Artikel XXIV. Von der Messe
Erstlich müssen wir aber [abermals] dies hier zum Eingange sagen, dass wir die Messe nicht abtun. Denn alle Sonntage und Feste werden in unsern Kirchen Messen gehalten, dabei das Sakrament gereicht wird denjenigen, die es begehren, doch also, dass sie erst verhört und absolviert werden. So werden auch christliche Zeremonien gehalten mit Lesen, mit Gesängen, Gebeten und dergleichen usw.
Die Widersacher machen ein groß Geschwätz von der lateinischen Messe und reden ganz ungeschickt und kindisch davon, wie auch ein Ungelehrter, der Latein nicht verstehe, groß verdiene mit Messehören im Glauben der Kirche. Da erdichten sie ihnen selbst, dass das schlechte Werk des Messehörens ein Gottesdienst sei, welcher auch dann nütze sei, wenn ich kein Wort höre oder verstehe. Das will ich nicht hier dermaßen [her]ausstreichen, wie es wert wäre.
Wir wollen verständige Leute hier richten lassen. Wir gedenken des darum, dass wir anzeigen, dass bei uns die lateinische Messe, Lektionen und Gebete auch gehalten werden. So aber die Zeremonien sollen darum gehalten werden, dass die Leute die Schrift und Gottes Wort lernen und dadurch zu Gottesfurcht kommen und Trost erlangen und also recht beten, denn darum sind Zeremonien eingesetzt: so behalten wir das Latein um derer willen, die Lateinisch können, und lassen daneben deutsche christliche Gesänge gehen, damit das gemeine Volk auch etwas lerne und zu Gottesfurcht und Erkenntnis unterrichtet werde.
Der Brauch ist allezeit für löblich gehalten in der Kirche. Denn obwohl an etlichen Orten mehr, an etlichen Orten weniger deutsche Gesänge gesungen werden, so hat doch in allen Kirchen je etwas das Volk deutsch gesungen; darum ist’s so neu nicht.
Wo steht aber diese pharisäische Lehre geschrieben, dass Messehören ohne Verstand, ex opere operato, verdienstlich und seliglich sei? Schämt euch ins Herz, ihr Sophisten, mit solchen Träumen!
Dass wir aber nicht Privatmessen, sondern allein einen öffentliche Messe, wenn das Volk mit kommuniziert, halte, das ist nicht wider die gemeine christlich Kirche. Denn in der griechischen Kirche werden auf diesen Tag keine Privatmessen gehalten, sondern allein eine Messe, und dasselbe auf die Sonntage und hohen Feste. Das ist alles eine Anzeigung des alten Brauchs der Kirche. Denn die Lehrer, so vor der Zeit St. Gregorius’ gewesen, gedenken an keinem Ort der Privatmessen.
Wie aber die einzelnen Messen oder Privatmessen einen Anfang gehabt, lassen wir jetzt anstehen. Das ist gewiß, da die Bettelorden und Mönche also überhandgenommen, sind die Messen aus den falschen Lehren derselben also täglich mehr und mehr gestiftet und eingerissen um Geldes und Geizen willen, also dass die Theologen selbst darüber allezeit geklagt haben. Und obwohl St. Franziskus aus rechter, guter Meinung hat dem Dinge wollen [zu]vorkommen und hat geordnet den Seinen, dass ein jeglich Kloster täglich mit einer gemeinen Messe sollte zufrieden sein, dasselbe nützliche Statut ist hernach durch Heuchelei oder um Geldes willen geändert.
Also verändern sie die Ordnung der alten Väter, wann and wo [es] sie gelüstet, wenn es ihnen in die Küche trägt, und sagen uns danach, man müsse der alten Väter Ordnung heiliglich halten. Epiphanius schreibt, dass in Asia alle Wochen communio dreimal gehalten sei, and man habe nicht täglich Messe gehalten, und sagt, der Brauch sei von den Aposteln also hergekommen.
Obwohl nun die Widersacher an diesem Ort viele Worte und Sprüche ineinandergekocht haben, da sie mit beweisen wollen, dass die Messe ein Opfer sei, so ist doch das große Geschrei mit dieser einzigen Antwort bald gestillt, und ist ihnen das Maul bald gestopft, wenn wir sagen: die Sprüche, die Argumente, Gründe und alles, was vorgebracht [ist], beweisen nicht, dass die Messen ex opere operato dem Priester oder andern, für die, so sie appliziert werden, verdienen Vergebung der Sünden, Erlassung der Pein und Schuld. Diese einzige, klare Antwort stößt über einen Haufen zu Boden alles, was die Widersacher vorbringen nicht allein in der Konfutation, sondern in allen ihren Büchern und Schriften, welche sie von der Messe geschrieben [haben].
Und das ist die Hauptfrage in dieser ganzen Sache, davon wollen wir einen jeden christlichen Leser verwarnt haben, dass er den Widersachern genau darauf sehe, ob sie auch bei der Hauptfrage bleiben. Denn sie pflegen aus der Hauptsache viel vergebliche, ungereimte Umschweife zu machen. Denn wenn man gleich und ungewankt bei der Hauptfrage bleibt und nichts Fremdes einmengt, da ist desto leichter zu urteilen auf beiden Seiten.
Wir haben in unserer Konfession angezeigt, dass wir halten, dass da Abendmahl oder die Messe niemand fromm mache ex opere operato, und dass die Messe, so für andere gehalten wird, ihnen nicht verdiene Vergebung der Sünden, Erlassung [von] Pein und Schuld.
Und des Hauptstücks haben wir ganz starken, gewissen Grund, nämlich diesen: Es ist unmöglich, dass wir sollten Vergebung der Sünden erlange durch unsere Werke, ex opere operato, das ist, durch das getane Werk an ihm selbst, sine bono motu utentis, wenn schon das Herz keinen guten Gedanken hat, sondern durch den Glauben an Christum muss das Schrecken der Sünde, des Todes überwunden werden, wenn unsere Herzen aufgerichtet und getröstet werden durch die Erkenntnis Christi, wie oben gesagt, wenn wir empfinden, dass wir um Christus’ willen einen gnädigen Gott haben, also dass uns sein Verdienst und Gerechtigkeit geschenkt wird, Röm. am 5. Kap.: “So wir denn gerecht sind worden durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott” usw. Dies ist ein solch starker, gewisser Grund, dass alle Pforten der Hölle dawider nichts werden können aufbringen; des sind wir gewiß.
Und dieses wäre eben genug von der ganzen Sache. Denn kein Vernünftiger oder Verständiger wird die pharisäische oder heidnische Heuchelei und den großen Mißbrauch vom opere operato loben mögen. Und ist doch derselbe Irrtum in aller Welt eingerissen. Daher hat man so viele, unzählige Messen in aller Welt, in allen Stiften, Klöstern, Kirchen, Klausen, in allen Winkeln gestiftet. Denn dazu werden Messen um Geld gehalten, Gottes Zorn zu versöhnen, durch das Werk Vergebung der Sünden, Erlösung von Pein und Schuld zu erlange, die Toten aus dem Fegfeür zu erlösen, Gesundheit, Reichtum, Glück und Wohlfahrt in Hantierung zu erlangen usw. Die heuchlerische, pharisäische Opinion haben die Mönche und Sophisten in die Kirche gepflanzt.
Obwohl nun der Irrtum vom Mißbrauch der Messe genugsam verlegt [widerlegt] ist dadurch, dass man nicht durch unser Werk, sondern durch den Glauben an Christum Vergebung der Sünden erlangt, doch, weil die Widersacher viele Sprüche der Schrift ganz ungeschickt einführen, ihren Irrtum zu verteidigen, wollen wir etwas mehr hier noch dazusetzen. Die Widersacher reden in ihrer Konfutation viel vom Opfer, so wir doch in unserer Konfession das Wort sacrificium mit Fleiß gemieden haben um ungewissen Verstandes willen, sondern haben ihren höchsten Mißbrauch mit klaren Worten ausgedrückt, den sie unter dem Names sacrificium meinen und treiben. Dass wir nun die Sprüche, so sie unrecht und fälschlich eingeführt, verlegen mögen, müssen wir erst sagen, was das Wort sacrificium oder Opfer heißt.
Sie haben zehn ganze Jahre viele Bücher geschrieben, dass die Messe ein Opfer sei, und ihrer keiner hat noch nie definiert, was Opfer sei oder nicht sei. Sie suchen allein das [die] Vokabel oder Wort sacrificium wo sie es finden inconcordantiis der Biblien, und dehnen es hierher, es reime sich oder nicht. Also tun sie auch in der alten Väter Büchern; danach erdichten sie ihre Träume dazu, gleich als müsse sacrificum heißen, was sie wollen.
Was Opfer sei oder nicht sei, und wie mancherlei Opfer.
Und damit man nicht blind in die Sache falle, müssen wir erstlich Unterrschied anzeigen, was Opfer and was nicht Opfer sei, and dies ist nützlich und gut allen Christen zu wissen.
Die Theologen pflegen recht zu unterscheiden sacrificium und sacramentum, Opfer und Sakrament. Nun, das genus wollen wir lassen sein ceremonia oder heilig Werk.
Sacramentum ist eine ceremonia oder äußerlich Zeichen oder ein Werk, dadurch uns Gott gibt dasjenige, so die göttlich Verheißung, welche derselben Zeremonien angeheftet ist, anbietet. Als, die Taufe ist eine Zeremonie und ein Werk, nicht das wir Gott geben oder anbieten, sondern in welchem uns Gott gibt und anbietet, in welchem uns Gott tauft oder der Diener an Gottes Statt. Da bietet uns Gott an und gibt uns Vergebung der Sünden nach seiner Verheißung: “Wer da glaubet und getauft wird, der soll selig werden.”: Wiederum, sacrificium oder Opfer ist eine ceremonia oder ein Werk, das wir Gott geben, damit wir ihn ehren.
Es ist aber vornehmlich zweierlei Opfer und nicht mehr, darunter alle andern Opfer begriffen sind. Für eins ist ein Versöhnopfer, dadurch genuggetan wird für Pein und Schuld, Gottes Zorn gestillt und versöhnt und Vergebung der Sünder für ander erlangt. Zum andern ist ein Dankopfer, dadurch nicht Vergebung der Sünden oder Versöhnung erlangt wird, sondern [es] geschieht von den jenigen, welche schon versöhnt sind, dass sie für die erlangte Vergebung der Sünden und andere Gnaden und Gaben Dank sagen.
Dieser zweierlei Opfer muss man mit Fleiß wahrnehmen in diesem Handel und in vielen andern Disputationen gar wohl darauf sehen, dass man diese zwei nicht ineinandermenge. Und diese unterschiedliche Teilung hat wohl starke Beweisung aus der Epistel zu den Hebräern und an vielen Orten in der Schrift.
Und alle Opfer in Gesetz Mosis, wie mancherlei die sind, können unter diese zweierlei Opfer als unter ihre genera beschlossen und begriffen werden. Denn etliche Opfer im Gesetz Mosis werden genannt Sühnopfer oder Opfer für die Sünden um der Bedeutung willen, nicht dass Vergebung der Sünden dadurch verdient wird vor Gott, sondern dass es äußerliche Versöhnungen waren um der Bedeutgung willen: denn diejenigen, für welche sie geschahen, wurden durch solche Opfer versöhnt, dass sie nicht aus dem Volk Isräl verstoßen würden. Darum waren es genannt Sühnopfer; die andern Opfer aber waren Dankopfer.
Also sind im Gesetz wohl Bedeutungen gewesen des rechten Opfers, aber es ist allein ein einziges wahrhaftiges Sühnopfer, Opfer für die Sünden, in der Welt gewesen, nämlich der Tod Christi, wie die Epistel zu den Hebräern sagt: “Es ist unmöglich gewesen, dass der Ochsen und Böcke Blut sollte Sünden wegnehmen.” Und bald hernach steht von dem Gehorsam und Willen Christi: “In welchem Willen wir geheiliget sind durch das Opfern des Leibes Jesu Christi einmal” usw.
Und Jesaias der Prophet hat auch zuvor das Gesetz Mosis ausgelegt und zeigt an, dass der Tod Christi die Bezahlung für die Sünden ist und nicht die Opfer im Gesetz, da er von Christo sagt: “Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, so wird er Samen haben und in die Länge leben.” Denn der Prophet hat das Wort: “Schuldopfer” auf Christus’ Tod gezogen, anzuzeigen, dass die Schuldopfer im Gesetz nicht das rechte Opfer wären, die Sünden zu bezahlen, sondern es müsste ein ander Opfer kommen, nämlich Christus’ Tod, dadurch Gottes Zorn sollte versöhnt werden. Ferner: die Schuldopfer im Gesetz mussten aufhören, da das Evangelium geoffenbart und das rechte Opfer ausgerichtet ward. Darum sind es nicht rechte Versöhnungen vor Gott gewesen, denn sie haben fallen müssen, und hat ein anderes müssen kommen. Derhalben sind es allein Bedeutungen und Vorbilder der rechten Versöhnung gewesen.
Darum bleibt dieses feststehen, dass nur ein einig Opfer gewesen ist, nämlich der Tod Christi, das für andere sollte appliziert werden, Gottes Zorn zu versöhnen.
Über dieses einige Sühnopfer, nämlich den Tod Christi, sind nun ander Opfer, die sind alle nur Dankopfer, als alles Leiden, Predigen, gute Werke der Heiligen. Dasselbe sind nicht solche Opfer, dadurch wir versöhnt werden, die man für ander tun könne, oder die da verdienen ex opere operato Vergebung der Sünden oder Versöhnung. Denn sie geschehen von denjenigen, so schon durch Christum versöhnt sind.
Und solche Opfer sind unsere Opfer in Neün Testament, wie Petrus der Apostel 1 Petr. 2 sagt: “Ihr seid ein heilig Priestertum, dass ihr opfert geistliche Opfer.”
Und im Neün Testament gilt kein Opfer ex opere operato sine bono motu utentis, das ist, das Werk ohne einen guten Gedanken im Herzen. Denn Christus spricht Joh. am 4. : “Die rechten Anbeter werden den Vater anbeten im Geist und in der Wahrheit”, das ist, mit Herzen, mit herzlicher Furcht und herzlichem Glauben. Darum ist’s eitel teuflische, pharisäische und antichristische Lehre und Gottesdienst, dass unsere Widersacher lehren, ihre Messe verdiene Vergebung der Schuld und Pein ex opere operato. Die Juden verstanden ihre Zeremonien auch nicht recht und meinten, sie wären vor Gott fromm, wenn sie die Werke getan hätten, ex opere operato.
Dawider schreien die Propheten aufs allerernstlichste, damit sie die Leute von eigenen Werken auf die Zusage Gottes wiesen und sie zum Glauben und rechten Gottesdienst brächten. Also steht Jer. am 7.: “Ich habe nicht mit euren Vätern von Opfern geredet oder Brandopfern, da ich sie aus Ëgyptenland führte, sondern dies Wort habe ich ihnen geboten: Höret meine Stimme, und ich will eür Gott sein” usw. Was werden wohl die halsstarrigen Juden zu dieser Predigt und Lehre gesagt haben, die da ganz öffentlich wider das Gesetz und Mose scheint? Denn es war je öffentlich, dass Gott den Vätern von Opfern geboten hatte, das konnte Jeremias nicht leugnen. Jeremias aber verdammt ihren Irrtum von den Opfern, von welchen kein Gottesbefehl war, nämlich dass die [sie] meinten, dass die Opfer ex opere operato Gott versöhnten und gefielen. Darum setzt Jeremias das dazu vom Glauben, das Gott geboten hat: Hört mich, das ist, glaubt mir, dass ich eure Gott bin, dass ich euch erhalte, mich eür erbarme, euch alle Stunden helfe, und [be]darf eurer Opfer nicht; glaubt, dass ich eür Gott bin, der euch gerecht macht und heilig, nicht um eures Verdienstes willen, sondern um meiner Zusage willen; darum sollt ihr von mir allen Trost und Hilfe [er]warten.
Auch so verwirft die heidnische Opinion vom opere operato der 50. Psalm, da er sagt: “Meinest du, dass ich Ochsenfleisch essen wolle oder Bocksblut trinken? Rufe mich an in der Zeit der Not” usw. Da wird das opus operatum verworfen und sagt: “Rufe mich an!” Da zeigt er den höchsten Gottesdienst an, wenn wir ihn von Herzen anrufen. Item im 40. Psalm: “Du hast keine Lust am Opfer und Speisopfer; aber die Ohren hast du mir aufgetan”, das ist, du hast mir ein Wort gegeben, das ich hören soll, und forderst, dass ich deinem Wort glauben soll und deinen Zusagen, dass du mir helfen willst. Item Ps. 51: “Du hast nicht Lust zum Opfer, ich gäbe dir es sonst” usw. : “Die Opfer Gottes sind ein zerbrochener Geist” usw. Item im 4. Psalm: “Opfert Opfer der Gerechtigkeit und hoffet auf den Herrn.” Da befiehlt er, dass wir sollen auf den Herrn hoffen, und nennt das ein recht Opfer. Da zeigt er an, dass die andern nicht rechte Opfer seien usw. Item Ps. 116: “Dir will ich Dankopfer opfern und es Herrn Namen anrufen” usw.
Und die ganze Schrift ist voll solcher Sprüche, die da anzeigen, dass kein Opfer, kein Werk ex opere operato Gott versöhnt. Darum lehrt sie, dass im Neün Testament die Opfer des Gesetzes Mosis abgetan seien, und seien eitel reine Opfer, ohne Makel, nämlich der Glaube gegen Gott, Danksagung, Gottes Lob, Predigt des Evangelii, Kreuz und Leiden der Heiligen und dergleichen.
Und von diesen Opfern redet Maleachi, da er sagt: “Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang ist mein Name groß unter den Heiden, und an allen Orten soll meinem Namen geopfert werden ein rein Opfer.” Denselben Spruch deuten die Widersacher fälschlich und närrisch, von der Messe zu verstehen, und ziehen die alten Väter an. Es ist aber da bald geantwortet: Wenngleich Maleachi von der Messe redet, als er nicht tut, so folgt doch daraus nicht, dass die Messe ex opere operato uns vor Gott fromm mache, oder dass man Messe könne halten für andere, denselben Vergebung der Sünden zu erlangen.
Der keines sagt der Prophet, sondern die Sophisten und Mönche erdichten’s unverschämt aus ihrem eigenen Hirn. Die Worte aber des Propheten bringen selbst den rechten Verstand mit. Denn erst sagt der Prophet, es solle der Name des Herrn groß werden; das geschieht durch die Predigt des Evangelii. Denn durch dieselbe wird der Name Christi bekannt, und wird bekannt die Gnade, in Christo verheißen. Durch die Predigt aber des Evangelii kommen die Leute zum Glauben; die rufen dann Gott recht an, die danken Gott, die leiden um Gottes willen Verfolgung, die tun gute Werke. Darum nennt’s der Prophet das reinen Opfer, nicht die Zeremonie der Messe allein ex opere operato, sondern alle geistlichen Opfer, durch welche Gottes Name groß wird. Nämlich ein rein, heilig Opfer ist die Predigt des Evangelii, der Glaube, Anrufen, Gebet, das Evangelium und Christum vor der Welt bekennen usw.
Und wir fechten nicht groß an, ob es jemand je auch auf die Zeremonie der Messe deuten wollte, wenn er nur nicht sagt, dass die schlechte ceremonia ex opere operato Gott versöhne. Denn wie wir die Predigt heißen ein Lobopfer, so mag die ceremonia des Abendmahls an ihm selbst ein Lobopfer sein, aber nicht ein solch Opfer, das ex opere operato vor Gott gerecht mache, oder das man für andere tun könne, ihnen Vergebung der Sünden zu erlangen. Aber bald hernach wollen wir auch sagen, wie die ceremonia ein Opfer sei. Weil aber Maleachi redet von allen Gottesdiensten und Opfern des Neün Testaments, so redet er nicht allein von der Messe oder Abendmahl. Ferner: weil er klar widerredet demselben pharisäischen Irrtum vom opere operato, so tut der Spruch nichts wider uns, sondern vielmehr für uns, denn er fordert inwendig das Herz, Gott Dankopfer zu tun, durch welches der Name der Herrn recht groß werde.
Es wird auch aus dem Maleachi noch ein Spruch angezogen: “und er wird seigern [seihen, läutern] die Söhne Levi wie Gold und wie Silber, und sie werden Gott opfern Opfer der Gerechtigkeit.” Da sagt er von Opfern der Gerechtigkeit; darum ist der Text wider das opus operatum. Die Opfer aber der Söhne Levi, das ist, derjenigen, die da predigen im Neün Testament, ist die Predigt des Evangelii und die guten Früchte der Predigt, wie Paulus Röm. 15 sagt: “Ich soll sein ein Diener Christi unter den Heiden, zu opfern das Evangelium Gottes, auf dass die Heiden ein Opfer werden, Gott angenehm durch den Glauben.” Denn das Ochsen= und Schafschlachten im Gesetz hat bedeutet den Tod Christi und das Predigtamt des Evangelii, dadurch der alte Adam täglich getötet werde, und das neü und ewige Leben sich anfängt. Aber die Widersacher deuten allenthalben das Wort Opfer oder sacrificium allein auf die Zeremonien der Messe. Von dem Predigtamt des Evangelii, vom Glauben, vom Danken und Anrufen göttlichen Namens reden sie gar nichts, so doch die Zeremonia darum ist eingesetzt, so doch das Neü Testament eitel geistliche Opfer hat inwendig des Herzens und nicht solche Opfer wie das levitische Priestertum.
Auch so ziehen die Widersacher an das iuge sacrificium, das ist das tägliche Opfer, und sagen, wie im Gesetz Mosis sei gewesen ein täglich Opfer, also sei die Messe iuge sacrificium des Neün Testaments. Wenn die Sache mit Allegorien außurichten wäre, so würde jedermann Allegorien finden, ihm dienlich. Aber alle Verständigen wissen, dass man in solchen hochwichtigen Sachen vor Gott gewiß und klar Gottes Wort haben muss und nicht dunkle und fremde Sprüche herzuziehen mit Gewalt. Solche ungewisse Deutungen halten den Stich nicht vor Gottes Gericht. Obwohl wir wollten den Widersachern zu Gefallen noch die Messe wohl iuge sacrificium oder täglich Opfer nennen lassen, wenn sie die ganze Messe, das ist die Zeremonien mit der Danksagung, mit dem Glauben im Herzen, mit dem herzlichen Anrufen göttlicher Gnade, iuge sacrificium des Neün Testaments heißen. Denn die Zeremonia der Messe oder des Abendmahls ist um des alles willen aufgerichtet; denn sie ist um des Predigens willen eingesetzt, wie Paulus sagt: “Sooft ihr das Brot esset und den Kelch trinket, sollt ihr den Tod des Herrn verkündigen.” Das folgt aber gar nicht aus der Figur des täglichen Opfers, dass die Messe sei ein solch Opfer, das ex opere operato Gott versöhne, oder das man für andere halten oder tun könne, ihnen Vergebung der Sünden zu erlangen.
Und wenn man iuge sacrificium oder das tägliche Opfer recht ansieht, so malet’s ab und bedeutet nicht allein die Zeremonien, sondern auch die Predigt des Evangelii. Denn im 4. Buch Mosis am 28. werden gesetzt drei Stücke, die zu demselben täglichen Opfer gehörten. Erstlich ward geopfert ein Lamm zu einem Brandopfer, und ward Wein darauf gegossen. Danach ward auch geopfert ein Kuchen, mit Semmelmehl und Öl gemenget. Das ganze Gesetz Mosis ist ein Schatten und Figure Christi und des Neün Testaments, darum so wird Christus darin abgemalet. Das Lamm bedeutet den Tod Christi. Wein darauf gießen bedeutet, dass in aller Welt alle Gläubigen von den Lammes Blut besprengt werden durch das Evangelium, das ist, dass sie geheiligt werden; wie Petrus sagt 1 Petr. 12: “durch Heiligung des Geistes im Gehorsam und Besprengung des Blutes Jesu Christi”. Der Kuchen bedeutet das Anrufen und die Danksagung in aller Gläubigen Herzen.
Wie nun in Alten Testament der Schatten ist und die Bedeutung Christi oder des Evangelii, also ist im Neün Testament dasselbe Evangelium und die Wahrheit, welche durch die Figur bedeutet ist, zu suchen, und ist nicht erst in neure typus oder Figur zu suchen, das sie möchten oder wollten sacrificium nennen.
Darum, obwohl die Messe oder Zeremonia im Abendmahl ein Gedächtnis ist des Todes Christi, so ist doch nicht die Zeremonia allein das iuge sacrificium oder tägliche Opfer, sondern das Gedächtnis des Todes Christi zusamt der Zeremonia ist das tägliche Opfer, das ist, die Predigt vom Glauben und Christo, welcher Glaube wahrlich glaubt, dass Gott durch den Tod Christi versöhnt sei. Zu demselben iuge sacrificio gehört auch die Frucht der Predigt, dass wir mit dem Blut Christi besprengt, das ist, geheiligt werden, dass der alte Adam getötet [werde] und der Geist zunehme; das ist das Gießen. Danach sollen wir auch danken und Gott loben und den Glauben mit Leiden und guten Werken bekennen; das ist durch Mehl und Öl bedeutet.
Also wenn der grobe pharisäische Irrtum von dem opere operato weggetan ist, findet sich, dass durch das iuge sacrificium bedeutet ist das geistliche Opfer und tägliche Opfer der Herzen; denn Paulus sagt: Im Alten Testament ist “der Schatten der künftigen Güter”, “der Leib aber” und die Wahrheit “ist in Christo”, Kol. 2, 17. Das ist nun das Erkenntnis Christi und der Heilige Geist im Herzen, welcher eitel Danksagung und täglich geistliche Opfer im Herzen wirkt.
Aus dem erscheint nun genug, dass das Gleichnis vom iuge sacrificio oder täglichen Opfer nichts wider uns ist, sondern vielmehr für uns. Denn wir haben klar angezeigt, dass alles, was zum täglichen Opfer im Gesetz Mosis gehört hat, muss ein wahr, herzlich Opfer, nicht opus operatum bedeuten. Der Widersacher Traum ist falsch, da sie wähnen wollen, es werde allein das schlechte, äußerliche Werk und Zeremonien bedeutet, so doch der Glaube im Herzen, das Predigen, Bekennen, Danksagen und herzliches Anrufen die rechten täglichen Opfer sind und das Beste an der Messe, sie nennen’s gleich Opfer oder anders.
Nun können alle gottesfürchtigen, frommen, ehrbaren, christlichen Leute leichtlich merken, dass der Widersacher Beschuldigung unrecht ist, da sie sagen, wir tun das iuge sacrificium ab. Die Erfahrung aber gibt’s, dass sie die rechten Antiochi sind, die als die wütenden Tyrannen mit eitel Durst [Kühnheit] und Gewalt sich erzeigen in der Kirche, die unter einem Schein der Geistlichkeit zu sich ziehen alle Gewalt der Welt und fragen doch nichts nach dem Predigtamt, nach Christo oder dem Evangelio. Darüber [außerdem] unterstehen sie sich, neü Gottesdienste ihres Gefallens in der Kirche anzurichten und mit eitel Gewalt zu verfechten.
Denn die Widersacher behalte allein die Zeremonie der Messe, den rechten Gebrauch aber der Messe lassen sie fahren und brauchen die Messe allein zum Geiz und schändlichen Jahrmarkt und erdichten danach, es sei ein Werk, das andern zugute komme, das andern Vergebung der Sünden, [der] Pein und Schuld verdiene.
In ihren Predigten aber lehren sie nicht das Evangelium, sie trösten auch nicht die Gewissen, sie predigen auch nicht, dass die Sünden ohne Verdienst vergeben werden um Christus’ willen, sondern predigen vom Anrufen der Heiligen, von satisfactionibus, von Genugtuungen, von Menschensatzungen und sagen, dass dadurch die Leute vor Gott fromm werden. Und obwohl derselben öffentlichen, gotteslästerlichen Mißbräuche viel sind, so wollen sie doch dieselben, weil sie Geld tragen, mit Gewalt erhalten. Und die gelehrtesten Prediger unter ihnen predigen verworrene philosophisch Quästionen und Fragen, welche weder sie selbst noch das Volk verstehen. Endlich, ob etliche unter ihnen sind nicht gar ungelehrt, so lehren sie doch eitel Gesetz und lehren von Christo oder vom Glauben gar nichts.
Die Widersacher ziehen den Daniel an, der da sagt: “Es werden Greül und Verwüstung in der Kirche stehen”, und deuten dieses auf unsere Kirche, derhalben dass die Altäre nicht bedeckt sind, nicht Lichter drinnen brennen und dergleichen. Obwohl es nicht wahr ist, dass wir solche äußerliche Ornamente alle wegtun, dennoch, so es schon also wäre, redet Daniel nicht von solchen Dingen, die gar äußerlich sind und zur christlichen Kirche nicht gehören,
sondern meint viel eine andere, greulichere Verwüstung, welche im Papsttum stark geht, nämlich von Verwüstung des nötigsten, größten Gottesdienstes, des Predigtamts und Unterdrückung des Evangelii. Denn bei den Widersachern predigt man das mehrere Teil von Menschensatzungen, dadurch die Gewissen von Christo auf eigene Werke und Vertraün geführt werden; so ist’s gewiß, dass unterm Papsttum die Predigt von der Buße oder de poenitentia, wie die Widersacher davon gelehrt,
niemand verstanden hat, and das ist doch das nötigste Stück der ganzen christlichen Lehre. Die Widersacher haben die armen Gewissen gequält und geplagt mit Sündenerzählen; vom Glauben an Christum, wodurch man erlangt Vergebung der Sünden, von dem rechten Kampf und Anfechtung, welche sind Übungen des Glaubens, haben sie gar nichts Rechtes gelehrt, dadurch die Gewissen hätten mögen Trost haben. Alle ihre Bücher, alle ihre Predigten sind in dem Stücke als nütze gewesen als nichts und haben dazu unsäglichen Schaden getan.
Darüber [überdies] ist bei den Widersachern der schreckliche, greuliche Mißbrauch der Messe, desgleichen kaum je auf Erden gewesen, und sonst unzählig viel unchristliche, närrische Gottesdienste. Das ist die rechte Verwüstung, davon Daniel sagt.
Dagegen in unsern Kirchen warten die Priester recht ihres Amts, lehren und predigen das Evangelium, predigen Christum, dass wir nicht um unserer Werke willen, sondern um Christus’ willen Vergebung der Sünden und einen gnädigen Gott haben. Diese Lehre gibt den Herzen einen rechten, gewissen, beständigen Trost. Auch so lehren sie die zehn Gebote und von rechtschaffenen guten Werken, welche Gott geboten hat, darüber auch von rechtem christlichen Gebrauch der heiligen Sakramente.
Und wenn ja das Abendmahl oder die Messe sollte das tägliche Opfer genannt werden, so möchte billiger die Messe bei uns also heißen. Denn bei ihnen halten ihre Pfaffen das mehrere Teil alle um ihre Präbenden und um Geldes willen Messe. In unsern Kirchen wird der heiligen Sakramente also nicht mißbraucht. Denn da wird niemand mit Geld dazu getrieben, sondern man läßt die Gewissen sich prüfen, Trost da zu suchen; dazu werden die Leute unterrichtet von rechtem christlichen Gebrauch des Sakraments, dass es nämlich dazu eingesetzt ist, dass es sei ein Siegel und gewiß Zeichen der Vergebung der Sünden, dadurch die Herzen erinnert und der Glaube gestärkt wird, dass sie gewiß glauben, dass ihnen die Sünden vergeben sind. So wir nun die Predigt des Evangelii und den rechten Gebrauch des Sakraments bei uns behalten, so haben wir ohne Zweifel das tägliche Opfer.
Und wenn man gleich von äußerlichem Wohlstehen sagen sollte, so sind unsere Kirchen besser geziert denn des Gegenteils. Denn der rechte äußerliche Kirchenschmuck ist auch rechte Predigt, rechter Gebrauch der Sakrament, und dass das Volk mit Ernst dazu gewöhnt sei und mit Fleiß und zücht zusammenkomme, lerne und bete. Weil man nun durch Gottes Gnade in unsern Kirchen christlich und heilsam Ding lehrt von Trost in allem Anfechten, bleiben die Leute gern bei guter Predigt.
Denn es ist kein Ding, das die Leute mehr bei der Kirche behält denn die gute Predigt. Aber unsere Widersacher predigen ihre Leute aus der Kirche; denn sie lehren nichts von den nötigen Stücken christlicher Lehre, sagen Heiligenlegenden und andere Fabeln. Überdas, wo unsere Widersacher ihre Kerzen, Alkartücher, Bilder und dergleichen Zier für nötige Stücke [achten] und damit Gottesdienste anrichten, sind sie des Antichrists Gesinde, davon Daniel sagt, dass sie ihren Gott ehren mit Silber, Gold und dergleichen Schmuck.
Auch so ziehen sie an aus der Epistel Hebr. 5: “Ein jeglicher Hoherpriester, der aus den Menschen genommen wird, der wird gesetzt für die Menschen gegen Gott, auf dass er opfere Gaben und opfere [Opfer] für die Sünde.” Da schließen sie: Nachdem [da] im Neün Testament Bischöfe sind und Priester, so folgt, dass auch ein Opfer müsse sein für die Sünden. Dieses nun möchte am meisten die Ungelehrten und Unerfahrenen bewegen, besonders wenn sie ansehen das herrliche Gepränge im Tempel und Kirchen, item die Kleidung Aarons; da im Alten Testament auch viel Schmuck von Gold, Silber und Purpur gewesen, denken sie, es müsse im Neün Testament gleich also ein Gottesdienst, solche Zeremonien und Opfer sein, da man für anderer Leute Sünden opfere wie im Alten Testament. Denn der ganze Mißbrauch der Messen und päpstlichen Gottesdienste ist nirgend hergekommen, denn dass sie haben wollen den Mosis Zeremonien nachfolgen und haben es nicht verstanden, dass das Neü Testament mit andern Sachen umgeht, und dass solche äußerliche Zeremonien, ob man sie zur Kinderzucht braucht, sollen ihr Maß haben.
Und obwohl unsere Sache besonders wohl gegründet ist in der Epistel zu den Hebräern, so ziehen doch die Widersacher aus derselben Epistel etliche Sprüche verstümpelt an, als eben an dem obangezeigten Ort, da der Text sagt: “Ein jeglicher Hoherpriester usw. wird gesetzt zu opfern” usw. Der Text führt das bald auf Christum. Die Worte, so vorhergehen, reden vom levitischen Priestertum und sagen, das levitische Priestertum sei eine Deutung des Priestertums Christi. Denn die levitischen Opfer für die Sünden, die verdienten nicht Vergebung der Sünden vor Gott, sondern waren allein ein Bild Christi, welcher war das rechte, einige, wahre Opfer für die Sünden, wie ich oben gesagt habe.
Und gar nahe die ganze Epistel zu den Hebräern handelt das mehrere Teil davon, dass das levitische Priestertum und die Opfer im Gesetz dazu nicht eingesetzt [sind], dass man Vergebung der Sünden oder Versöhnung vor Gott damit verdienen solle, sondern allein zu bedeuten das künftige rechte Opfer, Christum.
Denn die Patriarchen und Heiligen im Alten Testament sind auch gerecht geworden und Gott versöhnt durch den Glauben an die Verheißung von dem künftigen Christo, durch welchen Heil und Gnade verheißen ward, gleichwie wir im Neün Testament durch den Glauben an Christum, der da offenbart ist, Gnade erlangen. Denn alle Gläubigen von Anbeginn haben geglaubt, dass ein Opfer und Bezahlung für die Sünde geschehen würde, nämlich Christus, welcher künftig und verheißen war, wie Jesaia am 53. sagt: “Wenn er seine Seele wird geben ein Schuldopfer für die Sünde” usw.
So nun im Alten Testament durch die Opfer niemand hat erlangt Vergebung der Sünden (denn allein sie haben bedeutet das einige Opfer Christi), so folgt, dass allein ein einiges Opfer ist, nämlich Christus, welcher für aller Welt Sünde bezahlt und genuggetan hat. Derhalben ist im Neün Testament fürder auch kein ander Opfer zu machen, dadurch die Sünden bezahlt werden, denn allein der einige Tod Christi, so am Kreuz einmal geopfert ist.
Darum, wenn sie so sagen, es müsse im Neün Testament ein Priester sein, der da opfert, so ist das allein von Christo nachzugeben und zu verstehen. Und darauf dringt und [damit] stimmt stark die ganze Epistel zu den Hebräern. Und das hieße auch gar andere Mittler darstellen und eindringen neben Christo, wenn wir eine andere Satisfaktion für die Sünden zuließen und Versöhnung denn den Tod Christi.
Und weil das Priestertum des Neün Testaments ein Amt ist, dadurch der Heilige Geist wirkt, kann kein Opfer sein, das ex opere operato andern helfe. Denn wo nicht eigener Glaube und Leben durch den Heiligen Geist gewirkt wird, kann mich eines andern opus operatum nicht fromm und selig machen. Darum kann die Messe nicht für andere gelten: das ist ja klar und gewiß.
Wir haben nun Ursache angezeigt, warum die Messe niemand vor Gott gerecht mache ex opere operato, warum auch Messen für andere nicht können gehalten werden; denn beides ist stracks wider den Glauben und die Lehre von Christo. Denn es ist unmöglich, dass Sünden sollten vergeben werden, oder dass die Schrecken des Todes, der Hölle sollten durch eines andern Werk überwunden werden denn allein durch den Glauben an Christum, wie der Spruch lautet Röm. 5: “So wir gerecht sind worden, so haben wir Frieden mit Gott” usw.
Dazu haben wir angezeigt, das die Sprüche der Schrift, welche man wider uns anzieht, auch nichts beweisen für die heidnische und antichristische Lehre der Widersacher vom opere operato. Und das können nun alle gottesfürchtigen, ehrbaren Leute in aller Welt, in allen Nationen merken und urteilen.
Darum ist zu verwerfen der Irrtum Thomä, der da schreibt, das der Leib des Hern einmal am Kreuz geopfert sei für die Erbsünde und werde täglich für die täglichen Sünden geopfert auf dem Altar, dass also die Kirche habe ein Opfer, täglich Gott zu versöhnen.
Auch sind die andern Irrtümer zu verwerfen, das die Messe zugute komme ex opere operato dem, der sie halt. Ferner: wenn man Messe hält für andere, die nicht obicem setzen, wenn sie gleich gottlos sind, das dieselben Vergebung der Sünden und Erlösung von Pein und Schuld erlangen. Das alles sind eitel Irrtümer und falsch und von eitel ungelehrten, heillosen Mönchen erdichtet, die doch vom Evangelio, von Christo und dem Glauben gar nichts wissen.
Aus diesem Irrtum von solchen Misbräuchen der Messen sind unzählige andere erwachsen, nämlich dass sie disputieren, ob eine Messe, wenn sie für viele gehalten wird, auch [so] kräftig sei, als wenn eine jede person eine eigene Messe für sich halten läßt. Aus dieser Disputation sind die Messen gewachsen und je höher verkauft worden. Weiter, so halten sie noch Messe für die Toten, zu erlösen die Seelen aus dem Fegfeür (welches ein schändlicher Jahrmarkt ist), so doch das Sakrament weder den Lebendigen noch den Toten nütze ist ohne den Glauben.
Und die Widersacher können aus der Schrift nicht einen Buchstaben, nicht eine Silbe vorbringen zur Bestätigung der Träume und Fabeln, welche sie doch ohne alle Scheu und Scham mit großem Geschrei in großem Ansehen predigen, so sie doch darüber weder der Kirche noch der Väter Zeugnis haben. Darum sind es heillose, verblendete Leute, welche die öffentliche Wahrheit Gottes wissentlich Verachten und mit Füßen treten.
Was die alten Lehrer oder Väter vom Opfer schreiben.
Nachdem wir die Sprüche, so die Widersacher aus der Schrift angezogen, recht ausgelegt und verantwortet haben, so müssen wir auch auf der alten Väter Sprüche, welche sie anziehen, antworten. Wir wissen wohl, dass die Väter die Messe ein Opfer nennen; aber der Väter Meinung ist nicht, dass man durch Messehalten ex opere operato Vergebung der Sünden erlange, oder dass man Messe halten solle für Lebendige und Tote, ihnen Vergebung der Sünden, Ablaß von Pein und Schuld zu erlangen. Denn sie werden nimmermehr beweisen, dass von solchem Greül wider alle Schrift die Väter etwas gelehrt, sondern der Väter Bücher reden von Danksagung und Dankopfer, darum nennen sie die Messe eucharistiam.
Wir haben aber hier oben angezeigt, dass die Dankopfer uns nicht Vergebung der Sünden erlangen, sondern geschehen von denjenigen, die schon versöhnt sind durch den Glauben an Christum. Gleichwie Kreuz und Trübsale nicht Versöhnung gegen Gott verdienen, sondern sind Dankoopfer, wenn diejenigen, so versöhnt sind, solche Trübsale tragen und leiden. Und diese kurzen Worte sind Antwort genug wider die Sprüche der Väter, schützen uns auch genug wider unsere Widersacher. Denn es ist gewiß, dass die Träume vom opere operato nirgend in der Väter Büchern oder Schriften gefunden werden. Aber damit diese ganze Sache und Handel von der Messe desto klarer zu verstehen sei, so wollen wir auch vom rechten Gebrauch des Sakraments reden, und also, wie es in der Heiligen Schrift und in allen Schriften der Väter auch zu finden.
Vom rechten Gebrauch des Sakraments und von dem Opfer.
Etliche vorwitzige Gelehrte erdichten ihnen selbst, das Abendmahl des Herrn sei um zweierlei Ursache willen eingesetzt. Erstlich, dass es sei eine Losung und Zeichen eines Ordens, wie die Mönchskappen ihrer Orden Unterschiede und Zeichen sind. Danach gedenken sie, Christus habe besonders Wohlgefallen, dieselbe Losung durch ein Essen oder Abendmahl zu geben oder anzurichten, dass er anzeigte die Freundschaft brüderlicher Verwandtnis, so unter den Christen sein soll: denn miteinander essen und trinken ist ein Zeichen der Freundschaft. Aber das ist ein menschlicher Gedanke und zeigt nicht den rechten Gebrauch des Sakraments an. Da wird allein von Liebe und Freundschaft geredet, welches weltliche Leute auch verstehen. Da ist aber vom Glauben nichts geredet oder von der Verheißung Gottes, welches das Größte ist; welcher Glaube ein viel höher, größer Ding ist, denn man gedenkt.
Die Sakramente aber sind Zeichen des göttlichen Willens gegen uns und sind nicht allein Losungen oder Zeichen, dabei sich die Leute kennen; und diejenigen sagen recht die da sagen, die Sakramente sind signa gratiae. das ist, die Sakramente sind Zeichen der Gnade. Und weil im Sakrament zwei Dinge sind, das äußerliche Zeichen und das Wort, so ist im Neün Testament das Wort die Verheißung der Gnade, welche dem Zeichen angeheftet ist. Und dieselbe Verheißung im Neün Testament ist eine Verheißung der Vergebung der Sünden, wie der Text sagt: “Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das ist der Kelch des Neün Testaments in meinem Blut, welches vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.”
Das Wort bietet uns an Vergebung der Sünden. Das äußerliche Zeichen ist wie ein Siegel und Bekräftigung der Worte und Verheißung, wie es Paulus auch nennt. Darum, wie die Verheißung vergeblich ist, wenn sie nicht durch den Glauben gefaßt wird, also ist auch die Zeremonia oder äuserliche Zeichen nicht nütze, es sei denn der Glaube da, welcher wahrhaftig dafürhält, dass uns Vergebung der Sünden widerfährt. Und derselbe Glaube tröstet die erschrockenen Gewissen. Und wie Gott die Verheißung gibt, solchen Glauben zu erwecken, also ist auch das äußerliche Zeichen daneben gegeben und vor die Augen gestellt, dass es die Herzen zu Glauben bewege und dem Glauben stärke. Denn durch die zwei, durchs Wort und äuserliche Zeichen, wirkt der Heilige Geist.
Und dies ist der rechte Gebrauch des heiligen Sakraments, wenn durch den Glauben an die göttliche Verheißung die erschrockenen Gewissen werden wieder aufgerichtet. Und das ist der rechte Gottesdienst im Neün Testament; denn im Neün Testament geht der höchste Gottesdienst inwendig im Herzen zu, dass wir nach dem alten Adam getötet werden und durch den Heiligen Geist neu geboren werden. Und dazu hat auch Christus das Sakrament eingesetzt, da er sagt: “Solches tut zu meinem Gedächtnis!”
Denn solches zu Christi Gedächtnis tun, ist nicht ein solch Ding, das allein mit Gebärden und Werken zugeht, allein zu einer Erinnerung und zu einem Exempel, wie man in Historien Alexandri und dergleichen gedenkt usw., sondern heißt da Christum recht erkennen, Christi Wohltat suchen und begehren. Der Glaube nun, der da erkennt die überschwengliche Gnade Gottes, der macht lebendig. Und das ist der vornehmste Gebrauch des Sakraments, daran wohl zu merken, welche recht geschickt seien zu dem Sakrament, nämlich die erschrockenen Gewissen, welche ihre Sünden fühlen, vor Gottes Zorn und Urteil erschrecken und sich nach Trost sehnen. Darum sagt der Psalm: “Er hat ein Gedächtnis gemacht seiner Wunder, der gnädige und barmherzige Herr; er hat Speise gegeben denen, so ihn fürchten.”
Und der Glaube, der da erkennt solche Barmherzigkeit, der macht lebendig, und das ist der rechte Gebrauch des Sakraments.
Da ist denn auch und findet sich das Dankopfer oder Danksagung. Denn wenn das Herz und Gewissen empfindet, aus was großer Not, Angst und Schrecken es erlöst ist, so dankt es aus Herzensgrunde für so grossen, unsäglichen Schatz und braucht auch der Zeremonien oder äußerlichen Zeichen zu Gottes Lobe und erzeigt sich, dass es solche Gottesgnade mit Dankbarkeit annehme, groß und hoch achte. Also wird die Messe ein Dankopfer oder Opfer des Lobes.
Und also reden die Väter davon von zweierlei Effekt oder Nutzen des Sakraments: erstlich, dass dadurch die Gewissen getröstet werden; zum audern, dass Gott Lob und Dank gesagt werde. Das erste gehört eigentlich zum rechten Gebrauch des Sakraments, das andere zu dem Opfer. Vom Trost sagt Ambrosius: “Geht zu ihm, das ist, zu Christo, und empfangt Gnade usw.; denn er ist die Vergebung der Sünden. Fragt ihr aber, wer er sei? Hört ihn selbst reden: ‘Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, den wird nicht hungern, und wer an mich glaubet, den wird nicht dürsten.’ ” Da zeigt er an, dass mit dem Sakrament angeboten wird Vergebung der Sünden. Er sagt auch, man soll solches mit dem Glauben fassen. Man findet der Sprüche unzählige in der Väter Büchern, welche die Widersacher alle auf das opus operatum und auf das Messehalten, so für andere geschieht, deuten, so doch die Väter vom Glauben an die Verheißung Gottes und von dem Trost, den die Gewissen empfangen, reden, und de applicatione gar nichts sagen.
Darüber findet man Sprüche in den Vätern von Danksagung, wie denn Cyprianus fast lieblich redet vom christlichen Kommunizieren. “Ein christlich Herz”, sagt er, “teilt seinen Dank auf einen Teil für den geschenkten Schatz, aufs andere Teil für die vergebenen Sünden und dankt für so reiche Gnade.” Das ist, ein christlich Herz, das steht an, was ihm geschenkt ist in Christo und was ihm auch für große Schuld aus Gnaden erlassen ist; hält gegeneinander unsern Jammer und die große Barmherzigkeit Gottes und dankt Gott usw.
Und daher ist es Eucharistia genannt in der Kirche. Darum ist die Messe nicht eine solche Danksagung, die man ex opere operato für andere tun oder halten solle, ihnen Vergebung der Sünden zu erlangen. Denn solches wäre stracks wider den Glauben, gleich als [ob] die Messe oder die äußerliche Zeremonie ohne den Glauben jemand fromm und selig machte.
Von dem Wort Messe. Hier ist zu sehen, welch grobe Esel unsere Widersacher sind. Sie sagen, das Wort missa komme von dem Wort misbeach, das ein Altar heißt; daraus soll folgen, dass die Messe ein Opfer sei; denn auf dem Altar opfert man. Item das Wort liturgia, wie die Gräken [Griechen] die Messe nennen, soll auch ein Opfer heißen. Darauf wollen wir kurz antworten. Alle Welt sieht, dass aus diesen Gründen dieser heidnische und antichristische Irrtum nicht folgen müsse, dass die Messe helfe ex opere operato sine bono motu utentis. Darum sind sie Esel, dass sie in solcher großwichtigen Sache so ungereimt Ding vorbringen. Auch so wissen die Esel keine Grammatika. Denn missa und Iiturgia heißen nicht Opfer. Missa heißt hebräisch eine zusammengetragene Steür. 5 Mos. 16, 10. Denn also ist etwa die Weise gewesen, dass die Christen Speise und Trank zugut den Armen in die Versammlung gebracht haben. Und solche Weise ist von [den] Juden hergekommen, die auf ihre Feste mussten solche Steür bringen; die nannten sie missa. So heißt Iiturgia gräkisch [griechisch] eigentlich ein Amt, darin man der Gemeinde dient; das schickt sich Wohl auf unsere Lehre, dass der Priester da als ein gemeiner Diener denjenigen, so kommunizieren wollen, dient und das heilige Sakrament reicht. Etliche meinen, missa komme nicht aus dem Hebräischen, sondern sei als viel als remissio, Vergebung der Sünden. Denn so man kommuniziert hat, hat man gesprochen: Ite, missa est; “Zieht hin, ihr habt Vergebung der Sünden.” Und dass dem also sei, ziehen sie an, dass man bei den Gräken gesprochen hat: Lais Aphesis (λαοιι̂ς ααα φεσις); das ist auch so viel: Ihnen ist verziehen. Wo dem also, wäre dieses ein feiner Verstand; denn es soll allezeit bei dieser Zeremonie Vergebung der Sünden gepredigt und verkündigt werden. Doch ist diesem Handel wenig geholfen, das Wort missa heiße, was es wolle.
Von den Messen für die Toten.
Dass aber die Widersacher noch dies wollen verteidigen, dass die Messe den Toten helfe, davon sie einen eigenen Jahrmarkt und besonders unsägliche Kretschmerei gemacht, des haben sie kein Zeugnis noch Befehl Gottes in der Schrift. Nun ist es je ein unsäglicher, großer Greül und nicht eine kleine Sünde, dass sie dürfen ohne Gottes Wort, ohne alle Schrift, einen Gottesdienst in der Kirche anrichten und dürfen das Abendmahl des Hern, welches Christus hat eingesetzt, das Wort zu predigen, dabei seines Todes zu gedenken, zu stärken den Glauben derjenigen, so die Zeremonie brauchen, unverschämt ziehen auf die Toten. Denn das heißt recht Gottes Namen mißbrauchen wider das andere Gebot. Denn erstlich ist das die höchste Schmach und Lästerung des Evangelii und Christi, dass das schlechte Werk der Messe ex opere operato ein Opfer sei, das Gott versöhne und für die Sünden genugtü. Es ist eine recht schreckliche, häßliche Predigt und Lehre und ein großer, unsäglicher Greül, dass das schlechte [bloße] getane Werk eines Priesters als viel gelten solle als der Tod Christi. So ist je gewiß, dass die Sünde und der Tod nicht können überwunden werden denn allein durch den Glauben an Christum, wie Paulus sagt Röm. 5. Darum so können die Messen den Toten in keinem Weg ex opere operato helfen.
Wir wollen hier nicht erzählen, wie schwache Gründe die Widersacher vom Fegfeür haben; item, woher die Lehre von der Genugtuung und Satisfaktion erst aufgekommen; wie wir denn haben oben angezeigt, dass es eitel Träume und erdichteter Menschentand ist. Allein das wollen wir ihnen sagen, das gewiß ist, das Abendmahl gehöre eigentlich zur Vergebung der Schuld. Denn was Trost hätten wir, so uns da sollte Vergebung angeboten werden, und sollte doch nicht Vergebung der Schuld sein? So nun die Zeremonia Vergebung der Schuld anbietet, folgt, dass unmöglich ist, dass eine satisfactio sei ex opere operato oder den Toten helfe. Denn gehört sie zur Vergebung der Schuld, so muss sie allein dazu dienen, die Gewissen zu trösten, das sie glauben, ihnen sei die Schuld wahrhaftig vergeben.
Und wahrlich, es wäre nicht Wunder, dass alle frommen, christlichen Leute vor Angst und Leid Blut weinten, wenn sie recht bedächten, wie unsäglicher greulicher und schrecklicher Mißbrauch der Messe unter dem Papsttum ist, nämlich dass die Messe das mehrere Teil nirgend zu anders gebraucht wird, denn für die Toten und die Pein des Fegfeürs abzulösen. Sie schreien, wir tun iuge sacrificium oder das tägliche Opfer ab. Das heißt recht iuge sacrificium, das tägliche Opfer abgetan aus der Kirche, das ist eine rechte Tyrannei und Wüterei des gottlosen Antiochi, also das ganze Evangelium, die ganze Lehre vom Glauben, von Christo unterdrücken und auf solche Träume von satisfactionibus, solche Lügen vom opere operato an die statt [statt dessen] predigen. Das heißt recht das Evangelium unter die Füße treten, den Gebrauch der Sakramente schändlich verkehren. Das sind die rechten Lästerer, da Paulus von sagt, dass sie: “schuldig seien am Leib und Blut des Hern”, welche die Lehre von Christo, vom Glauben unterdrücken und mißbrauchen der Messe und des Abendmahls zu einem schändlichen, unverschämten öffentlichen Geiz, zu einem Jahrmarkt und Kretschmerei [Schenkwirtschaft], und das alles unter einem Heuchlerischen Schein der Satisfaktion. Und eben um dieser großen, unsäglichen Gotteslästerung willen werden die Bischöfe schwere Strafe von Gott gewarten müssen. Es wird einmal Gott das andere Gebot wahrlich wahr machen und einen großen, grimmigen Zorn über sie ausgießen. Darum haben wir uns und alle wohl vorzusehen, dass wir uns der Widersacher Mißbrauchs nicht teilhaftig machen.
Wir wollen aber wieder auf die Sache kommen. So die Messe nun nicht eine Genugtuung ist weder für eine Pein noch Schuld ex opere operato, so folgt, dass die Messe, so man für die Toten hält, unnütz und nichts sei. Und es [be]darf nicht langer Disputation. Denn da ist gewiß, das solches Messehalten fur die Toten in der Schrift gar keinen Grund hat. Nun ist es ein Greül in der Kirche, Gottesdienst anrichten ohne alles Gotteswort, ohne alle Schrift. Und wenn es not wird sein, so wollen wir von diesem Stücke ganz reichlich mehr und nach aller Notdurft weiter reden. Denn was sollen wir uns jetzt hier viel mit den Widersachern zanken, so sie gar nicht verstehen, was Opfer, was Sakrament, was Vergebung der Sünden, was Glaube sei?
Und der griechische Kanon appliziert auch nicht die Messe als eine Genugtuung für die Toten; denn er appliziert sie zugleich für alle Patriarchen, Propheten, Apostel. Daraus erscheint, dass die Kirchen auch als eine Danksagung opfern, nicht aber als eine Satisfaktion für die Pein des Fegfeürs. Denn es wird freilich nicht ihre Meinung sein, die Propheten und Apostel aus dem Fegfeür zu erlösen, sondern allein Dank zu opfern neben und mit ihnen für die hohen ewigen Güter, so ihnen und uns gegeben sind.
Die Widersacher ziehen an, dass etwa für Ketzerei verdammt sein soll, dass einer, genannt Ërius, soll gehalten haben, die Messe sei nicht ein Opfer für die Toten. Hier behelfen sie sich aber mit ihren gewöhnlichen Griffen, dass sie erdichten, unsere Lehre sei von alters her verworfen. Aber die Esel schämen sich keiner Lüge. So wissen sie nicht, wer Ërius gewesen oder was er gelehrt hat. Epiphanius schreibt, dass Ërius gehalten habe, das das Gebet für die Toten sei unnütz. Nun reden wir nicht vom Gebet, sondern vom Nachtmahl Christi, ob das ex opere operato ein Opfer sei, den Toten zu helfen. Dieser unser Handel betrifft Ërium nichts. Was auch sonst alle den Vätern für die Messe angezogen wird, belangt alles diesen Handel nicht. Denn die guten, frommen Väter haben diesen greulichen, lästerlichen, antichristischen Irrtum nicht gelehrt, das die Messe ex opere operato den Lebendigen und Toten Vergebung [der] Pein und Schuld verdiene. Denn dieser Irrtum vom opere operato ist eine öffentliche Ketzerei wider alle Schrift, wider alle Propheten und Apostel, und alle Christen sollen lernen, dass solche papistische Messen eitel schreckliche Abgötterei seien. Es bleibt aber in der Welt solche Abgötterei, solange der Antichrist regiert und bleibt.
Denn wie in Isräl ein falscher Gottesdienst ward angerichtet mit Baal, auch unrechte Gottesdienste waren unter dem Schein des Gottesdienstes, den Gott geordnet hat, also hat der Antichrist in der Kirche auch einen falschen Gottesdienst aus dem Nachtmahl Christi gemacht. Und doch, wie Gott unter Isräl und Juda dennoch seine Kirche, das ist, etliche Heilige, behalten hat, also hat Gott seine Kirche, das ist, etliche Heilige, unter dem Papsttum dennoch erhalten, dass die christliche Kirche nicht ganz untergegangen ist. Obwohl nun der Antichrist mit seinem falschen Gottesdienst zum Teil bleiben wird, bis dass Christus der Her öffentlich kommen und richten wird, so sollen doch alle Christen verwarnt sein, sich zu hüten vor solcher Abgötterei, und sollten lernen, wie man Gott recht dienen und Vergebung der Sünden durch den Glauben an Christum erlangen soll, dass sie Gott recht ehren und beständigen Trost wider die Sünde haben können. Denn darum hat Gott gnädiglich sein Evangelium scheinen lassen, dass wir verwarnt und selig würden.
Dieses haben wir von der Messe kurz gesagt, dass alle gottesfürchtigen, frommen, ehrbaren Leute in allen Nationen verstehen mögen, dass wir mit allem treün Fleiß die rechte Ehre und den rechte Gebrauch der Messe erhalten haben, und dass wir des große, hochwichtige Ursachen haben, warum wir es mit den Widersachern nicht halten. Und wir wollen alle frommen, ehrbaren Leute verwarnt haben, dass sie des großen Greüls und Mißbrauchs der Messe sich mit den Widersachern nicht teilhaftig machen, damit sie sich nicht mit fremden Sünden beschweren. Es ist ein großer Handel und eine ganz wichtige Sache. Denn dieser Mißbrauch ist nicht geringer, denn zu Elias’ Zeiten die Sache war mit dem falschen Gottesdienst Baal. Wir haben auf diesmal mit gelinden Worten und ohne Schmähworte diese Sache vorgetragen; werden aber die Widersacher nicht aufhören zu lästern, so sollen sie innewerden, dass wir ihnen auch härter zusprechen wollen.