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III.

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Concordia Triglotta

Zum dritten muss man auch dies willen: obschon der Papst den Primat und Oberkeit aus göttlichem Recht hätte, dass man denjenigen Päpsten, so falsche Gottesdienste, Abgötterei und falsche Lehre wider das Evangelium vorgeben, keinen Gehorsam schuldig ist. Ja, das mehr ist, man solle auch solche Päpste und solch Reich für ein anathema und verfluchtes Wesen halten, wie Paulus klar sagt: “Wenn ein Engel vom Himmel käme und ein ander Evangelium predigte, anders, denn wir euch gepredigt haben, der sei verflucht:” Und in Actis steht: “Man soll Gott mehr gehorchen denn den Menschen.” Wie die geistlichen Rechte selbst sagen: “Einem Papst, der ein Ketzer ist, soll man nicht gehorsam sein.” Der Hohepriester im Gesetze Mosis hatte das Amt aus den göttlichen Rechten, gleichwohl war niemand verpflichtet zum Gehorsam, wenn sie wider Gottes Wort handelten, wie man sieht, dass Jeremias und andere Propheten sich von den Priestern sonderten. Also sonderten sich die Apostel von Kaiphas und waren ihm keinen Gehorsam schuldig.

Nun ist es je am Tage, dass die Päpste samt ihrem Anhang gottlose Lehre und falsche Gottesdienste erhalten wollen und handhaben. So reimen sich auch alle Untugenden, so in der Heiligen Schrift vom Antichrist sind weisgesagt [geweissagt], mit des Papstes Reich und seinen Gliedern. Denn Paulus, da er den Antichrist malt 2 Thess. 2, nennt er ihn einen “Widersacher Christi, der sich über alles erhebe, das Gott oder Gottesdienst heißt, also dass er sich setzt in den Tempel Gottes als ein Gott und gibt vor, er sei ein Gott” usw. Hier redet Paulus von einem, der in der Kirche regiert, und nicht von weltlichen Königen, und nennt ihn einen Widerwärtigen Christi, weil er eine andere Lehre werde erdenken, und dass er sich solches alles werde anmaßen, als täte er’s aus göttlichen Rechten.

Nun ist am ersten dies wahr, dass der Papst in der Kirche regiert und unter dem Schein geistlicher Gewalt solche Herrschaft hat an sich [ge]bracht; denn er gründet sich auf diese Worte: “lch will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben.” Zum andern ist je des Papstes Lehre in alle Wege wider das Evangelium. Zum dritten, dass er vorgibt, er sei Gott, ist in dreien Stücken zu merken: Zum ersten, dass er sich des anmaßt, er möge die Lehre Christi und rechte Gottesdienste, von Gott selbst eingesetzt, ändern; und will seine Lehre und eigenen erdichteten Gottesdienste gehalten haben, als hätte sie Gott selbst geboten. Zum andern, dass er sich der Gewalt anmaßt zu binden und [zu] entbinden nicht allein in diesem zeitlichen Leben hier, sondern auch in jenem Leben. Zum dritten, dass der Papst nicht will leiden, dass die Kirche oder sonst jemand ihn richte, sondern seine Gewalt soll über alle Konzilia und die ganze Kirche gehen; das heißt aber sich selbst zum Gott machen, wenn man weder [der] Kirche noch jemandes Urteil leiden will. Zum letzten hat der Papst solche Irrtümer und gottlos Wesen auch mit unrechter Gewalt und Morden verteidigt, dass er alle, so es nicht allermaßen mit ihm gehalten, hat umbringen lassen.

Weil nun dem also ist, sollen alle Christen auf das fleißigste sich hüten, dass sie solcher gottlosen Lehre, Gotteslästerung und unbilligen Wüterei sich nicht teilhaftig machen, sondern sollen vom Papst und seinen Gliedern oder Anhang als von des Antichrists Reich weichen und es verfluchen, wie Christus befohlen hat: “Hütet euch vor den falschen Propheten!” Und Paulus gebietet, dass man falsche Prediger meiden und als einen Greül verfluchen soll. Und 2 Kor. 6 spricht er: “Ziehet nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen; denn was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis?” usw.

Schwer ist es, dass man von so viel Landen und Leuten sich trennen und eine [be]sondere Lehre führen will. Aber hier steht Gottes Befehl, dass jedermann sich soll hüten und nicht mit denen einhellig sein, so unrechte Lehre führen oder mit Wüterei zu erhalten gedenken.Darum sind unsere Gewissen deshalben wohl entschuldigt und versichert. Denn man sieht je vor Augen die großen Irrtümer, so in des Papstes Reich gehen, und die Schrift schreit mit aller Macht, dass solche Irrtümer des Teufels und Antichrists Lehre seien.

Die Abgötterei im Mißbrauch der Messen ist offenbar, welche neben dem, dass sie sonst nichts tügen [taugen], zum schändlichen Genieß und Krämerei mißbraucht sind.

Die Lehre von der Buße ist vom Papst und den Seinen ganz gefälscht und verderbt worden. Denn so lehren sie: Sünde werde vergeben um unserer eigenen Werke willen; und hängen dies dran, man solle dennoch zweifeln, ob die Sünden vergeben sind. Dazu lehren sie nicht, dass um Christus’ willen die Sünde ohne Verdienst vergeben, und solche Vergebung der Sünden durch den Glauben an Christum erlangt werde.Mit solcher Lehre nehmen sie Christo seine Ehre und berauben die Gewissen des rechten und gewissen Trostes und tun ab die rechten Gottesdienste, nämlich die Übung des Glaubens, welcher mit dem Unglauben und Verzweiflung über der Verheißung des Evangelii kämpft.

Dergleichen haben sie auch die Lehre verdunkelt von der Sünde und eigene Satzungen erdichtet, wie man alle Sünden erzählen und beichten müsse, daraus mancherlei Irrtum, auch endlich Verzweiflung gefolgt ist.Danach haben sie eigene Genugtuung erdacht, dadurch die Wohltat und das Verdienst Christi auch verfinstert ist.

Aus diesem ist der Ablaß gefolgt, welcher lauter Lügen und allein um des Geldes willen erdacht ist.

Was ist denn danach für Mißbrauch und greuliche Abgötterei aus dem Anrufen der Heiligen gefolgt!

Was für Schande und Laster sind gekommen aus dem Verbot der Ehe:Wie ist nur das Evangelium durch die Lehre von [den] Gelübden so verdunkelt worden! Da hat man gelehrt, dass solche Gelübde sind vor Gott eine Gerechtigkeit und verdienen Vergebung der Sünden, dass also das Verdienst Christi auf Menschensatzungen gezogen und die Lehre vom Glauben ganz vertilgt ist. Und haben ihre närrischen und leichtfertigen Satzungen für den rechten Gottesdienst und Vollkommenheit gerühmt und den Werken, welche Gott von einem jedem in seinem Beruf fordert und geordnet hat, vorgezogen. Nun darf man’s nicht dafür achten, dass solches geringe Irrtümer sind, denn sie nehmen Christo seine Ehre und verdammen die Seelen; darum soll man sie nicht ungestraft lassen hingehen.

Zu diesen Irrtümern kommen nun zwei große, greuliche Sünden: die eine, dass der Papst solche Irrtümer mit unbilliger Wüterei und grausamer Tyrannei, mit Gewalt verteidigen und erhalten will; die andere, dass er der Kirche das Urteil nimmt und will solche Religionssachen ordentlicherweise nicht richten lassen; ja, er will mehr denn alle Konzilia sein und die Macht haben, dass er alles, so in Konzilien beschlossen, möge zerreißen und aufheben; wie zuweilen die Kanones solches unverschämt heraussagen, und haben solches die Päpste noch Unverschämter getrieben, wie viele Exempel bezeugen.

  1. Quaest. 3. spricht der Kanon: “Niemand soll den höchsten Stuhl richten; denn den Richter richtet weder Kaiser noch die Priester, weder König noch das Volk.”

Also handelt der Papst auf beiden Seiten wie ein Tyrann, dass er solche Irrtümer mit Gewalt und Wüterei verteidigt und will keine Richter leiden. Und dies andere Stück tut mehr Schaden denn alle Wüterei. Denn alsbald der Kirche das rechte Urteil und Erkenntnis genommen ist, kann nicht möglich sein, dass man falscher Lehre oder unrechtem Gottesdienst könnte steürn, und müssen derhalben viele Seelen verloren werden.

Darum sollen gottesfürchtige Leute solche greuliche Irrtümer des Papstes und seine Tyrannei wohl bedenken und zum ersten wissen, dass solche Irrtümer zu stehen und die rechte Lehre der Ehre Gottes und der Seelen Seligkeit halben anzunehmen sei.

Danach, dass man doch bedenke, wie eine greuliche, große Sünde es sei, solche unbillige Wüterei des Papstes helfen fördern, da so viel fromme Christen so jämmerlich ermordet werden, welcher Blut ohne Zweifel Gott nicht wird ungerochen [ungerächt] lassen.

Vornehmlich aber sollen Könige und Fürsten als vornehmste Glieder der Kirche helfen und schaün, dass allerlei Irrtümer weggetan und die Gewissen recht unterrichtet werden, wie denn Gott zu solchem Amt die Könige und Fürsten besonders vermahnt im 2. psalm: “Ihr Könige, laßt euch weisen, und ihr Richter auf Erden, laßt euch züchtigen:” Denn dies soll bei den Königen und großen Herren die vornehmste Sorge sein, dass sie Gottes Ehre fleißig fördern. Darum wäre es je unbillig, wenn sie ihre Macht und Gewalt dahin wollten wenden, dass solche: greuliche Abgötterei und andere unzählige Laster erhalten und die frommen Christen so jämmerlich ermordet würden.

Und im Fall, dass der Papst gleich ein Konzilium halten wollte, wie kann der Kirche wider solche Stücke geholfen werden, so der Papst nicht leiden will, dass man etwas wider ihn [be]schließe, oder andere, denn so ihm zuvor durch schreckliche Eidespflichten, auch Gottes Wort unausgenommen, zugetan, in Kirchensachen richten sollen?

Weil aber die Urteile in Konzilien der Kirche und nicht des Papstes Urteile sind, will es je den Königen und Fürsten gebühren, dass sie dem Papst solchen Mutwillen nicht einräumen, sondern schaffen, dass der Kirche die Macht zu richten nicht genommen und alles nach der Heiligen Schrift und Wort Gottes geurteilt werde. Und gleichwie die Christen alle andern Irrtümer des Papstes zu strafen schuldig sind, also sind sie auch schuldig, den Papst selbst zu strafen, wenn er fliehen oder wehren will das rechte Urteil und wahre Erkenntnis der Kirche.

Darum, obschon der Papst aus göttlichen Rechten den Primat oder Oberkeit hätte, soll man ihm dennoch keinen Gehorsam leisten, weil er falsche Gottesdienste und eine andere Lehre wider das Evangelium erhalten will. Ja, man soll sich aus Not wider ihn als den rechten Antichrist setzen. Man sieht’s je am Tage, was des Papstes Irrtümer und wie groß sie sind.

So sieht man auch die Wüterei, welche er wider die frommen Christen vornimmt. So steht Gottes Befehl und Wort da, dass wir Abgötterei, falsche Lehre und unbillige Wüterei fliehen sollen, Darum hat ein jeder frommer Christ wichtige, nötige und helle Ursachen genug, dass er dem Papst nicht Gehorsam leiste, und sind solche nötige Ursachen allen Christen ein großer Trost wider allerlei Schmach und Schande, die sie uns auslegen, dass wir Ërgernis geben, Zertrennung und Uneinigkeit anrichten.

Die es aber mit dem Papst halten und seine Lehre und falschen Gottesdienste verteidigen, die beflecken sich mit Abgötterei und gotteslästerlicher Lehre und laden auf sich alles Blut der frommen Christen, die der Papst und die Seinen verfolgen; die verhindern auch Gottes Ehre und der Kirche Seligkeit, weil sie solche Irrtümer und Laster vor aller Welt und allen Nachkommen zu Schaden verteidigen.

Von der Bischöfe Gewalt und Jurisdiktion.