XII. Von andern Rotten und Sekten
Einleitung
so sich niemals zu der Augsburgischen Konfession bekannt.
Damit uns auch nicht stillschweigend solche zugemessen [werden], weil wir derselben in vorgesetzter Erklärung keine Meldung getan, haben wir zu Ende allein die blosen Artikel erzählen wollen, darin sie sich irren und vielgedachtem unserm Christlichen Glauben und Bekenntnis zuwider lehren.
Irrige Artikel der Wiedertäufer.
Die Wiedertäufer sind unter sich selbst in viele Haufen geteilt, da einer viel, der andere wenig Irrtümer bestreitet [verteidigt]; insgemein aber führen sie solche Lehre, die weder in der Kirche noch in der Polizei und weltlichem Regiment noch in der Haushaltung zu dulden noch zu leiden [sind].
Unleidliche Artikel in der Kirche.
- Das Christus seinen Leib und Blut nicht von Maria der Jungfrau angenommen, sondern vom Himmel mit sich gebracht [habe].
- Das Christus nicht wahrhaftiger Gott [sei], sondern nur mehr Gaben des Heiligen Geistes habe denn sonst ein heiliger Mensch.
- Dass unsere Gerechtigkeit vor Gott nicht allein auf dem einigen Verdienst Christi, sondern in der Erneurung und also in unserer eigenen Frömmigkeit stehe, in der wir wandeln. Welche zum großen Teil auf eigene, sonderliche, selbsterwählte Geistlichkeit gesetzt und im Grunde anderes nichts denn eine neü Möncherei ist.
- Das die Kinder, so nicht getauft, vor Gott nicht Sünder, sondern gerecht und unschuldig seien, welche in ihrer Unschuld, weil sie noch nicht zu ihrem Verstand [ge]kommen, ohne die Taufe (deren, ihrem Vorgeben nach, sie nicht bedürfen) selig werden. Verwerfen also die ganze Lehre von der Erbsünde, und was derselben anhanget [anhängt].
- Das die Kinder nicht sollen getauft werden, bis sie zu ihrem Verstand kommen und ihren Glauben selbst bekennen können.
- Dass der Christen Kinder darum, weil sie von christlichen und gläubigen Eltern geboren, auch ohne und vor der Taufe heilig und Gottes Kinder seien; auch der Ursache [halben] der Kinder Taufe weder hochhalten noch befördern, wider die ausgedrückten [ausdrücklichen] Worte der Verheißung Gottes, die sich allein aus die erstreckt, welche seinen Bund halten und denselben nicht verachten, Gen. 17.
- Dass dies keine rechte christliche Gemeinde sei, darin noch Sünder gefunden werden.
- Dass man keine predigt hören noch in den Tempeln besuchen solle, darin zuvor päpstische Messe gehalten und gelesen worden.
- Das man nichts mit den Kirchendienern, so das Evangelium vermöge [laut] Augsburgischer Konfession predigen und der Wiedertäufer predigen und Irrtümer strafen, zu schaffen haben, ihnen auch weder dienen noch etwas arbeiten, sondern [sie] als die Verkehrer Gottes Worts fliehen und meiden soll.
Unleidliche Artikel in der Polizei.
- Dass die Obrigkeit kein gottgefälliger Stand im Neün Testament sei.
- Dass ein Christenmensch mit gutem, unverletztem Gewissen das Amt der Obrigkeit nicht tragen noch verwalten könne.
- Dass ein Christ mit unverletztem Gewissen das Amt der Obrigkeit in zufälligen Sachen wider die Bösen nicht gebrauchen [dürfe], noch derselben Untertanen ihre habende und von Gott empfangene Gewalt zum Schutz und Schirm anrufen mögen.
- Dass ein Christenmensch mit gutem Gewissen keinen Eid schwören noch mit Eid seinem Landesfürsten oder Oberherrn die Erbhuld[ig]ung tun könne.
- Dass die Obrigkeit im Neün Testament in [mit] unverletztem Gewissen die Übeltäter am Leben nicht strafen könne.
Unleidliche Artikel in der Haushaltung.
- Dass ein Christ mit gutem Gewissen nichts Eigenes behalten noch besitzen könne, sondern schuldig sei, dasselbe in die Gemein [in die Gemeinde= oder Kommunkasse] zu geben.
- Dass ein Christ mit gutem Gewissen kein Gastgeber, Kaufmann oder Messerschmied sein könne.
- Das Eheleute um des Glaubens willen sich voneinander scheiden und eins das andere verlassen und mit einem andern, das seines Glaubens ist, sich Verehelichen möge.
Irrige Artikel der Schwenkfeldianer.
- Das alle die keine rechte Erkenntnis des regierenden Himmelskönigs Christi haben, welche Christum nach dem Fleisch für eine Kreatur halten.
- Dass das Fleisch Christi durch die Erhöhung also alle göttlichen Eigenschaften angenommen, das er, Christus, als Mensch an Macht, Kraft, Majestät, Herrlichkeit dem Vater und dem Wort allenthalben im Grad und Stelle des Wesens gleich, das nunmehr einerlei Wesen, Eigenschaft, Wille und Glorie beider Naturen in Christo seien, und dass das Fleisch Christ zu dem Wesen der heiligen Dreifaltigkeit gehöre.
- Dass der Kirchendienst, das gepredigte und gehörte Wort, nicht sei ein Mittel, dadurch Gott der Heilige Geist die Menschen lehre, die seligmachende Erkenntnis Christi, Bekehrung, Buße, Glauben und neün Gehorsam in ihnen wirke.
- Dass das Taufwasser nicht sei ein Mittel, dadurch Gott der Her die Kindschaft versiegele und die Wiedergeburt wirke.
- Das Brot und Wein im heiligen Abendmahl nicht Mittel seien, dadurch und damit Christus seinen Leib und Blut austeile.
- Dass ein Christenmensch, der wahrhaftig durch den Geist Gottes wiedergeboren, das Gesetz Gottes in diesem Leben vollkommen halten und erfüllen könne.
- Dass keine rechte christliche Gemeinde sei, da kein öffentlicher Ausschluß oder ordemtlicher Prozeß des Bannes gehalten werde.
- Dass der Diener der Kirche andere Leute nicht nützlich lehren oder rechte, wahrhaftige Sakramente austeilen könne, welcher nicht auch für seine Person wahrhaftig verneürt, wiedergeboren, gerecht und fromm sei.
Irrtum der neün Arianer.
Dass Christus nicht ein wahrhaftiger, wesentlicher, natürlicher Gott, eines ewigen göttlichen Wesens mit Gott dem Vater und dem Heiligen Geist, sondern allein mit göttlicher Majestät, unter und neben Gott dem Vater, geziert sei.
Irrtum der Antitrinitarier.
Das ist gar eine neü Sekte, zuvor in der Christenheit nicht erhört, welche glauben, lehren und bekennen, dass nicht ein einig, ewig göttlich Wesen sei des Vaters, Sohnes und Heiligen Geistes; sondern wie Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist drei unterschiedliche Personen seien, also habe auch eine jede Person ihr unterschiedlich und von andern Personen der Gottheit abgesondert Wesen, die doch entweder alle drei, wie sonst drei unterschiedene und voneinander in ihrem Wesen abgesonderte Menschen, gleicher Gewalt, Weisheit, Majestät und Herrlichkeit [seien], oder am Wesen und Eigenschaften einander ungleich, das allein der Vater rechter wahrer Gott sei.
Diese und dergleichen Artikel allzumal, und was denselben mehr Irrtums anhängig [ist] und daraus erfolgt, verwerfen und verdammen wir als unrecht, falsch, ketzerisch, dem Worte Gottes, den dreien Symbolis, der Augsburgischen Konfession und Apologie, den Schmalkaldischen Artikeln und Katechismis Lutheri zuwider, vor welchen alle frommen Christen hohen und niedrigen Standes sich hüten sollen, so lieb ihnen ihrer Seelen Heil und Seligkeit ist.
Das dies unser aller Lehre, Glaube und Bekenntnis sei, wie wir solches am Jüngsten Tage vor dem gerechten Richter, unserm Hern Jeu Christo, verantworten, dawider auch nichts heimlich noch öffentlich reden oder schreiben wollen, sondern gedenken vermittelst der Gnade Gottes dabei zu bleiben, haben wir wohlbedächtig in wahrer Furcht und Anrufung Gottes mit eigenen Händen unterschrieben. [Am Schluß der Epitome steht in den Handschriften: “Actum Bergae. den 29. Mai, Anno l577.” Dann folgen als unterschriften die Namen: Iacobus Andreä D., Nicolaus Selneccerus D., Andreas Musculus D., Christophorus Cornerus D., David Chyträus D., Martinus Chemnitius D. Ebenso am Schlusse der Declaratio, jedoch ohne Actum und Datum.]