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II.

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Concordia Triglotta

Der andere Artikel ist noch klarer denn der erste. Denn Christus hat seinen Jüngern allein geistliche Gewalt gegeben, das ist, er hat ihnen befohlen, das Evangelium zu predigen, Vergebung der Sünden zu verkündigen, die Sakramente zu reichen und die Gottlosen zu bannen, ohne leibliche Gewalt durchs Wort, und hat ihnen gar nicht befohlen, das Schwert zu führen, noch weltliche Regimente zu bestellen, einzunehmen, Könige zu setzen oder zu entsetzen. Denn so spricht Christus: “Gehet hin und lehret, dass man das halte, was ich euch geboten habe”; item: “Wie mich mein Vater gesandt hat, so sende ich euch.”Nun ist es je am Tag, dass Christus nicht dazu gesandt ist, dass er das Schwert sollte führen oder auf weltliche Weise regieren, wie er denn selbst sagt: “Mein Reich ist nicht von dieser Welt.” Und Paulus spricht: “Wir herrschen nicht über euren Glauben”; item: “Unsere Kriegsrüstung und Waffen sind nicht fleischlich” usw.

Dass nun Christus in seinem Leiden mit Dornen gekrönt und im Purpurkleid hervorgeführt und so verspottet ist worden, ist alles eine [Be]deutung gewesen, dass mit der Zeit das rechte geistliche Reich Christi sollte verachtet und sein Evangelium unterdrückt und ein ander äußerlich Reich anstatt desselben unter dem Schein geistlicher Gewalt ausgerichtet werden.

Darum ist die Constitutio Bonifacii Vlll. und das cap. Omnes, dist. 21, und dergleichen andere Sprüche mehr ganz und gar falsch und gottlos, damit sie erhalten wollen, dass der Papst vermöge göttliches Rechts ein Herr sei über die Königreiche der Welt; wie denn aus solchem falschen Wahn zum ersten schreckliche Finsternis in der Kirche, und danach greuliche Zerrüttung und Rumor in Europa erfolgt sind. Denn da hat man das Predigtamt lassen fallen, und ist die Lehre vom Glauben und geistlichen Reich Christi gar verloschen, und man hat des Papstes äußerliches Wesen und Satzungen für christliche Gerechtigkeit gehalten.

Danach sind die Päpste auch zugefahren, haben Fürstentümer und Königreiche zu [an] sich gerissen, Könige gesetzt und entsetzt und mit unbilligem Bann und Kriegen fast alle Könige in Europa geplagt, besonders aber die deutschen Kaiser, bisweilen darum, dass sie die Städte in Welschland [Italien] an sich brächten, bisweilen, dass sie die Bischöfe in Deutschland ihnen [sich] untertan machten und die Bistümer selbst verleihen möchten, die der Kaiser allein zu verleihen hat. Ja, das mehr ist, in der Clementina steht also: “wenn das Kaisertum ledig stehe, so sei der Papst der rechte Erbe dazu”.

Also hat sich der Papst nicht allein weltlicher Herrschaft wider Gottes klaren Befehl unbillig unterfangen, sondern hat wie ein Tyrann über alle Könige sein wollen. Obwohl nun solches Tun der Päpste an ihm selbst ganz und gar sträflich, so ist doch dies das Ërgste daran, dass er solchen Mutwillen und Frevel mit dem Befehl Christi deckt und die Schlüssel deutet aus weltliche Herrschaft und hängt an solche ungöttliche und schändliche Opinion der Seelen Seligkeit, da er sagt, es sollen es die Leute bei ihrer Seelen Seligkeit also glauben, dass der Papst solche Macht habe aus göttlichen Rechten.

Weil nun solche greuliche Irrtümer die Lehre vom Glauben und Reich Christi ganz verfinstert haben, will es sich in keinem Weg leiden, dass man dazu sollte stillschweigen; denn man sieht’s im Werk vor Augen, was großer Schade der Kirche daraus erwachsen ist.