Konkordienformel – EpitomeFC EpArtikel V

V. Vom Gesetz und Evangelium

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Concordia Triglotta
Originaltitel

STATUS CONTROVERSIAE

Die Hauptfrage in diesem Zwiespalt.

Ob die predigt des heiligen Evangelii eigentlich sei nicht allein eine Gnadenpredigt, die Vergebung der Sünden verkündigt, sondern auch eine Buß= und Strafpredigt, welche den Unglauben straft, der im Gesetz nicht gestraft, sondern allein durch das Evangelium gestraft werde.

AFFIRMATIVA.

Reine Lehre Gottes Worts.

  1. Wir glauben, lehren und bekennen, dass der Unterschied des Gesetzes und Evangelii als ein besonder herrlich Licht mit großem Fleiß in der Kirche zu erhalten [sei], dadurch das Wort Gottes nach der Vermahnung St. Pauli recht geteilt wird.
  1. Wir glauben, lehren und bekennen, dass das Gesetz eigentlich sei eine göttliche Lehre, welche lehrt, was recht und Gott gefällig, und straft alles, was Sünde und Gottes Willen zuwider ist.
  1. Darum denn alles, was Sünde straft, ist und gehört zur Predigt des Gesetzes.
  1. Das Evangelium aber sei eigentlich eine solche Lehre, die da lehrt, was der Mensch glauben soll, der das Gesetz nicht gehalten [hat] und durch dasselbe verdammt [wird], nämlich das Christus alle Sünden gebüßt und bezahlt und ihm ohne alle sein Verdienst erlangt und erworben habe Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, und das ewige Leben.
  1. Nachdem aber das Wort: “Evangelium” nicht in einerlei Verstand in Heiliger Schrift gebraucht [wird], daher denn dieser Zwiespalt ursprünglich entstanden, so glauben, lehren und bekennen wir, wenn durch das Wort: “Evangelium” verstanden wird die ganze Lehre Christi, die er in seinem Lehramt, wie auch seine Apostel geführt (in welchem Verstande es denn Mark 1, Act. 20 gebraucht), dass recht geredet und geschrieben [wird], das Evangelium sei eine Predigt von der Buße und Vergebung der Sünden.
  1. Wenn aber das Gesetz und Evangelium, wie auch Moses selbst [als] ein Gesetzeslehrer, und Christus als ein Prediger des Evangeliums gegeneinander gehalten [werden], glauben, lehren und bekennen wir, dass das Evangelium nicht eine Buß= oder Strafpredigt, sondern eigentlich anderes nichts denn eine Trostpredigt und fröhliche Botschaft sei, die nicht straft noch schreckt, sondern wider das Schrecken des Gesetzes die Gewissen tröstet, allein aus das Verdienst Christi weist und mit der lieblichen Predigt von der Gnade und Huld Gottes, durch Christus’ Verdienst erlangt, wieder aufrichtet.
  1. Was [so]dann die Offenbarung der Sünden belangt, weil die Decke Mosis allen Menschen vor den Augen hängt, solange sie die bloße Predigt des Gesetzes und nichts von Christo hören und also ihre Sünde aus dem Gesetz nicht recht lernen erkennen, sondern entweder vermessene Heuchler werden wie die Pharisäer oder verzweifeln wie Judas, so nimmt Christus das Gesetz in seine Hände und legt dasselbe geistlich aus, Matth. 5; Röm. 7. Und also wird Gottes Zorn vom Himmel herab geoffenbart über alle Sünder, wie groß derselbe sei, dadurch sie in das Gesetz gewiesen werden, und alsdann aus demselben erst recht lernen ihre Sünde erkennen; welche Erkenntnis Moses nimmermehr aus ihnen hätte erzwingen können.

Demnach, obwohl die Predigt vom Leiden und Sterben Christi, des Sohnes Gottes, eine ernstliche und schreckliche Predigt und Anzeigen [Anzeigung, Kundgebung] Gottes Zorns ist, dadurch die Leute erst recht in das Gesetz geführt [werden], nachdem ihnen die Decke Mosis hinweggetan, dass sie erst recht erkennen, wie große Dinge Gott im Gesetz von uns erfordert, deren wir keines halten können, und demnach alle unsere Gerechtigkeit in Christo suchen sollen:

  1. Doch solange dieses alles (nämlich Christus’ Leiden und Sterben) Gottes Zorn predigt und den Menschen schreckt, so ist es noch nicht des Evangelii eigentliche Predigt, sondern Mosis und des Gesetzes predigt und demnach ein fremdes Werk Christi, dadurch er kommt zu seinem eigenen Amt, das ist, Gnade predigen, trösten und lebendig machen, welches eigentlich die Predigt des Evangelii ist.

NEGATIVA.

Gegenlehre, so verworfen.

Demnach verwerfen wir und halten es für unrecht und schädlich, wenn gelehrt wird, dass das Evangelium eigentlich eine Buß= eine Strafpredigt und nicht allein eine Gnadenpredigt sei, dadurch das Evangelium wiederum zu einer Gesetzeslehre gemacht, das Verdienst Christi und Heilige Schrift verdunkelt, die Christen des rechten Trosts beraubt und dem Papsttum die Tür wiederum aufgetan wird.