Schmalkaldische ArtikelSATeil

Dritter Teil

Reader-Modus
Einzeln
Vergleichen
Modernisiert
Concordia Triglotta

Einleitung

Folgende Stücke oder Artikel mögen wir mit Gelehrten, Vernünftigen oder unter uns selbst handeln. Der Papst und sein Reich achten derselben nicht viel; denn conscientia ist bei ihnen nichts, sondern Geld, Ehr’ und Gewalt ist’s gar.

I. Von der Sünde.

Hier müssen wir bekennen, wie St. Paulus Röm. 5 sagt, dass die Sünde sei von Adam, dem einigen Menschen, hergekommen, durch welches Ungehorsam alle Menschen sind Sünder [ge] worden, dem Tode und dem Teufel unterworfen. Dies heisse die Erbsünde oder Hauptsünde.

Solcher Sünde Früchte sind danach die bösen Werke, so in den zehn Geboten verboten sind als Unglaube, falscher Glaube, Abgötterei, ohne Gottesfurcht sei, Vermessenheit, Verzweifeln, Blindheit und Summa, Gott nicht kennen oder achten; danach: lügen, bei Gottes Namen schwören, nicht beten, nicht anrufen, Gottes Wort nicht achten, Eltern ungehorsam sein, morden, Unkeuschheit, stehlen, trügen usw.

Solche Erbsünde ist so gar eine tiefe, böse Verderbung der Natur, dass sie keine Vernunft nicht kennt, sondern muss aus der Schrift Offenbarung geglaubt werden, Ps. 51; Röm. 5; Ex. 33; Gen. 3. Darum sind das eitel Irrtümer und Blindheit wider diesen Artikel, das die Schultheologen [Scholastiker] gelehrt haben, nämlich:

Dass nach dem Erbfall Adams des Menschen natürliche Kräfte sind ganz und unverderbt [ge]

blieben und der Mensch habe von Natur eine rechte Vernunft und guten Willen, wie die Philosophi

solches lehren.

Ferner: dass der Mensch habe einen freien Willen, Gutes zu tun und Böses zu lassen, und wiederum, Gutes zu lassen und Böses zu tun.

Ferner: dass der Mensch möge [könne] aus natürlichen Kräften alle Gebote Gottes tun und halten.

Ferner: er möge [könne] aus natürlichen Kräften Gott lieben über alles und seinen Nächsten als sich selbst.

Ferner: wenn ein Mensch tut, soviel an ihm ist, so gibt ihm Gott gewisslich seine Gnade.

Ferner: wenn er zum Sakrament will gehen, ist nicht not ein guter Vorsatz, Gutes zu tun, sondern sei genug, dass er nicht einen bösen Vorsatz, Sünde zu tun, habe; so gar gut ist die Natur und das Sakrament so kräftig.

Es sei nicht in der Schrift gegründet, dass zum guten Werk vonnöten sei der Heilige Geist mit seiner Gnade.

Solche und dergleichen viel Stücke sind aus Unverstand und Unwissenheit beide der Sünde und Christi, unsers Heilands, gekommen, rechte heidnische Lehre, die wir nicht leiden können. Denn wo diese Lehre recht sollte sein, so ist Christus vergeblich gestorben, weil kein Schade noch Sünde im Menschen ist, dafür er sterben müsste; oder [er] wäre allein für den Leib, nicht für die Seele auch gestorben, weil die Seele gesund und allein der Leib des Todes ist.

II. Vom Gesetz.

Heir halten wir, dass das Gesetz gegeben sei von Gott, erstlich, der Sünde zu steürn mit Dräün und Schrecken der Strafe und mit Verheissen und Anbieten der Gnade und Wohltat. Aber solches alles ist der Bosheit halben, so die Sünde im Menschen gewirkt, übel geraten.

Denn eines Teils sind davon ärger [ge]worden, als die dem Gesetze feind sind, darum dass es verbeut, [verbietet], was sie gerne tun, und gebeut, was sie ungern tun. Derhalben, wo sie vor der Strafe können, tun sie nun mehr wider das Gesetz denn zuvor. Das sind denn die rohen, bösen Leute, die Böses tun, wo sie Stätte und Raum haben.

Die andern werden blind und vermessen, lassen sich dünken, sie halten und können das Gesetz halten aus ihren Kräften, wie jetzt droben gesagt ist von den Schultheologen; daher kommen die Heuchler und falschen Heiligen.

Aber das vornehmste Amt oder Kraft des Gesetzes ist, dass es die Erbsünde mit den Früchten und allem offenbare und dem Menschen zeige, wie gar tief seine Natur gefallen und grundlos verderbt ist, als dem das Gesetz sagen muss, dass er keinen Gott habe noch achte und bete fremde Götter an, welches er zuvor und ohne das Gesetz nicht geglaubt hätte. Damit wird er erschreckt, gedemütigt, verzagt, verzweifelt, wollte gern, dass ihm geholfen würde, und weiss nicht wo aus, fängt an, Gott feind zu werden und zu murren usw.

Das heisst den Röm. 4: “Das Gesetz erreget Zorn” und Röm. 5: “Die Sünde wird grösser durchs Gesetz.”

III. Von der Busse

Solch Amt behält das Neü Testament und treibet’s auch, wie St. Paulus Röm. 1 tut und spricht: “Gottes Zorn wird vom Himmel offenbart über alle Menschen”; item 3: “Alle Welt ist vor Gott schuldig” und “Kein Mensch ist vor ihm gerecht.” Und Christus Joh. 16: “Der Heilige Geist wird die Welt strafen um die Sünde.”

Das ist nun die Donneraxt [der Blitzstrahl] Gottes, damit er beide die offenbarlichen Sünder und falschen Heiligen in einen Haufen schlägt und lässt keinen recht haben, treibt sie allesamt in das Schrecken und Verzagen. Das ist der Hammer (wie Jeremias spricht): “Mein Wort ist ein Hammer, der die Felsen zerschmettert.” Das ist nicht activa contritio, eine gemachte Reü, sondern passiva contritio, das rechte Herzeleid, Leiden und Fühlen des Todes.

Und das heisst denn die rechte Busse anfangen, und muss der Mensch heir hören solch Urteil: Es ist nichts mit euch allen; ihr seid öffentliche Sünder oder Heilige, ihr müsst alle anders werden und anders tun, weder [als] ihr jetzt seid und tut, ihr seid, wer und wie gross, weise, mächtig und heilig, als ihr wollt; hier ist niemand fromm.

Aber zu solchem Amt tut das Neü Testament flugs die tröstliche Verheissung der Gnade durchs Evangelium, der man glauben solle, wie Christus spricht Marci 1: “Tut Busse und glaubet dem Evangelio”, das ist, werdet und macht’s anders und glaubt meiner Verheissung.

Und vor ihm her Johannes wird genannt ein Prediger der Busse, doch zur Vergebung der Sünden, das ist er sollte sie alle strafen und zu Sündern machen, auf dass sie wüssten, was sie vor Gott wären, und sich erkennten als verlorne Menschen und also dem Heren bereitet würden, die Gnade zu empfangen und der Sünden Vergebung von ihm [zu] gewarten und an[zu]nehmen.

Also sagt auch Christus Luk. am 24. selbst: “Man muss in meinem Namen in alle Welt predigen Busse und Vergebung der Sünden.”

Wo aber das Gesetz solch sein Amt allein treibt ohne Zutun des Evangelii, da ist der Tod und die Hölle, und muss der Mensch verzweifeln wie Saul und Judas,

wie St. Paulus sagt: “Das Gesetz tötet durch die Sünde.” Wiederum gibt das Evangelium nicht einerlei Weise Trost und Vergebung, sondern durchs Wort, Sakramente und dergleichen, wie wir hören werden, auf dass die Erlösung ja reichlich sei bei Gott, wie der 130. Psalm sagt, wider das grosse Gefängnis der Sünden.

Aber jetzt müssen wir die falsche Busse der Sophisten gegen die rechte Busse halten, damit sie beide desto bass [besser] verstanden werden.

Von der falschen Busse der Papisten

Unmöglich ist’s gewesen, dass sie sollten recht von der Busse lehren, weil sie die rechten Sünden nicht erkannten. Denn (wie droben gesagt) sie halten von der Erbsünde nicht recht, sondern sagen, die natürlichen Kräfte des Menschen seien ganz und unverderbt [ge]blieben, die Vernunft könne recht lehren, und der Wille könne recht danach tun, dass Gott gewisslich seine Gnade gibt, wenn ein Mensch tut, soviel an ihm ist, nach seinem freien Willen.

Hieraus musste nun folgen, dass sie allein die wirklichen Sünden büssten, als: böse bewilligte Gedanken (denn böse Bewegung, Lust, Reizung war nicht Sünde), böse Worte, böse Werke, die der freie Wille wohl hätte können lassen.

Und zu solcher Busse setzen sie drei Teile: Reü, Beichte, Genugtun, mit solcher Vertröstung und Zusage, wo der Mensch recht reute, beichtete, genugtäte, so hätte er damit Vergebung verdient und die Sünde vor Gott bezahlt. Weiseten [wiesen] also die Leute in der Busse auf Zuversicht eignener Werke.

Daher kam das Wort auf der Kanzel, wenn man die gemeine Beichte dem Volke vorsprach: “Friste mir, Her Gott, mein Leben, bis ich meine Sünde büsse und mein Leben bessere!”

Hier war kein Christus und nichts vom Glauben gedacht, sondern man hoffte mit eigenen Werken die Sünde vor Gott zu überwinden und zu tilgen; der Meinung [mit dieser Absicht] wurden wir auch Pfaffen und Mönche, dass wir uns selbst wider die Sünde legen wollten.

Mit der Reü war es also getan: Weil niemand alle seine Sünden konnte bedenken (besonders das ganze Jahr begangen), flickten sie den Pelz also: wenn die verborgenen Sünden hernach ins Gedächtnis kämen, müsste man sie auch bereün und beichten usw. Indes [bis dahin] waren sie Gottes Gnade befohlen.

Zudem, weil auch niemand wusste, wie gross die Reü sein sollte, damit sie ja genugsam wäre vor Gott, gaben sie solchen Trost: wer nicht könnte contritionem, das ist, Reü, haben der sollte attritionem haben, welches ich mag eine halbe oder Anfang der Reü nennen; denn sie haben selbst alles beides nicht verstanden, wissen auch noch nicht, was es gesagt sei, so wenig als ich. Solche attritio ward denn contritio gerechnet, wenn man zur Beichte ging.

Und wenn sich’s begab, dass etwa einer sprach, er könnte nicht reün noch Leid haben für seine Sünden, als möchte geschehen sein in der Hurenliebe oder Rachgier usw., fragten sie, ob er denn nicht wünschte oder gern wollte, dass er Reü möchte haben. Sprach er dann: Ja (denn wer wollte hier nein sagen, ohne der Teufel selbst?), so nahmen sie es für die Reü an und vergaben ihm seine Sünden auf solch sein gut Werk. Hier zogen sie St. Bernhard zum Exempel an usw.

Hier steht man, wie die blinde Vernunft tappt [unsicher tastet] in Gottes Sachen und Trost sucht in eigenen Werken nach ihrem Dünkel und an Christum oder den Glauben nicht denken kann. Wenn man’s nun beim Licht besieht, ist solche Reü ein gemachter und gedichteter Gedanke aus eigenen Kräften ohne Glauben ohne Erkenntnis Christi, darin zuweilen der arme Sünder, wenn er an die Lust oder Rache gedacht, lieber gelacht denn geweint hätte, ausgenomen, die entweder mit dem Gesetze recht [ge]troffen oder von dem Teufel vergeblich sind mit traurigem Geist geplagt gewesen; sonst ist gewiss solche Reü lauter Heuchelei gewesen und hat der Sünden Lust nicht getötet. Den sie mussten reün, hätten lieber mehr gesündigt, wenn es frei gewesen wäre.

Mit der Beichte stand es also: Ein jeglicher musste alle seine Sünden erzählen (welches ein unmöglich Ding ist); das war eine grosse Marter. Welche er aber vergessen hatte, wurden ihm so fern vergeben, wenn sie ihm würden einfallen dass er sie noch müsste beichten. Damit [infolgedessen] konnte er nimmer wissen, wann er rein genug gebeichtet oder wann das Beichten einmal ein Ende haben sollte. Ward gleichwohl auf seine Werke gewiesen und so getröstet: je reiner er beichtete und je mehr er sich schämte [zuschanden machte] und sich selbst also vor dem Preister schändete, je eher und besser er genugtäte für die Sünde; denn solche Demut erwürbe gewisslich Gnade bei Gott.

Hier war auch kein Glaube noch Christus, und die Kraft der Absolution ward ihm nicht gesagt, sondern auf Sündenzählen und Schämen stand sein Trost. Es ist aber nicht zu erzählen, was Marter, Büberei und Abgötterei solch Beichten angerichtet hat.

Die Genugtuung ist noch das Allerweitläuftigste. Den kein Mensch konnte wissen, wieviel er tun sollte für eine einige Sünde, [ge]schweige denn für alle. Hier fanden sie nun einen Rat, nämlich dass sie wenig Genugtuns aufsetzten [auflegten], die man wohl halten konnte, als fünf Paternoster, einen Tag fasten usw.; mit der übrigen Busse weisete [wies] man sie ins Fegfeür.

Hier war nun auch ein eitel Jammer und Not. Etliche meinten, sie würden nimmer aus dem Fegfeür kommen, weil nach den alten Kanonen sieben Jahre Busse auf eine Todsünde gehörte.

Noch [dennoch] stand die Zuversicht auch auf unserm Werk der Genugtuung, und wo die Genugtuung hätte mögen vollkommen sein, so hätte die Zuversicht gar drauf gestanden, und wäre weder Glaube noch Christus nütze gewesen; aber sie war unmöglich. Wenn nun einer hundert Jahre also gebüsst hätte, so hätte er doch nicht gewusst. wann er ausgebüsst hätte. Das heiss immerdar gebüsst und nimmermehr zur Busse kommen.

Heir kam nun der heilige Stuhl zu Rom der armen Kirche zu Hilfe und erfand den Ablass; damit vergab und hob er auf die Genugtuung, erstlich einzeln, sieben Jahre, hundert Jahre usw., und teilte es aus unter die Kardinäle und Bischöfe, dass einer konnte hundert Jahre, einer hundert Tage Ablass geben; aber die ganze Genugtuung aufzuheben, behielt er ihm [sich] allein zuvor.

Da nun solches begann Geld zu tragen und der Bullenmarkt gut ward, erdachte er das Güldenjahr und legte es gen Rom; das heiss er Vergebung aller Pein und Schuld. Da liefen die Leute zu; denn es wäre jedermann gern der schweren, un[er]träglichten Last losgemacht . Das heiss die Schätze der Erde finden und erheben. Flugs eilte der Papst weiter und machte viel Güldenjahr aufeinander; aber je mehr er Geld verschlang, je weiter ihm der Schlund ward. Darum schickte er’s danach durch Legaten heraus in die Länder, bis alle Kirchen und Häuser voll Güldenjahre wurden.

Zuletzt rumpelte er auch ins Fegfeür unter die Toten, erstlich mit Messen und Vigilien stiften, danach mit dem Ablass und dem Güldenjahr, und wurden endlich die Seelen so wohlfeil, dass er eine um einen Schwertgroschen [kursächsische kleine Münze] losgab.

Noch half das auch alles nicht. Denn der Papst, obwohl er die Leute auf solchen Ablass lehrte sich verlassen und vertraün, so machte er’s doch selbst wiederum auch ungewiss; denn er setzte in seine Bullen: wer des Ablasses oder Güldenjahrs wollte teilhaftig sein, der sollte bereut und gebeichtet sein [bereut und gebeichtet haben] und Geld geben. Nun haben wir droben gehört, dass solche Reü und Beichte bei ihnen ungewiss und Heuchelei ist. Desgleichen wusste auch niemand, welche Seele im Fegfeür wäre, und so etliche drinnen wären wusste niemand, welche recht gereut und gebeichtet hätten. Also nahm er das liebe Geld und vertröstete sie weil auf seine Gewalt und Ablass und weisete sie doch wiederum auf ihr ungewiss Werk.

Wo nun etliche waren, die nicht solcher wirklichen Sünden mit Gedanken, Worten und Werken sich schuldig dauchten [dünkten], wie ich und meinesgleichen in Klöstern und Stiften, Mönche und Pfaffen sein wollten, die wir mit Fasten, Wachen, Beten, Messehalten, harten Kleidern und Lager usw. uns wehrten wider böse Gedanken und mit Ernst und Gewalt wollten heilig sein und doch das erbliche, angeborne übel etwa [zuweilen] im Schlaf tat (wie auch St. Augustinus und Hieronymus mit andern bekennen), was seine Art ist, so hielt doch ein jeglicher vom andern, dass etliche so heilig wären, wie wir lehrten, die ohne Sünde, voll guter Werke wären, also, dass wir darauf unsere guten Werke andern, als uns überflüssig zum Himmel, mitteilten und verkauften. Das ist ja wahr, und sind Siegel, Briefe und Exempel vorhanden.

Diese [be]durften der Busse nicht. Denn was wollten sie bereün, weil sie in böse Gedanken nicht bewilligten? Was wollten sie beichten, weil sie Worte vermieden? Wofür wollten sie genugtun, weil sie der Tat unschuldig waren, also dass sie auch andern armen Sündern ihre übrige Gerechtigkeit verkaufen konnten? Solche Heilige waren auch die Pharisäer und Schriftgelehrten zur Zeit Christi.

Heir kommt der feurige Engel St. Johannes, der rechte Bussprediger, und schlächt mit einem Donner alle beide in einen Haufen, spricht: “Tut Busse!”

So denken jene: Haben wir doch gebüsst. Diese denken: Wir [be]dürfen keiner Busse. Spricht Johannes:

Tut alle beide Busse, denn ihr seid falsche Büsser, so sind diese falsche Heilige und [be]dürft alle beide Vergebung der Sünden, weil ihr alle beide noch nicht wisst, was die rechte Sünde sei, schweige [geschweige denn], dass ihr sie büssen oder meiden solltet. Es ist eür keiner gut seid voller Unglaubens, Unverstands und Unwissenheit Gottes und seines Willens. Denn da ist er vorhanden, “von des Fülle wir alle müssen nehmen Gnade um Gnade”; und kein Mensch ohne ihn vor Gott kann gerecht sein. Darum, wollt ihr büssen, so büsst recht; eure Busse tut’s nicht. Und ihr Heuchler, die ihr keiner Busse bedürft, ihr Schlangen[ge]ziefer, wer hat euch versichert, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet usw.?

Also predigt auch St. Paulus Röm. 3 und spricht: “Es ist keiner verständig, keiner gerecht, keiner achtet Gottes, keiner tut Gutes, auch nicht einer; allzumal sind sie untüchtig und abtrünnig.”

Und Act 17: “Nun aber gebeut [gebietet] Gott allen Menschen an allen Enden, Busse zu tun.” Allen Menschen, spricht er, niemand ausgenommen, der ein Mensch ist.

Diese Busse lehrt uns die Sünde erkennen, nämlich dass [es] mit uns allen verloren, Haut und Haar nicht gut ist und müssen schlechts neü und andere Menschen werden.

Diese Busse ist nicht stücklich und bettelisch wie jene, so die wirklichen Sünden büsst, und ist auch nicht ungewiss wie jene. Denn sie disputiert nicht welches [Werk] Sünde oder nicht Sünde sei, sondern stösst alles in Haufen, spricht: es sei alles und eitel Sünde mit uns. Was wollen wir lange suchen, teilen und unterscheiden? Darum so ist auch hier die Reü nicht ungewiss. Denn es bleibt nichts da, damit wir möchten etwas Gutes gedenken, die Sünde zu bezahlen, sondern ein bloss, gewiss Verzagen an allem, das wir sind, gedenken, reden oder tun usw.

Desgleichen kann die Beichte auch nicht falsch, ungewiss oder stücklich sein. Denn wer bekennt, dass alles mit ihm eitel Sünde sie, der begreift alle Sünden, lässt keine aussen und vergisst auch keine.

Also kann die Genugtuung auch nicht ungewiss sein, denn sie ist nicht unsere ungewissen, sündlichen Werke, sondern das Leiden und Blut des unschuldigen Lämmleins Gottes, das der Welt Sünde trägt.

Von dieser Busse predigt Johannes und hernach Christus in Evangelio und wir auch. Mit dieser Busse stossen wir Papst und alles, was auf unsere guten Werke gebaut ist, zu Boden. Denn es ist alles auf einen faulen, nichtigen Grund gebaut, welcher heisst gute Werke oder Gesetze, so doch kein gut Werk da ist, sondern eitel böse Werke und niemand das Gesetz tut (wie Christus Joh. 7 sagt), sondern allzumal [es] übertreten. Darum ist das Gebäu eitel Lüge und Heuchelei, wo es am allerheiligsten und allerschönsten ist.

Und diese Busse währt bei den Christen bis in den Tod; denn sie beisst sich [sie streitet] mit der übrigen Sünde im Fleisch durchs ganze Leben, wie St. Paulus Röm. 7 zeugt, dass er kämpfe mit dem Gesetze seiner Glieder usw., und das nicht durch eigene Kräfte, sondern durch die Gabe des Heiligen Geistes, welche folgt auf die Vergebung der Sünden. Dieselbe Gabe reinigt und fegt täglich die übrigen Sünden aus und arbeitet, den Menschen recht rein und heilig zu machen.

Hiervon weiss Papst, Theologen, Juristen noch kein Mensch nichts, sondern ist eine Lehre vom Himmel, durchs Evangelium offenbart, und muss Ketzerei heissen bei den gottlosen Heiligen.

Wiederum, ob etliche Rottengeister kommen würden, wie vielleicht etliche bereits da vorhanden sind und zur Zeit des Aufruhrs mir selbst vor Augen kamen, die da halten, dass alle die, so einmal den Geist der Vergebung der Sünden empfangen hätten oder gläubig [ge]worden wären, wenn dieselben hernach sündigten, so blieben sie gleichwohl im Glauben und schadete ihnen solche Sünde nicht, und schrien also: Tu, was du willst, glaubst du, so ist’s alles nichts, der Glaube vertilgt alle Sünden usw. Sagen dazu: wo jemand nach dem Glauben und Geist sündigte, so habe er den Geist und Glauben nie recht gehabt. Solcher unsinnigen Menschen habe ich viel vor mir gehabt und [ich] sorge, dass noch in etlichen solcher Teufel stecke.

Darum so ist vonnöten zu wissen und zu lehren, dass, wo die heiligen Leute über das, so sie die Erbsünde noch haben und fühlen, dawider auch täglich büssen und streiten, etwa in öffentliche Sünde fallen, als David in Ehebruch, Mord und Gotteslästerung, dass alsdann der Glaube und Geist ist weg gewesen.

Denn der Heilige Geist lässt die Sünde nicht walten und überhand gewinnen, dass sie vollbracht werde, sondern steürt und wehrt, dass sie nicht muss [darf] tun, was sie will. Tut sie aber, was sie will, so ist der Heilige Geist und Glaube nicht dabei; denn es heisst, wie St. Johannes sagt: “Wer aus Gott geboren ist, der sündigt nicht und kann nicht sündigen.” Und ist doch auch die Wahrheit (wie derselbe St. Johannes schreibt): “So wir sagen, dass wir nicht Sünde haben, so lügen wir, und Gottes Wahrheit ist nicht in uns.”

IV. Vom Evangelium.

Wir wollen nun wider zum Evangelio kommen, welches gibt nicht einerlei Weise Rat und Hilfe wider die Sünde; denn Gott ist überschwenglich reich in seiner Gnade: erstlich durchs mündliche Wort, darin gepredigt wird Vergebung der Sünden in aller Welt, welches ist das eigentliche Amt des Evangelii; zum andern durch die Taufe; zum dritten durchs heilige Sakrament des Altars; zum vierten durch die Kraft der Schlüssel und auchper mutuum colloquium et consolationem fratrum, Matth. 18: Ubi duo fuerint congregati etc.

V. Von der Taufe.

Die Taufe ist nichts anderes denn Gottes Wort im Wasser, durch seine Einsetzung befohlen, oder wie St. Paulus sagt Eph. 5: lavacrum in verbo; wie auch Augustinus sagt: Accedat verbum ad elementum, et fit sacramentum.

Und darum halten wir’s nicht mit Thomas [Aquinas] und den Predigermönchen, die des Wortes (Gottes Einsetzung) vergessen und sagen, Gott habe eine geistliche Kraft ins Wasser gelegt, welche die Sünde durchs Wasser abwasche;

auch nicht mit Scotus und den Barfüssermönchen, die da lehren, dass die Taufe die Sünde abwasche aus Beistehen göttliches Willens, also dass diese Abwaschung geschieht allein durch Gottes Willen, gar nicht durchs Wort oder Wasser.

Von der Kindertaufe halten wir, dass man die Kinder taufen solle; denn sie gehören auch zu der verheissenen Erlösung, durch Christum geschehen, und die Kirche soll sie [die Taufe] ihnen.

VI. Von Sakrament des Altars.

Vom Sakrament des Altars halten wir, dass Brot und Wein im Abendmahl sei der wahrhaftige Leib und Blut Christi und werde nicht allein gereicht und empfangen von frommen, sondern auch von bösen Christen.

Und dass man nicht soll einerlei Gestalt allein geben. Und wir bedürfen der hohen Kunst nicht, die uns lehre, dass unter einer Gestalt so viel sei als unter beiden, wie uns die Sophisten und das Konzilium zu Konstanz lehren.

Denn ob’s gleich wahr wäre, dass unter einer so viel sei als unter beiden, so ist doch die einige Gestalt nicht die ganze Ordnung und Einsetzung, durch Christum gestiftet und befohlen.

Und besonders verdammen und verfluchen wir in Gottes Namen diejenigen, so nicht allein beide[rlei] Gestalt lassen anstehen, sondern auch gar herrlich [selbstherrlich] daher verbieten, verdammen, lästern als Ketzerei und setzen sich damit wider und über Christum, unsern Heren und Gott usw.

Von der Transsubstantiation achten wir der spitzigen Sophisterei gar nichts, da sie lehren, dass Brot und Wein verlassen oder verlieren ihr natürlich Wesen, und bleibe allein Gestalt und Farbe des Brots und nicht rechtes Brot. Denn es reimt sich mit der Schrift aufs beste, dass Brot da sei und bleibe, wie es St. Paulus selbst nennt: “Das Brot, das wir brechen”, und: “Also, esse er von dem Brot.”

VII. Von [den] Schlüsseln.

Die Schlüssel sind ein Amt und Gewalt, der Kirche von Christo gegeben, zu binden und zu lösen die Sünden, nicht allein die groben und wohlbekannten Sünden, sondern auch die subtilen, heimlichen, die Gott allein erkennt,. Wie geschrieben steht im 19. Psalm: “Wer kennet wieviel er fehlet?” Und St. Paulus Röm. 7 klagt selbst “Dass er mit dem Fleisch diene dem Gesetze der Sünde”.

Denn es steht nicht bei uns, sondern bei Gott allein, zu urteilen, welche, wie gross und wieviel Sünden sind, wie geschrieben steht im 143. Psalm: “Gehe nicht ins Gericht mit deinem Knecht; denn vor dir ist kein lebendiger Mensch gerecht.”

Und Paulus 1 Kor. 4 auch sagt: “Ich bin mir wohl nichts bewusst, aber darum bin ich nicht gerecht.”

VIII. Von der Beichte.

Weil die Absolution oder Kraft der Schlüssel auch eine Hilfe und Trost ist, wider die Sünde und böses Gewissen im Evangelio durch Christum gestiftet, so soll man die Beichte oder Absolution beileibe nicht lassen abkommen in der Kirche, besonders um der blöden [verzagten] Gewissen willen, auch um des jungen rohen Volks willen, damit es verhört und unterrichtet werde in der christlichen Lehre.

Die Erzählung aber der Sünden soll frei sein einem jeden, was er erzählen oder nicht erzählen will; denn solange wir im Fleisch sind, werden wir nicht lügen, wenn wir sagen: Ich bin ein armer Mensch voller Sünden; Röm. 7: “Ich fühle ein ander Gesetz in meinen Gliedern” usw. Denn weil die absolution privata von dem Amt herkommt der Schlüssel, soll man sie nicht verachten, sondern hoch und wert halten wie alle andern Ëmter der christlichen Kirche.

Und in diesen Stücken, so das mündliche, äusserliche Wort betreffen, ist fest darauf zu bleiben, dass Gott niemand seinen Geist oder Gnade gibt ohne durch oder mit dem vor[her] gehenden äusserlichen Wort, damit wir uns bewahren vor den Enthusiasten, das ist, Geistern so sich rühmen, ohne und vor dem Wort den Geist zu haben, und danach die Schrift oder mündlich Wort richten, deuten und dehnen ihres Gefallens; wie der Münzer tat und noch viel tun heutigestages, die zwischen dem Geist und Buchstaben scharfe Richter sein wollen und wissen nicht, was sie sagen oder setzen.

Denn das Papsttum auch ein eitel Enthusiasmus ist, darin der Papst rühmt, alle Rechte sind im Schrein seines Herzens, und was er mit seiner Kirche urteilt und heisst, das soll Geist und Recht sein, wenn’s gleich über und wider die Schrift oder das mündliche Wort ist.

Das ist alles der alte Teufel und alte Schlange, der Adam und Eva auch zu Enthusiasten machte, vom äusserlichen Wort Gottes auf [Schwarm=] Geisterei und Eigendünkel führte und tat’s doch auch durch andere äusserliche Worte.

Gleichwie auch unsere Enthusiasten das äusserliche Wort verdammen, und doch sie selbst nicht schweigen, sondern die Welt voll plaudern und schreiben, gerade als könnte der Geist durch die Schrift oder mündlich Wort der Apostel nicht kommen, aber durch ihre Schrift und Wort müsste er kommen. Warum lassen sie auch ihre Predigt und Schrift nicht anstehen, bis der Geist selber in die Leute ohne und vor ihrer Schrift kommt, wie sie rühmen, dass er in sie [ge] kommen sei ohne Predigt der [Heiligen] Schrift? Davon hier weiter nicht Zeit ist zu disputieren; wir haben’s sonst genugsam getrieben.

Denn auch die, so vor der Taufe glauben oder in der Taufe gläubig werden, haben’s durchs äusserliche, vor[her]gehende Wort; als, die Alten, so zur Vernunft [ge]kommen sind, müssen zuvor gehört haben, dass, “wer da glaubt und getauft wird, der ist selig”, ob sie gleich, erst ungläubig, nach zehn Jahren den Geist und Taufe kreigen. Und Cornelius Act. am 10. hatte lange zuvor gehört bei den Juden vom künftigen Messias, dadurch er gerecht vor Gott und sein Gebet und Almosen angenehm waren in solchem Glauben (wie Lukas ihn gerecht und gottesfürchtig nennt), und nicht ohne solch vor[her]gehendes Wort oder Gehör konnte glauben noch gerecht sein. Aber St. Petrus musste ihm offenbaren, dass der Messias (an welchen zukünftigen er bis daher geglaubt hatte) nun [ge]kommen wäre, und sein Glaube vom zukünftigen Messias ihn nicht bei den verstockten, ungläubigen Juden gefangen hielte, sondern wüsste, dass er nun müsste selig werden durch den gegenwärtigen Messiam und denselben nicht mit den Juden verleugnen noch verfolgen usw.

Summa, der Enthusiasmus steckt in Adam und seinen Kindern von Anfang bis zum Ende der Welt, von dem alten Drachen in sie gestiftet und gegiftet, und ist aller Ketzerei, auch des Papsttums und Mahomets, Ursprung, Kraft und Macht.

Darum sollen und müssen wir darauf beharren, dass Gott nicht will mit uns Menschen handeln denn durch sein äusserlich Wort und Sakrament.

Alles aber, was ohne solch Wort und Sakrament vom Geist gerühmt wird, das ist der Teufel. Denn Gott wollte auch Mosi erstlich durch den feurigen Busch und mündlich Wort erscheinen; und kein Prophet, weder Elias noch Elisäus, ausser oder ohne die zehn Gebote den Geist [ge]kriegt haben.

Und Johannes der Täufer nicht ohne Gabriels vorgehendes Wort empfangen noch ohne Mariä Stimme in seiner Mutter Leibe sprang.

Und St. Petrus spricht: “Die Propheten haben nicht aus menschlichem Willen, sondern aus dem Heiligen Geist geweissagt, doch als die heiligen Menschen Gottes.” Aber ohne äusserlich Wort waren sie nicht heilig, viel weniger hätte sie als noch Unheilige der Heilige Geist zu reden getrieben; denn sie waren heilig, spricht er, da der Heilige Geist durch sie redete.

IX. Vom Bann.

Den grossen Bann, wie es der Papst nennt, halten wir für eine lauter weltliche Strafe, und [derselbe] geht uns Kirchendiener nichts an. Aber der kleine, das ist, der rechte christliche Bann, ist, dass man offenbarliche, halsstarrige Sünder nicht soll lassen zum Sakrament oder anderer Gemeinschaft der Kirche kommen, bis sie sich bessern und die Sünde meiden. Und die Prediger sollen in diese geistliche Strafe oder Bann nicht mengen die weltliche Strafe.

X. Von der Weihe und Vokation.

Wenn die Bischöfe wollten rechte Bischöfe sein und sich der Kirche und des Evangelii annehmen, so möchte man ihnen das um der Liebe und Einigkeit willen, doch nicht aus Not lassen gegeben sein, dass sie uns und unsere Prediger ordinierten und konfirmierten; doch hintangesetzt alle Larven und Gespenste [Blendwerke] unchristliches Wesens und Gepränges.

Nun sie aber nicht rechte Bischöfe sind oder auch nicht sein wollen, sondern weltliche Herren und Fürsten, die weder predigen noch lehren noch taufen noch kommunizieren, noch einiges Werk oder Amt der Kirche treiben wollen, dazu diejenigen, die solch Amt berufen treiben, verfolgen und verdammen, so muss [darf] dennoch um ihretwillen die Kirche nicht ohne Diener bleiben.

Darum, wie die alten Exempel der Kirche und der Väter uns lehren, wollen und sollen wir selbst ordinieren tüchtige Personen zu solchem Amt. Und das haben sie uns nicht zu verbieten noch zu wehren, auch [nicht] nach ihrem eigenen Rechte. Denn ihre Rechte sagen, dass diejenigen, so auch von Ketzern ordiniert sind, sollen geordiniert heissen und bleiben, gleichwie St. Hieronynmus schreibt von der Kirche zu Alexandria, dass sie erstlich von Bischöfen , durch die Priester und Prediger ingemein regiert sind worden.

XI. Von der Priesterehe.

Dass sie die Ehe verboten und göttlichen Stand der Priester mit ewiger Keuschheit beschwert haben, das [des] haben sie weder Fug noch Recht gehabt, sondern haben gehandelt als die endechristischen, tyrannischen, verzweifelten Buben und damit Ursache gegeben allerlei erschrecklicher, greulicher, unzähliger Sünden der Unkeuschheit, darin sie denn noch stecken.

Als wenig nun uns oder ihnen Macht gegeben ist, aus einem Männlein ein Fräulein oder aus einem Fräulein ein Männlein zu machen oder beides nichts zu machen, so wenig haben sie auch Macht gehabt, solche Kreaturen Gottes zu scheiden oder [zu] verbieten, dass sie nicht ehrlich und ehelich beieinander sollten wohnen.

Darum wollen wir in ihren leidigen Zölibat nicht willigen, auch nicht leiden, sondern [wir wollen] die Ehe frei haben, wie sie Gott geordnet und gestiftet hat, und wollen sein Werk nicht zerreissen noch hindern; denn St. Paulus sagt 1 Tim. 4, es sei eine “teuflische Lehre”.

XII. Von der Kirche.

Wir gestehen ihnen nicht, dass sie die Kirche seien, und [sie] sind’s auch nicht, und [wir] wollen’s auch nicht hören, was sie unter dem Namen der Kirche gebieten oder verbieten.

Denn es weiss, Gott Lob, ein Kind von sieben Jahren, was die Kirche sei, nämlich die heiligen Gläubigen und die Schäflein, die ihres Hirten Stimme hören. Denn also beten die Kinder: “Ich glaube eine heilige christliche Kirche.”

Diese Heiligkeit steht nicht in Chorhemden, Platten, langen Röcken und andern ihren Zeremonien, durch sie über [hinausgehend über] die Heilige Schrift erdichtet, sondern im Wort Gottes und rechtem Glauben.

XIII. Wie man vor Gott gerecht wird, und von guten Werken.

Was ich davon bisher und stetiglich gelehrt habe, das weiss ich gar nicht zu ändern, nämlich dass wir durch den Glauben (wie St. Petrus sagt) ein ander, neu, rein Herz kriegen, und Gott um Christus’ willen, unsers Mittlers, uns für ganz gerecht und heilig halten will und hält. Obwohl die Sünde im Fleisch noch nicht gar weg oder tot ist, so will er sie doch nicht rächen noch wissen.

Und auf solchen Glauben, Verneürung und Vergebung der Sünden folgen dann gute Werke. Und was an demselben [denselben] auch noch sündlich oder Mangel ist, soll nicht für Sünde oder Mangel gerechnet werden eben um desselben Christi willen, sondern der Mensch soll ganz, beide nach der Person und seinen Werken, gerecht und heilig heissen und seinen Werken, gerecht und heilig heissen und sein aus lauter Gnade und Barmherzigkeit in Christo, über uns ausgeschüttet und ausgebreitet.

Darum können wir nicht rühmen viel Verdienst und Werke, wo sie ohne Gnade und Barmherzigkeit angesehen werden, sondern wie geschrieben steht 1 Kor. 1: “Wer sich rühmet, der rühme sich des Herrn”, das ist, dass er einen gnädigen Gott hat. So ist’s alles gut.

Sagen auch weiter, dass, wo gute Werke nicht folgen, so ist der Glaube falsch und nicht recht.

XIV. Von Klostergelübden.

Weil die Klostergelübden stracks wider den ersten Hauptartikel streiten, so sollen sie schlecht abe [abgetan] sein. Denn sie sind’s, da Christus von sagt Matth. 24: Ego sum Christus etc.

Denn wer da gelobt ein Klosterleben, der glaubt, dass er ein besser Leben führe denn der gemeine Christenmann und will durch seine Werke nicht allein ihm selber, sondern auch andern zum Himmel helfen; das heisst Christum verleugnen.

Und sie rühmen aus ihrem St. Thomas [Aquinas], dass [das] Klostergelübde der Teufel gleich sei. Das ist eine Gotteslästerung.

XV. Von Menschensatzungen

Dass die Papisten sagen, Menschensatzungen dienen zur Vergebung der Sünden oder verdienen die Seligkeit, das ist unchristlich und verdammt, wie Christus spricht: “Vergeblich dienen sie mir, weil sie lehren solche Lehren, die nichts sind denn Menschengebote.”

Item ad Titum 1: Aversantium veritatem. Ferner: dass sie sagen, es sie Todsünde, solche Satzungen brechen, ist auch nicht recht.

Dies sind die Artikel, darauf ich stehen muss und stehen will bis in meinem Tod, ob Gott will, und weiss darin nichts zu ändern noch nachzugeben. Will aber jemand etwas nachgeben, das tü er auf sein Gewissen.

Zuletzt ist noch der Gaukelsack [die Zaubertasche] des Papistes dahinten von närrischen und kindischen Artikeln, als von Kirchenweihe, von Glockentaufen, Altarsteintaufen und Gevattern dazu bitten, die dazu gaben usw. Welches Taufen ein Spott und Hohn der heiligen Taufe ist, dass man’s nicht leiden soll. Danach von Lichtweihen, Palmen, Fladen, Hafer, Würzweihen usw., welches doch nicht kann geweiht heissen noch sein, sondern eitel Spott und Betrug ist. Und des Gaukelwerks unzählig veil, welche wir befehlen ihrem Gott und ihnen selbst anzubeten, bis sie es müde werden; wir wollen damit unverworren sein.

(Signatures of Luther and others included in the Latin)

Ich, Philippus Melanchthon, halte diese obgestralte [oben gestellten] Artikel auch für recht und christlich. Vom Papst aber halte ich, so er das Evangelium wollte zulassen, dass ihm um Friedens und gemeiner Einigkeit willen derjenigen Christen, so auch unter ihm sind und künftig sein möchten, seine Superiorität über die Bischöfe, die er sonst hat, iure humano auch von uns zugelassen sei.

(More signatures follow in Latin.)