Schmalkaldische ArtikelSATeil

Zweiter Teil

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Concordia Triglotta

Einleitung

ist von den Artikeln, so das Amt und Werk Jesu Christi oder unsere Erlösung betreffen.

Hier ist der erste und Hauptartikel:

Dass Jesus Christus, unser Gott und Her, sei um unserer Sünden willen gestorben und um unserer Gerechtigkeit willen auferstanden, Röm. 4.

Und er allein das Lamm Gottes ist, das der Welt Sünde trägt, Joh. 1. Und Gott unser aller Sünde auf ihn gelegt hat, Jesaia 53.

Item: Sie sind allzumal Sünder und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung Jeu Christi in seinem Blut usw. Röm. 3.

Weil nun solches muss geglaubt werden und sonst mit keinem Werk, Gesetz noch Verdienst mag [kann] erlangt oder gefasst werden, so ist es klar und gewiss, dass allein solcher Glaube uns gerecht mache, wie Röm. 3 St. Paulus spricht: “Wir halten, dass der Mensch gerecht werde ohne Werke des Gesetzes durch den Glauben”; item: “Auf dass er allein gerecht sei und gerecht mache den, der da ist des Glaubens an Jeu.”

Von diesem Artikel kann man nichts weichen oder nachgeben, es falle Himmel und Erde, oder was nicht bleiben will. “Denn es ist kein anderer Name den Menschen gegeben, dadurch wir können selig werden”, spricht Petrus Act 4. “und durch seine Wunden sind wir geheilet”, Jes. 53 Und auf diesem Artikel steht alles, was wir wider den Papst, Teufel und Welt lehren und leben. Darum müssen wir des gar gewiss sein und nicht zweifeln, sonst ist es alles verloren und behält Papst und Teufel und alles wider uns den Sieg und Recht.

Der II. Artikel. Von der Messe.

Dass die Messe im Papsttum muss der grösste und schrecklichste Greül sein als die stracks und gewaltiglich wider diesen Hauptartikel strebt und doch über und vor allen andern päpstlichen Abgöttereien die höchste und schönste gewesen ist. Den es ist gehalten [sie halten dafür], dass solch Opfer oder Werk der Messe (auch durch einen bösen Buben getan) helfe dem Menschen von Sünden, beide hier im Leben und dort im Fegfeür, welches doch allein soll und muss tun das Lamm Gottes, wie droben gesagt. Von diesem Artikel ist auch nicht zu weichen oder nachzulassen; denn der erste Artikel leidet’s nicht.

Und wo etwa vernünftige Papisten wären, möchte man dermassen [gemässigt] und freundlicherweise mit ihnen reden: Erstlich, warum sie doch so hart an der Messe hielten? Ist’s doch ein lauter Menschenfündlein, von Gott nicht geboten. Und alle Menschenfündlein mögen wir fallen lassen, wie Christus spricht Matth. 15: “Sie dienen mir vergeblich mit Menschengeboten.” Zum andern ist’s ein unnötig Ding, das man ohne Sünde und [Ge]Fahr wohl lassen kann.

Zum dritten kann man das Sakrament viel besser und seliger[er] Weise (ja allein seliger Weise) nach Christus’ Einsetzung kreigen. Was ist’s denn dass man um einer erdichteten, unnötigen Sache willen, da man’s sonst wohl und seliger haben kann, die Welt in Jammer und Not wollte zwingen?

Man lasse den Leuten öffentlich predigen, wie die Messe als ein Menschentand möge ohne Sünde nachbleiben und niemand verdammt werde, wer sie nicht achte, sondern möge wohl ohne Messe, durch bessere Weise selig werden: was gilt’s ob die Messe alsdann nicht von ihr selbst fallen wird, nicht allein bei dem tollen Pöbel, sondern auch bei allen frommen, christlichen, vernünftigen, gottesfürchtigen Herzen; viel mehr, wo sie hören würden dass es ein [ge]fährlich Ding, ohne Gottes Wort und willen erdichtet und erfunden ist.

Zum vierten, weil solche unzählige unaussprechliche Mißbräuche in aller Welt mit Kaufen und Verkaufen der Messen entstanden [sind], sollte man sie billig lassen fahren, auch allein [um] solchen Mißbräuchen zu wehren, wenn sie gleich an ihr selbst etwas Nützliches und Gutes hätte. Wieviel mehr soll man sie fahren lassen, solche Mißbräuche ewiglich zu verhüten, weil sie doch gar unnötig, unnütz und [ge]fährlich ist und man alles nötiger, nützlicher und gewisser ohne die Messe haben kann!

Zum fünften. Nun aber die Messe nichts anders ist noch sein kann (wie der Kanon und alle Bücher sagen) denn ein Werk der Menschen (auch böser Buben), damit einer sich selbst und andere mit sich gegen Gott versöhnen, Vergebung der Sünden und Gnade erwerben und verdienen will (denn also wird sie gehalten, wenn sie aufs allerbeste wird gehalten; was sollte sie sonst?), so soll und muss man sie verdammen und verwerfen. Denn das ist stracks wider den Hauptartikel, der da sagt, dass nicht ein böser oder frommer Meßknecht mit seinem Werk, sondern das Lamm Gottes und Sohn Gottes unsere Sünde trägt.

Und ob einer zum guten Schein wollte vorgeben, er wollte zur Andacht sich selbst berichten [mit dem Sakrament versehen] oder kommunizieren, das ist nicht Ernst. Den wo [wenn] er mit Ernst will kommunizieren, so hat er’s gewiss und aufs beste im Sakrament, nach der Einsetzung Christi gereicht. Aber sich selbst kommunizieren ist ein Menschendünkel [eine menschliche Meinung], ungewiss und unnötig dazu verboten. Und er weiss auch nicht, was er macht, weil er ohne Gottes Wort falschem Menschendünkel und Fündlein [Erfindung] folgt.

So ist’s auch nicht Recht (wenn alles sonst schlecht [richtig] wäre), dass einer das gemeine Sakrament der Kirche nach seiner eigenen Andacht will brauchen und damit seines Gefallens ohne Gottes Wort ausser der Kirche Gemeinschaft spielen.

Dieser Artikel von der Messe wird’s ganz und gar sein im Konzilio. Denn wo es möglich wäre dass sie uns alle andern Artikel nachgäben, so können sie doch diesen Artikel nicht nachgeben. Wie der Campegius zu Augsburg gesagt, er wollte sich eher auf [in] Stücke zerreissen lassen, ehe er wollte die Messe fahren lassen. So werde ich mich auch mit Gottes Hilfe eher lassen zu Asche machen, ehe ich einen Messknecht mit seinem Werke, er sei gut oder böse, lasse meinem Hern und Heiland Jeu Christo gleich oder höher sein. Also sind und bleiben wir ewiglich geschieden und widereinander. Sie fühlen’s wohl, wo die Messe fällt, so liegt das Papsttum; ehe sie das lassen geschehen, so töten sie uns alle, wo sie es vermögen.

Über das alles hat dieser Drachenschwanz, die Messe, viel Ungeziefer und Geschmeiss, mancherlei Abgötterei gezeugt.

Erstlich das Fegfeür. Da hat man mit Seelenmessen, Vigilien, dem Siebenten, dem Dreissigsten und jährlichen Begängnissen, zuletzt mit der Gemeinwoche und aller Seelen Tag und Seelbad [Freibad für Arme, zum Seelenheil des Stifters gespendet] ins Fegfeür gehandelt, dass die Messe schier allein für die Toten gebraucht ist, so doch Christus das Sakrament allein für die Lebendigen gestiftet hat. Darum ist das Fegfeür mit allem seinem Gepränge, Gottesdienst und Gewerbe für ein lauter Teufelsgespenst zu achten. Denn es ist auch wider den Hauptartikel, dass allein Christus und nicht Menschenwerk den Seelen helfen soll; ohne dass sonst auch uns nichts von den Toten befohlen noch geboten ist. Derhalben mag man es wohl lassen, wenn es schon kein Irrtum noch Abgötterei wäre.

Die Papisten führen hier Augustinum und etliche Väter [an], die vom Fegfeür sollen geschrieben haben, und meinen, wir sehen nicht, wozu und wohin sie solche Sprüche führen. St. Augustinus schreibt nicht, dass ein Fegfeür sei, hat auch keine Schrift, die ihn dazu zwinge, sondern lässt es in Zweifel hangen ob eins sei, und sagt, seine Mutter habe begehrt, dass man ihrer sollte gedenken bei dem Altar oder Sakrament. Nun, solches alles ist ja nichts denn Menschenandacht gewesen einzelner Personen, die keine Artikel des Glaubens (welches allein Gott zugehört) stiften.

Aber unsere Papisten führen solch Menschenwort dahin, dass man solle glauben ihrem schändlichen, lästerlichen, verfluchten Jahrmarkt von Seelmessen ins Fegfeür zu opfern usw. Solches werden sie noch lange nicht aus St. Augustino beweisen. Wenn sie nun den fegfeürischen Messenjahrmarkt abgetan haben, davon St. Augustinus nie geträumt hat, alsdann wollen wir mit ihnen reden, ob St. Augustinus’ Wort ohne Schrift möge zu dulden sein und der Toten gedacht werden bei dem Sakrament.

Es gilt nicht, dass man aus der heiligen Väter Werken oder Worten Artikel des Glaubens macht, sonst müsste auch ein Artikel des Glaubens werden, was sie für Speise, Kleider, Häuser usw. gehabt hätten, wie man mit dem Heiligtum [Reliquien] getan hat. Es heisst, Gottes Wort soll Artikel des Glaubens stellen und sonst niemand, auch kein Engel.

Zum andern ist das daraus gefolgt, dass die bösen Geister haben viel Büberei angerichtet, dass sie als Menschenseelen erschienen sind, Messen, Vigilien, Wallfahrten und andere Almosen geheischt mit unsäglichen Lügen und Schalkheiten.

Welches wir alle haben für Artikel des Glaubens halten und danach leben müssen, und der Papst [hat] solches bestätigt, wie auch die Messe und alle andern Greül. Hier ist auch kein weichen oder Nachlassen.

Zum dritten die Wallfahrten. Da hat man auch gesucht Messen, Vergebung der Sünden und Gottes Gnade; denn die Messe hat’s alles regiert. Nun ist das ja gewiss, dass solche Wallfahrten ohne Gottes Wort uns nicht geboten, auch nicht vonnöten [sind], weil wir’s wohl besser haben mögen und sie ohne alle Sünde und [Ge]Fahr lassen mögen. Warum lässt man denn daheim eigene Pfarren, Gottes Wort, Weib und Kind usw., die nötig und geboten sind, und läuft den unnötigen ungewissen, schädlichen Teufelsirrwischen nach?

Ohne dass der Teufel den Papst geritten hat, solches zu preisen und [zu] bestätigen, damit die Leute ja häufig von Christo auf ihre eigenen Werke fielen und abgöttisch würden, welches das ärgste dran ist, über das, dass es unnötig, ungeboten, ungeraten und ungewiss, dazu schädlich Ding ist. Darum ist hier auch kein Weichen oder Nachgeben usw.

Und man lasse solches predigen, dass es unnötig, dazu [ge]fährlich sei; danach [wird man] sehen, wo Wallfahrten bleiben.

Zum vierten die Brüderschaften, da sich die Klöster, Stifte, auch Vikaristen haben verschrieben und mitgeteilt (rechtes und redliches Kaufs) alle Messen, gute Werke usw., beide für Lebendige und Tote; welches nicht allein eitel Menschentand, ohne Gottes Wort, ganz unnötig und ungeboten, sondern auch wider den ersten Artikel der Erlösung ist, darum keinswegs zu leiden.

Zum fünften das Heiligtum, darin so manche öffentliche Lügen und Narrenwerk erfunden, von Hunds= und Rossknochen, das auch um solcher Büberei willen, des der Teufel gelacht hat, längst sollte verdammt worden sein, wenngleich etwas Gutes dran wäre; dazu [kommt, dass es] auch ohne Gottes Wort, weder geboten noch geraten, ganz unnötig und unnütz Ding ist.

Aber das Ërgste [ist], dass es auch hat müssen Ablass und Vergebung der Sünden wirken, als ein gut Werk und Gottesdienst, wie die Messe usw.

Zum sechsten, hier gehört her der liebe Ablass, so beide den Lebendigen und Toten ist gegeben (doch um Geld), und der leidige Judas oder Papst das Verdienst Christi samt den übrigen Verdiensten aller Heiligen und der ganzen Kirche darin verkauft usw. Welches alles nicht zu leiden ist und auch nicht allein ohne Gottes Wort, ohne Not, ungeboten, sondern zuwider ist dem ersten Artikel. Den Christus’ Verdienst nicht durch unser Werk oder Pfennig, sondern durch den Glauben aus Gnaden erlangt wird, ohne alles Geld und Verdienst, nicht durch’s Papsts Gewalt, sondern durch die Predigt oder Gottes Wort vorgetragen.

Von Anrufung der Heiligen.

Anrufung der Heiligen ist auch der endechristischen [antichristischen] Missbräuche einer und streitet wider den ersten Hauptartikel und tilgt die Erkenntnis Christi, ist auch nicht geboten noch geraten, hat auch kein Exempel der Schrift, und haben’s alles tausendmal besser an Christo, wenn jenes gleich köstlich Gut wäre, als doch nicht ist.

Und obwohl die Engel im Himmel für uns bitten (wie Christus selber auch tut), also auch die Heiligen auf Erden oder vielleicht auch im Himmel, so folgt daraus nicht, dass wir die Engel und Heiligen anrufen, anbeten, ihnen fasten, feiern, Messe halten, opfern, Kirchen, Altar, Gottesdienst stiften und [auf] andere Weise mehr dienen und sie für Nothelfer halten und allerlei Hilfe unter sie teilen und jeglichem eine sonderliche züignen sollten, wie die Papisten lehren und tun. Denn das ist Abgötterei, und solche Ehre gehört Gott allein zu.

Denn du kannst als ein Christ und Heiliger auf Erden für mich bitten, nicht in einerlei, sondern in allen Nöten. Aber darum soll ich dich nicht anbeten, anrufen, feiern, fasten, opfern, Messe halten dir zu Ehren und auf dich meinen Glauben zur Seligkeit setzen. Ich kann dich sonst [auf andere Weise] wohl ehren, lieben und dir danken in Christo.

Wenn nun solche abgöttische Ehre von den Engeln und toten Heiligen weggetan wird, so wird die andere Ehre ohne Schaden sein, ja bald vergessen werden. Denn wo der Nutz und Hilfe, beide leiblich und geistlich, nicht mehr zu hoffen ist, werden sie die Heiligen wohl mit Frieden lassen, beide im Grabe und im Himmel. Den umsonst oder aus Liebe wird ihrer niemand viel gedenken, achten noch [sie] ehren.

Und die Summa: Was die Messe ist, was daraus [ge]kommen ist, was daran hanget, das können wir nicht leiden und müssen’s verdammen, damit wir das heilige Sakrament rein und gewiss, nach der Einsetzung Christi, durch den Glauben gebraucht und empfangen, behalten mögen.

Der III. Artikel. Von Stiften und Klöstern.

Dass die Stifte und Klöster, vorzeiten guter Meinung gestiftet, zu erziehen gelehrte Leute und züchtige Weibsbilder, sollten wiederum in solchem [Ge] Brauch geordnet werden, damit man Pfarrherren, Prediger und andere Kirchendiener haben möge, auch sonst nötige Personen zu weltlichem Regiment in Städten und Ländern, auch wohlgezogene Jungfraün zu Hausmüttern und Haushälterinnen usw.

Wo sie dazu nicht dienen wollen, ist’s besser, man lasse sie wüste liegen oder reisse sie ein, denn dass sie sollten mit ihrem lästerlichen Gottesdienst, durch Menschen erdichtet, als etwas Besseres denn der gemeine Christenstand und von Gott gestiftet Ëmter und Orden [Berufe] gehalten werden. Denn das ist alles auch wider den ersten Hauptartikel von der Erlösung Jeu Christi. Zudem, dass sie auch (wie alle andern Menschenfündlein) nicht geboten, nicht vonnöten, nicht nütze, dazu [ge]fährliche und vergebliche Mühe machen, wie die Propheten solche Gottesdienste Aven, das ist, Mühe, heissen.

Der IV. Artikel. Vom Papsttum.

Dass der Papst nicht sei iure divino oder aus Gottes Wort das Haupt der ganzen Christenheit (denn das gehört einem allen zu, der heisst Jeus Christus), sondern allein Bischof oder Pfarrherr der Kirche zu Rom und derjenigen, so sich williglich oder durch menschliche Kreatur (das ist, weltliche Obrigkeit), zu ihm begeben haben, nicht unter ihm als einem Herrn, sondern neben ihm als Brüder und Gesellen, Christen zu sein, wie solches auch die alten Konzilia und die Zeit St. Cypriani weisen [zeigen].

Jetzt aber darf kein Bischof den Papst Bruder heissen wie zu der Zeit, sondern muss ihn seinen allergnädigsten Herrn heissen, wenn’s auch ein König oder Kaiser wäre. Das wollen, sollen und können wir nicht auf unser Gewissen nehmen; wer es aber tun will, der tü es ohne uns.

Hieraus folgt, dass alle dasjenige, so der Papst aus solcher falscher, freveler, lästerlicher, angemasster Gewalt getan und vorgenommen hat, eitel teuflisch Geschichte und Geschäft gewesen und noch sei (ohne was das leibliche Regiment belangt, darin Gott auch wohl durch einen Tyrannen und Buben lässt einem Volk viel Gutes geschehen), zu Verderbung der ganzen heiligen christlichen Kirche (soviel an ihm gelegen) und zu verstören den ersten Hauptartikel von der Erlösung Jeu Christi.

Denn da stehen alle seine Bullen und Bücher, darin er brüllt wie ein Löwe (als der Engel Apok. 12 bildet), dass kein Christ könne selig werden, er sei denn ihm gehorsam und untertan in allen Dingen, was er will, was er sagt, was er tut. Welches alles nichts anderes ist, denn also viel gesagt: Wenn du gleich an Christum glaubst und alles an ihm hast, was zur Seligkeit not ist, so ist’s doch nichts und alles umsonst, wo du mich nicht für deinen Gott hältst, mir untertan und gehorsam bist, so es doch offenbarlich ist, dass die heilige Kirche ohne Papst gewesen zum wenigsten über fünfhundert Jahre, und bis auf diesen Tag die griechische und viel anderer Sprachen Kirchen noch nie unter dem Papst gewesen und noch nicht sind.

So ist’s, wie oft gesagt, ein Menschengedicht, das nicht geboten, ohne Not und vergeblich [ist]; denn die heilige christliche Kirche ohne solch Haupt wohl bleiben kann und wohl besser geblieben wäre, wo solch Haupt durch den Teufel nicht aufgeworfen wäre.

Und ist auch das Papsttum kein nütze in der Kirche, denn es übt kein christlich Amt, und muss also die Kirche bleiben und bestehen ohne den Papst.

Und ich setze, dass der Papst wollte sich des begeben, dass er nicht iure divino oder aus Gottes Gebot der Oberste wäre, sondern, damit die Einigkeit der Christen wider die Rotten und Ketzerei desto bass [besser] erhalten würde, müsste man ein Haupt haben, daran sich die andern alle hielten; solches Haupt würde nun durch Menschen erwählt und stünde in menschlicher Wahl und Gewalt dasselbe Haupt zu ändern, zu entsetzen, wie zu Konstanz das Konzilium fast die [ungefähr diese] Weise hielt mit den Päpsten, setzen der dreie ab und wählten den vierten; ich setze nun, sage ich, dass sich der Papst und der Stuhl zu Rom solches begeben und annehmen wollte (welches doch unmöglich ist; denn er müsste sein ganz Regiment und Stand lassen umkehren und zerstören mit allen seinen Rechten und Büchern; Summa, er kann’s nicht tun): dennoch wäre damit der Christenheit nichts geholfen, und würden viel mehr Rotten werden den zuvor.

Denn weil man solchem Haupt nicht müsste untertan sein aus Gottes Befehl, sondern aus menschlichem guten Willen, würde es gar leichtlich und bald verachtet, zuletzt kein Glied behalten, müsste auch nicht immerdar zu Rom oder anderm Ort sein, sondern wo und in welcher Kirche Gott einen solchen Mann hätte gegeben, der tüchtig dazu wäre. O, das wollte ein weitläuftig, wüstes Wesen werden!

Darum kann die Kirche nimmermehr bass [besser] regiert und erhalten werden, denn dass wir alle unter einem Haupt, Christo, leben, und die Bischöfe alle, gleich nach dem Amt (ob sie wohl ungleich nach den Gaben), fleissig zusammenhalten in einträchtiger Lehre, Glauben, Sakramenten, Gebeten und Werken der Liebe usw.; wie St. Hieronymus schreibt, dass die Priester zu Alexandria sämtlich und insgemein die Kirche regierten, und [wie] die Apostel auch getan und hernach alle Bischöfe in der ganzen Christenheit, bis der Papst seinen Kopf über alle erhob.

Dies Stück zeigt gerwaltiglich, dass er der rechte Endechrist oder Widerchrist sei, der sich über und wider Christum gesetzt und erhöht hat, weil er will die Christen nicht lassen selig sein ohne seine Gewalt,

welche doch nichts ist, von Gott nicht geordnet noch geboten. Das heisst eigentlich “über Gott und wider Gott sich setzen”, wie St. Paulus sagt 2 Thess. 2. Solches tut dennoch der Türke noch Tatter [Tatar] nicht, wie grosse Feinde sie der Christen sind, sondern lassen glauben an Christum, wer da will, und nehmen leiblichen Zins und Gehorsam von den Christen.

Aber der Papst will nicht lassen glauben, sondern spricht, man solle ihm gehorsam sein, so werde man selig. Das wollen wir nicht tun, oder drüber sterben in Gottes Namen.

Das kommt alles daher, dass er iure divino der Oberste hat sollen heissen über die christliche Kirche. Darum hat er sich müssen Christo gleich und über Christum setzen, sich das Haupt, hernach einen Herrn der Kirche, zuletzt auch der ganzen Welt und schlecht [schlechthin] einen irdischen Gott rühmen lassen, bis er auch den Engeln im Himmelreich zu gebieten sich unterstand.

Und wenn man unterscheidet des Papstes Lehre von der Heiligen Schrift oder sie dagegen stellt und hält, so findet sich’s dass des Papstes Lehre, wo sie am allerbesten ist, so ist sie aus dem kaiserlichen, heidnischen Recht genommen und lehrt weltliche Händel und Gerichte, wie seine Dekretales zeugen. Danach lehrt sie Zeremonien von Kirchen, Kleidern, Speisen, Personen und des Kinderspiels, Larven [Scheinwesens] und Narrenwerks ohne Massen, aber in diesem allem gar nichts von Christo, Glauben und Gottes Geboten. Zuletzt ist’s nichts denn eitel Teufel, da er seine Lügen von Messen, Fegfeür, Klösterei, eigenem Werk und Gottesdienst (welches denn das rechte Papsttum ist) treibet über und wider Gott, verdammt tötet und plagt alle Christen, so solchen seinen Greül nicht über alles heben und ehren. Darum, sowenig wir den Teufel selbst für einen Herrn oder Gott anbeten können, so wenig können wir auch seinen Apostel, den Papst oder Endechrist, in seinem Regiment zum Haupt oder Herrn leiden. Denn Lügen und Mord, Leib und Seele zu verderben ewiglich, das ist sein päpstlich Regiment eigentlich, wie ich dasselbe in vielen Büchern bewiesen habe.

An diesen vier Artikeln werden sie genugsam zu verdammen haben im Konzilio; denn sie nicht das geringste Gliedlein von der Artikel einem uns lassen können noch wollen. Des müssen wir gewiss sein und uns erwägen [vertraünd hingeben der Hoffnung, Christus, unser Her, habe seinen Widersacher angegriffen und werde nachdrüken beide mit seinem Geist und Zukunft. Amen. Den im Konzilio; werden wir nicht vor dem Kaiser over weltlicher Obrigkeit wie zu Augsburg (der ganz ein gnädiges Ausschreiben tat und in der Güte liess die Sachen verhören), sondern vor dem Papst und dem Teufel selbst werden wir dastehen, der nichts gedenkt zu hören, sondern schlechts [zu] verdammen, [zu] worden und zur Abgötterei zu zwingen. Darum müssen wir hier nicht seine Füsse küssen oder sagen: Ihr seid mein gnädiger Herr! sondern wie im Zacharia [Sacharja] der Engel zum Teufel sprach: “Strafe dich Gott, Satan!”