Kleiner KatechismusSCAbschnitt

Das Vaterunser

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Concordia Triglotta

Einleitung

wie ein Hausvater dasselbe seinem Gesinde auf das einfältigste vorhalten soll.

Vater unser, der du bist im Himmel.

Was ist das?—Antwort. Gott will damit uns locken [will uns damit locken], dass wir glauben sollen, er sei unser rechter Vater und wir seine rechten Kinder, auf dass wir getrost und mit aller Zuversicht ihn bitten sollen wie die lieben Kinder ihren lieben Vater.

Der erste Bitte.

Geheiligt werde dein Name.

Was ist das?—Antwort. Gottes Name ist zwar an ihm selbst heilig; aber wir bitten in diesem Gebet, dass er bei uns auch heilig werde.

Wie geschieht das?—Antwort. Wo das Wort Gottes lauter und rein gelehrt wird, und wir auch heilig als die Kinder Gottes danach leben; das hilf uns, lieber Vater im Himmel! Wer aber anders lehrt und lebt, denn das Wort Gottes lehrt, der entheiligt unter uns den Namen Gottes; da behüte uns vor, [lieber] himmlischer Vater!

Die andere Bitte.

Dein Reich komme.

Was ist das?—Antwort. Gottes Reich kommt wohl ohne unser Gebet, von ihm selbst; aber wir bitten in diesem Gebet, dass es auch zu uns komme.

Wie geschieht das?—Antwort. Wenn der himmlische Vater uns seinen Heiligen Geist gibt, dass wir seinem heiligen Wort durch seine Gnade glauben und göttlich leben, hier zeitlich und dort ewiglich.

Die dritte Bitte.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel also auch auf Erden.

Was ist das?—Antwort. Gottes guter, gnädiger Wille geschieht wohl ohne unser Gebet; aber wir bitten in diesem Gebet, dass er auch bei uns geschehe.

Wie geschieht das?—Antwort. Wenn Gott allen bösen Rat und Willen bricht und hindert, so uns den Namen Gottes nicht heiligen und sein Reich nicht kommen lassen wollen, als da ist des Teufels, der Welt und unsers Fleisches Wille, sondern stärkt und behält uns fest in seinem Wort und Glauben bis an unser Ende: das ist sein gnädiger, guter Wille.

Die vierte Bitte.

Unser täglich Brot gib uns heute.

Was ist das?—Antwort. Gott gibt täglich Brot, auch wohl ohne unsere Bitte, allen bösen Menschen; aber wir bitten in diesem Gebet, dass er [er’s] uns erkennen lasse und mit Danksagung empfangen unser täglich Brot.

Was heisst denn täglich Brot?—Antwort. Alles, was zur Leibesnahrung und =notdurft gehört, als Essen, Trinken, Kleider, Schuh’, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromm Gemahl, fromme Kinder, fromm Gesinde, fromme und treü Oberherren, gut Regiment, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreü Nachbarn und desgleichen.

Die fünfte Bitte

Und verlass [erlass, vergib] uns unsere Schuld, als wir verlassen unsern Schuldigern.

Was ist das?—Antwort. Wir bitten in diesem Gebet, dass der Vater im Himmel nicht ansehen wolle unsere Sünde und um derselben willen solche Bitte nicht versagen; denn wir sind der keines wert, das wir bitten, haben es auch nicht verdient; sondern er wolle es uns alles aus Gnaden geben, denn wir täglich veil sündigen und wohl eitel Strafe verdienen. So wollen wir zwar [“zwarten,” wahrlich, in Wahrheit] wiederum auch herzlich vergeben und gerne tun denen, die sich an uns versündigen.

Die sechste Bitte.

Und führe uns nicht in Versuchung

Was ist das?—Antwort. Gott versucht zwar niemand, aber wir bitten in diesem Gebet, dass Gott wolle behüten und erhalten, auf dass uns Teufel, die Welt und unser Fleisch nicht betrüge noch verführe in Missglauben, Verzweifeln und andere grosse Schande und Laster; und ob wir damit angefochten würden, dass wir doch endlich gewinnen und den Sieg behalten.

Die siebente Bitte.

Sondern erlöse uns von dem Übel

Was ist das?—Antwort. Wir bitten in diesem Gebet als in der Summa, dass uns der Vater im Himmel von allerei Übel Leibes und Seele, Gutes und Ehre erlöse und zuletzt, wenn unser Stündlein kommt, ein seliges Ende beschere und mit Gnaden von diesem Jammertal zu sich nehme in den Himmel.

Amen

Was ist das?—Antwort. Dass ich soll gewiss sein, solche Bitten sind dem Vater im Himmel angenehm und erhört; denn er selbst hat uns geboten, also zu beten, und verheissen, dass er uns will erhören. Amen, Amen, das heist: Ja, ja, es soll also geschehen.