Artikel XXIII. Von der Priesterehe
Obwohl die große, ungehörte Unzucht mit Hurerei und Ehebruch unter Pfaffen und Mönchen usw. auf hohen Stiften, andern Kirchen und Klöstern in aller Welt also rüchtig ist, dass man davon singt und sagt, noch sind die Widersacher, so die Konfutation gestellt, so ganz verblendet und unverschämt, dass sie den Papstes Gesetz, dadurch die Ehe verboten, verteidigen, und dazumit falschem Schein, als sei es Geistlichkeit. Darüber, obwohl sie billig sich des überaus schändlichen, unzüchtigen, freien, losen Bubenlebens auf ihren Stiften und in Klöstern in ihr Herz schämen sollten und allein des Stücks halben nicht kühnlich die Sonne ansehen, obwohl auch ihr bös, unruhig Herz und Gewissen ihnen billig so bange macht, sich zu entsetzen und zu scheün, vor so löblichem, ehrliebendem Kaiser ihre Augen aufzuheben, so sind sie doch henkerskühn, tun wie der Teufel selbst und alle verwegenene, verruchten Leute, gehen in ihrem blinden Trotz dahin, aller Ehre und Scham vergessend. Und die reinen, keuschen Leute dürfen kaiserliche Majestät, die Kurfürsten und Fürsten vermahnen, dass sie der Priester Ehe nicht leiden sollen ad infamiam et ignominiam imperii, das ist zu deutsch, dem römischen Reich zu Schmach und Unehren. Denn dies sind ihre Worte, gleich als sei ihr schändlich Leben der Kirche sehr ehrlich und rühmlich.
Wie könnten doch die Widersacher ungeschickter, unverschämter und öffentlicher ihre eigenen Schande und Schaden wirken und reden? Dergleichen unverschämt Vorbringen vor einem römischen Kaiser wird man in keiner Historie finden. Wenn sie nicht alle Welt kennte, wenn nicht viel fromme, redliche Leute, ihre eigenen Konkanonieken, unter ihnen selbst über so schändlich, unzüchtig, unehrlich Wesen vor langer Zeit geklagt hätten, wenn ihr ehrlose, schändlich, ungöttlich, unzüchtig, heidnisch, epikurisch Leben und die Grundsuppe aller Unzucht zu Rom nicht so gar am Tage wäre, das sich weder decken noch färben noch schmücken will lassen, so möchte man denken, ihre große Reinigkeit und ihre unverrückte jungfräuliche Keuschheit wäre eine Ursache, dass sie ein Weib oder die Ehe auch nicht mögen hören nennen, dass sie die heilige Ehe, welche der Papst selbst ein Sakrament der heiligen Ehe heißt, infamiam imperii taufen. Wohlan, ihre Argumente und Gründe wollen wir hernach erzählen. Dieses wolle aber ein jeder christlicher Leser, alle ehrbaren, ehrliebenden, frommen Leute zu Herzen nehmen und wohl bedenken, wie ganz ohne Ehre und Scheu und alle Scham die Leute sein müssen, so die heilige Ehe, welche die Heilige Schrift aufs höchste preist und lobt, einen Schandflecken, eine Infamie des römischen Reichs dürfen nennen; gleich als sei es so eine große Ehre der Kirche und des Reichs ihre lästerliche, greuliche Unzucht, wie man das römische und der Pfaffen Wesen kennt.
Und, allergnädigstger Herr Kaiser, bei Eurer Kaiserliche Majestät, welche in alten Schriften wird ein züchtiger Fürst und König genannt (denn freilich dieser Spruch von Eurer Kaiserlichen Majestät gesagt ist: Pudicus facie regnabit ubique), ja bei Eurer Majestät und den löblichen Reichsständen dürfen solche Leute suchen und unverschämt fordern, dass Eure Majestät (was Gott verhüte!) solche greuliche Unzucht sollen handhaben, ihre kaiserliche Macht, welche der Allmächtige bisanher Eurer kaiserlichen Majestät sieghaftig und seliglich zu gebrauchen gnädiglich verliehen hat, darauf wenden solle, schändliche Unzucht und ungehörte Laster, welche auch bei den Heiden für greulich gehalten, zu schützen und zu verteidigen. Und wie sie in ihren blutdürstigen, verblendeten Herzen gesinnt seien, dass sie gern wollten ungeachtet aller göttlichen und natürlichen Rechte, ungeachtet der Konzilien und ihrer eigenen Canones solche Priesterehe mit Gewalt auf einmal zerreißen, viel arme, unschuldige Leute [aus] keiner ander Ursache denn allein um des Ehestandes willen tyrannisch mit Galgen und Schwert dahinrichten, die Priester selbst, welcher doch in größeren Fällen auch die Heiden verschont haben, als die großen Übeltäter um der Ehe willen erwürgen, so viel fromme, unschuldige Weiber und Kinder ins Elend vertreiben, zu armen verlassenen Witwen und Waisen machen und ihren teuflischen Haß an unschuldigem Blute rächen: dazu dürfen sie Eure Kaiserliche Majestät vermahnen.
Weil aber Gott der Allmächtige Eure Majestät mit sonderlicher angeborner Güte und Zucht begnadet, dass Eure Majestät aus hohem, adeligem, christlichem Gemüt so große Unzucht zu handhaben oder so ungehörte Tyrannei vorzunehmen, selbst Scheu haben und diese Handlung ohne Zweifel viel fürstlicher und christlicher bedenken denn sie losen Leute, so hoffen wir, Eure Majestät werden in diesem [hierin] ganz kaiserlich und gnädiglich sich erzeigen und bedenken, dass wir dieses guten Grund und Ursache haben aus der Heiligen Schrift, dagegen die Widersacher eitel Lügen und Irrtümer vorbringen.
Auch so ist es ihnen gewiß nicht Ernst, solchen Zölibat und ehelosen Stand zu verfechten; denn sie wissen wohl, wie reine Jungfern sie sind, wie wenige unter ihnen die Keuschheit halten. Allein sie bleiben bei ihrem Trostwort, das sie in ihrer Schrift finden: Si non caste, tamen caute, Und wissen, dass keusch sich rühmen oder nennen und doch nicht sein, in der Welt einen Schein der Keuschheit hat, dass auch ihr Papstreich und Pfaffenreich und Pfaffenwesen dadurch vor der Welt desto heiliger scheint. Denn Petrus der Apostel hat recht gewarnt, dass solche falsche Propheten werden die Leute betrügen mit erdichteten Worten. Die Widersacher nehmen sich der Sache der Religion, welches die Hauptsache ist, gar nicht mit Ernst an. Was sie schreiben, reden, handeln, sind eitel Worte ad hominem; da ist kein Ernst, keine Treü, kein recht Herz zu gemeinem Nutz, den armen Gewissen oder Kirchen zu helfen. Im Grund ist’s ihnen um die Herrschaft zu tun, derselben haben sie Sorge und unterstützen [stärken] sie fein mit eitel gottlosen, heuchlerischen Lügen; so wird sie auch stehen wie Butter an der Sonne.
Wie können das Gesetz vom ehelosen Stand darum nicht annehmen, denn es ist wider göttlich und naturlich Recht, wider alle Heilige Schrift, wider die Konzilien und Canones selbst. Darüber ist’s lauter Heuchelei und dem Gewissen fährlich und ganz schädlich; so erfolgen auch daraus unzählige Ërgernisse, häßliche, schreckliche Sünden und Schanden, und wie man steht in den rechten Pfaffenstädten und Residenzen, wie sie es nennen, Zerrüttung aller weltliche Ehre und Zucht. Die andern Artikel unserer Konfession, obwohl sie gewiß gegründet, sind dennoch so klar nicht, dass sie nicht mit einem Schein möchten angefochten werden. Aber dieser Artikel ist so klar, dass er auf beiden Seiten gar nahe [schier] keiner Rede bedarf; allein wer ehrbar und gottesfürchtig ist, der kann hier bald Richter sein. Und obwohl wir die öffentliche Wahrheit hier nun für uns haben, noch [dennoch] suchen die Widersacher Fündlein, unsere Gründe etwas anzufechten.
Erstlich ist geschrieben Gen. 1, dass Mann und Weib also geschaffen von Gott sind, dass sie sollen fruchtbar sein, Kinder zeugen usw., das Weibe geneigt sein zum Mann, der Mann wieder zum Weibe. Und wir reden hier nicht von der unordentlichen Brunst, die nach Adams Fall gefolgt ist, sondern von natürlicher Neigung zwischen Mann und Weib, welche auch gewesen wäre in der Natur, wenn sie rein geblieben wäre. Und das ist Gottes Geschöpf und Ordnung, dass der Mann zum Weibe geneigt sei, das Weib zum Mann. So nun die göttliche Ordnung und die angeschaffene Art niemand ändern mag noch soll denn Gott selbst, so folgt, dass der Ehestand durch kein menschlich Statut oder Gelübde mag abgetan werden.
Wider diesen starken Grund spielen die Widersacher mit Worten; sagen: im Anfang der Schöpfung habe das Wort noch stattgehabt: “Wachset und mehret euch und erfüllet die Erde”; nun aber, so die Erde erfüllt ist, sei die Ehe nicht geboten. Seht aber, wie weise Leute sind da die Widersacher! Durch dies göttliche Wort: “Wachset und mehret euch”, welches noch immer geht und nicht aufhört, ist Mann und Weibe also geschaffen, dass sie sollen fruchtbar sein, nicht allein die Zeit des Anfangs, sondern solange diese Natur währt. Denn gleichwie durch das Wort Gen. am 1., da Gott sprach: “Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut” usw. die Erde also geschaffen ist, dass sie nicht allein im Anfang Frucht brachte, sondern dass sie alle Jahre Gras, Kräuter und ander Gewächs brächte, solange diese Natur währt: also ist auch Mann und Weib geschaffen, fruchtbar zu sein, solange diese Natur währt. Die nun das Menschengebot und =gesetz nicht ändern kann, dass die Erde nicht sollte grün werden usw., also kann auch kein Klostergelübde, kein Menschengebot die menschlich Natur ändern, dass ein Weib nicht sollte eines Mannes begehren, ein Mann eines Weibes, ohne ein besonders Gotteswerk.
Zum andern, weil das göttliche Geschöpf und Gottes Ordnung natürlich Recht und Gesetz ist, so haben die Juriskonsulti recht gesagt, dass den Mannes und Weibes Beieinandersein und Zusammengehören ist natürlich Recht. So aber das natürliche Recht niemand verändern kann, so muss je einem jeden die Ehe frei sein. Denn wo Gott die Natur nicht verändert, da muss auch die Art bleiben, die Gott der Natur eingepflanzt hat, und sie kann mit Menschengesetz nicht verändert werden.
Derhalben ist es ganz kindisch, dass die Widersacher sagen, im Anfang, da der Mensch geschaffen, sei die Ehe geboten, nun aber nicht. Denn es ist gleich, als wenn sie sprächen: Etwan [früher] zu Adams und der Patriarchen Zeiten, wenn ein Mann geboren ward, hatte er Mannesart an sich, wenn ein Weib geboren ward, hatte sie Wiebesart an sich, jetzt aber ist’s anders; vorzeiten brachte ein Kind aus Mutterleib natürliche Art mit sich, nun aber nicht.
So bleiben wir nun billig bei dem Spruch, wie die Juriskonsulti weislich und recht gesagt haben, dass Mann und Weibe beieinander sind, ist natürlich Recht.
Ist’s nun natürlich Recht, so ist es Gottes Ordnung, also in die Natur gepflanzt, und ist also auch göttlich Recht. Weil aber das göttliche und natürliche Recht niemand zu ändern hat denn Gott allein, so muss der Ehestand jedermann frei sein. Denn die natürliche angeborne Neigung des Weibes gegen den Mann, des Mannes gegen dem [das] Weib ist Gottes Geschöpf und Ordnung. Darum ist’s recht, und hat’s kein Engel noch Mensch zu ändern. Gott der Herr hat nicht allein Adam geschaffen, sondern auch Eva, nicht allein einen Mann, sondern auch ein Weib, und sie gesegnet, dass sie fruchtbar seien.
Und wir reden, wie ich gesagt habe, nicht von der unordentlichen Brunst, die da sündlich ist, sondern von der natürlichen Neigung, die zwischen Mann und Weib auch gewesen wäre, so die Natur rein geblieben wäre. Die böse Lust nach dem Fall hat solche Neigung noch stärker gemacht, dass wir nun des Ehestandes viel mehr bedürfen, nicht allein Kinder zu zeugen, sondern auch Sünde zu verhüten. Dies ist so ein klarer Grund, dass ihn niemand wird umstoßen, sondern der Teufel und alle Welt wird ihn müssen bleiben lassen.
Für das dritte sagt Paulus: “Zu vermeiden die Hurerei, habe ein jeglicher sein eigen Eheweib.” Das ist ein gemeiner Befehl and Gebot und geht alle diejenigen an, die nicht vermögen, ohne Ehe zu bleiben.
Die Widersacher fordern, wir sollen Gottes Gebot zeigen, da er gebiete, dass die Priester sollen Weiber nehmen, gleich als seien die Priester nicht Menschen. Was die Schrift insgemein vom ganzen menschlichen Geschlecht redet, das geht wahrlich die Priester mit an.
Paulus gebiete da, dass diejenigen sollen Weiber nehmen, so nicht haben die Gabe der Jungfrauschaft; denn er legt sich bald hernach selbst aus, da er sagt: “Es ist besser ehelich werden, denn brennen.” Und Christus sagt klar: “Sie fassen nicht alle das Wort, sondern denen es gegeben ist.” Weil nun nach Adams Fall in uns allen die beiden beieinander sind, die natürliche Neigung und angeborne böse Lust, welche die natürliche Neigung noch stärker macht, also dass des Ehestandes mehr vonnöten ist, denn da die Natur unverderbt war: darum redet Paulus also von der Ehe, dass damit unserer Schwachheit geholfen werde, und solch Brennen zu vermeiden, gebietet er, das diejenigen, so es bedürfen, sollen ehelich werden. Und dies Wort: “Es ist besser, ehelich zu werden, denn brennen”, mag [kann] durch kein Menschengesetz, durch kein Klostergelübde weggetan werden. Denn kein Gesetz kann die Natur anders machen, denn sie geschaffen oder geartet ist.
Darum haben wir Freiheit und Macht, ehelich zu werden, alle, so das Brennen fühlen; Und alle, die nicht recht rein und keusch vermögen zu bleiben, die sind schuldig, diesem Gebot und Wort Pauli zu folgen: “Es soll ein jeglicher sein eigen Weib haben, zu vermeiden Hurerei.” Darin hat ein jeder für sich sein Gewissen zu prüfen.
Denn dass die Widersacher sagen, man solle Gott um Keuschheit bitten und anrufen, man solle den Leib mit Fasten und Arbeit kasteien, sollten sie billig solch Kasteien anfangen. Aber wie ich hier oben gesagt, die Widersacher meinen diese Sache nicht mit Ernst; sie spielen und scherzen ihres Gefallens.
Wenn Jungfrauschaft einem jeden möglich wäre, so bedürfte es keiner [be]sonderen Gottesgabe. Nun sagt der Herr Christus Matth. 19, es sei eine besondere hohe Gottesgabe, und: “nicht jedermann fasse das Wort.” Die andern nun, will Gott, dass sie sollen gebrauchen des Ehestandes den Gott eingesetzt. Denn Gott will nicht, dass man sein Geschöpf und Ordination verachten soll; so will er dennoch, dass dieselben auch sollen keusch sein, nämlich, dass sie des Ehestandes gebrauchen, welchen er eheliche Reinigkeit und Keuschheit zu erhalten hat eingesetzt; wie er auch will, dass wir sollen der Speise und des Tranks gebrauchen die er uns zur Leibeserhaltung geschaffen hat.
Und Gerson, der zeigt an, dass viel fromme, große Leute gewesen sind, die durch Leibeskasteien haben wollen Keuschheit halten und haben dennoch nichts geschafft. Darum sagt auch St. Ambrosius recht: “Allein die Jungfrauschaft ist ein solch Ding, die man raten mag und nicht gebieten.”
Ob jemand hier nun sagen wollte, der Herr Christus lobt diejenigen redet, welche die Gabe der Jungfrauschaft haben; denn darum setzt er dazu: “Wer es fassen kann, der fasse es.”
Denn dem Herrn Christo gefällt solche unreine Keuschheit nicht, wie in Stiften und Klöstern ist. Wir lassen auch rechte Keuschheit eine feine, edle Gottesgabe sein. Wir reden aber hier davon, dass solch Gesetz und Verbot der Ehe unrecht ist, und von denen, die Gottes Gabe nicht haben. Darum soll es frei sein, und sollen nicht solche Stricke den armen Gewissen angeworfen werden.
Zum vierten, so ist auch dasselbe Papstgesetz wider die Canones und alten Konzilien. Denn die alten Canones verbieten nicht die Ehe, sie zerreißen auch nicht den Ehestand begeben, ihres geistlichen Amtes entsetzen. Das war die Zeit nach Gelegenheit mehr eine Gnade denn eine Strafe. Aber die neün Canones, die nicht in den Conciliis, sondern durch die Päpste gemacht sind, die verbieten die Ehe und zerreißen die iam contracta matrimonia usw. So ist’s nun am Tage, dass solches wider die Schrift, auch wider Christi Gebot ist, da er sagt: “Die Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.”
Die Widersacher schreien fast [sehr], dass der Zölibat oder Keuschheit der Priester geboten seit in den Conciliis. Wir fechten die Concilia des Teils nicht an, denn sie verbieten die Ehe nicht; sondern das neü Gesetz fechten wir an, welches die Päpste wider die Concilia gemacht haben. Also gar verachten die Päpste selbst die Concilia, so sie doch andern bei Gottes Zorn und ewiger Verdammnis dürfen gebieten, die Konzilien zu halten.
Darum ist das Gesetz, dadurch die Priesterehe verboten, ein recht Papstgesetz der römischen Tyrannei. Denn der Prophet Daniel hat das antichristische Reich also abgmalt, dass es solle Ehestand und Eheweiber, ja das weibliche Geschlecht verachten lehren.
Zum fünften, obwohl sie das ungöttliche Gesetz nicht Heiligkeit halben, oder aus Unwissenheit verteidigen (denn sie wissen wohl, dass sie Keuschheit nicht halten), so geben sie doch Ursache zu unzähliger Heuchelei, weil sie einen Schein der Heiligkeit vorwenden. Sie sagen, dass darum die Priester sollen Keuschheit halten, denn sie müssen heilig und rein sein; gleich als sei der Ehestand eine Unreinigkeit, gleich als werde man eher heilig und gerecht vor Gott durch den Zölibat denn durch den Ehestand.
Und dazu ziehen sie an die Priester im Gesetz Mosis. Denn sie sagen, wenn die Priester haben im Tempel gedient, haben sie sich ihrer Weiber müssen enthalten: darum, so im Neün Testament die Priester allezeit beten sollen, sollen sie sich auch allezeit keusch halten. Solch ungeschickt, närrisch Gleichnis ziehen sie an als einen ganz klaren, gewissen Grund, dadurch schon erstritten sei, dass die Priester schuldig seien, ewige Keuschheit zu halten, so sie doch, wenn auch das Gleichnis hier töchte [taugte] oder sich reimte, nichts mehr damit erhalten [beweisen], denn dass die Priester sich ihrer Weiber allein eine Zeitlang enthalten sollten, nämlich wenn sie Kirchendienst vorhätten. Auch so ist ein ander Ding beten, ein ander Ding, in der Kirche priesterlich Amt tun. Denn viel Heilige haben wohl gebetet, wenn sie gleich nicht im Tempel gedient, und hat sie eheliche Beiwohnung daran nichts gehindert.
Wir wollen aber ordentlich nacheinander auf solche Träume antworten. Für das erste müssen je die Widersacher bekennen und können’s nicht leugnen, dass der Ehestand an Christgläubigen ein reiner, heiliger Stand sei; denn er ist je geheiligt durch das Wort Gottes. Denn von Gott ist er eingesetzt, durch Gottes Wort ist er bestätigt, wie da die Schrift reichlich zeugt.
Den Christus sagt: “Was Gott hat zusammengefügt, das soll kein Mensch scheiden.” Da sagt Christus, Eheleute und Ehestand füge Gott zusammen; so ist es ein rein, heilig, edel, löblich Gotteswerk.
Und Paulus sagt von der Ehe, von Speisen und dergleichen, dass sie: “geheiligt werden durch das Wort Gottes und durch das Gebet”. Erstlich durchs göttliche Wort, dadurch das Herz gewiß wird, dass Gott dem Herrn der Ehestand gefällt. Zum andern durch das Gebet, das ist, durch Danksagung, welche im Glauben geschieht, da wir des Ehestands, Speise, Tranks mit Danksagung gebrauchen.
1 Kor. 7: “Der ungläubige Mann wird geheiligt durch das gläubige Weib”, das ist, der Ehestand ist rein, gut christlich und heilig um des Glaubens willen in [an] Christum, des wir brauchen mögen mit Danksagung, wie wir Speise und Trank usw. brauchen.
Item 1 Tim 2: “Das Weib aber wird selig durch Kindergebären, so sie bleibt im Glauben” usw. Wenn die Widersacher von ihrer Pfaffenkeuschheit einen solchen Spruch könnten vorbringen, wie sollten sie triumphieren! Paulus sagt, das Weib werde selig durch Kindergebären. Was hätte doch der heilige Apostel wider die schändliche Heuchelei der unflätigen, erlogenen Keuschheit Trefflicheres reden können, denn dass er sagt, sie werden selig durch die eheliche Werke, durch Gebären, durch Kindersäugen und =ziehen, durch Haushalten usw.? Ja, wie meint das Paulus? Er setzt dazu mit klaren Worten: “So sie bleibt im Glauben” usw. Denn die Werke und Arbeit im Ehestande für sich selbst ohne den Glauben werden hier allein nicht gelobt. So will er nun vor allen Dingen, dass sie Gottes Wort haben und gläubig seien, durch welchen Glauben (wie er denn allenthalben sagt) sie empfangen Vergebung der Sünden und Gott versöhnt werden. Danach gedenkt er des Werkes ihres weiblichen Amtes und Berufs. Gleichwie in allen Christen aus dem Glauben sollen gute Werke folgen, dass ein jeder nach seinem Beruf etwas tü, damit er seinem Nächsten nütz werde; Und wie dieselben guten Werke Gott gefallen, also gefallen auch Gott solche Werke, die ein gläubig Weib tut ihrem Beruf nach; Und ein solch Weib wird selig, die also ihrem Beruf nach im ehelichen Stand ihr weiblich Amt tut.
Diese Sprüche zeigen an, dass der Ehestand ein heilig und christlich Ding sei. So nun Reinigkeit auch das heißt, das vor Gott heilig und angenehm ist, so ist der Ehestand heilig und angenehm, denn er ist bestätigt durch das Wort Gottes.
Und wie Paulus sagt: “Den Reinen ist alles rein”, das ist, denen, die da glauben in [an] Christum. Derhalben wie die Jungfrauschaft in den Gottlosen unrein ist, also ist der Ehestand heilig in den Gläubigen um des göttlichen Wortes und Glaubens willen.
So aber die Widersacher das Reinigkeit heißen, da keine Unzucht ist, so heißt Reinigkeit des Herzens, da die böse Lust getötet ist. Denn Gottes Gesetz verbietet nicht die Ehe, sondern die Unzucht, Ehebruch, Hurerei. Darum, äußerlich ohne Weib sein, ist nicht die rechte Reinigkeit, sondern es kann einen größere Reinigkeit des Herzens sein in einem Ehemann (als in Abraham und Jakob) denn in vielen, die gleich nach leiblicher Reinigkeit ihre Keuschheit recht halten.
Endlich, so sie die Keuschheit derhalben Reinigkeit nennen, dass man dadurch eher sollte vor Gott gerecht werden denn durch den Ehestand, so ist es ein Irrtum. Denn ohne Verdienst, um Christus’ willen allein, erlangen wir Vergebung der Sünden, wenn wir glauben, dass wir durch Christus’ Blut und Sterben einen gnädigen Gott haben.
Hier aber werden die Widersacher schreien, dass wir wie Jovinianus den Ehestand der Jungfrauschaft gleichachten. Aber um ihres Geschreies willen werden wir die göttliche Wahrheit und die Lehre von Christo, von Gerechtigkeit des Glaubens, die wir oben angezeigt, nicht verleugnen.
Doch lassen wir dennoch der Jungfrauschaft ihren Preis und Lob und sagen auch, dass eine Gabe sei höher denn die andern. Denn gleichwie Weisheit zu regieren eine höhere Gabe ist denn andere Künste, also ist die Jungfrauschaft oder Keuschheit eine höhere Gabe denn der Ehestand.
Und doch wiederum, wie der Regent nicht von wegen seiner Gabe und Klugheit vor Gott mehr gerecht ist denn ein anderer von wegen seiner Kunst, also ist die Keusche nicht mehr gerecht vor Gott von wegen seiner Gaben denn die Ehelichen von wegen ihres Standes, sondern ein jeder soll treulich dienen mit seiner Gabe und dabei wissen, dass er um Christus’ willen, durch den Glauben Vergebung der Sünden habe und gerecht vor Gott geschätzt werde.
Der Herr Christus und Paulus auch loben die Jungfrauschaft nicht darum, dass sie vor Gott gerecht mache, sondern dass diejenigen, so ledig, ohne Weib oder ohne Mann, sind, desto freier, unverhindert mit Haushalten, Kinderziehen usw., lesen, beten, schreiben, dienen können. Darum sagt Paulus zu den Korinthern: “Aus der Ursache wird die Jungfrauschaft gelobt, dass man in dem Stand mehr Raum hat, Gottes Wort zu lernen und andere zu lehren.” So lobt auch Christus nicht schlechthin diejenigen, so sich verschnitten, sondern setzt dazu: “um des Himmelreichs willen”, das ist, dass sie desto leichter lernen und lehren können das Evangelium. Er sagt nicht, dass Jungfrauschaft Vergebung der Sünden verdiene.
Auf das Exempel von den levitischen Priestern haben wir geantwortet, dass damit gar nicht bewiesen ist, dass die Priester sollen ohne Ehestand sein. Auch so geht uns Christen das Gesetz Mosis mit den Zeremonien der Reinigkeit oder Unreinigkeit nichts an. Im Gesetz Mosis, wenn ein Mann sein Weib berührte, ward er etliche Zeit unrein; jetzt ist ein Christenehemann nicht unrein. Denn das Neü Testament sagt: “Den Reinen ist alles rein.” Denn durch das Evangelium sind wir gefreit von allen Zeremonien Mosis, nicht allein von den Gesetzen der Unreinigkeit.
Wo aber den Zölibat jemand aus dem Grunde wollte verfechten, dass er die Gewissen wollte verpflichten zu solchen levitischen Reinigkeiten, dem müßten wir ebenso heftig widerstehen, als die Apostel den Juden widerstanden haben, Act. 15, das sie zu dem Gesetz Mosis und zu der Beschneidung die Christen verpflichten wollten.
Hier aber werden christliche, gottesfürchtige Eheleute wohl in ehelicher Pflicht Maß zu halten wissen. Denn diejenigen, so in Regimenten oder der Kirchen Ëmtern sind und zu schaffen haben. Die werden auch im Ehestand wohl keusch müssen sein. Denn mit großen Sachen und Händeln beladen sein, da Landen und Leuten, Regimenten und Kirchen an gelegen ist, ist ein gut remedium, dass der alte Adam nicht geil werde. So wissen auch die Gottesfürchtigen, dass Paulus 1 Thess. 4 sagt: “Ein jeglicher unter euch wisse sein Faß zu behalten in Heiligung und Ehren, nicht in der Lustseuche.”
Dagegen aber, was kann für eine Keuschheit bei so viel tausend Mönchen und Pfaffen sein, die ohne Sorge in aller Lust leben müßig und voll, haben dazu kein Gotteswort, lernen’s nicht und achten’s nicht? Da muss alle Unzucht folgen. Solche Leute können weder levitische noch ewige Keuschheit halten.
Viele Ketzer, welche das Gesetz Mosis, oder wie es zu gebrauchen sei, nicht verstanden, reden schmählich von dem Ehestand, welche doch um solches heuchlerischen Scheines willen für heilig gehalten sind. Und Epiphanius klagt heftig, dass die Enkratiten mit dem heuchlerischen Schein, besonders der Keuschheit, bei den Unerfahrenen ein Ansehen gewonnen haben. Sie tranken keinen Wein, auch nicht im Abendmahl des Herrn, und enthielten sich gar beides, Fische und Fleisch zu essen, waren noch heiliger denn die Mönche, welche Fische essen! Auch enthielten sie sich des Ehestandes; das hatte erst einen großen Schein, und hielten also, dass sie durch diese Werke und erdichtete Heiligkeit Gott versöhnten, wie unsere Widersacher lehren.
Wider solche Heuchelei und Engelsheiligkeit streitet Paulus heftig zu den Kolossern. Denn dadurch wird Christus gar unterdrückt, wenn die Leute in solchen Irrtum kommen, dass sie verhoffen, rein und heilig zu sein vor Gott durch solche Heuchelei. So kennen auch solche Heuchler Gottes Gabe noch Gebote nicht;
denn Gott will haben, dass wir mit Danksagung seiner Gaben gebrauchen sollen. Und ich wüßte wohl Exempel vorzubringen, wie manch fromm Herz und armes Gewissen dadurch betrübt worden und in Gefahr gekommen ist, dass es nicht unterrichtet, dass der Ehestand, die Ehepflicht und was an der Ehe ist, heilig und christlich wäre. Der große Jammer ist erfolgt aus der Mönche ungeschicktem Predigen, welche ohne Maß den Zölibat, die Keuschheit lobten und den ehelichen Stand für ein unrein Leben ausschrien, dass er sehr hinderlich wäre zu der Seligkeit und voll Sünden.
Aber unsere Widersacher halten nicht so hart über dem ehelosen Stand um des Scheins willen der Heiligkeit; denn sie wissen, dass zu Rom, auch in allen ihren Stiften, ohne Heuchelei, ohne Schein eitel Unzucht ist. So ist es auch ihr Ernst nicht, keusch zu leben, sondern wissentlich machen sie die Heuchelei vor den Leuten. Derhalben sie ärger und ihre Heuchelei ist häßlicher denn der Ketzer Enkratiten; denen war’s doch mehr Ernst, aber diesen Epicureis ist’s nicht Ernst, sondern sie spotten Gott and der Welt und wenden allein diesen Schein vor, damit ihr frei Leben zu erhalten.
Zum sechsten, so wir so viele Ursachen haben, warum wir des Papsts Gesetz vom Zölibat nicht können annehmen, so sind doch darüber unzählige Fährlichkeiten der Gewissen, unsäglich viel Ërgernisse. Darum ob solch Papstgesetz gleich nicht unrecht wäre, so sollte doch billig alle ehrbaren Leute abschrecken solche Beschwerung der Gewissen, dass so unzählige Seelen dadurch verderben.
Es haben lange vor dieser Zeit viel ehrbare Leute auch unter ihnen, ihre eigenen Bischöfe, Cononici usw., geklagt über die große, schwere Last des Zölibats und befunden, dass sie selbst und andere Leute in große Gefahr ihrer Gewissen darüber gekommen; aber der Klage hat sich niemand angenommen. Darüber ist es am Tage, wie an vielen Orten, wo Pfaffenstifte sind, gemeine Zucht dadurch zerrüttet wird, was greuliche Unzucht, Sünde und Schande, was große ungehörte Laster dadurch geursacht. Es sind der Pöten Schriften und satyrae vorhanden; darin mag sich Roma spiegeln.
Also rächt Gott der Allmächtige die Verachtung seiner Gabe und seiner Gebote in denjenigen, die den Ehestand verbieten. So man nun oft etliche nötige Gesetze aus Ursache geändert hat, wenn es der gemeine Nutz erfordert, warum sollte denn dies Gesetz nicht geändert werden, da so viel treffliche Ursachen sind, so viel unzählige Beschwerung der Gewissen, darum es billig geändert werde? Wir sehen, dass dies die letzten Zeiten sind, und wie ein alter Mensch schwächer ist denn ein junger, so ist auch die ganze Welt und ganze Natur in ihrem letzten Alter und im Abnehmen. Der Sünden und Laster wird nicht weniger, sondern täglich mehr. Derhalben sollte man wider die Unzucht und Laster desto eher der Hilfe brauchen, die Gott gegeben hat, als des Ehestands.
Wir sehen in dem ersten Buch Mosis, dass solche Laster der Hurerei auch hatten überhandgenommen vor der Sintflut. Ferner: zu Sodoma, zu Sybaris, zu Rom und andern Städten ist greuliche Unzucht eingerissen, ehe sie zerstört wurden. In diesen Exempeln ist abgemalt, wie es zu den letzten Zeiten gehen werde, kurz vor der Welt Ende.
Derhalben, so es auch die Erfahrung gibt, dass jetzt in diesen letzten Zeiten Unzucht stärker denn je leider eingerissen, sollten treü Bischöfe und Obrigkeit vielmehr Gesetze und Gebote mache, die Ehe zu gebieten, denn zu verbieten, auch mit Worten, Werken und Exempeln die Leute zu dem Ehestande vermahnen; das wäre der Obrigkeiten Amt;. denn dieselben sollen Fleiß haben, dass Ehre und Zucht erhalten wird. Nun hat Gott die Welt also geblendet, dass man Ehebruch und Hurerei gar nahe ohne Strafe duldet, dagegen straft man um des Ehestands willen. Ist das nicht schrecklich zu hören? Dabei sollten die Prediger beiderlei unterrichten: diejenigen, so die Gabe der Keuschheit haben, vermahnen, dass sie dieselbe nicht verachteten, sondern zu Gottes Ehre brauchten, die andern, welchen der eheliche Stand vonnöten ist, dazu auch vermahnen.
Der Papst dispensiert sonst täglich in vielen nötigen Gesetzen, daran gemeinem Nutz viel gelegen, da er billig sollte fest sein. Allein in diesem Gesetz vom Zölibat erzeigt er sich also hart als Stein und Eisen, so man doch weiß, dass nichts denn ein Manschengesetz ist.
Sie haben viel fromme, redliche, gottesfürchtige Leute, welche niemand kein Leid getan, wüterisch und tyrannisch erwürgt allein um des Ehestands willen, dass sie aus Notdurft ihrer Gewissen sind ehelich geworden. Derhalben zu besorgen, dass des Abels Blut so stark gen Himmel schreit, dass sie es nimmer werden verwinden, sondern wie Kain zittern müssen.
Und dieselbe kainische Mörderei des unschuldigen Bluts zeigt an, dass diese Lehre vom Zölibat Teufelslehre sei. Denn der Herr Christus nennt den Teufel einen Mörder, welcher solch tyrannisch Gesetz mit eitel Blut und Morden auch gern wollte verteidigen.
Wir wissen fast [sehr] wohl, dass etliche sehr schreien, wir machten Schismata. Aber unsere Gewissen sind ganz sicher, nachdem wir mit allem treün Fleiß Frieden und Einigkeit gesucht haben, and die Widersacher ihnen [sich] nicht wollen genügen lassen, wir verleugnen denn (das Gott verhüte!) die öffentliche göttliche Wahrheit, wir willigen denn mit ihnen, das häßliche Papstgesetz anzunehmen, fromme, unschuldige Eheleute voneinander zu reißen, die ehelichen Priester zu erwürgen, unschuldige Weiber und Kinder ins Elend zu vertreiben, ohne alle Ursache unschuldig Blut zu vergießen. Denn nachdem es gewiß ist, das solches Gott nicht gefällt, so sollen wir uns lassen lieb sein, dass wir keine Einigkeit noch Gemeinschaft, auch keinen Schuld an so viel unschuldigem Blut mit den Widersachern haben.
Wir haben Ursache angezeigt, warum wir es mit gutem Gewissen mit den Widersachern nicht halten können, die den Zölibat verteidigen. Denn es ist wider alle göttlichen und natürlichen Rechte, wider die Canones selbst, dazu ist’s eitel Heuchelei und Gefahr. Denn sie halten über derselben erdichteten Keuschheit nicht so hart Heiligkeit halben, oder dass sie es nicht anders versünden; sie wissen wohl, dass jedermann der hohen Stifte Wesen, welche wir wohl zu nennen wüßten, kennt, sondern allein ihre Tyrannei und Herrschaft zu erhalten. Und es wird kein ehrbarer Mensch wider obenangezeigte starke, klare Gründe etwas mögen [können] aufbringen.
Das Evangelium läßt allen den Jungen den Ehestand frei, denen er vonnöten ist; so zwingt es die zum Ehestand nicht, so die Gabe der Keuschheit haben, wenn es allein rechte Keuschheit und nicht Heuchelei ist. Die Freiheit, halten wir, sei den Priestern auch zu vergönnen, und wir wollen niemand mit Gewalt zum Zölibat zwingen, wollen auch fromme Eheleute nicht voneinander treiben oder die Ehe zerreißen.
Wir haben nun etliche unserer Gründe auf diesmal kurz angezeigt; auch haben wir vermeldet, wie die Widersacher so ungeschickten Behelf und Träume dawider aufbringen. Nun wollen wir anzeigen, mit was starken Gründen sie ihr Papstgesetz verteidigen.
Erstlich sagen sie, solch Gesetz sei von Gott offenbart. Da steht man, wie ganz unverschämt die heillosen Leute sind. Sie dürfen sagen, dass ihr Eheverbieten von Gott offenbart sei, so es doch öffentlich ist wider die Schrift, wider Paulum da er sagt: “Hurerei zu vermeiden, habe ein jeglicher sein eigen Eheweib.” Ferner: so die Schrift und Canones stark verbeiten, dass man die Ehe, so schon vollzogen, in keinem Wege zerreißen soll, was dürfen die Buben sagen und den hohen, allerheiligsten Namen der göttlichen Majestät so frech und unverschämt mißbrauchen? Paulus der Apostle sagt recht, wer der Gott sei, der solch Gesetz erst eingeführt, nämlich der leidige Satan; denn er nennt’s: “Teufelslehre”. Und wahrlich, die Frucht lehrt uns den Baum kennen, so wir sehen, dass so viel schreckliche, greuliche Laster dadurch geursacht werden, wie an Rom zu sehen; item, dass auch über diesem Gesetz des Würgens und Blutvergießens der Teufel kein Ende macht.
Der andere Grund der Widersacher, ist, dass die Priester sollen rein sein, wie die Schrift sagt: “Ihr sollt rein sein, die ihr traget die Gefäße des Herrn.” Das Argument haben wir hier oben verlegt [widerlegt]; denn wir haben genug angezeigt, dass Keuschheit ohne Glauben keine Reinigkeit vor Gott sei, und der Ehestand ist Heiligkeit und Reinigkeit um des Glaubens willen, wie Paulus sagt: “Den Reinen ist alles rein.” So haben wir klar genug gesagt, dass Mosis Zeremonien von Reinigkeit und Unreinigkeit dahin nicht zu ziehen seien. Denn das Evangelium will haben Reinigkeit des Herzens. Und hat keinen Zweifel, dass Abrahams, Isaaks, Jakobs, der Erzväter Herzen, welche doch viele Weiber gehabt, reiner gewesen seien denn vieler Jungfraün, die gleich nach Reinigkeit des Leibes rechte, reine Jungfraün gewesen. Dass aber Jesaias sagt: “Ihr sollt rein sein, die ihr das Gefäß des Herrn tragt”, das ist zu verstehen von ganzer christlicher Heiligkeit und nicht von Jungfrauschaft, und eben dieser Spruch gebietet den unreinen, ehelosen Priestern, dass sie reine, eheliche Priester werden.
Denn wie zuvor gesagt ist, die Ehe ist Reinigkeit bei den Christen.
Das dritte ist erstlich ein schrecklich Argument, dass der Priester Ehe solle Ketzerei sein. Gnadet unserer armen Seele, liebe Herren; fahrt schöne! Das ist gar ein Neüs, dass der heilige Ehestand, den Gott im Paradies geschaffen hat, soll Ketzerei sein worden. Mit der Weise würde die ganze Welt eitel Ketzerkinder sein. Es ist eine große, unverschämte Lüge, dass der Priesterehe solle Joviniani Ketzerei sein, oder dass solche Priesterehe zu den Zeit von der Kirche solle verdammt sein. Denn zu Jovinianus’ Zeiten hat die Kirche von diesem Papstgesetz, dadurch den Priestern die Ehe ganz verboten ist, noch nicht gewußt. Und solches wissen unsere Widersacher wohl.
Aber sie ziehen oft alte Ketzereien an und reimen unsere Lehre dazu wider ihr eigen Gewissen, allein den Ungelehrten einzubilden, als sei unsere Lehre vor alters von der Kirche verdammt, und also männiglich [jederman] wider uns zu bewegen. Mit solchen Griffen gehen sie um; Und darum haben sie und die Konfutation nicht wollen zustellen. Sie haben besorgt, man möchte ihre öffentlichen Lügen verantworten, welches ihnen eine ewige Schande bei allen Nachkommen sein wird. Was aber Joviniani Lehre belangt, haben wir hier oben gesagt, was wir von Keuschheit und was wir vom Ehestand halten.
Denn wir sagen nicht, dass der Ehestand gleich sei der Jungfrauschaft, obwohl weder Jungfrauschaft noch Ehestand gerecht macht vor Gott.
Mit solchen schwachen, losen Gründen schützen und verteidigen sie des Papstes Gesetz vom Zölibat, das so zu großen Lastern und Unzucht hat Ursache gegeben. Die Fürsten und Bischöfe, so diesen Lehrern glauben, werden wohl sehen, ob solche Gründe den Stich halten, wenn es zu der Todesstunde kommt, dass man vor Gott soll Rechenschaft geben, warum sie frommer Leute Ehe zerrissen haben, warum sie diese gestöckt und gepflöckt [ins Gefängnis geworfen] haben, warum sie so viele Priester erwürgt und unschuldig Blut über alles Klagen, Heulen und Weinen so vieler Witwen und Waisen vergossen haben. Denn das dürfen sie ihnen [sich] nicht in Sinn nehmen: die Zähren und Tränen der armen Witwen, das Blut der unschuldigen ist im Himmel unvergessen, es wird zu seiner Stunde als stark als des heiligen, unschuldigen Abels Blut über sie in hohen Himmel schreien und vor Gott, dem rechten Richter, rufen. Wenn nun Gott solche Tyrannei richten wird, werden sie erfahren, dass ihre Argumente Stroh und Heu sind und Gott “ein verzehrend Feür”, vor dem nicht bleiben kann außer göttliches Worts, 1 Petr. 1, 24.25.
Unsere Fürsten und Herren, es gehe, wie es wolle, haben sich des zu trösten, dass sie mit gutem Gewissen gehandelt haben. Denn ich will gleich setzen, dass der Priester Ehe etwas anzufechten sei, als nicht ist, doch ist das stracks wider Gottes Wort und Willen, dass die Widersacher die vollzogenen Ehen also zerreißen, arme, unschuldige Leute ins Elend jagen und erwürgen. Es haben unsere Fürsten und Herren ja nicht Lust an Neürung und Zwiespalt, dennoch sind sie schuldig, dass sie göttlich Wort und Wahrheit in so gerechter und gewisser Sache mehr lassen gelten denn alle andern Sachen. Da verleihe Gott Gnade zu! Amen.