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Artikel XXI. Vom Anrufen der Heiligen

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Concordia Triglotta

Den einundzwanzigsten Artikel verdammen die Widersacher ganz, dass wir vom Anrufen der Heiligen nichts lehren, und sie handeln kein Stück so gar mit weitläuftigem Geschwätze und richten doch nichts aus, denn dass sie sagen, man solle die Heiligen ehren. Ferner: sie probieren [beweisen], die lebendigen Heiligen beten einer für den andern; daraus schließen sie, dass man die toten Heiligen solle und müsse anrufen.

Sie ziehen an Cyprianum, der habe Cornelium, da er noch gelebt, gebeten, dass er wenn er gestorben wäre, für die Brüder bitten wolle. Damit beweisen sie, dass man die toten Heiligen müsse anrufen. Auch ziehen sie an Hieronymum wider Vigilantium und sagen: In dieser Sache hat vor tausend Jahren Hieronymus Vigilantium überwunden. Also gehen sie überhin, meinen, sie haben weit gewonnen, und sehen die groben Esel nicht, dass im Hieronymo wider Vigilantium keine Silbe steht vom Anrufen der Heiligen. Hieronymus redet nicht vom Anrufen der Heiligen, sondern von Heiligen ehren.

Auch so haben die alten Lehrer vor Gregorius’ Zeiten des Anrufens der Heiligen nicht gedacht. Und die Anrufung der Heiligen wie auch die applicatio des Verdienstes der Heiligen, davon die Widersacher lehren, hat gar keinen Grund in der Schrift.

In unserer Konfession leugnen wir nicht, dass man die Heiligen ehren soll. Denn dreierlei Ehre ist, damit man die Heiligen ehrt. Für das erste, dass wir Gott danksagen, dass er uns an den Heiligen Exempel seiner Gnade hat dargestellt, dass er hat Lehrer in der Kirche und andere Gaben gegeben, und die Gaben, weil sie groß sind, soll man sie noch preisen, auch die Heiligen selbst loben, die solche Gaben wohl gebraucht haben, wie Christus im Evangelio lobt die treün Knechte.

Die andere Ehre, so wir den Heiligen tun mögen, [ist,] dass wir an ihrem Exempel unsern Glauben stärken; als wenn ich sehe, dass Petro aus so reicher Gnade die Sünde vergeben ist, da er Christum verleugnet, wird mein Herz und Gewissen gestärkt, dass ich glaube, dass die Gnade mächtiger sei denn die Sünde.

Für das dritte ehren wir die Heiligen, wenn wir ihres Glaubens, ihrer Liebe, ihrer Geduld Exempel nachfolgen, ein jeder nach seinem Beruf.

Von dieser rechten Ehre der Heiligen reden die Widersacher gar nichts; allein von dem Anrufen der Heiligen, welches, wenn es auch ohne Fährlichkeit [Gefahr] der Gewissen wäre, doch nicht not ist, da zanken sie von.

Darüber so geben wir ihnen nach, dass die Engel für uns bitten. Denn Zach. 1 steht geschrieben, dass der Engel bittet: “Herr Zebaoth, wie lange willst du dich nicht erbarmen über Jerusalem?”

Und obwohl wir nachgeben, dass gleichwie die lebendigen Heiligen für die ganze Kirche bitten insgemein oder in genere. Doch hat solches kein Zeugnis in der Schrift denn allein den Traum, der genommen ist aus dem andern Buch Maccabaeorum.

Weiter, ob die Heiligen gleich beten für die Kirche, so folgt doch daraus nicht, dass man die Heiligen solle anrufen; obwohl unsere Konfession allein dies setzt: In der Schrift steht nichts von dem Anrufen der Heiligen, oder dass man Hilfe suchen sollen bei den Heiligen. So man nun weder Gebot noch Zusage noch Exempel aus der Schrift mag vorbringen, so folgt, dass kein Herz noch Gewissen darauf sich verlassen kann. Denn weil ein jeglich Gebet soll aus dem Glauben geschehen, woher will ich denn wissen, dass Gott ihm [sich] gefallen läßt das Anrufen der Heiligen, wenn ich nicht Gottes Wort davon habe? Wodurch werde ich gewiß, dass die Heiligen mein Gebet und eines jeden besondern [insbesondere] hören?

Etliche machen schlechts [geradezu] Götter aus den Heiligen und sagen, sie können unsere Gedanken wissen und uns ins Herz sehen. Dasselbe erdichten sie, nicht dass sie ihre Kretschmerei [Handel] und Jahrmarkt, welcher ihnen Geld [ein]trägt, verteidigen. Wir sagen noch wie vor[hin]: In Gottes Wort, in der Schrift, steht nicht, dass die Heiligen unser Anrufen verstehen, und ob sie es verstünden, dass Gott ihm [sich] solch Anrufen gefallen lasse; so hat’s je keinen Grund.

Dawider können die Widersacher nichts aufbringen;

darum sollten die Widersacher uns zu ungewissen Dingen nicht zwingen oder dringen; denn ein Gebet ohne Glauben ist nicht ein Gebet. Denn dass sie sagen, die Kirche habe es im Gebrauch, so ist es doch gewiß, dass solches ein neür Gebrauch in der Kirche ist, denn die alten Kollekten, ob sie wohl der Heiligen gedenken, so rufen sich doch die Heiligen nicht an.

Darüber reden die Widersacher nicht allein vom Anrufen der Heiligen, sondern sagen auch, das Gott der Heiligen Verdienst annehme für unsere Sünde, und machen also aus den Heiligen nicht allein Fürbitter, sondern Mittler und Versöhner. Das ist nun gar nicht zu leiden; denn da geben sie die Ehre, so Christo allein gebührt, den Heiligen; denn sie machen aus ihnen Mittler und Versöhner. Und obwohl sie wollen Unterschied machen unter Mittlern, die für uns bitten, und dem Mittler, der uns erlöst und Gott versöhnt hat, so mache sie doch aus den Heiligen Mittler, dadurch die Leute versöhnt werden.

Und dass sie sagen, die Heiligen sind Mittler, für uns zu bitten, das sagen sie auch ohne alle Schrift; Und wenn man schon davon aufs glimpflichste reden will, so wird doch Christus und seine Wohltat durch solche Lehre unterdrückt, und vertraün [sie] da auf die Heiligen, da sie auf Christum vertraün sollten. Denn die erdichten ihnen [sich] selbst einen Wahn, als sei Christus ein strenger Richter und die Heiligen gnädige, gütige Mittler; fliehen also zu den Heiligen, scheün sich vor Christo wie vor einem Tyrannen, vertraün mehr auf die Güte der Heiligen denn auf die Güte Christi, laufen von Christo und suchen der Heiligen Hilfe. Also machen sie im Grunde doch mediatores redemptionis aus den Heiligen.

Derhalben wollen wir beweisen, dass sie aus den Heiligen machen nicht allein Fürbitter, sondern Versöhner und mediatores redemptionis. wir reden hier noch nicht von groben Mißbräuchen, wie der gemeine Pöbel mit den Heiligen und Wallfahrten öffentlich Abgötterei treibt: wir reden, was ihre Gelehrten von diesem Stücke predigen, schreiben und in ihren Schulen lehren. Das andere, als die groben Mißbräuche, können auch unerfahrene, grobe Leute urteilen und richten.

Es gehören zwei Stücke zu einem Mittler und Versöhner. Für das erste ein gewiß, klar Gotteswort und =verheißung, dass Gott durch den Mittler erhören will alle, die ihn anrufen. Eine solche göttliche Zusage steht in der Schrift von Christo: “Was ihr werdet bitten den Vater in meinem Namen, das wird er euch geben.” Von den Heiligen steht nirgend in der Schrift einen solche Zusage, darum kann keiner bei sich gewiß schließen, dass er auf Anrufen der Heiligen erhört werde;

darum ist solch Anrufen nicht aus dem Glauben. Darüber haben wir Gottes Wort und Gebot, dass wir sollen Christum anrufen, da er sagt: “Kommt zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, und ich will euch erquicken.” Ps. 45: “Vor deinem Angesicht werden anbeten alle Reichen im Volk.” Und Ps. 45: “Vor deinem Angesicht werden anbeten alle Reichen im Volk.” Und Ps. 72: “und werden ihn anbeten alle Könige auf Erden.” Und bald hernach: “Sie werden täglich vor ihm knien” usw. Und Joh. 5 sagt Christus: “Damit sie alle ehren den Sohn, wie sie ehren den Vater.” Item 2 Thess. 2 sagt Paulus, da er betet: “unser Herr Jeus Christus und Gott, unser Vater, ermahne eure Herzen und stärke euch!” Das sind eitel Sprüche von Christo. Aber vom Anrufen der Heiligen können die Widersacher kein Gottesgebot, kein Exempel der Schrift vorbringen.

Zum andern gehört zu einem Versöhner, dass sein Verdienst für andere Leute bezahle, dass seines Verdienstes und Bezahlung ander teilhaftig werden, als hätten sie selbst bezahlt. Als, wenn ein guter Freund für den andern Schuld bezahlt, da wird der Schuldiger durch eines andern Bezahlung, also durch sein eigen Bezahlen, der Schuld los. Also wird uns Christi Verdienst geschenkt und zugerechnet, wenn wir an ihn glauben, gleich als wäre sein Verdienst unser, dass uns also seine Gerechtigkeit und sein Verdienst wird zugerechnet, und wird sein Verdienst unser eigen.

Auf beide Stücke, nämlich auf die göttliche Zusage und auf Christi Verdienst, muss ein christlich Gebet sich gründen. Ein solcher Glaube an die göttliche Zusage und auf das Verdienst Christi gehört zum Gebet. Denn wir sollen’s gewiß dafürhalten, dass wir um Christus’ willen erhört werden, und dass wir um seinetwillen einen gnädigen Gott haben.

Da lehren nun die Widersacher, wir sollen die Heiligen anrufen, so wir dazu weder Gebot noch Verheißung noch Exempel in der Schrift haben, und machen doch damit, dass man größeres Vertraün auf die Heiligen setzt denn auf Christum, so doch Christus sagt: “Kommt zu mir”, nicht zu den Heiligen.

Zum andern sagen sie, dass Gott der Heiligen Verdienste annehme für unsere Sünde, und lehren also Vertraün auf der Heiligen Verdienste, nicht auf das Verdienst Christi.

Und solches lehren sie klar vom Ablaß, darin sie der Heiligen Verdienst austeilen als satisfactiones für unsere Sünden. Und Gabriel [Biel], der den canonem missae auslegt, der darf frei sagen: “Wir sollen nach der Ordnung, die Gott eingesetzt hat, fliehen zu den Heiligen, dass wir durch ihre Hilfe und Verdienste selig werden.” Dies sind die klaren Worte Gabrielis. Und hin und wieder in der Widersacher Büchern findet man noch viel Ungeschickteres vom Verdienst der Heiligen. Heißt das nun die Heiligen nicht zu Versöhnern gemacht? Denn da werden sie doch gar Christo gleich, wenn wir vertraün sollen, das wir durch ihre Verdienste selig werden.

Wo ist aber die Ordnung von Gott eingesetzt, da Gabriel von redet, dass wir sollen zu den Heiligen fliehen? Er bringe doch ein Wort, ein einig Exempel aus der Heiligen Schrift. Sie machen vielleicht die Ordnung von dem Gebrauch, der in weltlichen Fürstenhöfen ist, da die Räte des Fürsten armer Leute Sachen vortragen und als Mittler fördern. Wie aber, wenn ein Fürst oder ein König einen einigen Mittler bestellte und wollte durch keinen andern die Sachen in Gnaden hören, oder alle Bitte durch den allein erhören? Darum so Christus nun allein zu einem Hohenpriester und Mittler gesetzt ist, warum suchen wir denn andere? Was können nun hier die Widersacher dawider sagen?

Es ist eine gemeine Form der Absolution bis anher gebraucht, die lautet also: “Das Leiden unsers Hern Jeu Christi, die Verdienste der Mutter Maria und aller Heiligen sollen sein dir zur Vergebung der Sünden.” Da wird öffentlich die Absolution gesprochen nicht allein durch das Verdienst Christi, sondern auch durch Verdienste der andern Heiligen, dass wir durch dieselben sollen Gnade und Vergebung der Sünden erlangen.

Etliche aus uns haben gesehen einen Doktor der Heiligen Schrift in agone oder an [in] seinen letzten Zügen; dem war ein Mönch beigegeben, ihn zu trösten. Nun rief und schrie er dem sterbenden Menschen nichts anderes ein denn allein diese Gebet: “Maria, du Mutter der Güte und Gnade, behüte uns vor dem Feinde und in der Todesstunde nimm uns auf, Maria, mater gratiae” etc.

Ob nun gleich Maria, die Mutter Gottes, für die Kirche bittet, so ist doch das zu viel, dass sie sollte den Tod überwinden, dass sie vor den großen Gewalt des Satans uns behüten sollte. Denn was wäre Christus not, wenn Maria das vermöchte? Denn obwohl sie alles höchsten Lobes wert ist, so will sie doch nicht Christo gleich gehalten sein, sondern will vielmehr, dass wir dem Exempel ihres Glaubens und ihrer Demut folgen sollen.

Nun ist dies öffentlich am Tage, dass durch solche falsche Lehre Maria an Christus’ Statt ist gekommen; dieselbe haben sie angerufen, auf deren Güte haben sie vertraut, durch die haben sie gewollt [wollen] Christum versöhnen, gleich als sei er nicht ein Versöhner, sondern allein ein schrecklicher, rachgieriger Richter.

Wir sagen aber, dass man nicht lehren soll auf die Heiligen vertraün, als machte uns ihr Verdienst selig, sondern allein um Christus’ Verdienstes willen erlangen wir Vergebung der Sünden und Seligkeit, wenn wir an ihn glauben. Von den andern Heiligen ist gesagt: “Ein jeder wird Lohn empfangen nach seiner Arbeit” usw. Das ist, sie untereinander können einer dem andern ihr Verdienst nicht mitteilen, wie die Mönche ihrer Orden Verdienste uns unverschämt verkauft haben.

Und Hilarius sagt von den törichten Jungfraün: “Weil die tollen dem Bräutigam nicht können entgegengehen, weil ihre Lampen vorloschen sind, so bitten sie die weisen, dass sie ihnen wollen Öl leihen; aber dieselben antworten, sie konnen’s ihnen nicht leihen, denn es möchte beiden fehlen; es sei nicht genug für alle” usw. Da zeigt er an, dass niemand unter uns durch fremde Werke oder Verdienste dem andern helfen kann.

So nun die Widersacher lehren, dass wir auf Anrufen der Heiligen vertraün sollen, so sie doch des keinen Gottesbefehl haben, kein Gotteswort noch Exempel Alten oder Neün Testaments haben, so sie auch das Verdienst der Heiligen so hoch heben als das Verdienst Christi und die Ehre, so Christo gebührt, den Heiligen geben, so können wir ihre Meinung und Gewohnheit vom Anbeten oder Anrufen der Heiligen nicht loben noch annehmen. Denn wir wissen, dass wir unser Vertraün sollen setzen auf Christum; da haben wir Gottes Zusage, dass er soll der Mittler sein; so wissen wir, dass allein Christi Verdienst eine Versöhnung für unsere Sünde ist. Um Christus’ willen werden wir versöhnt, wenn wir in [an] ihn glauben, wie der Text sagt: “Alle, die an ihn glauben, die sollen nicht zuschanden werden.” Und man soll nicht vertraün, dass wir von wegen des Verdienstes Mariä vor Gott gerecht sind.

Auch so predigen ihre Gelehrten unverschämt, dass jeder unter’n Heiligen eine sonderliche Gabe könne geben, als: St. Anna behüte vor Armut, St. Sebastianus vor der Pestilenz, St. Valten vor der fallenden Seuche; den heiligen Ritter Jörgen haben die Reiter angerufen, vor Stich und Schoß [Geschoß] und allerlei Fahr zu behüten. Und das alles im Grunde ist von Heiden hergekommen. Und ich will gleich setzen, dass die Widersacher nicht so gar unverschämt heidnische Lügen vom Anrufen der Heiligen lehrten, dennoch ist das Exempel [ge]fährlich.

So sie auch des keinen Gottesbefehl noch =wort haben, auch aus den alten Vätern davon nichts Gewisses können aufbringen: was ist denn not, dass man solchen Ungrund verteidigen will?

Erstlich aber ist es darum ganz [ge]fährlich; denn so man andere Mittler sucht denn Christum, so setzt man vertraün auf dieselben, und wird also Christus und die Erkenntnis Christi ganz unterdrückt, wie wir leider die Erfahrung haben. Denn es mag sein, dass erstlich etliche [in] guter Meinung der Heiligen gedacht haben in ihrem Gebet. Bald hernach ist gefolgt das Anrufen der Heiligen. Bald nach dem Anrufen sind einzeln eingerissen die wunderlichen heidnischen Greül und Mißbräuche usw., als, dass man’s dafürgehalten, dass die Bilder einen eigenen heimliche Kraft hätten, wie die Zauberer und magi dafürhalten, dass wenn man etliche Sternzeichen zu gewisser Zeit in Gold oder ander Metall gräbt oder bildet, die sollten eine sonderliche heimliche Kraft haben und Wirkung. Unser etliche haben etwan [vormals] in einem Kloster ein Marienbild gesehen von Holz geschnitzt, welches also inwendig mit Schnürlein konnte gezogen werden, dass es von außen schien, als regte sich’s von ihm selbst, als winkte es mit dem Haupt den Anbetern, die es erhört, und als wendete es das Angesicht weg von den Anbetern, die nicht viel opferten, die es nicht erhört.

Und ob solcher Greül, solche Abgötterei, Wallfahrten und Betrug mit den Bildern unzählig und unsäglich nicht wären gewesen, so sind doch noch greulicher und häßlicher gewesen die vielen Fabeln und Lügen der Legenden von Heiligen, welche man öffentlich gepredigt. Als, von St. Barbara haben sie gepredigt, dass sie an ihrem Tode Gott gebeten habe, für ihre Marter den Lohn zu geben, wer sie anriefe, dass der nicht könnte ohne Sakrament sterben. St. Christophorum, welcher auf deutsch heißt Christträger, hat etwan [einst] ein weiser Mann den Kindern in solcher großen Länge malen lassen und hat wollen anzeigen, dass eine größere Stärke, denn Menschenstärke ist, in denjenigen sein müsse, die Christum sollen tragen, die das Evangelium predigen und bekennen sollen. Denn sie müssen durch das große Meer bei Nacht waten usw., das ist, allerlei große Anfechtung und Fahr [Gefahr] ausstehen. Da sind danach die tollen, ungelehrten, heillosen Mönche zugefahren und haben das Volk also gelehrt, den Christophorum an[zu]rufen, als sei etwan [vorzeiten] ein solch großer Riese leiblich vorhanden gewesen, der Christum durchs Meer getragen habe.

So nun Gott der Allmächtige durch seine Heiligen, als sonderliche Leute, viel großes Dinges gewirkt in beiden Regimenten, in der Kirche und in weltliche Händeln (so sind viel große Exempel an der Heiligen Leben, welche Fürsten und Herren, rechten Pfarrherren und Seelsorgern, beide zum Weltregiment und Kirchenregierung, vornehmlich zur Stärkung des Glaubens gegen Gott ganz nütz wären): die haben sie lassen fahren und das Geringste von den Heiligen gepredigt, von ihrem harten Lager, von härenen Hemden usw.; welches des größern Teils Lügen sind. Nun wäre es je nütz und fast tröstlich zu hören, wie etliche große, heilige Leute (wie in der Heiligen Schrift von Königen Isräls und Judas erzählt wird) in ihrem Regiment Land und Leute regiert hätten, wie sie gelehrt und gepredigt, was mancherlei Fahr [Gefahr] und Anfechtung sie ausgestanden, wie auch viel gelehrte Leute den Königen, Fürsten und Herren in großen [ge]fährlichen Läuften rätig und tröstlich seien gewesen, wie sie gelehrt und das Evangelium gepredigt haben, was mancherlei Kämpfe sie mit den Ketzern ausgestanden. So wären auch die Exempel, da den Heiligen große, sonderliche Barmherzigkeit von Gott erzeigt, fast [sehr] nütz und tröstlich. Als, wenn wir sehen, dass Petrus, so Christum verleugnet, Gnade erlangt hat, dass Cypriano seine magia vergeben ist. Ferner: wir lesen, dass Augustinus, da er todkrank gewesen, erst die Kraft des Glaubens erfahren hat und öffentlich Gott bekennt mit diesen Worten: “Nun habe ich erst empfunden, dass Gott der Gläubigen Seufzen und Gebet erhöre.”

Solche Exempel des Glaubens, da man lernt Gott fürchten, Gott vertraün, daraus man recht steht, wie es gottesfürchtigen Leuten in der Kirche, auch in großen Sachen der hohen weltlichen Regimente ergangen, die hätte man fleißig und klar von den Heiligen schreiben und predigen sollen. Nun haben etliche müßige Mönche und lose Buben (welche nicht gewußt, wie große und schwere Sorge es ist, Kirchen oder sonst Leute regieren) Fabeln erdichtet, zum Teil aus der Heiden Büchern, da nicht denn Exempel sind, wie die Heiligen härene Hemde getragen, wie sie ihre sieben Zeiten gebetet, wie sie Wasser und Brot gegessen, und haben das alles gerichtet auf ihre Kretschmerei [Handel], aus den Wallfahrten Feld zu merken [markten, einzunehmen]; wie denn sind die Wunderzeichen, welche sie vom Rosenkranze rühmen, und wie die Barfüßermönche von ihren hölzernen Körnern rühmen. Und ist hier nicht groß Not, Exempel anzuzeigen; ihre Lügenlegenden sind noch vorhanden, dass man’s nicht verneinen mag. [leugnen kann].

Und solchen Greül wider Christum, solche Gotteslästerung, schändliche, unverschämt Lügen und Fabeln, solche Lügenprediger können die Bischöfe und Theologen leiden und haben sie lange Zeit gelitten zu großem Schaden der Gewissen, dass es schrecklich ist zu gedenken; denn solche Lügen haben Feld und Zinse getragen. Uns aber, die wir das Evangelium rein predigen, wollten sie gern vertilgen, so wir doch darum das Anrufen der Heiligen anfechten, damit Christus allein der Mittler bleibe und der große Mißbrauch abgetan werden.

So auch lange vor dieser Zeit, ehe D. Luther geschrieben, ihre Theologen selbst, auch alle frommen, gottesfürchtigen, ehrbaren Leute über die Bischöfe und Prediger geschrien, dass sie die Mißbräuche um des Bauchs und Gelds willen zu strafen übergingen, so gedenken doch unsere Widersacher in ihrer Konfutation solcher Mißbräuche nicht mit einem Wort, dass so wir die Konfutation annähmen, müßten wir zugleich in alle ihre öffentlichen Mißbräuche gehen.

Also voll Hinterlist und gefährlichen Betrugs ist ihre ganze Konfutation, nicht allein an diesem Ort, sondern allenthalben. Sie stellen sich, als seien sie gar goldrein, als haben [hätten] sie nie kein Wasser getrübt. Denn an keinem Ort unterscheiden sie von ihren dogmatibus oder Lehren die öffentlichen Mißbräuche. Und doch, viele unter ihnen sind so ehrbar und redlich, bekennen selbst, dass viele Irrtümer sind in der scholasticorum und Kanonisten Bücher, dass auch viele Mißbräuche durch ungelehrte Predigen und durch so großen, schändlichen Unfleiß der Bischöfe eingerissen sind in der Kirche.

Es ist auch D. Luther nicht allein noch der erste gewesen, der über solche unzählige Mißbräuche geschrien und geklagt hat. Es sind viel gelehrte, redliche Leute vor dieser Zeit gewesen, welche erbärmlich geklagt haben über den großen Mißbrauch der Messe, über Mißbrauch der Möncherei, item, über solchen Geiz= und Geld Markt der Wallfahrten, und besonders, dass der nötigste Artikel von der Buße, von Christo, ohne welchen keine christliche Kirche sein noch bleiben kann, welcher vor allen andern rein und richtig soll gelehrt werden, so jämmerlich ward unterdrückt.

Darum haben die Widersacher darin nicht treulich noch christlich gehandelt, dass sie in ihrer Konfutation die öffentlichen Mißbräuche stillschweigend übergangen [haben]. Und wenn es ihnen rechter Ernst wäre, der Kirche und den armen Gewissen zu helfen und nicht vielmehr Pracht und Geiz zu erhalten, so hätten sie hier einen rechten Zutritt und Ursache gehabt und sollten besonders an diesem Ort die Kaiserliche Majestät, unsern allergnädigsten Herrn, aufs untertänigste angesucht haben, solche große, öffentliche schändliche Mißbräuche, welche uns Christen auch bei Türken, bei Juden und allen Ungäubigen zum Spott gereichen, abzuschaffen. Denn wir in vielen Stücken klar genug vermerkt, dass Kaiserliche Majestät, unser allergnädigster Herr, ohne Zweifel mit allem treün Fleiß die Wahrheit forschen und nachsuchen und gern die christliche Kirche recht bestellt und geordnet sehen. Aber den Widersachern ist daran nicht viel gelegen, wie sie der kaiserlichen Majestät kaiserlichem, christlichem Gemüt, willen und löblichem Bedenken genug tun, oder wie sie den Sachen helfen, sondern wie sie nur die Wahrheit und uns unterdrücken.

Denn sie liegen darum nicht viel ungeschlafen, dass die christliche Lehre und das Evangelium rein gepredigt werde. Das Predigtamt lassen sie ganz wüste stehen, verteidigen öffentliche Mißbräuche, vergießen noch täglich unschuldig Blut aus ungehörter Tyrannei und Wüterei, allein ihre öffentlichen Lügen zu verteidigen. Auch so wollen sie fromme, christliche Predigen nicht dulden. Wo das endlich hinausgehen will, können verständige Leute wohl abnehmen. Denn mit eitel Gewalt und Tyrannei werden sie nicht lange [die] Kirche regieren. Und obgleich die Widersacher nichts anderes denn allein des Papsts Reich zu erhalten suchten, so wird doch das der Weg nicht dazu sein, sondern eine eitle Wüstung des Reichs und der Kirche. Denn wenn sie gleich alle frommen, christlichen Prediger also erwürgt hätten, und das Evangelium unterdrückt wäre, so würden danach Rottengeister und Schwärmergeister kommen, welche mit der Faust auch aufrührerisch fechten würden, welche die Gemeinde und Kirche mit falschen Lehren würden betrüben, alle Kirchenordnung verwüsten, welche wir gerne erhalten wollten.

Derhalben, allergnädigster Herr Kaiser, nachdem wir nicht zweifeln, Eür Kaiserlicher Majestät Gemüt und Herz sei, dass die göttliche Wahrheit, die Ehre Christi und das Evangelium möge erhalten werden und allezeit reichlich zunehmen, bitten wir aufs untertänigste, Eür Kaiserliche Majestät wollen dem unbilligen Vornehmen der Widersacher nicht stattgeben, sondern gnädiglich andere Wege suchen der Einigkeit, damit die christlichen Gewissen nicht also beschwert werden, damit auch die göttliche Wahrheit nicht so mit Gewalt unterdrückt oder unschuldige Leute darum durch eitel Tyrannei erwürgt, wie bis anher geschehen. Denn Eure Kaiserliche Majestät wissen sich des ohne Zweifel zu erinnern, dass solches besonders Eure Kaiserlicher Majestät Amt ist, die christliche Lehre, soviel menschlich oder möglich, also zu erhalten, dass sie möge auf die Nachkommen reichen, auch fromme, rechte Prediger schützen und handhaben. Denn das fordert Gott der Herr von allen Königen und Fürsten, da er ihnen seinen Titel mitteilt und nennt sie Götter, da er sagt: “Ihr seid Götter.” Darum nennt er sie aber Götter, dass sie göttliche Sachen, das ist, das Evangelium Christi und die reine göttliche Lehre auf Erden, soviel möglich, schützen, retten und handhaben sollen, auch rechte christliche Lehrer und Prediger an Gottes Statt wider unrechte Gewalt in Schirm und Schutz haben.