrtümer und schreckliche Lästerungen Gottes begriffen und verborgen, welche alle bei Namen zu erzählen jetzt zu lang wäre. Allein das wolle doch um Gottes willen ein jeglicher christlicher Leser bedenken: Können wir durch solche Werke vor Gott fromm und Christen werden, so wollte ich gerne hören (und versucht alle eür Bestes, hier zu antworten), was doch für Unterschied sein wollte zwischen der Philosophen und Christi Lehre. So wir Vergebung der Sünden erlangen mögen durch solche unsere Werke oder actus elicitos, was hilft und dann Christus? Können wir heilig und fromm vor Gott werden durch natürliche Vernunft und unsere eigenen guten Werke, was [be]dürfen wir denn des Blutes und Todes Christi, oder dass wir durch ihn neugeboren werden, wie Petrus 1 Petr. 1, 18ff, sagt?

Und aus dem [ge]fährlichen Irrtum (weil man solchen öffentlich in Schulen gelehrt und auf den Predigtstühlen getrieben), ist es leider dahin geraten, dass auch grosse Theologen zu Löwen, Paris usw. von keiner andern christlichen Frömmigkeit oder Gerechtigkeit gewusst haben (obwohl alle Buchstaben und Syllaben im Paulo anders lehren) denn von der Frömmigkeit, welche die Philosophie lehrt. Und so es uns billig fremd sein sollte, und wir billig sie verlachen sollten, verlachen sie uns, ja verspotten Paulum selbst.

Also gar ist der schändliche, greuliche Irrtum eingerissen. Ich habe selbst einen grossen Prediger gehört, welcher Christi und des Evangeliums nicht gedacht und Aristotelis “Ethicorum” predigte; heisst das nicht kindisch, närrisch unter Christen gepredigt? Aber ist der Widersacher Lehre wahr, so ist das “Ethicorum” ein köstlich Predigtbuch und eine feine neü Bibel.

Denn von äusserlich ehrbarem Leben wird nicht leicht jemand besser schreiben denn Aristoteles. Wir sehen, dass etliche Hochgelehrte haben Bücher geschrieben, darin sie anzeigen, als stimmten die Worte Christi und die Sprüche Sokratis und Zenonis fein zusammen, gleich als sie Christus gekommen, dass er gute Gesetze und Gebote gebe, durch welche wir Vergebung der Sünden verdienen sollten, und nicht vielmehr Gnade und Frieden Gottes zu verkünden und den Heiligen Geist außuteilen durch sein Verdienst und Blut.

Darum so wir der Widersacher Lehre annehmen, dass wir Vergebung der Sünden verdienen mögen aus Vermögen natürlicher Vernunft und [durch] unsere Werke, so sind wir schon aristotelisch und nicht christisch, und ist kein Unterschied zwischen ehrbarem, heidnischem, zwischen pharisäischem und christlichem Leben, zwischen der Philosophie und dem Evangelio.

Obwohl nun die WIdersacher, damit sie des Namens Christi nicht gar als die gottlosen, rohen Heiden schweigen, also vom Glauben reden, dass sie sagen, es sei eine Erkenntnis der Historie von Christo, und obwohl sie von Christo auch dennoch etwas sagen, nämlich dass er uns verdient habe einen habitum oder, wie sie es nennen, primam gratiam, die erste Gnade, welche sei achten für eine Neigung, dadurch wir dennoch Gott leichter denn sonst lieben können: so ist es doch eine schwache, geringe, kleine, schlechte Wirkung, die Christus also hätte, oder die durch solchen habitus geschähe. Denn sie sagen nichtsdestoweniger, dass die Werke unserer Vernunft und Willens, ehe derselbe habitus da ist, und auch danach, wenn derselbe habitus da ist, eiusdem speciei, das ist, vor und nach einerlei und ein Ding sei. Denn sie sagen, dass unsere Vernunft und menschlicher Wille an ihm selbst vermöge, Gott zu lieben, allein der habitus bringe eine Neigung, dass die Vernunft dasselbe, das sie zuvor wohl vermag, desto lieber und leichter tü. Darum lehren sie auch, dass derselbe habitus müsse verdient werden durch unsere vorgehenden Werke, und dass wir durch die Werke des Gesetzes Vermehrung solcher guten Neigung und das ewige Leben verdienen.

Also verbergen uns die Leute Christum und begraben ihn aufs neü, dass wir ihn nicht für einen Mittler erkennen können. Denn sie schweigen gar, dass wir lauter aus Gnaden, ohne Verdienst Vergebung der Sünden durch ihn erlangen, sondern bringen ihre Träume aus, als könnten wir durch gute Werke und des Gesetzes Werke Vergebung der Sünden verdienen, so doch die ganze Schrift sagt, dass wir das Gesetz nicht vermögen zu erfüllen oder zu halten. Und so die Vernunft am Gesetz nichts ausrichtet, denn dass sie allein äusserliche Werke tut, im Herzen aber fürchtet sie Gott nicht, so glaubt sie auch nicht, dass Gott ihrer wahrnehme. Und obwohl sie von dem habitus also reden, so ist es doch gewiss, dass ohne den Glauben an Christum rechte Gottesliebe in keinem Herzen sein kann; so kann auch niemand verstehen, was Gottes Liebe ist, ohne den Glauben.

Dass sie aber einen Unterschied erdichten unter dem meritum congrui und meritum condigni, unter dem gebührlichen Verdienst und rechtem, ganzem Verdienst, spielen und zanken sie allein mit Worten, damit sie sich nicht öffentlich als Pelagianer merken lassen. Denn so Gott von Not muss Gnade geben um Gebührverdienst, so ist es nicht Gebührverdienst, sondern eine rechte Pflicht und ganz Verdienst, obwohl sie selbst nicht wissen, was sie sagen. Denn sie erdichten und träumen, dass, wenn der habitus der Liebe Gottes (davon ober gesagt), da ist, so verdiene der Mensch gebührlich oder de congruo [de condigno, mit ganzem Verdienst] die Gnade Gottes, und sagen doch, es könne niemand so gewiss sein, ob derselbe habitus da sei.

Nun hört, liebe Herren, wie wissen sie denn, oder wann wissen wie es, ob sie gebührlich oder durch ganz Verdienst, für voll oder halb, unserm Herrgott seine Gnade abverdienen? Aber, ach lieber Herr Gott! das sind eitel kalte Gedanken und Träume müssiger, heilloser, unerfahrener Leute, welche die Bibel nicht viel in Praktiken bringen, die gar nicht wissen noch erfahren, wie einem Sünder ums Herz ist, was Anfechtungen des Todes oder des Teufels sind, die gar nicht wissen, wie rein wir alles Verdienstes, aller Werke vergessen, wenn das Herz Gottes Zorn fühlt, oder das Gewissen in Ëngsten ist. Die sicheren, unerfahrenen Leute gehen wohl immer dahin in dem Wahn, als verdienten sie mit ihren Werken de congruo Gnade. Denn es ist ohne das uns angeboren natürlich, dass wir von uns selbst und unsern Werken gern etwas viel wollten halten. Wenn aber ein Gewissen recht seine Sünde und Jammer fühlt, so ist aller Scherz, so sind alle Spielgedanken aus, und ist eitel grosser, rechter Ernst; da lässt sich kein Herz noch Gewissen stillen noch zufriedenstellen, sucht allerlei Werke und aber[mals] Werke und wollte gern Gewissheit, wollte gern Grund fühlen und gewiss auf etwas fußen und ruhen. Aber dieselben erschrockenen Gewissen fühlen wohl, dass man de condigno noch de congruo nichts verdienen kann, sinken bald dahin in Verzagen und Verzweiflung, wenn ihnen nicht ein anderes Wort denn des Gesetzes Lehre, nämlich das Evangelium von Christo, dass der für uns gegeben ist, gepredigt wird. Daher weiss man etliche Historien, dass die Barfüssermönche, wenn sie etlichen guten Gewissen an [in] der Todesstunde lange haben umsonst ihren Orden und gute Werke gelobt, dass sie zuletzt haben müssen ihres Ordens und St. Franzisken schweigen und dies Wort sagen: Lieber Mensch, Christus ist für dich gestorben! dass hat in Ëngsten erquickt und erkühlt, Frieden und Trost allein gegeben.

Also lehren die Widersacher nichts denn eine äusserliche Frömmigkeit äusserlicher guter Werke, welche Paulus des Gesetzes Frömmigkeit nennt, und sehen also, wie die Juden, das verdeckte Angesicht Mosis, tun nichts, denn dass sie in etlichen sicheren Heuchlern die Sicherheit und Härtigkeit stärken, führen die Leute auf einen Sandgrund, aus ihre eigenen Werke, dadurch Christus und das Evangelium verachtet wird, geben manchen elenden Gewissen Ursache zur Verweiflung; denn sie tun gute Werke auf ungewissen Wahn, erfahren nimmer, wie ein gross, kräftig Ding der Glaube ist, fallen zuletzt ganz in Verzweiflung.

Wir halten und reden von der äusserlichen Frömmigkeit also, dass Gott wohl fordert und haben will ein solch äusserlich ehrbar Leben, und um Gottes Gebotes willen müsse man dieselben guten Werke tun, welche in [den] zehn Geboten werden geboten. Denn das Gesetz ist unser Zuchtmeister und das Gesetz ist den Ungerechten gegeben. Denn Gott der Herr will, dass den groben Sünden durch eine äusserliche Zucht gewehrt werde, und dasselbe zu erhalten, gibt er Gesetze, ordnet Obrigkeit, gibt gelehrte, weise Leute, die zum Regiment dienen.

Und also äusserlich ehrbaren Wandel und Leben zu führen, vermag etlichermassen die Vernunft aus ihren Kräften, obwohl sie oft durch angeborne Schwachheit und durch List des Teufels auch daran gehindert wird.

Obwohl ich nun einem solchen äusserlichen Leben und den guten Werken gerne so viel Lobes lasse, als ihm gebührt; denn in diesem Leben und im weltlichen Wesen ist je nichts Besseres denn Redlichkeit und Tugend, wie denn Aristoteles sagt, dass weder der Morgenstern noch Abendstern lieblicher und schöner sei denn Ehrbarkeit und Gerechtigkeit, wie denn Gott solche Tugend auch belohnt mit leiblichen Gaben: so soll man doch gute Werke und solchen Wandel nicht also hoch haben, dass es Christo zur Schmach [ge]reiche.

Denn also schliesse ich und bin des gewiss: erdichtet ist’s und nicht wahr, dass wir durch unsere Werke sollten Vergebung der Sünden verdienen.

Auch ist’s Lüge und nicht wahr, dass ein Mensch vor Gott könne gerecht und fromm werden durch seine Werke und äusserliche Frömmigkeit.

Auch ist es Ungrund und nicht wahr, dass die menschliche Vernunft aus ihren Kräften vermögen sollte, Gott über alles zu lieben, sein Gebot zu halten, ihn zu fürchten, gewiss darauf zu stehen, dass Gott das Gebet erhöre, Gott zu danken und gehorsam zu sein in Trübsalen und anderm, was Gottes Gesetz gebietet, als, nicht fremdes Gut begehren usw. Denn das alles vermag die Vernunft nicht, obwohl sie äusserlich ehrbares Leben und gute Werke etlichermassen vermag.

Auch ist es erdichtet und nicht wahr und eine Lästerung wider Christum, dass diejenigen sollten ohne Sünde sein, die Gottes Gebote allein äusserlich halten ohne Geist und Gnade im Herzen.

Dieses meines Beschlusses habe ich Zeugnis nicht allein aus der Heiligen Schrift, sondern auch aus den alten Vätern. Augustinus redet und handelt solches aufs allerreichlichste wider die Pelagianer, dass die Gnade nicht gegeben wird um unsers Verdienstes willen. Und im Buche De Natura et Gratia, das ist, von der Natur und Gnade, sagt er also: “So das Vermögen der Natur durch den freien Willen genug ist, beide, zu erkennen, wie man leben soll, und also recht zu leben, so ist Christus umsonst gestorben. Warum sollte ich hier auch nicht rufen und schreien mit Paulo?

Ich mag billig schreien: ‘Ihr habt Christum verloren, die ihr durch des Gesetzes Werke gerecht werden wollt, und seid von der Gnade gefallen.’ Denn ihr erkennt die Gerechtigkeit nicht, die vor Gott gilt, und trachtet eure eigene Gerechtigkeit aufzurichten, und seid der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, nicht untertan. Denn wie das Ende des Gesetzes Christus ist, also ist auch der Heiland der verderbten Natur Christus.

Ferner: Joh. 8, 36: ‘So euch der Sohn freimacht, so seid ihr recht frei.’” Derhalben können wir durch die Vernunft oder unsere guten Werke nicht frei werden von den Sünden oder Vergebung der Sünden verdienen. Ferner: Joh. am 3, 5 steht geschrieben: “Es sei denn, dass jemand neugeboren werde aus dem Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.” So nun das dazu gehört, dass wir durch den Heiligen Geist müssen neugeboren werden, so werden uns unsere guten Werke oder eigen Verdienst nicht rechtfertig machen vor Gott, so können wir das Gesetz nicht halten noch erfüllen.

Ferner: Röm. 3, 23: “Sie sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhmes, den sie an Gott haben sollten”, das ist, ihnen mangelt die Weisheit und Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, dadurch sie Gott recht erkennen, gross achten und preisen sollten. Ferner: Röm. 8, 7. 8: “Fleischlich gesinnet sein, ist eine Feindschaft wider Gott, sintemal es dem Gesetz Gottes nicht untertan ist, denn es vermag es auch nicht; die aber fleischlich gesinnet sind, mögen Gott nicht gefallen.”

Das sind so gar klare, helle Sprüche der Schrift, dass sie nicht so scharfes Verstandes bedürfen, sondern allein, dass man’s lese und die klaren Worte wohl ansehe, wie auch Augustinus in der Sache sagt. Ist nun die Vernunft und fleischlich gesinnt sein eine Feindschaft wider Gott, so kann kein Mensch ohne den Heiligen Geist herzlich Gott lieben. Ferner: ist fleischlich gesinnt sein wider Gott, so sind wahrlich die besten guten Werke unrein und Sünden, die immer ein Adamskind tun mag. Ferner: kann das Fleisch Gottes Gesetz nicht untertan sein, so sündigt wahrlich auch ein Mensch, wenn er gleich edle, schöne, köstliche gute Werke tut, die die Welt grossachtet.

Die Widersacher sehen allein die Gebote an der andern Tafel Mosis, die da auch von der äusserlichen Ehrbarkeit redet, welche die Vernunft besser vernimmt, und wollen wähnen, mit solchen äusserlichen guten Werken halten sie Gottes Gesetz. Sie sehen aber die erste Tafel nicht an, welche gebietet und von uns haben will, dass wir Gott herzlich sollen lieben, daran gar nicht wanken noch zweifeln sollen, dass Gott um der Sünde willen zürne, dass wir Gott herzlich fürchten sollen, dass wir uns gewiss in unsern Herzen sollen darauf verlassen, Gott sei nicht ferne, er erhöre unser Gebet usw. Nun sind wir, ehe wir durch den Heiligen Geist neugeboren werden, alle der Art aus Adam, dass unser Herz in Sicherheit Gottes Zorn, Urteil und Dräün verachtet, seinem Urteil und Strafen gehässig und feind ist.

So nun alle Adamskinder in so grossen Sünden geboren werden, dass wir alle von Art Gott verachten, sein Wort, seine Verheissung und Dräün in Zweifel setzen, so müssen wahrlich unsere besten guten Werke, die wir tun, ehe wir durch den Heiligen Geist neugeboren werden, sündliche und verdammte Werke vor Gott sein, wenn sie gleich vor der Welt schön sind; denn sie gehen aus einem bösen, gottlosen, unreinen Herzen, wie Paulus sagt Röm. 14, 23: “Was nicht aus dem Glauben gehet, das ist Sünde.” Denn alle solche Werkheilige tun Werke ohne Glauben, verachten Gott im Herzen und glauben als wenig, dass Gott sich ihrer annehme, als Epikurus geglaubt hat. Die Verachtung Gottes inwendig muss je die Werke unflätig und sündlich machen, wenn sie gleich vor den Leuten schön sind; denn Gott forscht die Herzen.

Zuletzt, so ist je das auch aufs närrischste und ungeschickteste von den Widersachern geredet, dass die Menschen, die auch ewiges Zornes schuldig sind, Vergebung der Sünden erlangen durch die Leibe oder actum elicitum dilectionis, so es doch unmöglich ist, Gott zu lieben, wenn das Herz nicht erst durch den Glauben Vergebung der Sünden ergriffen hat. Denn es kann je ein Herz, das in Ëngsten ist und Gottes Zorn recht fühlt, Gott nicht lieben, er gebe denn dem Herzen Luft, er tröste und erzeige sich denn wieder gnädig. Denn weil er schreckt und also uns angreift, als wolle er uns in ewiger Ungnade in den ewigen Tod von sich stossen, so muss der armen schwachen Natur das Herz und Mut entfallen und muss je vor so grossem Zorn erzittern, der so greulich schreckt und straft, und kann je alsdann, ehe Gott selbst tröstet, kein Fünklein Liebe fühlen.

Müssige und unerfahrene Leute mögen ihnen wohl selbst einen Traum von der Liebe erdichten, darum reden sie auch so kindisch davon, dass einer, der gleich einer Todsünde schuldig ist, könne gleichwohl Gott über alles lieben; denn sie wissen noch nicht recht, was Sünde für eine Last, was für eine grosse Qual sei, Gottes Zorn fühlen. Aber fromme Herzen, die es im rechten Kampf mit dem Satan und rechten Ëngsten des Gewissens erfahren haben, die wissen wohl, dass solche Worte und Gedanken eitel Gedanken, eitel Träume sind. Paulus sagt: “Das Gesetz richtet nur Zorn an”, Röm. 4, 15.

Er sagt nicht, dass durch das Gesetz die Leute verdienen Vergebung der Sünden. Denn das Gesetz klagt allzeit das Gewissen an und erschreckt’s. Derhalben macht das Gesetz niemand fromm und gerecht vor Gott; denn ein erschrocken Gewissen fleucht vor Gott und seinem Urteil. Derhalben irren diejenigen, die durch ihre Werke oder durch das Gesetz wollen verdienen Vergebung der Sünden.

Dieses sei genug gesagt von der Gerechtigkeit der Werkheiligen oder der Vernunft, welche die Widersacher lehren. Denn bald hernach, wenn wir werden sagen von der Frömmigkeit und Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, die aus dem Glauben kommt, wird die Sache an ihr selbst mit sich bringen, mehr Sprüche aus der Schrift einzuführen, welche denn alle auch gleich stark dienen werden, die obangezeigten Irrtümer der Widersacher umzustossen

Weil denn kein Mensch aus seinen Kräften Gottes Gesetz zu halten vermag, und sind alle unter der Sünde, schuldig des ewigen Zornes und Todes, so könnten wir durch das Gesetz der Sünde nicht los noch vor Gott fromm werden, sondern es ist verheissen Vergebung der Sünden und Gerechtigkeit durch Christum, welcher für uns gegeben ist, dass er die Sünden der Welt bezahlte, und ist der einige Mittler und Erlöser.

Und diese Verheissung lautet nicht also: Durch Christum habt ihr Gnade, Heil usw., wo ihr’s verdient, sondern lauter aus Gnade bietet er an Vergebung der Sünden, wie Paulus sagt: “So aus den Werken Vergebung der Sünden ist, so ist’s nicht Gnade.” Und an einem andern Ort: “Diese Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, ist ohne Gesetz offenbart”, das ist, umsonst wird Vergebung der Sünden angeboten. Und darum liegt’s nicht an unserm Verdienst, dass wir Gott versöhnt werden.

Denn wenn’s an unserm Verdienst läge, Vergebung der Sünden und die Versöhnung Gottes aus dem Gesetz wäre, so wäre es verloren und wären wir wahrlich übel Gott vereinigt und versöhnt. Denn wir halten das Gesetz nicht und vermögen es nicht zu halten; so würde folgen, dass wir auch die zugesagte Gnade und Versöhnung nimmermehr erlangten. Denn also schleusst Paulus zu den Römern am 4, 14: “So aus dem Gesetz das Erbe ist, so ist der Glaube nichts, und die Verheissung ist ab.” So sich nun die Verheissung gründete auf unser Verdienst und auf das Gesetz, so folgte, weil wir das Gesetz nicht halten können, dass die Verheissung vergeblich wäre.

So wir aber vor Gott fromm und gerecht werden allein aus lauter Gnade und Barmherzigkeit, die in Christo verheissen ist, erfolgt, dass wir durch unsere Werke nicht fromm werden. Denn was wäre sonst der herrlichen göttlichen Verheissungen vonnöten, und was dürfte Paulus die Gnade so hoch heben und preisen? Derhalben lehrt, rühmt, predigt und preist das Evangelium die Gerechtigkeit, die aus dem Glauben kommt an Christum, welche nicht eine Gerechtigkeit des Gesetzes ist.

So lehrt auch das Gesetz davon nichts, und ist gar viel eine höhere Gerechtigkeit, denn des Geseztes Gerechtigkeit ist. Denn das Gesetz fordert von uns unsere Werke und will haben, dass wir inwendig im Herzen gottesfürchtig und ganz rechtschaffen sind. Aber die göttliche Zusage, die bietet uns an, als denjenigen, die von der Sünde und Tode überwältigt sind, Hilfe, Gnade und Versöhnung um Christus’ willen, welche Gnade niemand mit Werken fassen kann, sondern allein durch den Glauben an Christum.

Derselbe Glaube bringt noch schenkt Gott dem Herrn kein Werk, kein eigen Verdienst, sondern baut bloss auf lauter Gnade und weiss sich nichts zu trösten noch zu verlassen denn allein auf Barmherzigkeit, die verheissen ist in Christo. Derselbe Glaube nun, da ein jeder für sich glaubt, dass Christus für ihn gegeben ist, der erlangt allein Vergebung der Sünden um Christus’ willen und macht uns vor Gott fromm und gerecht. Und weil derselbe in rechtschaffener Busse ist, unsere Herzen auch im Schrecken der Sünde und des Todes wieder aufrichtet, so werden wir durch denselben neugeboren, und kommt durch den Glauben der Heilige Geist in unser Herz, welcher unsere Herzen verneürt, dass wir Gottes Gesetz halten können, Gott recht lieben, gewisslich fürchten, nicht wanken noch zweifeln, Christus sei uns gegeben, er erhöre unser Rufen und Bitten, und dass wir in Gottes Willen uns fröhlich geben können auch mitten im Tode.

Also derselbe Glaube, der aus Gnaden umsonst empfängt und erlangt Vergebung der Sünde, ist rechtschaffen, der gegen Gottes Zorn nicht sein Verdienst oder Werk setzt, welches ein Federlein gegen einen Sturmwind wäre, sondern der Christum der Mittler darstellt; und derselbe Glaube ist eine rechte Erkenntnis Christi. Wer also glaubt, der erkennt die grosse Wohltat Christi und wird eine neü Kreatur; und ehe ein solcher Glaube im Herzen ist, kann niemand das Gesetz erfüllen.

Von demselben Glauben und Erkenntnis Christi ist nicht eine Syllabe, nicht ein Tüttel in allen Büchern der Widersacher. Darum schelten wir auch die Widersacher, dass sie allein das Gesetz lehren von unsern Werken und nicht das Evangelium, das da lehrt, dass man gerecht werde, wenn man an Christum glaubt.

Was der Glaube sei, der vor Gott fromm und gerecht macht.

Die Widersacher wollen wähnen, der Glaube sei dieses, dass ich wisse oder gehört habe die Historie von Christo; darum lehren sie, ich könne wohl glauben, ob ich gleich in Todsünden sei. Darum, von dem rechten christlichen Glauben, davon Paulus an allen Orten so oft redet, dass wir durch den Glauben vor Gott fromm werden, da wissen oder reden sie gar nichts von. Denn welche vor Gott heilig und gerecht geachtet werden, die sind je nicht in Todsünden. Darum, der Glaube, welcher vor Gott fromm und gerecht macht, ist nicht allein dieses, dass ich wisse die Historie, wie Christus geboren, gelitten usw. (das wissen die Teufel auch), sondern ist die Gewissheit oder das gewisse, starke Vertraün im Herzen, da ich mit ganzem Herzen die Zusage Gottes für gewiss und wahr halte, durch welche mir angeboten wird ohne mein Verdienst Vergebung der Sünden, Gnade und alles Heil durch den Mittler Christum. Und damit dass niemand wähne, es sei allein ein blosses Wissen der Historie, so setze ich das dazu: Der Glaube ist, dass sich mein ganzen Herz desselben Schatzes annimmt, und ist nicht mein Tun, nicht mein Schenken noch Geben, nicht mein Werk oder Bereiten; sondern dass ein Herz sich des tröstet und ganz darauf verlässt, dass Gott uns schenkt, uns gibt, und wir ihm nicht, dass er uns mit allem Schatz der Gnade in Christo überschüttet.

Aus diesem ist leicht zu merken Unterschied zwischen dem Glauben und zwischen der Frömmigkeit, die durchs Gesetz kommt. Denn der Glaube ist ein solcher Gottesdienst und latria, da ich mir schenken und geben lasse. Die Gerechtigkeit aber des Gesetzes ist ein solcher Gottesdienst, der da Gott anbietet unserer Werke. So will Gott nun durch den Glauben also geehrt sein, dass wir von ihm empfangen, was er verheisst und anbietet.

Dass aber der Glaube nicht allein sei die Historie wissen, sondern der da festhält die göttlichen Verheissungen, zeigt Paulus genugsam an, der da sagt zu den Römern am 4, 16: “Derhalben muss die Gerechtigkeit durch den Glauben kommen, auf dass die Verheissung fest bleibe.” Da heftet und verbindet Paulus die zwei also zusammen, dass, wo Verheissung ist, da muss auch Glaube sein usw.; und wiederum correlative, wo Verheissung ist, da fordert Gott auch Glauben.

Obwohl noch klarer und schlechter zu zeigen ist, was der Glaube, der da gerecht macht, sei, wenn wir unser eigen Credo und Glauben ansehen. Denn im Symbolo steht je dieser Artikel: Vergebung der Sünden. Darum ist’s nicht genug, dass ich wisse oder glaube, dass Christus geboren ist, gelitten hat, auferstanden ist, wenn wir nicht auch diesen Artikel, darum das alles endlich geschehen, glauben, nämlich: Ich glaube, dass mir die Sünden vergeben seien. Auf den Artikel muss das andere alles gezogen werden, nämlich, dass um Christus’ willen, nicht um meines Verdienstes willen, uns die Sünden vergeben werden.

Denn was wäre not, dass Gott Christum für unsere Sünden gäbe, wenn unser Verdienst für unsere Sünden könnte genugtun?

Derhalben, so oft wir reden von dem Glauben, der gerecht macht, oder fide iustificante, so sind allezeit diese drei Stücke oder obiecta beieinander: erstlich, die göttliche Verheissung, zum andern, dass dieselbe umsonst, ohne Verdienst Gnade anbietet, für das dritte, dass Christi Blut und Verdienst der Schatz ist, durch welchen die Sünde bezahlt ist. Die Verheissung wird durch den Glauben empfangen; dass sie aber ohne Verdienst Gnade anbietet, da geht alle unsere Würdigkeit und Verdienst unter und zu Boden, wird gepriesen die Gnade und große Barmherzigkeit. Das Verdienst Christi aber ist der Schatz; denn es muss je ein Schatz und edles Pfand sein, dadurch die Sünden aller Welt bezahlt sind.

Die ganze Schrift, Alten und Neün Teftaments, wenn sie von Gott und Glauben redet, braucht viel dieses Wortes: Güte, Barmherzigkeit, misericordia. Und die heiligen Väter in allen ihren Büchern sagen alle, dass wir durch Gnade, durch Güte, durch Vergebung selig werden.

Sooft wir nun das Wort Barmherzigkeit in der Schrift oder in den Vätern finden, follen wir wissen, dass da vom Glauben gelehrt wird, der die Verheißung solcher Barmherzigkeit faßt. Wiederum, sooft die Schrift vom Glaube redet, meint sie den Glauben, der auf lauter Gnade baut;

denn der Glaube nicht darum vor Gott fromm und gerecht macht, dass er an ihm selbst unser Werk und unser ist, sondern allein darum, dass er die verheißene, angebotenen Gnade ohne Verdienst aus reichem Schatz geschenkt nimmt.

Und solcher Glaube und Vertraün auf Gottes Barmherzigkeit wird als der größte, heiligste Gottesdienst gepriesen, besonders in propheten und Psalmen. Denn obwohl das Gesetz nicht vornehmlich predigt Gnade und Vergebung der Sünden wie das Evangelium, so sind doch die Verheißungen von dem künftigen Christo von einem Patriarchen auf den andern geerbt, und [sie] haben gewußt, auch geglaubt, dass Gott durch den gebenedeiten Samen, durch Christum, wollte Segen, Gnade, Heil und Trost geben. Darum, so sie verstanden, dass Christus sollte der Schatz sein, dadurch unsere Sünden bezahlt werden, haben sie gewußt, dass unsere Werke eine solche große Schuld nicht bezahlen könnten. Darum haben sie Vergebung der Sünden, Gnade und Heil ohne alles Verdienst empfangen und sind durch den Glauben an die göttliche Verheißung, an das Evangelium von Christo, selig geworden als wohl als wir oder die Heiligen im Neün Testament.

Daher kommt’s, dass diese Worte: Barmherzigkeit, Güte, Glaube, so oft in Psalmen und Propheten wiederholt werden. Als im 130. Psalm: “So du willst, Her, achthaben auf Missetat, Her, wer wird bestehen?” Da bekennt David seine Sünde, rühmt nicht viel Verdienst, sagt auch weiter: “Denn bei dir ist Vergebung, dass man sich fürchte.” Da fühlt er wieder Trost und verläßt sich auf Gnade und Barmherzigkeit, verläßt sich auf die göttliche Zusage und spricht: “Meine Seele harret des Hern, Und ich warte auf sein Wort.” Und aber[mals]: “Meine Seele wartet doch auf den Hern.” Das ist, weil du verheißen hast Vergebung der Sünden, so halte ich mich an die ZUsage, so verlasse und wage ich nicht auf die gnädige Verheißung.

Darum werden die heiligen Patriarchen vor Gott fromm und heilig auch nicht durchs Gesetz, sondern durch Gottes Zusage und den Glauben. Und sollte wahrlich jedermann sich hoch verwundern, warum die Wiudersacher doch so wenig oder gar nichts vom Glauben lehren, so sie doch sehen gar nahe in allen Syllaben der Bibel, dass der Glaube für den allerhöchsten, edelsten, heiligsten, größten, angenehmsten, besten Gottesdienst gelobt und gepriesen wird, Also sagt er in 50. Psalm: “Rufe mich an in der Zeit der Not, und ich will dich erretten.”

Also nun und durch diese Weise will Gott uns bekannt werden. Also will er geehrt sein, dass wir von ihm Gnade, Heil, alles Gute nehmen und empfangen sollen, und nämlich aus Gnaden, nicht um unsers Verdienstes willen. Diese Erkenntnis ist gar eine edle Erkenntnis und ein großmächtiger Trost in allen Anfechtungen, leiblichen und geistlichen, es komme zu sterben oder zu leben, wie fromme Herzen wissen; und denselben edeln, teürn, gewissen Trost rauben und nehmen die Widersacher den armen Gewissen, wenn sie vom Glauben so kalt, so verächtlich reden und lehren und dagegen mit Gott, der hohen Majestät, durch unser elend, bettelisch Werk und Verdienst handeln.

Dass der Glaude an Christum gerecht macht.

Für das erste, dass niemand gedenke, wir reden von einem schlechten Wissen oder Erkenntnis der Historie von Christo, so müssen wir erstlich Sagen, wie es zugeht, wie ein Herz anfängt zu glauben, und wie es zum Glauben kommt. Danach wollen wir anzeigen, dass derselbe Glaube vor Gott fromm macht, und wie das zu verstehen sei, und wollen der Widersacher Gründe eigentlich klar und gewiss ablehnen.

Christus befiehlt Lucä am letzten, zu predigen “Busse und Vergebung der Sünden”. Das Evangelium auch straft alle Menschen, dass sie in Sünden geboren seien, und dass sie alle schuldig des ewigen Zorns und Todes seien, und bietet ihnen an Vergebung der Sünden und Gerechtigkeit durch Christum. Und dieselbe Vergebung, Versöhnung und Gerechtigkeit wird durch den Glauben empfangen. Denn die Predigt von der Busse oder diese Stimme des Evangelii: “Bessert euch, tut Busse”, wenn sie recht in der Herzen geht, erschreckt sie die Gewissen und ist nicht ein Scherz, sondern ein gross Schrecken, da das Gewissen seinen Jammer und Sünde und Gottes Zorn fühlt. In dem Erschecken sollen die Herzen wieder Trost suchen. Das geschieht, wenn sie glauben an die Verheissung von Christo, dass wir durch ihn Vergebung der Sünden haben. Der Glaube, welcher in solchem Zagen und Schrecken die Herzen wieder aufrichtet und tröstet, empfängt und empfindet Vergebung der Sünden, macht gerecht und bringt Leben; denn derselbe starke Trost ist eine neü Geburt und ein neu Leben.

Dieses ist je einfältig und klar geredet; so wissen fromme Herzen, dass es also ist; so sind die Exempel, dass es mit allen Heiligen so gegangen von Anbeginn, in der Kirche vorhanden, wie an der Bekehrung Pauli und Augustini zu sehen ist. Die Widersacher haben nichts Gewisses, können nirgend recht sagen oder verständlich davon reden, wie der Heilige Geist gegeben wird. Die erdichten ihnen eigene Träume, dass durch schlecht leiblich Empfangen und Brauchen der Sakramente, ex opere operato, die Leute Gnade erlangen und den Heiligen Geist empfangen, wennschon das Herz gar nicht dabei ist; gleich als sei das Licht des Heiligen Geistes so ein schlecht, schwach, nichtig Ding.

So wir aber von einem solchen Glauben reden, welcher nicht ein müssiger Gedanke ist, sondern ein solch neüs Licht, Leben und Kraft im Herzen, welche Herz, Sinn und Mut verneürt, einen andern Menschen und neü Kreatur aus uns macht, nämlich ein neüs Licht und Werk des Heiligen Geistes: so versteht ja männiglich, dass wir nicht von solchem Glauben reden, dabei Todsünde ist, wie die Widersacher vom Glauben reden. Denn wie will Licht und Finsternis beieinander sein? Denn der Glaube, wo er ist, und weil er da ist, gebiert er gute Früchte, wie wir danach sagen wollen.

Dieses ist je mit klaren, deutlichen, einfältigen Worten geredet, wie es zugeht, wenn ein Sünder recht sich bekehrt, was die neü Geburt sei oder nicht sei. Trotz [sei] nun geboten alle den Sententiariis, ob sie unter den unzähligen Rommenten, Glossen und Skribenten über Sententiarum [des Petrus Lombardus] einen können vorbringen, der ein Wörtlein, einen Tüttel recht davon setzt, wie es zugeht, wenn ein Sünder bekehrt wird.

Wenn sie von der Liebe reden, oder wenn sie von ihrem habitu dilectionis reden, so bringen sie wohl ihre Träume vor, dass denselben habitum die Leute verdienen durch ihre Werke, reden aber gar nichts von Gottes Verheissung oder Wort, wie auch zu dieser Zeit die Wiedertäufer lehren.

Nun kann man mit Gott doch je nicht handeln, so lässt sich Gott nicht erkennen, suchen noch fassen denn allein im Wort und durchs Wort, wie Paulus sagt: “Das Evangelium ist eine Kraft Gottes allen, die daran glauben.” Ferner: zu den Römern am 10: “Der Glaube ist aus dem Gehör.” Und aus dem allein sollte je klar genug sein, dass wir allein durch den Glauben vor Gott fromm werden. Denn so wir allein durchs Wort Gottes zu Gott kommen und gerecht werden, und das Wort kann niemand fassen denn durch den Glauben, so folgt, dass der Glaube gerecht macht.

Doch sind andere Ursachen, die sich zu dieser Sache besser reimen. Dieses habe ich bisher gesagt, dass ich anzeige, wie es zugeht, wie wir neugeboren werden, und dass man verstehen möchte, was der Glaube ist oder nicht ist, davon wir reden.

Nun wollen wir anzeigen, dass derselbe Glaube, und sonst nichts, uns vor Gott gerecht macht. Und erstlich will ich dieses hier den Leser verwarnen, gleichwie dieser Spruch muss und soll stehenbleiben, und kann ihn niemand umstossen: Christus ist unser einiger Mittler, also kann auch diesen Spruch niemand umstossen: Durch den Glauben werden wir rechtfertig, ohne Werke. Denn wie will Christus der Mittler sein und bleiben, wenn wir nicht durch den Glauben uns an ihn halten als an den Mittler und also Gott versöhnt werden, wenn wir nicht gewiss im Herzen halten, dass wir um seinetwillen vor Gott gerecht geschätzt werden? Das heisst nun glauben: also vertraün, also sich getrösten des Verdienstes Christi, dass um seinetwillen Gott gewiss uns wolle gnädig sein.

Ferner: wie dieses klar in der Schrift ist, dass über das Gesetz zur Seligkeit not ist die Verheissung Christi, also ist auch klar, dass der Glaube gerecht macht; denn das Gesetz predigt nicht Vergebung der Sünden aus Gnaden. Ferner: das Gesetz können wir nicht erfüllen noch halten, ehe wir den Heiligen Geist empfangen. Darum muss das bestehen, dass zur Seligkeit die Verheissung Christi vonnöten ist. Dieselbe kann nun niemand fassen noch empfangen denn allein durch den Glauben. Darum diejenigen, so lehren, dass wir nicht durch den Glauben vor Gott gerecht und fromm werden, was tun die anders, denn dass sie Christum und das Evangelium unterdrücken und das Gesetz lehren?

Aber etliche, wenn man sagt, der Glaube macht rechtfertig vor Gott, verstehen solches vielleicht vom Anfang, nämlich dass der Glaube sei nur der Anfang oder eine Vorbereitung zu der Rechtfertigung, also dass nicht der Glaube selbst dafürgehalten werden soll, dass wir dadurch Gott gefallen und angenehm sind, sondern dass wir Gott angenehm sind von wegen der Liebe und Werke, so folgen, nicht von wegen des Glaubens. Und solche meinen der Glaube werde allein derhalben gelobt in der Schrift, dass er ein Anfang sei guter Werke, wie denn allezeit viel am Anfang gelegen ist.

Dies aber ist nicht unsere Meinung, sondern wir lehren also vom Glauben, dass wir durch den Glauben selbst vor Gott angenehm sind. Und nachdem das Wort iustificari auf zweierlei Weise gebraucht wird, nämlich, für bekehrt werden oder neugeboren, item, für gerecht geschätzt werden, wollen wir das erst anzeigen, dass wir allein durch den Glauben aus dem gottlosen Wesen bekehrt, neugeboren und gerecht werden.

Etliche fechten gross an das Wort SOLA, so doch Paulus klar sagt zu den Römern am 3, 28: “So halten wir nun, dass der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke”; item, zu den Ephesern am 2, 8. 9: “Gottes Gabe ist es, nicht aus euch noch aus den Werken, auf dass sich nicht jemand rühme”; item, zu den Römern am 3, 24 dergleichen. So nun dieses Wort und diese exclusiva SOLA etlichen so hart entgegen ist und so übel gefällt, die mögen an so vielen Orten in den Episteln Pauli auch diese Worte auskratzen: “aus Gnaden”; item: “nicht aus Werken”; item: “Gottes Gabe” usw.; item: “das sich niemand rühme” und dergleichen; denn es sind ganz starke exclusivae. Das Wort “aus Gnaden” schliesst Verdienst und alle Werke aus, wie die Namen haben. Und durch das Wort, SOLA, so wir sagen: “Allein der Glaube macht fromm”, schliessen wir nicht aus das Evangelium und die Sakramente, dass darum das Wort und [die] Sakramente sollten vergeblich sein. So es der Glaube alles allein tut, wie die WIdersacher uns alles gefährlich deuten; sondern unser Verdienst daran schliessen wir aus. Denn wir haben oben genug gesagt, dass der Glaube durchs Wort kommt: So preisen wir das Predigtamt und Wort höher und mehr denn die Widersacher;

so sagen wir auch, die Liebe und Werke sollen dem Glauben folgen. Darum schliessen wir die Werke durchs Wort SOLA nicht also aus, dass sie nicht folgen sollten, sondern das Vertraün auf Verdienst, auf Werke, das schliessen wir aus und sagen, sie verdienen nicht Vergebung der Sünden. Und das wollen wir noch richtiger, heller und klarer zeigen.

Dass wir Vergebung der Sünden (allein) durch den Glauben an Christum erlangen.

Wir halten, die Widersacher müssen bekennen, dass vor allen Dingen zu der Rechtfertigung vonnöten sei Vergebung der Sünden. Denn wir sind alle unter der Sünde geboren. Darum so schliessen wir nun also:

Vergebung der Sünden erlangen und haben, dasselbe heisst vor Gott gerecht und fromm werden, wie der 32. Psalm sagt: “Wohl dem, dem die Übertretung vergeben ist.”

Allein aber durch den Glauben an Christum, nicht durch die Liebe, nicht um der Liebe oder Werke willen, erlangen wir Vergebung der Sünden, obwohl die Liebe folgt, wo der Glaube ist, Derhalben muss folgen,

dass wir allein durch den Glauben gerecht werden. Denn gerecht werden heisst ja, aus einem Sünder fromm werden und durch den Heiligen Geist neugeboren werden.

Dass wir aber allein durch den Glauben, wie die minor meldet, nicht durch die Liebe Vergebung der Sünden erlange, wollen wir jetzt klarmachen, Die Widersacher reden kindisch von diesen hohen Dingen; sie fragen, ob es einerlei Veränderung sei, Vergebung der Sünden und Eingiessung der Gnade, oder ob es zwei seien. Die müssigen, unerfahrenen Leute können doch gar nicht von diesen Sachen reden. Denn Sünde recht fühlen und Gottes Zorn, ist nicht so ein schlecht, schläfrig Ding. Wiederum, Vergebung der Sünden ergreifen ist nicht so ein schwacher Trost. Denn also sagt Paulus 1 Kor, 15, 56f.: “Der Stachel des Todes ist die Sünde, die Kraft aber der Sünde ist das Gesetz. Gott aber sei Lob, der uns gibt Überwindung durch Jesum Christum, unsern Herrn.” Das ist, die Sünde erschreckt das Gewissen, das geschieht durchs Gesetz, welches uns Gottes Ernst und Zorn zeigt wider die Sünde; aber wir liegen ob durch Christum. Wie geschieht das? Wenn wir glauben, wenn unsere Herzen wieder aufgerichtet werden und sich halten an die Verheissung der Gnade durch Christum.

So beweisen wir nun dieses also, dass wir durch den Glauben an Christum und nicht durch Werke Vergebung der Sünden erlangen. Nämlich Gottes Zorn kann nicht versöhnt noch gestillt werden durch unsere Werke, sondern allein Christus ist der Mittler und Versöhner, und um seinetwillen allein wird uns der Vater gnädig. Nun kann Christum niemand als einen Mittler fassen durch Werke, sondern allein, dass wir dem Wort glauben, welches ihn als einen Mittler predigt. Darum erlangen wir allein durch den Glauben Vergebung der Sünden, wenn unser Herz getröstet und aufgerichtet wird durch die göttliche Zusage, welche uns um Christus’ willen angeboten wird.

Ferner: Paulus zu den Römern am 5, 2: “Durch ihn haben wir einen Zugang zum Vater”; und sagt klar dazu: “durch den Glauben”. Also werden wir nun, und nicht anders, dem Vater versöhnt, also erlangen wir Vergebung der Sünden, wenn wir aufgerichtet werden, festzuhalten, an der Zusage, da uns Gnade und Barmherzigkeit verheissen ist durch Christum. Die Widersacher, die verstehen dieses vom Mittler und Versöhner Christo also, dass Christus uns verdiene die Liebe oder den habitum dilectionis, und sagen nicht, dass wir ihn als einen einigen Mittler brauchen müssen, sondern stecken Christum wieder ins Grab, erdichten ein anderes, als hätten wir einen Zutritt durch unsere Werke, item, als verdienten wir durch Werke den habitum und könnten danach durch die Liebe zu Gott kommen. Das heisst je Christum wieder ins Grab stecken und die ganze Lehre von Glauben wegnehmen. Dagegen aber lehrt Paulus klar, dass wir einen Zutritt haben, das ist, Versöhnung Gottes, durch Christum. Und dass er anzeige, wie dasselbe geschehe, so setzt er dazu: “Durch den Glauben haben wir den Zutritt, durch den Glauben empfangen wir Vergebung der Sünden aus dem Verdienst Christi”, und können Gottes Zorn nicht stillen denn durch Christum. So ist leicht zu verstehen, dass wir nicht Vergebung verdienen durch unsere Werke oder Liebe.

Zum andern ist’s gewiss, dass die Sünden vergeben werden um des Versöhners Christi willen, Röm. 3, 25: “Welchen Gott dargestellet hat zu einem Gnadenstuhl” oder zu einem Versöhner, und setzt klar dazu: “durch den Glauben”. So wird uns der Versöhner nun also nütz, wenn wir durch den Glauben fassen das Wort, dadurch verheissen wird Barmherzigkeit, und dieselbe halten gegen Gottes Zorn und Urteil. Und dergleichen steht geschrieben Hebr. am 4, 14. 16: “Wir haben einen Hohenpriester, Christum usw. Lasst uns zu ihm treten mit Freudigkeit.” Er heisst uns zu Gott treten, nicht im Vertraün unserer Werke, sondern im Vertraün auf den Hohenpriester Christum; derhalben fordert er je klar den Glauben.

Für das dritte, Petrus in Geschichten der Apostel am 10, 43 sagt: “Dem Jesu geben Zeugnis alle Propheten, dass wir Vergebung der Sünden durch seinen Namen erlangen sollen, alle, die in ihn glauben.” Wie hätte doch Petrus klarer können reden? Er sagt: “Vergebung der Sünden empfangen wir durch seinen Namen”, das ist, durch ihn erlangen wir sie, nicht durch unser Verdienst, nicht durch unsere Reü oder Attrition, nicht durch unsere Liebe, nicht durch eigenen Gottesdienst, nicht durch eigene Menschensatzung oder Werke, und setzt dazu: “wo wir in ihn glauben”. Derhalben will er, dass ein Glaube im Herzen sei, darum sagt er: es zeugen mit einem Munde von dem Christo alle Propheten. Das, meine ich, heisst recht die christliche Kirche oder katholische Kirche allegiert. Denn wenn alle heiligen Propheten zeugen, das ist je ein herrlich, gross trefflich, stark Dekret und Zeugnis. Aber von dem Spruch wollen wir drunten weiter reden.

Zum vierten, Vergebung der Sünden ist verheissen um Christus’ willen. Darum kann sie niemand erlangen denn allein durch den Glauben. Denn die Verheissung kann man nicht fassen noch derselben teilhaftig werden denn allein durch den Glauben. Röm. 4, 16: “Derhalben muss die Gerechtigkeit durch den Glauben kommen, auf dass sie sei aus Gnaden und die Verheissung fest bleibe.” Gleich als sollte er sagen: so unser Heil und Gerechtigkeit auf unserm Verdienst stünde, so wäre die Verheissung Gottes immer noch ungewiss und wäre uns unnütz; denn wir können nimmer des gewiss sein, wann wir genug verdient hätten. Und dieses verstehen fromme Herzen und christliche Gewissen fast [sehr] wohl, nähmen nicht tausend Welten, dass unser Heil auf uns stünde. Damit stimmt Paulus zu den Galatern: “Gott hat alles unter die Sünde beschlossen, dass die Verheissung aus dem Glauben Jesu Christi den Gläubigen widerfahre.” Da stösst Paulus all unser Verdienst danieder; denn er sagt, wir sind alle schuldig des Todes und unter der Sünde beschlossen; und gedenkt der göttlichen Zusage, dadurch wir allein Vergebung der Sünden erlangen, und setzt noch weiter dazu, wie wir der Verheissung teilhaftig werden, nämlich durch den Glauben. Und dieser Grund, dieses Argument, da Paulus aus Art und Natur der göttlichen Verheissung schliesst, nämlich also: So Gottes Verheissung gewiss sein und feststehen soll, wie sie nicht fehlen kann, so muss Vergebung der Sünden nicht aus unserm Verdienst sein, sonst wäre sie ungewiss, und [wir] wüssten nicht, wann wir genug verdient hätten: ja, dies Argument, sage ich, und der Grund ist ein rechter Fels und fast das Stärkste im ganzen Paulo und wird gar oft erholt [wiederholt] und angezogen in allen Episteln. Es wird auch nimmermehr auf Erden ein Mensch etwas trachten und dichten oder erdenken, dadurch der einige Grund allein, wenn sonst nichts wäre, möge umgestossen werden.

Es werden auch fromme Herzen und christliche Gewissen sich in keinem Weg lassen hievon abführen, nämlich, dass wir allein durch den Glauben, um Christus’ Verdienstes willen Vergebung der Sünden haben. Denn da haben sie einen gewissen, starken, ewigen Trost wider die Sünde, Teufel, Tod, Hölle. Das andere alles ist ein Sandgrund und besteht nicht in Anfechtungen.

So wir nun allein durch den Glauben Vergebung der Sünden erlangen und den Heiligen Geist, so macht allein der Glaube vor Gott fromm. Denn diejenigen, so mit Gott versöhnt sind, die sind vor Gott fromm und Gottes Kinder, nicht um ihrer Reinigkeit willen, sondern um Gottes Barmherzigkeit willen, so sie dieselbe fassen und ergreifen durch den Glauben. Darum zeugt die Schrift, dass wir durch den Glauben vor Gott fromm werden. So wollen wir nun Sprüche erzählen, welche klar melden, dass der Glaube fromm und gerecht mache, nicht derhalben, dass unser Glauben ein solch köstlich, rein Werk sei, sondern allein derhalben, dass wir durch [den] Glauben und sonst mit keinem Dinge die angebotene Barmherzigkeit empfangen.

Paulus in der Epistel zu den Römern handelt vornehmlich dieses Stück, wie ein Mensch vor Gott fromm werde, und beschliesst, dass alle die da glauben, dass sie durch Christum einen gnädigen Gott haben, ohne Verdienst durch den Glauben vor Gott fromm werden. Und diesen gewaltigen Beschluss, diese Proposition, in welcher gefasst ist die Hauptsache der ganzen Episteln, ja der ganzen Schrift, setzt er im dritten Kapitel mit dürren, klaren Worten also: “So halten wir es nun, dass der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben”, Röm. 3, 28. Da wollen die Widersacher sagen, Paulus habe ausgeschlossen allein die jüdischen Zeremonien, nicht andere tugendliche Werke. Aber Paulus redet nicht allein von Zeremonien, sondern eigentlich gewiss redet er auch von allen andern Werken und von dem ganzen Gesetze oder zehn Geboten. Denn im 7. Kapitel hernach zieht er an den Spruch aus den zehn Geboten: “Lass dich nicht gelüsten!” Und so wir durch andere Werke, welche nicht jüdische Zeremonien wären, konnten Vergebung der Sünden erlangen und dadurch Gerechtigkeit verdienen, was wäre denn Christus und seine Verheissung vonnöten? Da läge schon danieder alles, was Paulus von der Verheissung an so viel Orten redet. So schriebe auch Paulus unrecht zu den Ephesern, da er sagt Eph. 2, 8: “ohne Verdienst, umsonst seid ihr selig worden; denn Gottes Gabe ist’s, nicht aus Werken.” Ferner: Paulus zieht an in der Epistel zu den Römern Abraham und David. Dieselben hatten einen Befehl und Gottes Gebot von der Beschneidung. So nun irgendein Werk vor Gott fromm machte, so müssten je die Werke, die dazumal Gottes Befehl hatten, auch gerecht und fromm gemacht haben. Aber Augustinus, der lehrt klar, dass Paulus von dem ganzen Gesetz rede, wie er denn nach der Länge solches disputiert De Spiritu et Litera, “Von dem Geist und Buchstaben”, da er zuletzt sagt: “So wir nun dieses Stück nach [dem] Vermögen, das Gott verliehen hat, bewogen [erwogen] und gehandelt haben, so schliessen wir, dass kein Mensch fromm wird durch Gebote eines guten Lebens, sondern durch den Glauben Jesu Christi.”

Und das niemand denken darf, als sei Paulo dieses Wort (“der Mensch wird gerecht allein durch den Glauben”) entfahren, so führt er das nach der Länge aus im 4. Kapitel zu den Römern und erholt solches in allen seinen Episteln.

Denn also sagt er am 4. Kapitel: “Dem, der mit Werken umgehet, wird der Lohn nicht aus Gnaden zugerechnet, sondern aus Pflicht; dem aber, der nicht mit Werken umgehet, glaubet aber an den, der die Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube gerechnet zur Gerechtigkeit.” So ist’s nun aus den Worten klar, dass der Glaube das Ding und das Wesen ist, welches er Gottes Gerechtigkeit nennt, und setzt dazu, sie werde aus Gnaden zugerechnet, und sagt, sie könnte uns aus Gnaden nicht zugerechnet werden, so Werke oder Verdienst da wären. Darum schliesst er gewisslich aus alles Verdienst und alle Werke nicht allein jüdischer Zeremonien, sondern auch alle andern guten Werke. Denn so wir durch dieselben Werke fromm würden vor Gott, so würde uns der Glaube nicht gerechnet zur Gerechtigkeit ohne alle Werke, wie doch Paulus klar sagt.

Und hernach spricht er: “und wir sagen, dass Abraham sein Glaube ist gerechnet zur Gerechtigkeit.”

Ferner: Kap. 5, 1: “Nun wir denn sind gerecht worden durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesum Christ”, das ist, wir haben fröhliche, stille Gewissen vor Gott.

Röm. 10, 10: “So man von Herzen glaubt, so wird man gerecht.” Da nennt er den Glauben die Gerechtigkeit des Herzens.

Zu den Galatern am 2, 16: “So glauben wir auch an Christum Jesum auf dass wir gerecht werden durch den Glauben an Christum und nicht durch’s Gesetzes Werke.” Eph. 2, 8: “Denn aus Gnaden seid ihr selig worden durch den Glauben, und dasselbige nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus den Werken, auf dass sich niemand rühme.”

Joh. 1, 12: “Denen gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, die da an seinen Namen glauben, welche nicht von dem Geblüt noch von dem Willen des Fleisches noch von dem WIllen des Mannes, sondern von Gott geboren sind.”

Johannes am 3, 14.15: “Wie Moses in der Wüste eine Schlange erhöhet hat, also muss des Menschen Sohn auch erhöhet werden, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden.”

Item V. 17: “Gott hat seinen Sohn nicht gesandt in die Welt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn selig werde. Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet.”

Act. 13, 38.39: “So sei es nun euch kund, liebe Brüder, dass euch verkündigt wird Vergebung der Sünden und von dem allem, durch welches ihr nicht konntet im Gesetz Mosis gerecht werden. Wer aber an diesen glaubet, der ist gerecht.” Wie hätte er doch klarer reden können von dem Reich Christi und von der Rechtfertigung? Er sagt, das Gesetz habe nicht können jemand gerecht machen, und sagt, darum sei Christus gegeben, dass wir glauben, dass wir durch ihn gerecht werden. Mit klaren Worten sagt er: Das Gesetz kann niemand gerecht machen. Darum wird uns durch Christum Gerechtigkeit zugerechnet, wenn wir glauben, dass uns Gott durch ihn gnädig ist.

Act. 4, 11.12: “Das ist der Stein, von euch Bauleuten verworfen, der zum Eckstein worden ist; und ist in keinem andern Heil, und ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, darinnen wir sollen selig werden.” An den Namen aber Christi kann ich nicht andern glauben, denn dass ich höre predigen das Verdienst Christi und solches fasse. Derhalben durch Glauben an den Namen Christi und nicht durch Vertraün auf unsere Werke werden wir selig. Denn das Wort “Name” an dem Ort bedeutet Ursache, dadurch und darum das Heil kommt. Darum den Namen Christi rühmen oder bekennen ist als viel, als vertraün auf den, der Christus allein ist und heisst, dass der causa meines Heils und Schatzes sei, dadurch ich erlöst bin.

Act. 15, 9: “Durch den Glauben reinigte er ihre Herzen.” Darum ist der Glaube, da die Apostel von reden, nicht eine schlechte Erkenntnis der Historie, sondern ein stark, kräftig Werk des Heiligen Geistes, das die Herzen verändert.

Hab. 2, 4: “Der Gerechte lebt seines Glaubens.” Da sagt er erstlich, dass der Gerechte durch den Glauben gerecht wird, so er glaubt, dass Gott durch Christum gnädig sei. Zum andern sagt er, dass der Glaube lebendig macht. Denn der Glaube bringt allein den Herzen und Gewissen Frieden und Freude und das ewige Leben, welches hier in diesem Leben anfängt.

Jes. 53, 11: “Seine Erkenntnis wird viele gerecht machen.” Was ist aber die Erkenntnis, Christi, denn seine Wohltaten kennen und seine Verheissungen, die er in die Welt hat gepredigt und predigen lassen? Und die Wohltaten kennen, das heisst an Christum wahrlich glauben, nämlich glauben das, was Gott durch Christum verheissen hat, dass er das gewiss geben wolle.

Aber die Schrift ist voll solcher Sprüche und Zeugnisse. Denn diese zwei Stücke handelt die Schrift: Gesetz Gottes und Verheissung Gottes. Nun reden die Verheissungen von Vergebung der Sünden und Gottes Versöhnung durch Christum.

Und bei den Vätern findet man auch viel der Sprüche. Denn auch Ambrosius zu Irenäo schreibt: “Die ganze Welt aber wird darum Gott untertan, unterworfen durchs Gesetz; denn durch das Gebot des Gesetzes werden wir alle angeklagt, aber durch die Werke des Gesetzes wird niemand gerecht. Denn durch das Gesetz wird die Sünde erkannt, aber die Schuld wird aufgelöst durch den Glauben; und es scheint wohl, als hätte das Gesetz Schaden getan, denn es alle zu Sündern gemacht hat; aber der Herr Christus ist gekommen und hat uns die Sünde, welche niemand konnte meiden, geschenkt und hat die Handschrift durch Vergiessen seines Bluts ausgelöscht. Und das ist, das Paulus sagt zu den Römern am 5, 20: ‘Die Sünde ist mächtig worden durchs Gesetz, aber die Gnade ist noch mächtiger worden durch Jesum.’ Denn weil die ganze Welt ist schuldig worden, so hat er der ganzen Welt Sünde weggenommen, wie Johannes zeugt: ‘Siehe, das ist das Lamm Gottes, welches der Welt Sünde wegnimmt.’ Und darum soll niemand seiner Werke sich rühmen; denn durch sein eigen Tun wird niemand gerecht; wer aber gerecht ist, dem ist’s geschenkt in der Taufe in Christo, da er ist gerecht worden. Denn der Glaube ist’s, der uns losmacht durch das Blut Christi, und wohl dem, welchem die Sünde vergeben wird und Gnade widerfähret.”

Diese sind Ambrosii klare Worte, die doch ganz öffentlich mit unsere Lehre auch stimmen. Er sagt, dass die Werke nicht gerecht machen, und sagt, dass der Glaube uns erlöse durch das Blut Christi.

Wenn man alle Sententiarios über einen Haufen zusammenschmelzte, die doch grosse Titel führen, denn etliche nennen sie engelisch, angelicos, etliche subtiles, etliche irrefragabiles, das ist, Doctores, die nicht irren können, und wenn man sie alle läse, so würden sie alle miteinander nicht so nütze sein, Paulum zu verstehen, als der einige Spruch Ambrosii. [Thomas Aquinas wurde Doctor angelicus genannt; Duns Scotus Doctor subtilis; Alexander Halesius Doctor irrefragabilis; Bonaventura Doctor seraphicus. Die Kommentatoren des Petrus Lombardus hiessen Sententiarii.]

Auf die Meinung hat auch Augustinus viel wider die Pelagianer geschrieben, und De Spiritu et Litera sagt er also: “Darum wird uns das Gesetz und seine Gerechtigkeit vorgehalten, dass, wer sie tut, dadurch lebe, und dass ein jeder, so er seine Schwachheit erkennt, zu Gott, welcher allein gerecht macht, komme, nicht durch seine eigenen Kräfte noch durch den Buchstaben des Gesetzes, welchen wir nicht erfüllen können, sondern durch den Glauben. Ein recht gut Werk kann niemand tun, denn der zuvor selbst gerecht, fromm und gut sei; Gerechtigkeit aber erlangen wir allein durch den Glauben.” Da sagt er klar, dass Gott, welcher allein seligt und heiligt, durch den Glauben versöhnt wird, und dass der Glaube uns vor Gott fromm und gerecht macht. Und bald hernach: “Aus dem Gesetz fürchten wir Gott, durch den Glauben hoffen und vertraün wir in Gott. Die aber die Strafe fürchten, denen wird die Gnade verborgen, unter welcher Furcht, wenn ein Mensch in Angst ist usw., soll er durch den Glauben fliehen zu der Barmherzigkeit Gottes, dass er dasjenige gebe, dazu Gnade verleihe, das er im Gesetz gebietet.” Da lehrt er, dass durch das Gesetz die Herzen geschreckt werden und durch den Glauben wieder Trost empfangen.

Es ist wahrlich Wunder, dass die Widersacher können so blind sein und so viel klare Sprüche nicht ansehen, die da klar melden, dass wir durch den Glauben gerecht werden und nicht aus den Werken. Wo denken doch die armen Leute hin?

Meinen sie, dass die Schrift ohne Ursache einerlei so oft mit klaren Worten erholt [wiederholt]? Meinen sie, dass der Heilige Geist sein Wort nicht gewiss und bedächtlich setze oder nicht wisse, was er rede?

Darüber haben die gottlosen Leute eine sophistische Glosse erdichtet und sagen, die Sprüche der Schrift, so sie vom Glauben reden, sind von fide formata zu verstehen. Das ist, sie sagen: Der Glaube macht niemand fromm oder gerecht denn um der Liebe oder Werke willen. Und in Summa, nach ihrer Meinung so macht der Glaube niemand gerecht, sondern die Liebe allein. Denn sie sagen, der Glaube könne neben einer Todsünde sein.

Was ist das anders, denn alle Zusage Gottes und Verheissung der Gnade umgestossen und das Gesetz und Werke gepredigt? So der Glaube Vergebung der Sünden und Gnade erlangt um der Liebe willen, so wird die Vergebung der Sünden allezeit ungewiss sein. Denn wir lieben Gott nimmer so vollkömmlich, als wir sollten. Ja, wir können Gott nicht lieben, denn das Herz sei erst gewiss, dass ihm die Sünden vergeben seien. Also, so die Widersacher lehren auf [die] Liebe Gottes [zu Gott], die wir vermögen, und eigene Werke vertraün, stossen sie das Evangelium, welches Vergebung der Sünden predigt, gar zu Boden, so doch die Liebe niemand recht haben noch verstehen kann, er glaube denn, dass wir aus Gnaden, umsonst Vergebung der Sünden erlangen durch Christum.

Wir sagen auch, dass die Liebe dem Glauben folgen soll, wie Paulus sagt: “In Christo Jesu ist weder Beschneidung noch Vorhaut etwas, sondern der Glaube, welcher durch die Liebe wirkt.”

Man soll aber darum auf die Liebe nicht vertraün noch baün, als erlangten wir um der Liebe willen oder durch die Liebe Vergebung der Sünden und Versöhnung Gottes, gleichwie wir nicht Vergebung der Sünden erlangen um anderer Werke willen, die da folgen, sondern allein durch den Glauben, Denn die Verheissung Gottes kann niemand durch Werke fassen, sondern allein mit dem Glauben.

Und der Glaube eigentlich oder fides proprie dicta ist, wenn mir mein Herz und der Heilige Geist im Herzen sagt, die Verheissung Gottes ist wahr und ja;

von demselben Glauben redet die Schrift. Und weil der Glaube, ehe wir etwas tun oder wirken, nur ihm schenken und geben lässt und empfängt, so wird uns der Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet wie Abraham, ehe wir lieben, ehe wir das Gesetz tun oder einig Werk.

Obwohl es wahr ist, dass Früchte und Werke nicht aussen bleiben, und der Glaube ist nicht eine blosse, schlechte Erkenntnis der Historie,

sondern ein neu Licht im Herzen und kräftig Werk des Heiligen Geistes, dadurch wir neugeboren

werden, dadurch die erschrockenen Gewissen wieder aufgerichtet [werden] und Leben erlangen.

Und weil der Glaube allein Vergebung der Sünden erlangt und uns Gott angenehm macht, bringt er mit sich den Heiligen Geist und sollte billiger genannt werden gratia gratum faciens, das ist, die Gnade, die da angenehm macht, denn die Liebe, welche folgt.

Bisanher haben wir reichlich angezeigt aus Sprüchen der Väter und der Schrift, damit doch diese Sache gar klar würde, dass wir allein durch den Glauben Vergebung der Sünden erlangen um Christus’ willen, und dass wir allein durch den Glauben gerecht werden, das ist, aus Ungerechten fromm, heilig und neugeboren werden.

Fromme Herzen aber sehen hie und merken, wie ganz überaus hochnötig diese Lehre vom Glauben ist; denn durch sie allein lernt man Christum erkennen und seine Wohltaten, und durch die [diese] Lehre finden die Herzen und Gewissen allein rechte, gewisse Ruhe und Trost.

Denn soll eine christliche Kirche sein, soll ein Christenglaube sein, so muss je eine Predigt und Lehre darin sein, dadurch die Gewissen auf keinen Wahn noch Sandgrund gebaut werden, sondern darauf sie sich gewiss verlassen und vertraün mögen. Darum sind wahrlich die Widersacher untreü Bischöfe, untreü Prediger und Doctores, haben bisanher den Gewissen übel geraten und raten ihnen noch übel, dass sie solche Lehre führen, da sie die Leute lassen im Zweifel stecken, ungewiss schweben und hangen, ob sie Vergebung der Sünden erlangen oder nicht. Denn wie ist’s möglich, dass diejenigen in Todesnöten und letzten Zügen und Ëngsten bestehen sollten, die diese nötige Lehre von Christo nicht gehört haben oder nicht wissen, die da noch wanken und im Zweifel stehen, ob sie Vergebung der Sünden haben oder nicht?

Ferner: soll eine christliche Kirche sein, so muss je in der Kirche das Evangelium Christi bleiben, nämlich diese göttliche Verheissung, dass uns ohne Verdienst Sünden vergeben werden um Christus’ willen. Dasselbe heilige Evangelium drücken diejenigen gar unter, die von dem Glauben, davon wir reden, gar nichts lehren.

Nun lehren noch schreiben die Scholastici nicht ein Wort, nicht einen Tüttel vom Glauben, welches schrecklich ist zu hören. Denen folgen unsere Widersacher und verwerfen diese höchste Lehre vom Glauben und sind so verstockt und blind, dass sie nicht sehen, dass sie damit das ganze Evangelium, die göttliche Verheissung von der Vergebung der Sünden und den ganzen Christum unter die Füsse treten.

(Art. III.) Von der Liebe und Erfüllung des Gesetzes.

Hier werfen uns die WIdersacher diesen Spruch vor: “Willst du ewig leben, so halte die Gebote Gottes.” Item zu den Römern am 2, 13: “Nicht die das Gesetz hören, werden gerecht sein, sondern die das Gesetz tun”; und dergleichen viel vom Gesetz und von Werken. Nun, ehe wir darauf antworten, müssen wir sagen von der Liebe, und was wir von [der] Erfüllung des Gesetzes halten.

Es steht geschrieben im Propheten: “Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben.” Und Röm. 3, 31 sagt Paulus: “Wir heben das Gesetz nicht auf durch den Glauben, sondern richten das Gesetz auf.” Ferner: Christum sagt: “Willst du ewig leben, so halte die Gebote.” Ferner: zu den Korinthern sagt Paulus: “So ich nicht die Liebe habe, bin ich nichts.”

Diese und dergleichen Sprüche zeigen an, dass wir das Gesetz halten sollen, wenn wir durch den Glauben gerecht worden sind, und also je länger je mehr im Geist zunehmen. Wir reden aber hier nicht von Zeremonien Mosis, sondern von den zehn Geboten, welche von uns fordern, dass wir von Herzensgrund Gott recht fürchten und lieben sollen.

Weil nun der Glaube mit sich bringt den Heiligen Geist und ein neu Licht und Leben im Herzen wirkt, so ist es gewiss und folgt von Not, dass der Glaube das Herz verneut und ändert. Und was das für eine Neürung der Herzen sei, zeigt der Prophet an, da er sagt: “Ich will mein Gesetz in ihre Herzen geben.” Wenn wir nun durch den Glauben neugeboren sind und erkannt haben, dass uns Gott will gnädig sein, will unser Vater und Helfer sein, so heben wir an, Gott zu fürchten, zu lieben, ihm zu danken, ihn zu preisen, von ihm alle Hilfe zu bitten und [zu] gewarten, ihm auch nach seinem Willen in Trübsalen gehorsam zu sein. Wir heben alsdann auch an, den Nächsten zu lieben; da ist nun inwendig durch den Geist Christi ein neu Herz, Sinn und Mut.

Dieses alles kann nicht geschehen, ehe wir durch den Glauben gerecht werden, ehe wir neugeboren werden durch den Heiligen Geist.

Denn erstlich kann niemand das Gesetz halten ohne Christus’ Erkenntnis; so kann auch niemand das Gesetz erfüllen ohne den Heiligen Geist. Den Heiligen Geist aber können wir nicht empfangen denn durch den Glauben, wie zu den Galatern am 3, 14 Paulus sagt, dass wir “Die Verheissung des Geistes durch den Glauben empfangen”.

Ferner: es ist unmöglich, dass ein Menschenherz allein durch das Gesetz oder sein Werk Gott liebe. Denn das Gesetz zeigt allein an Gottes Zorn und Ernst; das Gesetz klagt uns an und zeigt an, wie er so schrecklich die Sünde strafen wolle beide mit zeitlichen und ewigen Strafen. Darum was die Scholastici von der Liebe Gottes reden, ist ein Traum,

und ist unmöglich, Gott zu lieben, ehe wir durch den Glauben die Barmherzigkeit erkennen und ergreifen. Denn alsdann erst wird Gott obiectum amabile, ein lieblicher seliger Anblick.

Obwohl nun ein ehrbar Leben zu führen und aüsserliche Werke des Gesetzes zu tun, die Vernunft etlichermassen ohne Christum, ohne den Heiligen Geist aus angebornem Licht vermag, so ist es doch gewiss, wie oben angezeigt, dass die höchsten Stücke des göttlichen Gesetzes, als, das ganze Herz zu Gott zu kehren, von ganzem Herzen ihn gross zu achten (welches in der ersten Tafel und im ersten, höchsten Gebot gefordert wird), niemand vermag ohne den Heiligen Geist.

Aber unsere Widersacher sind gute, rohe, faule, unerfahrene Theologen. Sie sehen allein die andere Tafel Mosis an und die Werke derselben. Aber die erste Tafel, da die höchste Theologie innen steht, da es alles an gelegen ist, achten sie gar nicht; ja dasselbe höchste, heiligste, grösste, vornehmste Gebot, welches allen menschlichen und engelischen Verstand übertrifft, welches den höchsten Gottesdienst, die Gottheit selbst und die Ehre der ewigen Majestät belangt, da Gott gebietet, dass wir herzlich ihn sollen für einen Herrn und Gott halten, fürchten und lieben, halten sie so gering, so klein, als gehörte es zu der Theologie nicht.

Christus ist uns aber dazu dargestellt, dass um seinetwillen uns Sünden vergeben und der Heilige Geist geschenkt wird, der ein neu Licht und ewiges Leben, ewige Gerechtigkeit in uns wirkt, dass er uns Christum im Herzen zeigt, wie Johannis am 16, 15 geschrieben: “Er wird’s von dem Meinen nehmen und euch verkündigen.” Ferner: er wirkt auch andere Gaben: Liebe, Danksagung, Keuschheit, Geduld usw. Darum vermag das Gesetz niemand ohne den Heiligen Geist zu erfüllen; darum sagt Paulus: “Wir richten das Gesetz auf durch den Glauben und tun’s nicht ab”; denn so können wir erst das Gesetz erfüllen und halten, wenn der Heilige Geist uns gegeben wird.

Und Paulus 2 Kor. 3, 15f. sagt, dass die Decke des Angesichts Mosis könne nicht weggetan werden denn allein durch den Glauben an den Herrn Christum, durch welchen gegeben wird der Heilige Geist. Denn also sagt er: “Bis auf diesen Tag, wenn Moses gelesen wird, ist die Decke über ihrem Herzen; wenn sie sich aber zum Herrn bekehren, wird die Decke weggetan. Denn der Herr ist ein Geist; wo aber des Herrn Geist ist, da ist Freiheit.”

Die Decke nennt Paulus den menschlichen Gedanken und Wahn von [den] zehn Geboten und Zeremonien, nämlich dass die Heuchler wähnen wollen, dass das Gesetz möge erfüllt und gehalten werden durch äusserliche Werke, und als machten die Opfer, item allerlei Gottesdienst, ex opere operato jemand gerecht vor Gott.

Dann wird aber die Decke vom Herzen genommen, das ist, der Irrtum und Wahn wird weggenommen, wenn Gott im Herzen uns zeigt unsern Jammer und lässt uns Gottes Zorn und unsere Sünde fühlen. Da merken wir erst, wie gar fern und weit wir vom Gesetz seien. Da erkennen wir erst, wie sicher und verblendet alle Menschen dahingehen, wie sie Gott nicht fürchten, in Summa, nicht glauben, dass Gott Himmel, Erde und alle Kreaturen geschaffen hat, unsern Odem und Leben und die ganze Kreatur alle Stunden erhält und wider den Satan bewahrt. Da erfahren wir erst, dass eitel Unglaube, Sicherheit, Verachtung Gottes in uns so tief verborgen steckt. Da erfahren wir erst, dass wir so schwach oder gar nichts glauben, dass Gott Sünde vergebe, dass er Gebet erhöre usw. Wenn wir nun das Wort und Evangelium hören und durch den Glauben Christum erkennen, empfangen wir den Heiligen Geist, dass wir dann recht von Gott halten, ihn fürchten, ihm glauben usw. In diesem ist nun genugsam angezeigt, dass wir Gottes Gesetz ohne den Glauben, ohne Christum, ohne den Heiligen Geist nicht halten können.

Darum sagen wir auch, dass man muss das Gesetz halten, und ein jeder Gläubiger fähet es an [fängt an, es] zu halten, und nimmt je länger, je mehr zu in Liebe und Furcht Gottes, welches ist recht Gottes Gebote erfüllt. Und wenn wir vom Gesetzhalten reden oder von guten Werken, begreifen wir beides, das gute Herz inwendig und die Werke auswendig. Darum tun uns die Widersacher unrecht, da sie uns schuld geben, wir lehrten nicht von guten Werken; so wir nicht allein sagen, man müsse gute Werke tun, sondern sagen auch eigentlich, wie das Herz müsse dabei sein, damit es nicht lose, taube, kalte Heuchlerwerke seien.

Es lehrt die Erfahrung, dass die Heuchler, obwohl sie sich unterstehen, aus ihren Kräften das Gesetz zu halten, dass sie es nicht vermögen, noch mit der Tat beweisen. Denn wie fein sind sie ohne Hass, Neid, Zank, Grimm, Zorn, ohne Geiz, Ehebruch usw.! Also, dass nirgend die Laster grösser sind denn in Klöstern und Stiften.

Es sind alle menschlichen Kräfte viel zu schwach dem Teufel, dass sie seiner List und Stärke aus eigenem Vermögen widerstehen sollten, welcher alle diejenigen gefänglich hält, die nicht durch Christum erlöst werden.

Es muss göttliche Stärke sein und Christus’ Auferstehung, die den Teufel überwinde. Und so wir wissen, dass wir Christi Stärke, seines Sieges durch den Glauben teilhaftig werden, können wir auf die Verheissung, die wir haben, Gott bitten, dass er uns durch seines Geistes Stärke beschirme und regiere, dass uns der Teufel nicht fälle oder stürze; sonst fielen wir alle Stunden in Irrtum und greuliche Laster. Darum sagt Paulus nicht von uns, sondern von Christo Eph. 4, 8: “Er hat das Gefängnis gefangen geführt.” Denn Christus hat den Teufel überwunden und durchs Evangelium verheissen den Heiligen Geist, dass wir durch Hilfe desselben auch alles Übel überwinden. Und 1 Joh. 3, 8 ist geschrieben: “Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er auflöse die Werke des Teufels.”

Darum so lehren wir nicht allein, wie man das Gesetz halte, sondern auch wie es Gott gefalle alles, was wir tun, nämlich, nicht dass wir in diesem Leben das Gesetz so vollkömmlich und rein halten können, sondern dass wir in Christo sind, wie wir hernach wollen sagen. So ist es nun gewiss, dass die unsern auch von guten Werken recht lehren.

Und wir setzen noch dazu, dass es unmöglich sei, dass rechter Glaube der das Herz tröstet und Vergebung der Sünden empfängt, ohne die Liebe Gottes sei. Denn durch Christum kommt man zum Vater, und wenn wir durch Christum Gott versöhnt sind, so glauben und schliessen wir dann erst recht gewiss im Herzen, dass ein wahrer Gott lebe und sei, dass wir einen Vater im Himmel haben, der auf uns allzeit steht, der zu fürchten sei, der um so unsägliche Wohltat zu lieben sei, dem wir sollen allezeit herzlich danken, ihm Lob und Preis sagen, welcher unser Gebet, auch unser Sehnen und Seufzen erhört, wie denn Johannes in seiner ersten Epistel sagt, 1 Joh. 4, 19: “Wir lieben ihn, denn er hat uns zuvor geliebet.” Uns nämlich; denn er hat seinen Sohn für uns gegeben und uns Sünde vergeben. Da zeigt Johannes genug an, dass der Glaube also vorgehe und die Liebe alsdann folge.

Ferner: dieser Glaube ist in denen, da rechte Busse ist, das ist, da ein erschrocken Gewissen Gottes Zorn und seine Sünde fühlt, Vergebung der Sünden und Gnade sucht. Und in solchem Schrecken, in solchen Ëngsten und Nöten beweist sich erst der Glaube und muss auch also bewährt werden und zunehmen.

Darum kann der Glaube nicht sein in fleischliche, sicheren Leuten, welche nach des Fleisches Lust und Willen dahinleben. Denn also sagt Paulus Röm. 8, 1: “So ist nun nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind, die nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist.” Ferner: V. 12.13: “So sind wir nun Schuldner, nicht dem Fleisch, dass wir nach dem Fleisch leben; denn wo ihr nach dem Fleisch lebet, so werdet ihr sterben müssen; wo ihr aber durch den Geist des Fleisches Geschäfte tötet, so werdet ihr leben.”

Derhalben kann der Glaube, welcher allein in den Herzen und Gewissen ist, denen ihre Sünde herzlich leid sind, nicht zugleich neben einer Todsünde sein, wie die Widersacher lehren. So kann er auch nicht in denjenigen sein, die nach der Welt fleischlich, nach des Satans und des Fleisches Willen leben.

Aus diesen Früchten und Werken des Glaubens klauben die Widersacher nur ein Stück, nämlich die Liebe, und lehren, dass die Liebe vor Gott gerecht mache; also sind sie nichts anderes denn Werkprediger und Gesetzlehrer. Sie lehren nicht erst, dass wir Vergebung der Sünden erlangen durch den Glauben. Sie lehren nichts von dem Mittler Christo, dass wir durch denselben einen gnädigen Gott erlangen, sondern reden von unserer Liebe und unsern Werken und sagen doch nicht, was es für eine Liebe sei, und können es auch nicht sagen.

Sie rühmen, sie könnten das Gesetz erfüllen oder halten, so doch die Ehre niemand gehört denn Christo, und halten also ihr eigen Werk gegen Gottes Urteil, sagen, sie verdienten de condigno Gnade und ewiges Leben. Das ist doch ein ganz vergeblich und gottlos Vertraün auf eigene Werke. Denn in diesem Leben können auch Christen und die Heiligen selbst Gottes Gesetz nicht vollkömmlich halten; denn es bleiben immer böse Neigungen und Lüste in uns, obwohl der Heilige Geist denselben widersteht.

Es möchte aber jemand unter ihnen fragen: So wir selbst bekennen, dass die Liebe eine Frucht des Geistes sei, und so die Liebe dennoch ein heilig Werk und Erfüllung des Gesetzes genannt wird, warum wir denn auch nicht lehren, dass sie vor Gott gerecht mache? Antwort: Erstlich ist das gewiss, dass wir Vergebung der Sünden nicht empfangen weder durch die Liebe noch um der Leibe willen, sondern allein durch den Glauben um Christus’ willen.

Denn allein der Glaube im Herzen steht auf Gottes Verheissung; und allein der Glaube ist die Gewissheit, da das Herz Gewiss drauf steht, dass Gott gnädig ist, dass Christus nicht umsonst gestorben sei usw. Und derselbe Glaube überwindet allein das Schrecken des Todes und der Sünde.

Denn wer noch wankt oder zweifelt, ob ihm die Sünden vergeben seien, der vertraut Gott nicht und verzagt an Christo; denn er hält seine Sünde für grösser und stärker denn den Tod und Blut Christi, so doch Paulus sagt zu den Römern am 5, 20, “die Gnade sei mächtiger denn die Sünde”, das ist, kräftiger, reicher und stärker.

So nun jemand meint, dass er darum Vergebung der Sünden will erlangen, dass er die Liebe hat, der schmäht und schändet Christum und wird am letzten Ende, wenn er vor Gottes Gericht stehen soll, finden, dass solch Vertraün vergeblich ist. Darum ist es gewiss, dass allein der Glaube gerecht macht.

Und gleichwie wir nicht erlangen Vergebung der Sünden durch andere gute Werke und Tugenden, als, um Geduld willen, um Keuschheit, um Gehorsams willen gegen die Obrigkeit, und folgen doch die Tugenden, wo Glaube ist:

also empfangen wir auch nicht um der Leibe Gottes willen Vergebung der Sünden, obwohl sie nicht aussenbleibt, wo dieser Glaube ist. Das aber Christus Lucä am 7, 47 spricht: “Ihr werden viel Sünden vergeben werden, denn sie hat viel geliebet”, da legt Christus sein Wort selbst aus, da er sagt V. 50: “Dein Glaube hat dir geholfen.” Und Christus will nicht, dass die Frau durch das Werk der Liebe verdient habe Vergebung der Sünden; darum sagt er klar: “Dein Glaube hat dir geholfen.”

Nun ist das der Glaube, welcher sich verlässt auf Gottes Barmherzigkeit und Wort, nicht auf eigene Werke. Und meint jemand, dass der Glaube sich zugleich auf Gott und eigene Werke verlassen könne, der versteht gewisslich nicht, was Glaube sei. Denn das erschrockene Gewissen wird nicht zufrieden durch eigene Werke, sondern muss nach Barmherzigkeit schreien und lässt sich allein durch Gottes Wort trösten und aufrichten.

Und die Historie selbst zeigt an dem Ort wohl an, was Christus Liebe nennt. Die Frau kommt in der Zuversicht zu Christo, dass sie wolle Vergebung der Sünden bei ihm erlangen; das heisst recht Christum erkennen und ehren; denn grössere Ehre kann man Christo nicht tun. Denn das heisst Messiam oder Christum wahrlich erkennen, bei ihm suchen Vergebung der Sünden. Dasselbe von Christo halten, also Christum erkennen und annehmen, das heisst recht an Christum glauben. Christus aber hat dieses Wort, da er sagt: “Sie hat viel geliebet”, nicht gebraucht, als er mit der Frau redete, sondern als er mit dem Pharisäer redete. Denn der Herr Christus hält gegeneinander die ganze Ehre, die ihm der Pharisäer getan hat, mit dem Erbieten und Werken, so die Frau ihm erzeigt hat. Er straft den Pharisäer, dass er ihn nicht hat erkannt für Christum, obwohl er ihn äusserlich geehrt als einen Gast und frommen, heiligen Mann. Aber den Gottesdienst der Frau, dass sie ihre Sünde erkennt und bei Christo Vergebung der Sünden sucht, diesen Dienst lobt Christus. Und es ist ein grosses Exempel, welches Christum billig bewogen hat, dass er den Phariäer als einen weisen, ehrlichen Mann, der doch nicht an ihn glaubt, straft. Den Unglauben wirft er ihm vor und vermahnt ihn durch das Exempel, als sollte er sagen: Billig solltest du dich schämen, du Pharisäer, dass du so blind bist, mich für Christum und Messiam nicht erkennt’s, so du ein Lehrer des Gesetzes bist, und das Weib, das ein ungelehrt, arm Weib ist, mich erkennt.

Darum lobt er da nicht allein die Liebe, sondern den ganzen cultum oder Gottesdienst, den Glauben mit den Früchten, und nennt doch vor dem Pharisäer die Frucht. Denn man kann den Glauben in Herzen andern nicht weisen und anzeigen denn durch die Früchte, die beweisen vor den Menschen den Glauben im Herzen. Darum will Christus nicht, dass die Liebe und die Werke sollen der Schatz sein, dadurch die Sünden bezahlt werden, welches Christus’ Blut ist.

Derhalben ist dieser Streit über einer hohen, wichtigen Sache, da den frommen Herzen und Gewissen ihr höchster, gewißester, ewiger Trost an gelegen ist, nämlich von Christo, ob wir sollen vertraün auf des Verdienst Christi oder auf unsere Werke.

Denn so wir auf unsere Werke vertraün, so wird Christo seine Ehre genommen, so ist Christus nicht der Versöhner noch Mittler, und werden doch endlich erfahren, dass solch Vertraün vergeblich sei, und dass die Gewißen dadurch nur in Verzweiflung fallen.

Denn das Gesetz macht niemand gerecht vor Gott, solange es uns anklagt. Nun kann sich ja niemand rühmen, dass er dem Gesetz genuggetan habe. Darum müssen wir sonst Trost suchen, nämlich ab Christo.

Nun wollen wir antworten auf die Fragen, welche wir oben angezeigt: warum die Liebe oder dilectio niemand vor Gott gerecht mache. Die Widersacher denken also, die Liebe sei die Erfüllung des Gesetzes, darum wäre es wohl wahr, dass die Liebe uns gerecht macht, wenn wir das Gesetz hielten. Wer darf aber mit Wahrheit sagen oder rühmen, dass er das Gesetz halte und Gott liebe, wie des Gesetz gebietet? Wir haben oben angezeigt, dass darum Gott die Verheißung der Gnade getan hat, dass wir das Gesetz nicht halten können. Darum sagt auch allenthalben Paulus, dass wir durch das Gesetz nicht können vor Gott gerecht werden. Die Widersacher müssen die wohl weit fehlen und der Hauptfrage irregehen, denn sie sehen die in diesem Handel allein das Gesetz an. Denn alle menschliche Vernunft und Weisheit kann nicht anders urteilen, denn dass man durch Gesetze müsse fromm werden, und wer äußerlich das Gesetz halte, der sei heilig und fromm. Aber das Evangelium rückt uns herum and weist uns von dem Gesetz zu den göttlichen Verheißungen und lehrt, dass wir nicht gerecht werden durchs Gesetz (denn niemand kann es halten), sondern dadurch, dass uns um Christus’ willen Versöhnung geschenkt ist, und die empfangen wir allein durch den Glauben. Denn ehe wir einen Tüttel am Gesetz erfüllen, muss erst da sein der Glaube an Christum, durch welchen wir Gott versöhnt werden und erst Vergebung der Sünden erlangen. Lieber Herrgott, wie dürfen doch die Leute sich Christen nennen oder sagen, dass sie auch die Bücher des Evangelii einmal je angesehen oder gelesen haben, die noch dieses anfechten, dass wir Vergebung der Sünden durch den Glauben an Christum erlangen? Ist es doch einem Christenmenschen schrecklich allein zu hören.

Zum andern ist’s gewiß, dass auch diejenigen, so durch den Glauben und Heiligen Geist neugeboren sind, doch gleichwohl noch, solange dies Leben währt, nicht gar rein sind, auch das Gesetz nicht vollkömmlich halten. Denn obwohl sie die Erstlinge des Geistes empfangen, und obwohl sich in ihnen das neü, ja das ewige Leben angefangen, so bleibt doch noch etwas da von der Sünde und böser Lust und findet das Gesetz noch viel, das es uns anzuklagen hat. Darum, obschon Liebe Gottes und gute Werke in Christen sollen und müssen sein, sind sie dennoch vor Gott nicht gerecht um solcher ihrer Werke willen, sondern um Christus’ willen durch den Glauben.

Und Vertraün auf eigene Erfüllung des Gesetzes ist eitel Abgötterei und Lästerung Christi und fällt doch zuletzt weg und macht, dass die Gewissen verzweifeln. Derhalben soll dieser Grund feststehen bleiben, dass wir um Christus’ willen Gott angenehm und gerecht sind durch Glauben, nicht von wegen unserer Liebe und Werke. Dass wollen wir also klar und gewiß machen, dass man’s greifen möge. Solange das Herz nicht Frieden vor Gott hat, kann es nicht gerecht sein; denn es flieht vor Gottes Zorn und verzweifelt und wollte, dass Gott nicht richtete. Darum kann das Herz nicht gerecht und Gott angenehm sein, weil es nicht Frieden mit Gott hat. Nun macht der Glaube allein, dass das Herz zufrieden wird, und erlangt Ruhe und Leben, Röm. 5, 1, so es sich getrost und frei verläßt auf Gottes Zusage um Christus’ willen. Aber unsere Werke bringen das Herz nicht zufrieden, denn wir finden allezeit, dass sie nicht rein sind. Darum muss folgen, dass wir allein durch Glauben Gott angenehm und gerecht sind, so wir im Herzen schließen, Gott wolle uns gnädig sein, nicht von wegen unserer Werke und Erfüllung des Gesetzes, sondern aus lauter Gnade um Christus’ willen. Was können die Widersacher wider diesen Grund aufbringen? Was können sie wider die öffentliche Wahrheit erdichten oder erdenken? Denn dies ist je gewiß, und die Erfahrung lehrt stark genug, dass, wenn wir Gottes Urteil und Zorn recht fühlen oder in Anfechtung kommen, unsere Werke oder Gottesdienste das Gewissen nicht können zur Ruhe bringen. Und das zeigt die Schrift oft genug an, als im Psalm, 143, 2: “Du wollest mit deinem Knechte nicht in das Gericht gehen; denn vor dir wird keiner, der da lebt, gerecht sein.” Da zeigt er klar an, dass alle Heiligen, alle frommen Kinder Gottes, welche den Heiligen Geist haben, wenn Gott nicht aus Gnaden ihnen will ihre Sünden vergeben, noch übrige Sünde im Fleisch an sich haben. Denn dass David an einem andern Ort, Ps. 7, 9, sagt: “Herr, richte mich nach meiner Gerechtigkeit!” da redet er von seiner Sache und nicht von eigener Gerechtigkeit, sondern bittet, dass Gott seine Sache und Wort schützen wolle; wie er denn sagt: “Richte meine Sache!” Wiederum Ps. 130, 3 sagt er klar, dass keiner, auch nicht die höchsten Heiligen, können Gottes Urteil ertragen, wenn er will auf Missetat achtgeben, wie er sagt: “So du willst achthaben auf Missetat, Herr, wer wird bestehen?” und also sagt Hiob an 9, [28.30.

: “Ich entstehe mich vor allen meinen Werken”: item: “Wenn ich gleich scheeweiß gewaschen wäre, und meine Hände gleich glänzeten vor Reinigkeit, noch würdest du Unreines an mir finden.” Und in [den] Sprüchen Salomonis, 20, 9: “Wer kann sagen: Mein Herz ist rein?” Und 1 Joh. 1, 8: “So wir werden sagen, dass wir keine Sünde haben, verführen wir uns selbst und ist die Wahrheit nicht in uns.” Ferner: im Vaterunser bitten auch die Heiligen: “Vergib uns unsere Schuld!” Darum haben auch die Heiligen Schuld und Sünde. Ferner: im 4. Buch Mosis, 14, 18: “Auch der unschuldige wird nicht unschuldig sein.” Und Zacharias der Prophet sagt im 2. Kap., v 13: “Alles Fleisch sei stille vor dem Herrn!” Und Jesaias sagt 40, 6: “Alles Fleisch ist Gras”, das ist, das Fleisch und alle Gerechtigkeit, so wir vermögen, die können Gottes Urteil nicht ertragen. Und Jonas sagt am 2. Kap., v. 9: “Welche sich verlassen auf Eitelkeit vergeblich, die lassen Barmherzigkeit fahren.” Derhalben erhält uns eitel Barmherzigkeit; unsere eigenen Werke, Verdienst und Vermögen können uns nicht helfen. Diese Sprüche und dergleichen in der Schrift zeigen an, dass unsere Werke unrein sind, und dass wir Gnade und Barmherzigkeit bedürfen. Darum stellen die Werke die Gewissen nicht zufrieden, sondern allein die Barmherzigkeit, welche wir durch den Glauben ergreifen.

Zum dritten, Christus bleibt nichts destoweniger vor als nach der einige Mittler und Versöhner, wenn wir in ihm also neugeboren sind. Darum irren diejenigen, die da erdichten, dass Christus uns allein primam gratiam oder die erste Gnade verdiene, und dass wir hernach durch unsere eigenen Werke und Verdienst müssen das ewige Leben verdienen.

Denn er bleibt der einige Mittler, and wir sollen des gewiß sein, dass wir um seinetwillen allein einen gnädigen Gott haben; ob wir es auch gleich unwürdig sind, wie Paulus sagt Röm. 5, 2: “Durch ihn haben wir einen Zugang zu Gott.” Denn unsere besten Werke, auch nach empfangener Gnade des Evangelii (wie ich gesagt), sind noch schwach und nicht gar rein; denn es ist je nicht so ein schlecht Ding um die Sünde und Adams Fall, wie die Vernunft meint oder gedenkt, und ist über allen menschlichen Verstand und Gedanken, was durch den Ungehorsam für ein schrecklicher Gotteßorn auf uns geerbt ist. Und ist gar eine greulich Verderbung an der ganzen menschlichen Natur geschehen, welche kein Menschenwerk, sondern allein Gott selbst kann herwiederbringen. Darum sagt der Psalm: “Wohl denen, welchen ihre Sünden vergeben sind.” Darum dürfen [bedürfen] wir Gnade und Gottes gnädiger Güte und Vergebung der Sünden, wenn wir gleich viele gute Werke getan haben. Dieselbe Gnade aber läßt sich allein durch den Glauben fassen.

Also bleibt Christus allein der Hohepriester und Mittler, und was wir nun Gutes tun, oder was wir des Gesetzes halten, gefällt Gott nicht für sich selbst, sondern dass wir uns an Christum halten und wissen, dass wir einen gnädigen Gott haben nicht um des Gesetzes willen, sondern um Christus’ willen.

Zum vierten, so wir hielten, dass [wir], wenn wir nun zu dem Evangelium kommen and neugeboren sind, hernach durch unsere Werke verdienen sollen, dass uns Gott gnädig forthin wäre, nicht durch Glauben, so käme das Gewissen nimmer zur Ruhe, sondern müsste verzweifeln;

denn das Gesetz klagt uns ohne Unterlaß an, weil wir es nicht vollkömmlich halten können usw. Wie denn die ganze heilige christliche Kirche, alle Heiligen allzeit bekannt haben und noch bekennen.

Denn also sagt Paulus zu den Römern am 7, 19: “Das Gute, das ich will, das tü ich nicht, sondern das Böse, das ich nicht will, das tü ich” usw. Item: “Mit dem Fleische diene ich dem Gesetz der Sünde” usw. Denn es ist keiner, der Gott den Herrn so von ganzem Herzen fürchtet und liebt, als er schuldig ist; keiner, der Kreuz und Trübsal in ganzem Gehorsam gegen Gott trägt; keiner, der nicht durch Schwachheit oft zweifelt, ob auch Gott sich unser annehme, ob er uns achte, ob er unser Gebet erhöre. Darüber murren wir oft aus Ungeduld wider Gott, dass es den Gottlosen wohl geht, den Frommen übel. Ferner: wer ist, der seinem Beruf recht genug tut, der nicht wider Gott zürnt in Anfechtungen, wenn Gott sich verbirgt? Wer liebt seinen Nächsten als sich selbst? Wer ist ohne allerlei böse Lüste? von den Sünder allen sagt der Psalm: “Dafür werden bitten alle Heiligen zu rechter Zeit.”

Da sagt er, dass alle Heiligen müssen um Vergebung der Sünden bitten. Derhalben sind diejenigen gar stockblind, welche die bösen Lüste im Fleisch nicht für Sünde halten, von welchen Paulus sagt: “Das Fleisch strebet wider den Geist, und der Geist strebet wider das Fleisch.”

Denn das Fleisch vertraut Gott nicht, verläßt sich auf diese Welt und zeitliche Güter, sucht in Trübsalen menschlichen Trost und Hilfe, auch wider Gottes Willen, zweifelt an Gottes Gnade und Hilfe murrt wider Gott in Kreuz und Anfechtungen, welches alles wider Gottes Gebot ist. Wider die Adamssünde streitet und strebt der Heilige Geist in den Herzen der Heiligen, dass er dasselbe Gift des alten Adams, die böse verzweifelte Art, ausfege und töte und in das Herz einen andern Sinn und Mut bringe.

Und Augustinus sagt auch: “Alle Gebote Gottes halten wir dann, wenn uns alles, was wir nicht halten, vergeben wird.” Darum will Augustinus, dass auch die guten Werke, welche der Heilige Geist wirkt in uns, Gott nicht anders gefallen denn also, dass wir glauben, dass wir Gott angenehm seien um Christus’ willen, nicht dass sie an ihnen selbst Gott sollten gefallen.

Und Hieronymus sagt wider Pelagius: “Dann sind wir gerecht, wenn wir uns für Sünder erkennen; Und unsere Gerechtigkeit steht nicht in unserm Verdienst, sondern in Gottes Barmherzigkeit.” Darum, wenn wir gleich ganz reich von [an] rechten guten Werken sind und also angefangen haben, Gottes Gesetz zu halten, wie Paulus, da er treulich gepredigt hat usw., so muss dennoch der Glaube da sein, dadurch wir vertraün, dass Gott uns gnädig und versöhnt sei um Christus’ willen und nicht um unserer Werke willen. Denn die Barmherzigkeit läßt sich nicht fassen denn allein durch den Glauben. Darum diejenigen, so lehren, dass wir um Werke willen, nicht um Christus’ willen Gott angenehm werden, die führen die Gewissen in Verzweiflung.

Aus dem allem ist’s klar genug, dass allein der Glaube uns vor Gott gerecht macht, das ist, er erlangt Vergebung der Sünden und Gnade um Christus’ willen und bringt uns zu einer neün Geburt. Item so ist’s klar genug, dass wir allein durch den Glauben den Heiligen Geist empfangen; item, dass unsere Werke, und da wir anfangen, das Gesetz zu halten, an ihm selbst Gott nicht gefallen. So ich nun, wenn ich gleich voll guter Werke bin, wie Paulus war und Petrus, dennoch anderswo muss meine Gerechtigkeit suchen, nämlich in der Verheißung der Gnade Christi, item, so allein der Glaube das Gewissen stillt, so muss je das gewiß sein, dass allein der Glaube vor Gott gerecht macht. Denn wir müssen allezeit dabei bleiben, wollen wir recht lehren, dass wir nicht um des Gesetzes willen, nicht um Werke willen, sondern um Christus’ willen Gott angenehm sind. Denn die Ehre, so Christo gebührt, soll man nicht dem Gesetze oder unsern elenden Werken geben.

Antwort auf die Argumente der Widersacher.

So wir nun die rechten Gründe dieser Sache haben angezeigt, nämlich den Unterschied unter göttlicher Verheißung und des Gesetzes, so kann man leichtlich verlegen [widerlegen] dasjenige, so die Widersacher dagegen vorbringen. Denn sie führen Sprüche ein vom Gesetz und guten Werken. Die Sprüche aber, so von göttlicher Verheißung reden, lassen sie außen.

Man kann aber kurz antworten auf alle Sprüche, so sie einführen von dem Gesetze, nämlich, dass das Gesetz ohne Christum niemand halten kann, und wenngleich äußerlich gute Werke geschehen ohne Christum, so hat doch Gott darum an der Person nicht Gefallen. Darum wenn man will von guten Werken lehren oder predigen, soll man allezeit dazusetzen, dass zuvörderst Glaube da sein müsse, und dass sie allein um des Glaubens willen an Christum Gott angenehm seien, und dass sie Früchte und Zeugnisse des Glaubens sind. Diese unsere Lehre ist je klar, sie läßt sich auch wohl am Licht sehen und gegen die Heilige Schrift halten, und ist auch hie klar und richtig vorgetragen, wer ihm will sagen lassen und die Wahrheit nicht wissentlich verleugnen. Denn Christi Wohltat und den großen Schatz des Evangelii (welchen Paulus so hoch hebt) recht zu erkennen, müssen wir je auf einem Teil Gottes Verheißung und angebotene Gnade, auf dem andern Teil das Gesetz so weit voneinander scheiden als Himmel und Erde. In baufälligen Sachen bedarf man viele Glossen; aber in guten Sachen ist allezeit eine solutio oder zwei, die durchaus gehen und lösen alles auf, so man dagegen vermeint aufzubringen.

Also hier in dieser Sache: diese einige solutio löst alle Sprüche auf, die wider uns angezogen werden, nämlich dass man das Gesetz ohne Christum nicht recht tun kann, und obschon äußerliche Werke geschehen, dass doch Gott die Person nicht gefällt außer Christo.

Denn wir bekennen, dass die Schrift diese zwei Lehren führt: Gesetz und Verheißung der Gnade. Die Widersacher aber, die treten schlechts das ganze Evangelium mit Füßen und alle Verheißungen der Gnade in Christo; so lehren sie, dass wir um unserer Liebe und Werke willen Vergebung der Sünden erlangen und nicht durch den Glauben.

Denn so Gottes Gnade and Hilfe gegen uns gebaut ist auf unsere Werke, so ist sie gar ungewiß. Denn wir können nimmermehr gewiß sein, wann wir Werke genug tun, oder ob die Werke heilig oder rein genug seien. So wird auch also die Vergebung der Sünden ungewiß, und geht Gottes Zusage unter, wie Paulus sagt Röm. 4, 14: “Die göttliche Zusage ist dann umgestoßen, und ist alles ungewiß.”

Darum lehren wir die Herzen und Gewissen, dass sie sich trösten durch dieselbe Verheißung Gottes, welche fest steht und bietet Gnade an und Vergebung der Sünden um Christus’ willen, nicht um unserer Werke willen. Danach lehren wir auch von guten Werken und von dem Gesetz, nicht dass wir durch des Gesetz verdienen Vergebung der Sünden, oder dass wir um des Gesetzes willen Gott angenehm seien, sondern dass Gott gute Werke haben will. Denn man muss, wie Paulus sagt, recht schneiden und teilen Gottes Wort, das Gesetz auf einen Ort, die Zusage Gottes auf den andern. Man muss sehen, wie die Schrift von der Verheißung, wie sie von dem Gesetz redet. Denn die Schrift gebietet und lobt also gute Werke, dass sie doch gleichwohl Gottes Verheißung und den rechten Schatz, Christum, noch viel tausendmal höher setzt.

Denn gute Werke soll und muss man tun, denn Gott will sie haben; so sind es Früchte des Glaubens, wie Paulus zu den Ephesern am 2, 10 sagt: “Denn wir sind geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken.” Darum sollen gute Werke dem Glauben folgen als Danksagungen gegen Gott, item, dass der Glaube dadurch geübt werde, wachse und zunehme, und dass durch unser Bekenntnis und guten Wandel andere auch erinnert werden.

Also sagt Paulus, dass Abraham habe die Beschneidung empfangen, nicht dass er um des Werkes willen wäre gerecht geworden, sondern dass er an seinem Leibe ein Zeichen hätte, dadurch er erinnert würde und immer im Glauben zunähme; item, dass er seinen Glauben bekennete vor andern und durch sein Zeugnis die andern auch zu glauben reizte.

Also hat Abel durch den Glauben Gott ein angenehm Opfer getan. Denn das Opfer hat Gott nicht gefallen ex opere operato sondern Abel hielt’s gewiß dafür, dass er einen gnädigen Gott hätte; das Werk aber tat er, dass er seinen Glauben übte und die andern durch sein Exempel und Bekenntnis zu glauben reizte.

So nun also und nicht anders die guten Werke sollten dem Glauben folgen, so tun die viel anderer Meinung ihre Werke, die nicht glauben, dass ihnen ohne Verdienst [die] Sünden vergeben werden um Christus’ willen, Denn wenn dieselben sehen gute Werke an den Heiligen, richten sie menschlicherweise von den Heiligen, wollen wähnen, die Heiligen haben mit ihren Werken Vergebung der Sünden erlangt oder seien durch Werke vor Gott gerecht geworden. Darum tun sie dergleichen ihnen nach und meinen, sie wollen auch also Vergebung der Sünden erlangen und Gottes Zorn vorsöhnen. Solchen öffentlichen Irrtum und falsche Lehre von den Werken verdammen wir. Erstlich, dass dadurch Christo, dem rechten Mittler, die Ehre genommen wird und wird den elenden Werken gegeben, wenn wir an Christus’ Statt unsere Werke wollen darstellen für einen Schatz und Versöhnung des göttlichen Zorns und der Sünde. Denn die Ehre gehört allein Christo, nicht unsern elenden Werken. Zum andern, so finden doch die Gewissen auch nicht Frieden in solchen Werken. Denn wenn sie schon der Werke viel tun and zu tun sich befleißigen, so findet sich doch kein Werk, das rein genug sei, das wichtig, köstlich genug sei, einen gnädigen Gott zu machen, das ewige Leben gewiß zu erlangen, in Summa, das Gewissen ruhig und friedlich zu machen. Für das dritte, die auf Werke baün, die lernen nimmermehr Gott recht kennen noch seinen Willen. Denn ein Gewissen, das an Gottes Gnade zweifelt, das kann nicht glauben, dass es erhört werde. Und weil es Gott nicht anrufen kann, wird es auch göttlicher Hilfe nicht inne, kann also Gott nicht kennen lernen. Wenn aber der Glaube da ist, nämlich dass wir durch Christum einen gnädigen Gott haben, der darf fröhlich Gott anrufen, lernt Gott and seinen Willen kennen

Aber der Irrtum von den Werken klebt der Welt gar hart an. Die Heiden haben auch Opfer, welche von [den] Patriarchen erstlich herkommen; dieselbe Opfer und Werke der Väter haben sie nachgetan. Vom Glauben wußten sie nicht, hielten dafür, dass dieselben Werke ihnen einen gnädigen Gott machten.

Die Isräliten erdichteten ihnen auch Werke und Opfer der Meinung, dass sie dadurch wollten einen gnädigen Gott machen durch ihr opus operatum, dass ist, durch das bloße Werk, welches ohne Glauben geschah. Da sehen wir, wie heftig die Propheten dawider schreien und rufen, als im 50. Psalm: “Deines Opfers halben strafe ich dich nicht” usw. Ferner: Jeremias sagt: “Ich habe nicht mit euren Vätern von Brandopfern geredet.” Da verdammen die Propheten nicht die Opfer an ihnen selbst, denn die hat Gott geboten als äußerliche Übungen in demselben seinem Volk, sondern sie treffen vornehmlich ihr gottlos Herz, da sie die Opfer der Meinung taten, dass sie meinten, dadurch würde God ex opere operato versöhnt; dadurch ward der Glaube unterdrückt.

Und so nun kein Werk das Gewissen recht zufriedenstellt, so pflegen die Heuchler auf ein blindes Geratewohl und Wagendahin gleichwohl ein Werk über das andere, ein Opfer über das andere zu erfinden, und alles ohne Gottes Wort und Befehl mit bösem Gewissen, wie wir im Papsttum gesehen. Und vornehmlich lassen sie sich bewegen durch die Exempel der Heiligen. Denn wenn sie denen also nachfolgen, meinen [sie], sie wollen Vergebung der Sünden erlangen, wie die Heiligen erlangt haben usw. Aber die Heiligen glaubten. Das Volk Isräl hatte gesehen, dass die Propheten opferten auf den Höhen und Hainen; das Werk taten sie nach, dass sie durch das Werk Gottes Zorn versöhnten. Die Propheten aber hatten da Opfer getan, nicht dass sie durch die Werke Vergebung der Sünden verdienen wollten, sondern dass sie an den Orten predigten und lehrten. Darum taten sie die Opfer zu einem Zeugnis ihres Glaubens.

Ferner: dass Volk hatte nun gehört, dass Abraham seinen Sohn geopfert hatte; dass sie nun auch Werke täten, die sie schwer und saür ankämen, so opferten sie ihre Söhne auch. Abraham aber was nicht der Meinung, seinen Sohn zu opfern, dass solches sollte eine Versöhnung sein, dadurch er vor Gott gerecht würde usw.

Also in der Kirche hat Christus Zusage Vergebung der Sünden wird angeboten, dass wir erinnert werden, dass durch das äußerliche Zeichen unser Glaube gestärkt werde, dass wir dadurch auch vor den Leuten unsern Glauben bekennen und die Wohltat Christi preisen und predigen, wie Paulus sagt: “Sooft ihr das tut, sollte ihr den Tod des Herrn verkündigen” usw. Die Widersacher aber geben vor, die Messe sei ein solch Werk, das ex opere operato vor Gott uns gerecht mache und erlöse diejenigen von Pein und Schuld, für welche es geschieht.

St. Antonius, Bernhardus, Dominikus und andere Heilige haben durch ein eigen Leben von Leuten sich getan, damit sie desto leichter die Heilige Schrift könnten lesen, oder um anderer Übung willen. Nichtsdestoweniger haben sie bei sich gehalten, dass sie durch den Glauben an Christum vor Gott gerecht wären, dass sie allein durch Christum einen gnädigen Gott erlangten. Aber der große Haufe ist hernach zugefahren, haben den Glauben an Christum fahren lassen, haben allein gesehen auf die Exempel ohne Glauben und sich unterstanden, durch dieselben Klosterwerke Vergebung der Sünden zu erlangen. Also setzt allezeit die Vernunft die guten Werke zu hoch und an einen unrechten Ort. Den Irrtum ficht nun an das Evangelium und lehrt, dass wir vor Gott gerecht werden nicht um des Gesetzes oder unserer Werke willen, sondern allein um Christus’ willen. Christum aber kann man nicht fassen denn allein durch den Glauben. Darum so werden wir auch allein durch den Glauben vor Gott gerecht.

Dagegen ziehen die Widersacher an den Spruch Pauli zu den Korinthern am 13: “Wenn ich hätte allen Glauben usw. Und hätte aber die Liebe nicht, so wäre ich nichts.” Da rufen die Widersacher mit einem großen Triumph und rühmen, sie seien durch diesen Spruch gewiß, dass nicht allein der Glaube vor Gott und gerecht mache, sondern auch die Liebe.

Es ist aber ganz leicht zu antworten, nachdem wir oben haben angezeigt, was wir von der Liebe und Werken halten. Paulus will in dem Spruche, dass in den Christen solle Liebe sein gegen den Nächsten; das sagen wir auch. Denn wir haben je hier oben gesagt: Wenn wir neugeboren sind, so, fangen wir an, das Gesetz zu halten und Gottes Gesetz gehorsam zu sein. Darum wenn jemand die christliche Liebe nachläßt, so ist er, wenn er gleich großen, starken Glauben gehabt, kalt geworden und ist nun wieder fleischlich, ohne Geist und Glauben.

Denn da ist nicht der Heilige Geist, wo nicht christliche Leibe ist und andere gute Früchte. Es folgt aber daraus nicht, dass uns die Liebe vor Gott gerecht macht, das ist, dass wir darum durch die Liebe Vergebung der Sünden erlangen, dass die Liebe die Schrecken der Sünde und des Todes überwinde, dass die Liebe an Christus’ Statt gegen Gottes Zorn und Gericht solle gehalten werden, dass die Liebe das Gesetz erfülle, dass wir durch die Liebe Gott versöhnt und angenehm werden und nicht um Christus’ willen. Von dem allem sagt Paulus nichts, und die Widersacher erdichten es doch auch ihrem Hirn. Denn so wir durch unsere Liebe Gottes Zorn überwinden, so wir durch unser Gesetzerfüllen Gott angenehm sind, mögen die Widersacher auch sagen, dass die göttliche Verheißung, das ganze Evangelium nichts sei. Denn dasselbe lehrt, dass wir einen Zugang haben zu Gott allein durch Christum, dass wir nicht durch unser Gesetzwerk, sondern um Christus’ willen Gott angenehm sind, als durch den einigen Mittler und Versöhner. Die Widersacher deuten viele Sprüche auf ihre Meinung, die doch nicht also lauten; aber sie machen Zusatz daran, wie hier. Denn dieser Spruch ist klar genug, wenn allein die Widersacher ihre eigenen Träume außerhalb der Schrift nicht daran flickten; so sie doch nicht verstehen, was Glaube sei, was Christus ist, oder wie es zugeht, wenn ein Mensch vor Gott gerecht wird. Die Korinther und etliche auch ihnen hatten das Evangelium gehört und viele treffliche Gaben empfangen, und wie es denn in solchen Sachen zugeht, im Anfang waren sie hitzig und wacker zu allen Sachen, danach erwuchsen Rotten und Sekten unter ihnen, wie Paulus anzeigt, hoben an, die rechten Apostle zu verachten. Darum straft sie Paulus, vermahnt sie wieder zur Einigkeit und zu christlicher Liebe. Und Paulus redet an dem Ort nicht von Vergebung der Sünden, oder wie man vor Gott fromm und gerecht wird, oder wie es zugeht, wenn ein Sünder zu Christo bekehrt wird, sondern redet von den Früchten des Glaubens, redet auch nicht von der Liebe gegen Gott, sondern von der Liebe gegen den Nächsten. Nun ist es fast närrisch, dass die Liebe gegen den Nächsten, dadurch wir hier auf Erden mit den Leuten handeln, uns vor Gott soll gerecht machen, so doch zu der Gerechtigkeit, welche vor Gott gilt, dieses gehört, dass wir etwas erlange, dadurch Gotten Zorn gestillt und das Gewissen gegen Gott im Himmel zum Frieden komme. Der keines geschieht durch die Liebe, sondern allein durch den Glauben, durch welchen man faßt Christum und Gottes Zusage. Das ist aber wahr: wer die Liebe verliert, der verliert auch Geist und Glauben. Und also sagt Paulus: “Wenn ich die Liebe nicht habe, so bin ich nichts.” Er setzt aber nicht die ‘affirmativam’ dazu, dass die Liebe vor Gott gerecht mache.

Aber hier sagen sie auch, die Liebe werde dem Glauben und der Hoffnung vorgezogen. Denn Paulus sagt 1 Kor. 13, 13: “Die Liebe ist die größte unter den dreien.” Nun sei es zu achten, dass die Tugend, so Paulus die größte nennt, vor Gott uns gerecht und heilig mache.

Obwohl nun Paulus da eigentlich redet von der Liebe gegen den Nächsten, und so er spricht: “Die Liebe ist die größte”, sagt er darum denn die Liebe geht weit und trägt viel früchte auf Erden. Denn Glaube und Hoffnung handeln allein mit Gott. Aber die Liebe geht auf Erden unter den Leuten um und tut viel Gutes mit Trösten, Lehren, Unterrichten, Helfen, Raten, heimlich und öffentlich. Doch lassen wir zu, dass Gott und den Nächsten lieben die höchste Tugend sei. Denn dies ist das höchste Gebot: “Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen.” Daraus folgt nun nicht, dass die Liebe uns gerecht macht.

Ja, sprechen sie, die höchste Tugend soll billig gerecht machen. Antwort: Es wäre wahr, wenn wir um unserer Tugend willen einen gnädigen Gott hätten. Nun ist droben bewiesen, dass wir um Christus’ willen, nicht um unserer Tugend willen angenehm und gerecht sind; denn unsere Tugenden sind unrein. Ja, wie dieses Gesetz das höchste ist: “Du sollst Gott lieben”, also kann diese Tugend, Gott lieben, am allerwenigsten gerecht machen. Denn so das Gesetz und Tugend höher ist, so wir es weniger tun können, darum sind wir nicht um der Liebe willen gerecht. Der Glaube aber macht gerecht, nicht um unsers Tuns willen, sondern allein derhalben, dass er Barmherzigkeit sucht und empfängt und will sich auf kein eigen Tun verlassen, das ist, dass wir lehren, Gesetz macht nicht gerecht, sondern das Evangelium, das glauben heißt, dass wir um Christus’ willen, nicht um unsers Tuns willen einen gnädigen Gott haben.

Die Widersacher lehren aber darum also von der Liebe, dass sie uns Gott versöhne; denn sie wissen nichts vom Evangelio, sondern sehen allein das Gesetz an, wollen damit um eigener Heiligkeit willen einen gnädigen Gott haben, nicht aus Barmherzigkeit um Christus’ willen. Also sind sie allein Gesetzlehrer und nicht Lehrer des Evangelii.

Auch ziehen die Widersacher wider uns an den Spruch zu den Kolossern: “Die Liebe ist ein Band der Vollkommenheit.” Daher schließen sie, dass die Liebe vor Gott gerecht mache, denn sie macht uns vollkommen. Obwohl wir hier allerlei antworten könnten von der Vollkommenheit, doch wollen wir hier den Spruch Pauli einfältig handeln. Es ist gewiß, dass Paulus von der Liebe des Nächsten redet; so darf man auch nicht gedenken, dass Paulus’ Meinung sei, dass wir sollten vor Gott eher gerecht werden durch die Werke der andern Tafel denn durch die Werke der ersten Tafel. Ferner: so die Liebe eine Vollkommenheit ist oder vollkömmliche Erfüllung des Gesetzes, so ist des Mittlers Christi nicht vonnöten. Paulus aber, der lehrt an allen Orten, dass wir darum Gott angenehm seien um Christus’ willen, nicht am unserer Liebe oder unserer Werke oder Gesetzes willen. Denn auch kein Heiliger (wie oben gesagt) erfüllt des Gesetz vollkömmlich. Darum so er, an allen andern Orten schreibt und lehrt, dass in diesem Leben an unsern Werken keine Vollkommenheit ist, so ist nicht zu gedenken, dass er zu den Kolossern von Vollkommenheit der Person rede, sondern er redet von Einigkeit der Kirche, und das Wort, so sie Vollkommenheit deuten, heißt nichts anderes, denn unzerrissen sein, das ist, einig sein.

Dass er nun sagt: “Die Liebe ist ein Band der Vollkommenheit”, das ist, sie bindet, fügt und hält zusammen die vielen Gliedmaßen der Kirche unter sich selbst (denn gleichwie in einer Stadt oder in einem Hause die Einigkeit dadurch erhalten wird, dass einer dem andern zugute halte, und kann nicht Friede noch Ruhe bleiben, wo nicht einer dem andern viel versieht, wo wir nicht einander tragen), also will Paulus da vermahnen zu der christlichen Liebe, dass einer des andern Fehle, Gebrechen dulden und tragen soll, dass sie einander vergeben sollen, damit Einigkeit erhalten werde in der Kirche, damit der Christenhaufe nicht zerrissen, zertrennt werde und sich in allerlei Rotten und Sekten teile, daraus dann großer Unrat, Haß und Neid, allerlei Bitterkeit und böses Gift, endlich öffentliche Ketzerei erfolgen möchte.

Denn die Einigkeit kann nicht bleiben, wenn die Bischöfe ohne alle Ursache zu schwere Bürden auflegen dem Volk. Auch werden daraus leichtlich Rotten, wenn das Volk aufs geschwindeste [heftigste] alles will meistern und ausecken an der Bischöfe oder Prediger Wandel und Leben, oder wenn sie alsbald der Prediger müde werden, etwa um eines kleinen Gebrechens willen; da folgt viel großen Unrats. Alsdann bald sucht man aus derselben Verbitterung andere Lehrer und andere Prediger.

Wiederum wird erhalten Vollkommenheit und Einigkeit, das ist, die Kirche bleibt unzertrennt und ganz, wenn die Starken die Schwachen dulden und tragen, wenn das Volk mit seinen Predigern auch Geduld hat, wenn die Bischöfe und Prediger wiederum allerlei Schwachheit, Gebrechen dem Volk nach Gelegenheit wissen zugut zu halten.

Von dem Wege und der Weise, Einigkeit zu halten, ist auch viel allenthalben geschrieben in den Büchern der Philosophen und Weltweisen. Denn wir müssen einander viel vergeben und für gut haben um Einigkeit willen. Und davon redet Paulus mehr denn an einem Ort. Darum schließen die Widersacher nicht recht, dass die Liebe solle vor Gott gerecht machen. Denn Paulus redet da nicht von den Vollkommenheit oder Heiligkeit der Personen, wie sie wähnen, sondern sagt: “Die Liebe macht ein stilles Wesen in der Kirche.” Und also legt den Spruch auch Ambrosius aus: “Gleichwie wie Gebäu ganz ist, wenn alle Stücke zusammenhangen” usw.

Es sollten sich aber die Widersacher auch wohl schämen, dass sie so trefflich hoch von der Liebe schreiben und predigen und Liebe, Liebe in allen ihren Büchern schreiben und schreien und gar keine Liebe erzeigen. Denn wie eine schöne Christenliebe ist das, dass sie durch ihre unerhörte Tyrannei zertrennen und zerreißen die Einigkeit der Kirche, so sie nichts denn Blutbriefe und tyrannische Gebote ausgehen zu lassen, dem allerlöblichsten Kaiser gern das Ërgste wollten einbilden. Sie erwürgen die Priester und viele andere fromme, ehrliche Leute keiner andern Ursache halben, denn dass sie allein öffentliche, schändliche Mißbräuche anfechten. Sie wollten gerne, dass alle die tot wären, die wider ihre gottlose Lehre mit einem Wort mucken. Das alles reimt sich gar übel zu dem großen Rühmen von Liebe, von caritas usw. Denn wenn bei den Widersachern ein Tröpflein Liebe wäre, so könnte man wohl Frieden und Einigkeit in der Kirche machen, wenn sie ihre Menschensatzungen, welche doch nichts zu christlicher Lehre oder Leben nütze sind, nicht also aus lauter rachgieriger Bitterkeit und pharisäischem Neid wider die erkannte Wahrheit verföchten, besonders so sie ihre Satzungen selbst nicht halten.

Aus dem Apostel Petro ziehen sie auch an den Spruch, da er sagt: “Die Liebe deckt zu die Menge der Sünden.” Nun ist es gewiß, dass Petrus da auch redet von der Liebe gegen den Nächsten. Denn er redet daselbst von dem Gebot der Liebe, da geboten ist, dass wir uns untereinander lieben sollen. So ist es auch keinem Apostel nie in seine Gedanken kommen, dass die Liebe sollte den Tod überwinden oder die Sünde, dass die Liebe sollte eine Versöhnung sein ohne den Mittler Christum, dass die Liebe sollte unsere Gerechtigkeit sein ohne den Versöhner Christum. Denn die Liebe, wenn wir sie schon gleich haben, so ist es nichts mehr denn eine Gerechtigkeit des Gesetzes; sie ist je nicht Christus, durch welchen wir allein gerecht werden, wenn wir glauben, dass um des Mittlers willen uns der Vater gnädig ist, dass uns sein Verdeinst geschenkt wird.

Darum kurz zuvor vermahnt Petrus, dass wir uns sollen zu Christo halten, dass wir auf ihn als den Eckstein erbaut werden. Denn er sagt: “Wer an ihn glaubet, der wird nicht zuschanden werden.” Mit unsern Werken und Leben werden wir wahrlich vor Gottes Urteil und Angesicht mit Schanden bestehen. Aber der Glaube, durch welchen Christus unser wird, der erlöst uns von solchen Schrecken des Todes. Denn durch die Verheißung sind wir recht gewiß, dass uns durch Christum die Sünde vergeben ist.

Und das Word 1 Petr. 4: “Die Liebe deckt der Sünden Menge” usw. ist genommen aus den Sprüchen Salomonis, da er sagt: “Haß richtet Hader an, aber die Liebe deckt der Sünden Menge zu.”

Da gibt der Text klar an ihm selbst genug, dass er von der Liebe redet gegen den Nächsten und nicht von der Liebe gegen Gott. Und er will gleich dasselbe, dass der nächste Spruch Pauli zu den Kolossern sagt, nämlich, dass wir uns sollen fleißigen, brüderlich, freundlich zu leben, also dass einer dem andern viel zugute halte, dass Unlust und Zwiespalt vermieden werden, als sollte er sagen: Zwiespalt vermieden werden, als sollte er sagen: Zwiespalt erwächst aus Haß; wie wir denn sehen, dass aus geringen Fünklein oft großes Feür angeht. Es waren nicht so große Sachen, darüber erst C. Cäsar und Pompejus uneins geworden, und wo einer dem andern gewichen hätte, so wäre der folgende große Krieg, so viel Blutvergießen, so manch groß Unglück und Unrat nicht daraus gekommen. Aber da ein jeder mit dem Kopf hindurch wollte, ist der große, unsägliche Schade, Zerrüttung des ganzen römischen Regiments der Zeit erfolgt.

Und es sind viele Ketzereien daher erwachsen, dass Prediger aufeinander sind verbittert worden. So ist nun Petri Spruch also zu verstehen: “Die Liebe deckt den Sünden Menge zu”, das ist, die Liebe deckt des Nächsten Sünde. Das ist, ob sich gleichwohl Unwille unter Christen begibt, so trägt doch die Liebe alles, übersieht gern, weicht dem Nächsten, duldet und trägt brüderlich seine Gebrechen und sucht nicht alles aufs schärfste. So will nun Petrus das gar nicht, dass die Liebe vor Gott verdiene Vergebung der Sünden, dass die Liebe uns Gott versöhne ohne den Mittler Christum, dass wir durch die Liebe sollten Gott angenehm sein ohne den Mittler Christum, sondern dass will Petrus, dass, in welchem christliche Liebe ist, der ist nicht eingesinnig, nicht hart und unfreundlich, sondern hält leichtlich dem Nächsten, seine Gebrechen und Fehle zugute, vergibt brüderlich dem Nächsten, stillt, weist sich selbst und weicht um Friedens willen, wie auch lehrt der Spruch: Amici vitia noris, non oderis, das ist, ich soll meines Freundes Weise lernen, aber ihn (ob es nicht alles schnurgleich ist) darum nicht hassen.

Und die Apostel vermahnen nicht ohne Ursache zu solcher Liebe, welches die Philosophi εε πιειικειαν genannt haben. Denn sollen Leute in Einigkeit beieinander sein oder bleiben, es sei in der Kirche oder auch weltlichem Regiment, so müssen sie nicht alle Gebrechen gegeneinander auf der Goldwage abrechnen, sie müssen lassen einander fast veil mit dem Wasser vorübergehen und immer zugute halten, soviel auch immer möglich, brüderlich miteinander Geduld haben.

Auch ziehen sie den Spruch aus dem Apostel Jakobo an und sagen: “Sehet ihr nun, dass wir nicht allein durch den Glauben, sondern durch Werke vor Gott gerecht werden?” Und sie wollen wähnen, der Spruch sei fest, stark wider unsere Lehre. Aber wenn die Widersacher allein ihre Träume außen lassen und nicht hinanflicken, was sie wollen, so ist die Antwort leicht. Denn des Apostels Jakobi Spruch hat wohl seinen einfältigen Verstand, aber die Widersacher erdichten das dazu, dass wir durch unsere Werke verdienen Vergebung der Sünden; item, dass die guten Werke eine Versöhnung seien, dadurch uns Gott gnädig wird; item, dass wir durch die guten Werke überwinden können die große Macht des Teufels, des Todes und der Sünde; item, dass unsere guten Werke an ihnen selbst vor Gott so angenehm und groß geachtet seien, dass wir des Mittlers Christi nicht bedürfen. Der keines ist dem Apostel Jakobo in sein Herz gekommen, welches doch alles die Widersacher sich zu erhalten unterstehen durch den Spruch Jakobi.

So müssen wir nun erst dieses merken, dass dieser Spruch mehr ist wider die Widersacher denn für sie. Denn die Widersacher lehren, der Mensch werde vor Gott fromm and gerecht durch die Liebe und Werke. Von dem Glauben, dadurch wir uns hatten an den Mittler Christum, reden sie nichts. Und das mehr ist, von dem Glauben wollen sie nichts hören noch sehen, unterstehen sich, diese Lehre vom Glauben mit dem Schwert und Feür zu tilgen. Jakobus aber tut anders; er läßt den Glauben nicht außen, sondern redet vom Glauben, damit läßt er Christum den Schatz und den Mittler bleiben, dadurch wir vor Gott gerecht werden, wie auch Paulus, das er die Summa setzt christlichen Glaubens, setzt er Glauben und Liebe zusammen, 1 Tim. 1, 5: “Die Summa des Gesetzes ist die Liebe aus ungefärbtem Glauben.”

Zum andern zeigt die Sache an ihr selbst an, dass er von Werken redet, welche dem Glauben folgen; denn er zeigt an, dass des Glaube nicht müsse tot, sondern lebendig, kräftig, geschäftig und tätig im Herzen sein. Darum ist Jakobi Meinung nichtgewesen, dass wir durch Werke Gnade oder Vergebung der Sünden verdienen. Denn er redet von Werken derjenigen, welche schon durch Christum gerecht geworden sind, welche schon Gott versöhnt sind und Vergebung der Sünden durch Christum erlangt haben. Darum irren die Widersacher weit, wenn sie aus dem Spruche schließen wollen, dass wir durch gute Werke Gnade und Vergebung der Sünden verdienen, oder dass Jakobus dies wolle, dass wir durch unsere Werke einen Zugang zu Gott haben ohne den Mittler und Versöhner Christum.

Zum dritten, so hatte St. Jakobus zuvor gesagt von der geistlichen Wiedergeburt, dass sie durch des Evangelium geschieht. Denn also sagt er im 1. Kapitel: “Er hat uns gezeuget nach seinem Willen durch das Wort der Wahrheit, auf dass wir wären Erstlinge seiner Kreaturen.” So er nun sagt, dass wir durch das Evangelium neugeboren seien, so will er, dass wir durch den Glauben gerecht seien vor Gott geworden. Denn die Verheißung von Christo faßt man allein durch den Glauben, wenn wir durch dieselbe getröstet werden wider die Schrecken des Todes, der Sünde usw. Darum ist seine Meinung nicht, dass wir durch unsere Werke sollten neugeboren werden.

Aus diesem allem ist klar genug, dass der Spruch Jakobi nicht wider uns ist. Denn er schilt da etliche faule Christen, welche allzu sicher waren geworden, machten ihnen Gedanken, sie hätten den Glauben, so sie doch ohne Glauben waren. Darum macht er Unterschied zwischen lebendigem und totem Glauben.

Den toten Glauben nennt er, wo nicht allerlei gute Werke und Früchte des Geistes folgen: Gehorsam, Geduld, Keuschheit, Liebe, usw. Lebendigen Glauben nennt er, das gute Früchte folgen. Nun haben wir gar oft gesagt, was wir glauben nennen. Denn wir nennen dass nicht Glauben, dass man die schlechte Historie wisse von Christo, welches auch in Teufeln ist, sondern das neü Licht und die Kraft, welche der Heilige Geist in den Herzen wirkt, durch welche wir die Schrecken des Todes, der Sünde usw. überwinden. Das heißen wir Glauben.

Ein solch recht christlicher Glaube ist nicht so ein leicht, schlecht Ding, als die Widersacher wähnen wollen. Wie sie denn sagen: Glaube, Glaube, wie bald kann ich glauben! usw. Es ist auch nicht ein Menschengedanke, den ich mir selbst machen könne, sondern ist eine göttliche Kraft im Herzen, dadurch wir neugeboren werden, dadurch wir die große Gewalt des Teufels und des Todes überwinden, wie Paulus sagt zu den Kolossern: “In welchem ihr auch seid auferstanden durch den Glauben, den Gott wirkt” usw. Derselbe Glaube, weil es ein neu göttliche Licht und Leben im Herzen ist, dadurch wir andern Sinn und Mut kriegen, ist lebendig, geschäftig und reich von [an] guten Werken. Darum ist das recht geredet, dass der Glaube nicht recht ist, der ohne Werke ist.

Und ob er sagte, dass wir durch den Glauben und Werke gerecht werden, so sagt er doch nicht, dass wir durch die Werke neugeboren werden; so sagt er auch nicht, dass Christus halb der Versöhner sei, halb unsere Werke, sondern er redet von Christen, wie sie sein sollen, nachdem sie nun neugeboren sind durch das Evangelium. Denn er redet von Werken, die nach dem Glauben folgen sollen; da ist’s recht geredet: Wer Glauben und gute Werke hat, der ist gerecht. Ja, nicht um der Werke willen, sondern um Christus’ willen, durch den Glauben. Und wie ein guter Baum gute Früchte tragen soll, und doch die Früchte machen den Baum nicht gut, also müssen gute Werke folgen nach der neün Geburt, obwohl sie den Menschen nicht vor Gott angenehm machen, sondern wie der Baum zuvor gut sein muss, also müsse der Mensch zuvor Gott angenehm sein durch den Glauben, um Christus’ willen. Die Werke sind viel zu gering dazu, dass uns Gott um ihretwillen gnädig sein sollte, wo er uns nicht um Christus’ willen gnädig wäre. Also ist Jakobus St. Paulo nicht entgegen, sagt auch nicht, dass wir durch die Werke verdienen Vergebung der Sünden; sagt nicht, dass unsere Werke des Teufels Macht, den Tod, die Sünde, der Hölle Schrecken überwinden und dem Tode Christi gleich seien; er sagt nicht, dass wir durch Werke Gott angenehm werden; er sagt nicht dass unsere Werke die Herzen zur Ruhe bringen und Gottes Zorn überwinden, oder dass wir Barmherzigkeit nicht bedürfen, wenn wir Werke haben: der keines sagt Jakobus, welchen Zusatz doch die Widersacher hinzuflicken an die Worte Jakobi.

Auch führen sie noch mehr Sprüche wider uns, als diesen: Danielis am 4. sagt der Text: “Deine Sünden löse mit Gerechigkeit und deine Übertretungen mit Almosen gegen die Armen.” Und Jesaias am 58.: “Brich den Hungrigen dein Brot.” Ferner: Luk. 6: “Vergebet, so wird euch vergeben werden.” Und Matthäi am 5.: “Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden die Barmherzigkeit erlangen.” Auf diese Sprüche und dergleichen von den Werken antworten wir erstlich dieses, nämlich dass (wie wir oben gesagt) das Gesetz niemand halten kann ohne Glauben, so kann niemand Gott gefallen ohne Glauben an Christum, wie er sagt: “ohne mich könnt ihr nichts tun”; item, wie Paulus sagt: “Durch Christum haben wir einen Zugang zu Gott durch den Glauben.” Darum, sooft die Schrift der Werke gedenkt, so will sie allenthalben das Evangelium von Christo und den Glauben mit gemeint haben. Zum andern, so sind die Sprüche aus Daniel und andern (so jetzt erzählt) fast alle Predigten von der Buße. Erstlich predigen sie das Gesetz, zeigen die Sünde an und vermahnen zur Besserung und guten Werken. Zum andern ist daneben eine Verheißung, dass Gott wolle gnädig sein. Nun ist es gewiß, dass zu einer rechten Buße nicht genug ist, allein das Gesetz zu predigen, denn es schreckt allein die Gewissen; sondern es much dazukommen auch das Evangelium, nämlich dass die Sünden ohne Verdienst vergeben werden um Christus’ willen, dass wir durch den Glauben erlangen Vergebung der Sünden. Das ist so gewiß und also klar, dass, wo die Widersacher das werden anfechten und Christum und den Glauben von der Buße scheiden, [sie] billig für Lästerer des Evangelii und Christi geachtet werden.

Darum soll man die Worte des großen, hohen Propheten Daniel nicht allein auf des bloße Werk, auf die Almosen, deuten und ziehen, sondern auch den Glauben ansehen. Man muss der Propheten Worte, welche voll Glaubens und Geistes gewesen, nicht so heidnisch ansehen als Aristotelis oder eines andern Heiden. Aristoteles hat auch Alexandrum vermahnt, dass er seine Macht nicht zu eigenem Mutwillen, sondern zur Besserung [von] Landen und Leuten brauchen sollte. Das ist recht und wohl geschrieben; man kann auch vom königlichen Amt nicht Besseres predigen oder schreiben. Aber Daniel sagt seinem König nicht allein von seinem königlichen Amt, sondern von Versöhnung gegen [mit] Gott und von den hohen, großen, geistlichen Sachen, welche gar hoch und weit über alle menschlichen Gedanken und Werke gehen. Darum sind seine Worte nicht allein von Werken und Almosen zu verstehen, welche auch ein Heuchler tun kann, sondern vornehmlich vom Glauben. Dass man aber muss Glauben hier verstehen, da wir von reden, das ist, glauben, dass Gott Sünde durch Barmherzigkeit, nicht um unsers Verdienstes willen vergebe, das beweist der Text selbst. Erstlich damit, denn es sind zwei Stücke in Daniels Predigt. Das eine ist Gesetzpredigt und Strafe.

Das andere ist die Verheißung oder Absolution. Wo nun Verheißung ist, muss Glaube sein. Denn Verheißung kann nicht anders empfangen werden, denn dass sich das Herz verläßt auf solch Gotteswort und siehet nicht an eigene Würdigkeit oder Unwürdigkeit. Darum fordert Daniel auch Glauben; denn also lautet die Verheißung: “Deine Sünden werden geheilet.” Dieses Wort ist eine recht prophetische und evangelische Predigt. Denn Daniel weiß, dass durch den künftigen Samen, Christum, nicht allein den Juden, sondern auch den Heiden Vergebung der Sünden, Gnade und ewiges Leben zugesagt war, sonst hätte er den König nicht also können trösten. Denn es ist nicht Menschenwerk, einem erschrockenen Gewissen gewißlich Vergebung der Sünden zusagen und trösten, dass Gott nicht mehr zürnen wolle; da muss man von Gottes Willen Zeugnis aus Gottes Wort haben, wie denn Daniel die hohen Verheißungen vom künftigen Samen gewußt und verstanden hat. Weil er nun eine Promission setzt, ist klar und offenbar, dass er Glauben fordert, da wir von reden. Dass er aber spricht: “Deine Sünden löse mit Gerechtigkeit und deine Übertretungen mit Wohltaten gegen die Armen”, ist eine Summa einer ganzen Predigt und ist so viel: Bessere dich! Und ist wahr, so wir uns bessern, werden wir los von Sünden.

Darum sagt er recht: “Löse deine Sünden.” Daraus folgt aber nicht, dass wir von Sünden los werden um unserer Werke willen, oder dass unsere Werke die Bezahlung sind für die Sünde. Auch setzt Daniel nicht allein die Werke, sondern spricht: “Löse deine Sünden mit Gerechtigkeit.” Nun weiß männiglich, dass Gerechtigkeit in der Schrift nicht allein äußerliche Werke heißt, sondern faßt den Glauben, wie Paulus spricht: Iustus ex fide vivet, “der Gerechte lebt seines Glaubens”, Hebr. 10, 38. Darum fordert Daniel erstlich Glauben, da er Gerechtigkeit nennt, und spricht: “Löse deine Sünden mit Gerechtigkeit”, das ist, mit Glauben gegen Gott, dadurch du gerecht wirst. Dazu tü auch gute Werke, nämlich warte deines Amtes; sei nicht ein Tyrann, sondern siehe zu, dass dein Regiment Landen und Leuten nützlich sei, halte Frieden und schütze die Armen wider unrechte Gewalt. Das sind fürstliche eleemosynae.

Also ist klar, dass dieser Spruch der Lehre vom Glauben nicht entgegen ist. Aber unsere Widersacher, die groben Esel, flicken ihre Zusätze an alle solche Sprüche, nämlich dass uns die Sünden um unserer Werke willen vergeben werden, und lehren vertraün auf Werke, so doch die Sprüche nicht also reden, sondern fordern gute Werke, wie denn wahr ist, dass muss ein ander und besser Leben in uns werden. Aber dennoch sollen dieselben Werke Christo seine Ehre nicht nehmen. Also ist auch auf den Spruch aus dem Evangelio zu antworten: “Vergebet, so wird euch vergeben.” Denn es ist gleich eine solche Lehre von der Buße. Dass erst Stück an diesem Spruch fordert Besserung und gute Werke, das andere Stück setzt dazu die Verheißung, und man soll daraus nicht schließen, dass unser Vergeben uns ex opere operato Vergebung der Sünden verdiene. Denn das sagt Christus nicht, sondern wie in andern Sakramenten Christus die Verheißung heftet an das äußerliche Zeichen, also heftet er auch hier die Verheißung von Vergebung der Sünden an die äußerlichen guten Werke. Und wie wir im Abendmahl nicht erlangen Vergebung der Sünden ohne den Glauben, ex opere operato, also auch nicht in diesem Werke und unserm Vergeben; denn unser Vergeben ist auch kein gut Werk, es geschehe denn von denjenigen, welchen von Gott in Christo die Sünden schon zuvor vergeben sind. Darum unser Vergeben, soll es Gott gefallen, so muss es nach der Vergebung, da uns Gott vergibt, folgen. Denn Christus pflegt die zwei also zusammenzusetzen, das Gesetz und Evangelium, beide den Glauben und auch die guten Werke, dass er anzeige, dass kein Glaube da sei, wenn nicht gute Werke folgen; item, dass wir äußerliche Zeichen haben, welche uns erinnern des Evangelii und Vergebung der Sünden, dadurch wir getröstet werden, dass also mannigfaltig unser Glaube geübt werde. Also sollen solche Sprüche verstanden werden, denn sonst wäre es stracks wider das ganze Evangelium, und würde unser bettelisch Werk an Christus’ Statt gesetzt, welcher allein soll die Versöhnung sein, welcher je nicht zu verachten ist. Ferner: wo sie sollten von Werken vestanden werden, so würde die Vergebung der Sünden ganz ungewiß; denn sie stünde auf einem losen Grunde, auf unsern elenden Werken.

Auch ziehen sie an einen Spruch aus Tobias: “Die Almosen erlösen von der Sünde und von dem Tode.” Wir wollen nicht sagen, dass da eine Hyperbole sei, obwohl wir es sagen möchten, damit Christi Ehre erhalten werde; denn dies ist Christus’ Amt allein, von der Sünde, vom Tode erlösen, usw. Wir wollen aber uns zu unserer alten Regel halten, nämlich dass das Gesetz oder die Werke außer Christo niemand gerecht machen vor Gott.

So gefallen nun die Almosen (welche dem Glauben folgen) dann erst Gott, wenn ich durch Christum versöhnt bin, nicht die vorhergehen. Darum erlösen sie vom Tode nicht ex opere operato, sondern wie ich kurz zuvor von der Buße gesagt habe, dass man den Glauben mit den Früchten zugleich muss zusammenfassen, also ist auch von den Almosen zu sagen, dass sie Gott gefallen, weil sie geschehen in den Gläubigen. Denn Tobias redet nicht allein von Almosen, sondern auch vom Glauben. Denn er sagt: “Lobe Gott and bitte ihn, dass er dich wolle auf deinen Wegen leiten” usw. Da redet er eigentlich von dem Glauben, da wir von reden, der da glaubt, dass er einen gnädigen Gott habe, den er zu loben schuldig ist für eitel große Güte und Gnade, von dem er auch täglich erwarte Hilfe, und bittet ihn, dass er ihn im Leben und Sterben leiten und regieren wolle. Auf die Weise mögen wir nachgeben, dass die Almosen nicht unverdienstlich seien gegen Gott, nicht aber, dass sie können den Tod, die Hölle, den Teufel, die Sünde überwinden, die Gewissen zur Ruhe stellen (denn das muss durch den Glauben an Christum allein geschehen], sondern verdienen, dass uns Gott schützt vor künftigem Übel und Fahr [Gefahr] Leibes und der Seele. Das ist der einfältige Verstand, welcher auch mit andern Sprüchen der Schrift übereinstimmt. Denn wo gute Werke gelobt werden in der Schrift, so [da] soll man es allezeit nach der Regel Pauli verstehen, dass man das Gesetz und die Werke nicht über Christum hebe, dass Christus und der Glaube so hoch über alle Werke gehen, als der Himmel über der Erde ist.

Auch ziehen sie an den Spruch Christi: “Gebet Almosen, so wird euch alles rein sein.” Die Widersacher sind taub und haben dicke Ohren, darum müssen wir ihnen die Regel oft erholen [wiederholen], dass das Gesetz ohne Christum niemand vor Gott fromm mache, und dass alle Werke allein um Christus’ willen angenehm sind. Aber die Widersacher schließen Christum allenthalben aus, tun gleich, als sei Christus nichts, und lehren unverschämt, dass wir Vergebung der Sünden erlangen durch gute Werke usw.

Wenn wir aber den Spruch unzerrissen, ganz ansehen, so werden wir sehen, dass er auch vom Glauben mit redet. Christus schilt die Pharisäer, dass si wollten wähnen, sie würden vor Gott heilig und rein durch allerlei baptismata carnis, das ist, durch allerlei leibliches Baden, waschen und Reinigung am Leibe, an Gefäßen, an Kleidern, wie auch ein Papst in seine Canones gesetzt hat ein nötig päpstlich Stück vom Weihwasser, dass, wenn es mit geweihtem Salz besprengt wird, so heiligt’s und reinigt’s das Volk von Sünden. Und die Glosse sagt, es reinige von täglichen Sünden. Also hatten die Pharisäer auch Irrtümer unter sich, welche Christus straft und setzt gegen die erdichteten Reinigungen zweierlei Reinigkeit, eine innerlich, die andere äußerlich, und vermahnt, dass sie inwendig sollen rein sein; das geschieht, wie Petrus sagt in Geschichten der Apostel am 15., “durch den Glauben”. Und setzt dazu von äußerlicher Reinigkeit: “Gebet Almosen von dem, das ihr übrig habt, so wird euch alles rein sein.”

Die Widersacher führen nicht recht ein das Wort: “alles”. Denn Christus setzt den Beschluß auf beide Stücke, auf die innerliche und äußerliche Reinigkeit, und sagt: “alles wird euch rein sein.” Das ist wenn ihr euch nicht allein leiblich badet, sondern Gott glaubt und also inwendig rein seid und auswendig Almosen gebt, so wird euch alles rein sein. Und zeigt an, dass auch die rechte äußerliche Reinigkeit stehe in den Werken, welche Gott geboten habe, und nicht in menschlichen Satzungen, als da waren dieselben traditiones Pharisaeorum usw., und wie bei unserer Zeit ist das Bespritzen und Sprengen den Weihwassers, die scheeweißen Mönchskleider, die Unterschiede der Speisen und dergleichen. Die Widersacher aber ziehen dies signum universale, nämlich das Wort “alles”, sophistisch allein auf einen Teil und sagen: Alles wird euch rein sein, wenn ihr Almosen gebt usw. Als wenn einer sagt: Andreas ist da, darum sind alle Apostel da. Darum im antecedente oder vor[auf]gehenden Stück dieses Spruchs soll beiden beieinander bleiben: Glaubt und: Gebt Almosen. Denn darauf geht die ganze Sendung, das ganze Amt Christi, darum ist er da, dass sie glauben sollen. Wenn nun beide Stücke zusammengefaßt werden: glauben und Eleemosynen geben, so folgt recht, dass alles rein sei, das Herz durch Glauben, der äußerliche Wandel durch gute Werke. Also soll man die Predigt ganz fassen und nicht das eine Stück umkehren und deuten, dass das Herz von Sünden rein wird durch unsere Eleemosynen. Es sind auch wohl etliche, die da meinen, dass es wider die Pharisäer von Christo ironice oder spöttisch geredet sei, als sollte er sagen: Ja, liebe Junker, raubt und stehlt und geht danach hin, gebt Almosen, so werdet ihr bald rein sein! Dass also Christus etwas herbe und höhnisch austeche ihre pharisäische Heuchelei. Denn obwohl sie voll Unglaubens, voll Geizen und alles Argen waren, so hielten sie doch ihre Reinigung, gaben Almosen und meinten, sie wären gar reine, zarte Heilige. Die Auslegung ist dem Text daselbst nicht entgegen. Was nun auf andere dergleichen mehr Sprüche zu antworten sei, ist leichtlich abzunehmen aus diesem, so wir erklärt haben. Denn die Regel legt aus alle Sprüche von guten Werken, dass sie außer Christo vor Gott nichts gelten, sondern das Herz muss zuvor Christum haben und glauben, dass es Gott gefalle um Christus’ willen, nicht von wegen eigener Werke. Die Widersacher führen auch etliche Schulargumente, darauf leichtlich zu antworten ist, wenn man weiß, was Glaube ist. Erfahrene Christen reden viel anders vom Glauben denn die Sophisten, wie wir droben angezeigt, dass glauben heißt vertraün auf Gottes Barmherzigkeit, dass er gnädig sein wolle um Christus’ willen, ohne unser Verdienst, und das heißt glauben den Artikel: Vergebung der Sünde. Dieser Glaube ist nicht allein die Historia wissen, die auch die Teufel wissen. Darum ist das Schulargument leichtlich aufzulösen, dass sie sprechen, die Teufel glauben auch, darum mache der Glaube nicht gerecht. Ja, die Teufel wissen die Historia, glauben aber nicht Vergebung der Sünden. Ferner: dass sie sprechen, gerecht sein heißt Gehorsam; nun ist ja Werke tun ein Gehorsam, darum müssen die Werke gerecht machen. Darauf soll man also antworten: Gerecht sein heißt ein solcher Gehorsam, den Gott dafür annimmt. Nun will Gott unsern Gehorsam in Werken nicht annehmen für Gerechtigkeit; denn es ist nicht ein herzlicher Gehorsam, weil niemand das Gesetz recht hält. Darum hat er einen andern Gehorsam geordnet, den er will für Gerechtigkeit annehmen, nämlich dass wir unsern Ungehorsam erkennen und vertraün, wir gefallen Gott um Christus’ willen, nicht von wegen unsers Gehorsams. Derhalben heißt nun hier gerecht sein, Gott angenehm sein, nicht von wegen eigenen Gehorsams, sondern aus Barmherzigkeit, um Christus’ willen. Item. Sünde ist Gott hassen, darum muss Gerechtigkeit sein, Gott lieben. Wahr ist’s Gott lieben ist Gerechtigkeit des Gesetzes; aber dieses Gesetz erfüllt niemand. Darum lehrt das Evangelium eine neü Gerechtigkeit, dass wir um Christus’ willen Gott gefallen, ob wir schon das Gesetz nicht erfüllen, und sollen doch anheben, das Gesetz zu tun. Ferner: was ist der Unterschied zwischen Glauben und Hoffen? Antwort: Hoffnung wartet künfitiger Güter und Rettung aus der Trübsal; Glaube empfängt gegenwärtige Versöhnung und schließt im Herzen, dass Gott die Sünden vergeben habe, und das er jetzt mir gnädig sei. Und dieses ist ein hoher Gottesdienst, der Gott damit dient dass er ihm die Ihre tut und die Barmherzigkeit und Verheißung so gewiß hält, dass er ohne Verdienst kann allerlei Güter von ihm empfangen und warten [erwarten]. Und in diesem Gottesdienst soll das Herz geübt werden und zunehmen; davon wissen die tollen Sophisten nichts.

Aus diesem allem ist leichtlich zu verstehen, was man halten soll vom merito condigni, da die Widersacher erdichten, dass wir vor Gott gerecht sind durch die Liebe und unsere Werke. Da gedenken sie nicht einmal des Glaubens und anstatt des Mittlers Christi setzen sie unsere Werke, unsere Erfüllung des Gesetzes; das ist in keinem Weg zu leiden.

Denn obwohl wir oben gesagt, so die neü Geburt ist durch Geist und Gnade, da folgt auch gewißlich die Liebe, so soll man doch die Ehre Christi nicht unsern Werken geben; sondern das ist gewiß, dass wir vor und nach, wenn wir zu dem Evangelio kommen, gerecht geschätzt werden um Christus’ willen, und der Christus bleibt der Mittler und Versöhner vor als [wie] nach, nach als vor, und durch Christum haben wir einen Zugang zu Gott, nicht darum, dass wir das Gesetz gehalten haben und viel Gutes getan, sondern dass wir so fröhlich, getrost auf Gnade baün und so gewiß uns verlassen, dass wir aus Gnaden um Christus’ willen gerecht vor Gott geschätzt werden. Und das lehrt, predigt, bekennt die heilige catholica, christliche Kirche, dass wir selig werden durch Barmherzigkeit, wie wir oben haben angezogen aus Hieronymo.

Unsere Gerechtigkeit steht nicht auf eigenem Verdienst, sondern auf Gottes Barmherzigkeit, und dieselbe Barmherzigkeit faßt man durch den Glauben. Hier wollen aber alle Verständigen sehen, was aus der Widersacher Lehre folgen wollte. Denn so wir halten werden, dass Christus allein uns primam gratiam, das ist, die erst Gnade, verdient hätte (wie sie es nennen), und wir hernach durch unsere Werke erst das ewige Leben müßten verdienen, so werden die Herzen oder Gewissen weder an [in] der Todesstunde noch sonst nimmermehr zufrieden werden, werden nimmermehr baün können auf gewissen Grund, werden nimmer gewiß, ob uns Gott gnädig wäre. Also führt ihre Lehre die Gewissen ohne Unterlaß auf eitel Herzeleid und endlich auf Verzweiflung. Denn Gottes Gesetz ist nicht ein Scherz; das klagt die Gewissen an außer Christo ohne Unterlaß, wie Paulus sagt Röm. 4, 15: “Das Gesetz richtet Zorn an.” Also dann, wenn die Gewissen Gottes Urteil fühlen und haben keinen gewissen Trost, fallen sie dahin in Verzweiflung. Paulus sagt Röm. 14, 23: “Alles, was nicht aus dem Glauben ist, das ist Sünde.” Diejenigen aber können nichts aus Glauben tun, die dann sollen einen gnädigen Gott erst bekommen, wenn sie mit ihren Werken das Gesetz erfüllt haben. Denn sie werden allezeit wanken und zweifeln, ob sie Werke genug getan haben, ob des Gesetz genug geschehen sei. Ja, sie werden stark fühlen und empfinden, dass sie noch dem Gesetz schuldig seien; darum werden sie nimmermehr bei sich gewiß halten, dass sie einen gnädigen Gott haben, oder dass ihr Gebet erhört werde. Derhalben können sie Gott nimmer recht lieben, auch nichts Gutes sich zu Gott versehen oder Gott recht dienen. Denn was sind doch solche Herzen und Gewissen anders denn die Hölle selbst, so nichts anderes in solchen Herzen ist denn eitel Zweifeln, eitel Verzagen, eitel Murren, Verdrieß und Haß wider Gott. Und in dem Haß rufen sie doch gleichwohl Gott heuchlerisch an, wie der gottlose König Saul tat. Hier können wir uns berufen auf alle christlichen Gewissen und alle diejenigen, die Anfechtungen versucht haben; die müssen bekennen und sagen, dass solche große Ungewißheit, solche Unruhe, solche Qual und Angst, solch schrecklich Zagen und Verzweiflung aus solcher Lehre der Widersacher folgt, da sie lehren oder wähnen, dass wir durch unsere Werke oder Erfüllung des Gesetzes, so wir tun, vor Gott gerecht werden, und weisen uns den Holzweg, zu vertraün nicht auf die reichen, seligen Zusagungen der Gnade, welche uns durch den Mittler Christum werden angeboten, sondern auf unsere elenden Werke. Darum bleibt dieser Beschluß wie eine Maür, ja wie ein Fels feststehen, dass wir schon angefangen haben, das Gesetz zu tun, dennoch nicht um solcher Werke willen, sondern um Christus’ willen durch den Glauben Gott angenehm sind und mit Gott Frieden haben, und ist uns Gott für dieselben Werke nicht schuldig das ewige Leben, sondern gleichwie uns Vergebung der Sünden und Gerechtigkeit um Christus’ willen, nicht um unserer Werke oder des Gesetzes willen, wird zugerechnet, also wird uns auch nicht um unserer Werke willen noch um des Gesetzes willen, sondern um Christus’ willen samt der Gerechtigkeit ewiges Leben angeboten, wie denn Christus sagt Joh. 6, 40: “Das ist der Wille des Vaters, der mich gesandt hat, dass ein jeglicher, der den Sohn siehet und glaubet an ihn, habe das ewige Leben”; item V. 47: “Der da glaubet in den Sohn, hat des ewige Leben.” Nun sind hier wohl die Widersacher zu fragen, was sie doch den armen Gewissen in der Todesstunde für Rat geben; ob sie die Gewissen vertrösten, dass sie sollen wohl fahren, selig werden, einen gnädigen Gott haben um ihres eigenen Verdienstes willen oder aus Gottes Gnade und Barmherzigkeit um Christus’ willen. Denn St. Peter, St. Paul und dergleichen Heilige können nicht rühmen, dass ihnen Gott für ihre Marter das ewige Leben schuldig sei, haben auch nicht auf ihre Werke vertraut, sondern auf der Barmherzigkeit, in Christo verheißen. Und es wäre auch nicht möglich, dass ein heiligen, wie groß und hoch er ist, wider des Anklagen göttliches Gesetzes, wider die große Macht des Teufels, wider die Schrecken das Todes und endlich wider die Verzweiflung und Angst der Hölle sollte bleiben oder bestehen können, wenn er nicht die göttliche Zusage, das Evangelium, wie einen Baum oder Zweig ergriffe in der großen Flut, in dem starken, gewaltigen Strome, unter den Wellen und Bulgen [Wogen] der Todesangst, wenn er nicht durch den Glauben sich an das Wort, welches Gnade verkündigt, hielte, und also ohne alle Werke, ohne Gesetz, lauter aus Gnaden, das ewige Leben erlangte. Den diese Lehre allein erhält die christlichen Gewissen in Anfechtungen und Todesängsten, von welchen die Widersacher nichts wissen und reden davon wie der Blinde von der Farbe. Hier werden sie aber sagen: So wir aus lauter Barmherzigkeit sollen selig werden, was ist dann für ein Unterschied unter denen, die da selig werden, und die da nicht selig werden? Gilt kein Verdienst, so ist kein Unterschied unter Bösen und Guten und folgt, dass sie zugleich selig werden. Das Argument hat die Scholastiker bewegt, dass sie haben erfunden das meritum condigni; denn es muss ein Unterschied unter denen sein, die da selig werden und die verdammt werden. Für das erst aber sagen wir, dass das ewige Leben gehöre denen, die Gott gerecht schätzt, und wenn sie sind gerecht geschätzt, sind sie damit Gottes Kinder und Christi Miterben geworden, wie Paulus zu den Römern am 8, 30 sagt: “Welche er hat gerecht gemacht, die hat er auch herrlich gemacht.” Darum wird niemand selig denn allein, die da glauben dem Evangelio. Wie aber unsere Versöhnung gegen Gott ungewiß [wäre], wenn sie sollte auf unsern Werken stehen und nicht auf Gottes gnädiger Verheißung, welche nicht fehlen kann, also auch wäre alles ungewiß, was wir durch die Hoffnung erwarten, wenn sie sollte gebaut sein auf unser Verdienst und Werke. Denn Gottes Gesetz klagt das Gewissen an ohne Unterlaß, und [wir] fühlen im Herzen nichts anderes denn diese Stimme aus der Wolke und Feürflammen, Deut. am 5, 6ff.: “Ich bin der Herr, dein Gott; das sollst du tun, das bist du schuldig, das will ich haben” usw. Und kein Gewissen kann Ruhe haben einen Augenblick, wenn das Gesetz und Moses im Herzen drängt, ehe es Christum ergreift durch den Glauben. Es kann auch nicht recht hoffen das ewige Leben, es sei denn erst zur Ruhe [gekommen]. Denn ein Gewissen, das da zweifelt, das flieht vor Gott and verzweifelt und kann nicht hoffen. Nun muss aber die Hoffnung des ewigen Lebens gewiß sein. Damit sie nun nicht wanke, sondern gewiß sei, so müssen wir glauben, dass wir das ewige Leben haben nicht durch unsere Werke oder Verdienst, sondern aus lauter Gnade, durch den Glauben an Christum. In Welthändeln und in den weltlichen Gerichtsstühlen, das ist zweierlei, Gnade und Recht. Recht ist durch die Gesetze und Urteil gewiß, Gnade ist ungewiß. Hier vor Gott ist’s ein ander Ding; denn die Gnade und Barmherzigkeit ist durch ein gewiß Wort zugesagt, und das Evangelium ist das Wort, das uns gebietet zu glauben, dass uns Gott gnädig sei und selig machen wolle um Christus’ willen, wie der Text lautet, Joh. 3, 17: “Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt geschickt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt selig werde durch ihn. Wer in ihn glaubet, der wird nicht gerichtet.” Sooft als man nun redet von Barmherzigkeit, so ist’s also zu verstehen, dass Glaube gefordert wird, und derselbe Glaube, der macht den Unterschied unter denen, die selig, und unter denen, die verdammt werden, unter Würdigen und Unwürdigen. Denn das ewige Leben ist niemand zugesagt denn den Versöhnten in Christo, Der Glaube aber versöhnt und macht uns gerecht vor Gott, wenn und zu welcher Zeit wir die Zusage durch den Glauben ergreifen. Und das ganze Leben durch sollen wir Gott bitten und uns fleißigen, dass wir den Glauben bekommen und in dem Glauben zunehmen. Denn, wie oben gesagt ist, der Glaube ist, wo Buße ist, und ist nicht in denen, die nach dem Fleisch wandeln. Derselbe Glaube soll auch durch allerlei Anfechtungen das ganze Leben durch wachsen und zunehmen. Und welche den Glauben erlangen, die werden neugeboren, dass sie auch ein neu Leben führen und gute Werke tun. Wie wir nun sagen, dass die rechte Buße soll das ganze Leben durch währen, also sagen wir auch, dass die guten Werke und Früchte des Glaubens das ganze Leben durch geschehen sollen; obwohl unsere Werke nimmermehr so teür werden, dass sie sollten dem Schatze Christi gleich sein oder das ewige Leben verdienen. Wie auch Christus sagt Luk 17, 10: “wenn ihr alles getan habt, so sprecht: Wir sind unnütze Knechte.” Und St. Bernhardus sagt recht: “Es ist not, und du mußt erst glauben, dass du Vergebung der Sünden nicht haben könnest denn allein durch Gottes Gnade, und danach, dass du auch sonst hernach kein gut Werk haben und tun könnest, wenn dir dasselbe auch nicht ohne Verdienst gegeben wird.” Und bald hernach: “Niemand wolle sich selbst verführen; denn wenn du würdest recht die Sache bedenken, so würdest du ohne Zweifel finden, dass du mit zehntausend nicht könnest entgegenkommen dem, der dir mit zwanzigtausend begegnet” usw. Das sind je starke Sprüche St. Bernhardi; sie möchten doch denselben glauben, ob sie uns nicht glauben wollten. [Im Original lauten Bernhards Worte, die auch in die Oktavausgabe der Apologie von 1531 Aufnahme fanden, also: “Necesse est primo credere, quod remissionem peccatorum habere non possis nisi per indulgentiam Dei. Deinde, quod nihil prorsus habere queas operis boni, nisi et hoc dederit ipse. Postremo, quod aeternam vitam nullis possis operibus promereri, nisi gratis detur et illa. Nemo itaque se seducat, quia, si bene cogitare voluerit, inveniet procul dubio, quod nec cum decem millibus possit occurrere ei, qui cum viginti millibus venit ad se.”] Darum damit die Herzen einen rechten, gewissen Trost und Hoffnung haben mögen, so weisen wir sie, wie Paulus tut, auf die göttliche Zusage der Gnade in Christo und lehren, dass man müsse glauben, dass Gott nicht um unserer Werke, nicht um Erfüllung des Gesetzes willen, uns das ewige Leben gibt, sondern um Christus’ willen; wie Johannes der Apostel in seiner Epistel spricht, 1 Joh. 5, 12: “Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn nicht hat, der hat nicht das Leben.”

Hier haben die Widersacher ihre große Kunst trefflich bewiesen und den Spruch Christi verkehrt: “Wenn ihr alles getan habt, so sprecht: Wir sind unnütze Knechte.” Ziehen ihn von Werken auf Glauben, sagen vielmehr, wenn wir alles glauben, sind wir unnütze Knechte.

Das sind je schändlich Sophisten, die die tröstliche Lehre vom Glauben so gar verkehren. Sagt, ihr Esel, wenn einer da liegt am Tode und fühlt, dass er kein Werk hat, das vor Gottes Gericht genug sei, und kann auf kein Werk vertraün, was wollt ihr demselben raten? Wollt ihr ihm auch sagen: Wenn du schon glaubst, so bist du doch ein unnützer Knecht, und hilft dir nichts? Da muss das arme Gewissen in Verzweiflung fallen, wenn es nicht weiß, dass das Evangelium den Glauben eben darum fordert, weil wir untüchtige Knechte sind und nicht Verdienst haben. Darum soll man sich hüten vor den Sophisten, so die Worte Christi also lästerlich verkehren.

Denn es folgt nicht: Die Werke helfen nicht, darum hilft der Glaube auch nicht. Wir müssen den groben Eseln ein grob Exempel geben. Es folgt nicht: Der Heller hilft nicht, darum hilft der Gulden auch nicht. Also, wie der Gulden viel höher und stärker ist denn der Heller, soll man verstehen, dass Glaube viel höher und stärker ist denn Werke. Nicht, dass Glaube helfe um seiner Würdigkeit willen, sondern darum, dass er auf Gottes Verheißung und Barmherzigkeit vertraut. Glaube ist stark, nicht um seiner Würdigkeit willen, sondern von wegen der göttlichen Verheißung. Und darum verbietet er nicht Vertraün auf Gottes Verheißung. Ja, er fordert dasselbe Vertraün auf Gottes Verheißung eben darum, weil wir untüchtige Knechte sind und die Werke nicht helfen können. Derhalben ziehen die Bösewichter die Worte Christi unrecht von Vertraün eigener Würdigkeit auf Vertraün göttlicher Zusage. Damit ist ihre Sophisterei klar verlegt [widerlegt] und aufgelöst. Der Herr Christus wolle die Sophisten, so sein heiliges Wort also zerreißen, bald zuschanden machen! Amen.

Die Widersacher aber wollen beweisen, dass wir das ewige Leben mit Werken verdienen de condigno, damit, dass das ewige Leben wird genannt ein Lohn. Wir wollen darauf kurz und richtig antworten. Paulus nennt das ewige Leben ein Geschenk und Gabe; denn wenn wir durch den Glauben gerecht werden, so werden wir Gottes Söhne und Miterben Christi. An einem andern Ort aber steht geschrieben: “Eür Lohn ist reichlich im Himmel.”

Wenn nun die Widersacher dünkt, dass dieses widereinander sei, so mögen sie es ausrichten. Sie tun, wie sie pflegen: sie lassen das Wort donum außen und lassen allenthalben außen das Hauptstück, wie wir vor Gott gerecht werden, item, dass Christus allezeit der Mittler bleibt, und klauben danach heraus das Wort merces oder: “Lohn” und legen dann dasselbe ihres Gefallens aufs ärgste aus, nicht allein wider die Schrift, sondern auch wider gemeinen Gebrauch zu reden, und schließen dann also: Da steht in der Schrift: “Eür Lohn” usw.; darum sind unsere Werke so würdig, dass wir dadurch das ewige Leben verdienen.

Das ist gar einen neü Dialektika, da finden wir das einzelne Wort: “Lohn”; darum tun unsere Werke vollkömmlich genug dem Gesetz, darum sind wir durch unsere Werke Gott angenehm, bedürfen keiner Gnade noch keines Mittlers Christi. Unsere guten Werke sind der Schatz, dadurch das ewige Leben erkauft und erlangt wird. Darum können wir durch unsere guten Werke das erste, höchste Gebot Gottes und das ganze Gesetz halten. Weiter können wir auch tun opera supererogationis, das ist, übrige Werke und mehr, denn das Gesetz fordert.

Darum haben die Mönche, so sie mehr tun, denn sie schuldig sind, übriges, überflüssiges Verdienst, das mögen sie andern schenken oder um Geld mitteilen und mögen des Geschenks, als die neün Götter, ein neu Sakrament einsetzen, damit sie bezeugen, dass sie ihre Verdienste jenen verkauft und mitgeteilt haben; wie denn die Barfüßermönche und andere Orden unverschämt getan, dass sie den toten Körpern haben Ordenskappen angezogen. Das sind feine, starke Gründe, welche sie alle aus der einigen Syllabe “Lohn” spinnen können, damit sie Christum und den Glauben verdunkeln.

Wir aber zanken nicht um das Wort: “Lohn” sondern von diesen großen, hohen, allerwichtigsten Sachen, nämlich wo christliche Herzen rechten, gewissen Trost suchen sollen; item, ob unsere Werk die Gewissen können zu Ruhe oder Frieden bringen; item, ob wir halten sollen, dass unsere Werke des ewigen Lebens würdig sind, oder ob es um Christus’ willen gegeben werde. Dieses sind die rechten Fragen in diesen Sachen; wenn da die Gewissen nicht recht berichtet sind, so können sie keinen gewissen Trost haben. Wir aber haben klar genug gesagt, dass die guten Werke das Gesetz nicht erfüllen, dass wir Gottes Barmherzigkeit bedürfen, und dass wir durch den Glauben Gott angenehm werden, und dass die guten Werke, sie seien, wie köstlich sie wollen, wenn es auch St. Paulus’ Werke selbst wären, kein Gewissen können zu Ruhe machen. Aus dem allem folgt, dass wir sollen glauben, dass wir das ewige Leben erlangen durch Christum aus Gnaden, nicht um der Werke oder des Gesetzes willen. Was sagen wir aber von dem Lohn, welches [dessen] die Schrift gedenkt? Für das erste, wenn wir sagten, dass das ewige Leben werde ein Lohn genannt darum, dass es den Gläubigen Christi aus der göttlichen Verheißung gehört, so hätten wir recht gesagt. Aber die Schrift nennt dass ewige Leben einen Lohn, nicht dass Gott schuldig sei, um die Werke das ewige Leben zu geben, sondern nachdem das ewige Leben sonst gegeben wird aus andern Ursachen, dass dennoch damit vergolten werden unsere Werke und Trübsale, obschon der Schatz so groß ist, dass ihn Gott uns um die Werke nicht schuldig wäre. Gleichwie das Erbteil oder alle Güter eines Vaters dem Sohn gegeben werden und sind eine reiche Vergleichung und Belohnung seines Gehorsams; aber dennoch empfängt er das Erbe nicht um seines Verdienstes willen, sondern dass es ihm der Vater gönnt als ein Vater usw. Darum ist’s genug, dass das ewige Leben deshalb werde ein Lohn genannt, dass dadurch vergolten werden die Trübsale, so wir leiden, und die Werke der Liebe, die wir tun, ob es wohl damit nicht verdient wird. Denn es ist zweierlei Vergelten, eins, das man schuldig ist, das andere, das man nicht schuldig ist. Als, so der Kaiser einem Diener ein Fürstentum gibt, damit wird vergolten des Dieners Arbeit, und ist doch die Arbeit nicht würdig des Fürstentums, sondern der Diener bekennt, es sei ein Gnadenlehen. Also ist und Gott um die Werke nicht schuldig das ewige Leben; aber dennoch, so er’s gibt um Christus’ willen den Gläubigen, so wird damit unser Leiden und Werke vergolten. Weiter sagen wir, dass die guten Werke wahrlich verdienstlich und meritoria seien. Nicht dass sie Vergebung des Sünden uns sollten verdienen oder vor Gott gerecht machen. Denn sie gefallen Gott nicht, sie geschehen denn von denjenigen, welchen die Sünden schon vergeben sind. So sind sie auch nicht wert des ewigen Lebens, sondern sie sind verdienstlich zu andern Gaben, welche in diesem und nach diesem Leben gegeben werden. Denn Gott, der verzieht viele Gaben bis in jenes Leben, da nach diesem Leben Gott die Heiligen wird zu Ehren setzen. Denn hier in diesem Leben will er den alten Adam kreuzigen und töten mit allerlei Anfechtgungen und Trübsalen. Und dahin gehört der Spruch Pauli: “Ein jeder wird Lohn empfangen nach seiner Arbeit.” Denn die Seligen werden Belohnung haben, einer höher denn der andere. Solchen Unterschied macht das Verdienst, nachdem es nun Gott gefällt, und ist Verdienst, weil diejenigen solche gute Werke tun, die Gott zu Kindern und Erben angenommen hat. So haben sie denn eigenes und sonderliches Verdienst, wie ein Kind vor dem andern.

Die Widersacher ziehen auch andere Sprüche an, zu beweisen, dass die Werke das ewige Leben verdienen. Als diese: Paulus sagt: “Er wird einem jeden geben nach seinen Werken.” Item Joh. am 5.: “Die Gutes getan haben, werden auferstehen zur Auferstehung des Lebens.” Item Matth. 25.: “Mich hat gehungert, und ihr habt mich gespeiset.”

Antwort: Diese Sprüche alle, welche die Werke loben, sollen wir verstehen nach der Regel, welche ich oben gesetzt habe, nämlich, dass die Werke außerhalb Christ Gott nicht gefallen, und dass man in keinem Wege ausschließen soll den Mittler Christum. Darum, so der Text sagt, dass das ewige Leben werde gegeben denen, “die Gutes getan haben”, so zeigt er an, dass es werde denjenigen gegeben, die durch den Glauben an Christum zuvor gerecht sind worden. Denn Gott gefallen keine guten Werke, es sei denn der Glaube dabei, dadurch sie glauben, dass sie Gott angenehm seien um Christus’ willen; Und welche also durch den Glauben sind gerecht worden, die bringen gewißlich gute Werke und gute Früchte; als der Text sagt: “Mich hat gehungert, und ihr habt mich gespeiset” usw. Da muss man ja bekennen, dass Christus nicht allein das Werk verstehe, sondern das Herz haben wolle, das da recht von Gott hält und glaubt, dass es Gott gefalle durch Barmherzigkeit. Also lehrt Christus, dass das ewige Leben den Gerechten gegeben wird, wie dabei Christus spricht Matth. 25, 46: “Die Gerechten werden ins ewige Leben gehen”, und nennt doch droben die Früchte, dass wir lernen sollen, dass Gerechtigkeit und Glaube nicht eine Heuchelei, sondern ein neu Leben sei, das gute Werke müssen folgen. Wir suchen hier nicht eine unnötige Subtilität, sondern es hat große Ursache, warum man in diesen Fragen einen gewissen Bericht muss haben. Denn alsbald, wenn man den Widersachern zuläßt, dass die Werke das ewige Leben verdienen, bald spinnen sie diese ungeschickte Lehre daraus, dass wir vermögen Gottes Gesetz zu halten, dass wir keiner Barmherzigkeit bedürfen, dass wir vor Gott gerecht seien, das ist, Gott angenehm, durch unsere Werke, nicht um Christus’ willen, dass wir auch opera supererogationis und mehr tun können, denn das Gesetz erfordert. Also wird dann die ganze Lehre vom Glauben gar unterdrückt. Soll aber eine christliche Kirche sein und bleiben, so muss je die reine Lehre von Christo, von Gerechtigkeit des Glaubens erhalten werden. Darum müssen wir solche große pharisäische Irrtümer anfechten, damit wir den Namen Christi und die Ehre des Evangelii und Christi erretten und den christliche Herzen einen rechten, beständigen, gewissen Trost erhalten. Denn wie ist es möglich, dass ein Herz oder Gewissen könne zur Ruhe kommen oder die Seligkeit hoffen, wenn in Anfechtungen und Todesängsten vor Gottes Urteil und Augen unsere Werke so gar zu Staub werden, wo es nicht durch Glauben des gewiß wird, dass wir selig werden aus Gnaden, um Christus’ willen, nicht um unsere Werke, um unsere Erfüllung des Gesetzes? Und freilich St. Lorenz, da er auf dem Rost gelegen und um Christus’ willen gemartert, ist nicht also gesinnt gewesen, dass dasselbe sein Werk Gottes Gesetz vollkömmlich und rein erfüllte, dass er ohne Sünde wäre, dass er des Mittlers Christi oder der Gnade nicht bedürfte. Er hat’s freilich bleiben lassen bei dem Worte des Propheten David, Ps. 143, 2: “Du wollest nicht ins Gericht gehen, Herr, mit deinem Knechte” usw. St. Bernhardus had auch nicht gerühmt, dass seine Werke würdig wären des ewigen Lebens, da er spricht: “Perdite vixi, ich habe fündlich gelebt” usw. Doch richtet er sich getrost wieder aus, hält sich an die Berheißung der Gnade und glabt, baß er um Christus’ willen Bergebung der Sünden das ewige Leben, wie der Psalm sagt, 32, 1: “Wohl denen, welchen die Sünden vergeben sind”, Und Paulus zu den Römern am 4, 6: “Dies ist des Menschen Seligkeit, wenn ihm die Gerechtigkeit wird zugerechnet ohne Werke.” So sagt nun Paulus, der sei selig, welchem die Gerechtigkeit wird zugerechenet durch den Glauben an Christum, ob er gleich kein gut Werk getan hat. Das ist der rechte beständige Trost, welcher in Anfechtungen besteht, damit die Herzen und Gewissen können gestärkt und getröstet werden, nämlich, dass um Christus’ willen durch den Glauben uns Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit und ewiges Leben gegeben wird. Wenn nun die Sprüche, so von Werken reden, dermaßen verstanden werden, dass sie den Glauben mitbegreifen, so sind sie gar nichts wider diese Lehre. Und man muss allezeit den Glauben mitbegreifen, damit wir den Mittler Christum nicht ausschließen. Dem Glauben aber folgt Erfüllung des Gesetzes; denn der Heilige Geist ist da, der macht ein neu Leben. Das sei genug von diesem Artikel.